mini|Selbstbildnis (um 1910) mini|hochkant|José Augusto da Cunha Moraes wurde 1900 einer von Biels Gesellschaftern (unten links: Emílio Biel & Cª Porto; Mitte und rechts: portugiesisches Königswappen und Photographia da Caza Real) mini|hochkant|Rückseite eines Fotos mit Angaben zum neuen Studio Karl Emil Biel (geboren als Carl Emil Biel, in Portugal und darüber hinausÜbersicht zeitgenössischer Erwähnungen (Trefferliste einschlägiger Suche bei ANNO) bekannt als Emílio Biel, * 18. September 1838 in Annaberg; † 14. September 1915 in Porto) war ein aus Sachsen stammender Unternehmer, Fotograf und Herausgeber. Er lebte und wirkte seit 1857 in Portugal.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 11

Leben und Wirken Karl Emil Biel war das einzige Kind der aus Schlettau stammenden (Auguste) Wilhelmine SchreiberAuguste Wilhelmine Biel lebte 1871 als Witwe in ihrem Haus Nummer 834 in Annaberg (siehe M. Weste: Adreß- und Geschäftshandbuch für die Städte Annaberg und Buchholz sowie die Dorfschaften Frohnau, Geiersdorf, Kleinrückerswalde, Königswalde und das Bad Wiesenbad. Annaburg 1871. S. 78) und des Annaberger Tapisserie- und GarnwarenhändlersM. Weste: Adreß- und Geschäftshandbuch für die Städte Annaberg und Buchholz sowie die Dorfschaften Frohnau, Geiersdorf, Kleinrückerswalde, Königswalde und das Bad Wiesenbad. Annaburg 1871. S. 38 Friedrich Julius Biel (1801–1870) * 29. Dezember 1802 in Annaberg; † 14. Oktober 1870 in Annaberg. Er wanderte im Alter von 19 Jahren nach Portugal aus und arbeitete zunächst in Lissabon für Henrique Schalk, eine portugiesische Vertretung verschiedener deutscher Betriebe. In Lissabon pflegte Biel Kontakte zu deutschen kulturellen Kreisen und zum portugiesischen König Ferdinand II., einem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha. 1860 ging er als Vertreter von Schalk nach Porto und machte sich dort fünf Jahre später mit einer Knopffabrik selbstständig.

Biels großes Interesse galt jedoch technischen Neuerungen, insbesondere in der Fotografie. Er erwarb das Studio Photographia Fritz, das der aus Hamburg stammende Fotograf Joachim Friedrich Martin FritzKirchenbuch Hannover St. Ägidien, Trauungen 1853–1875 S. 91, Eintrag b: Hochzeit 1857; geboren am 13. Mai 1821 in Hamburg 1856 gegründet hatte.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 12 Das Fotostudio wurde einige Jahre unter dem Namen Antiga Casa Fritz (deutsch: ehemals Haus Fritz) weitergeführt, später jedoch in Emílio Biel e Companhia umbenannt. Der in Dänemark geborene Fotograf Fernando Joan Martin Nils Brütt, ein langjähriger Mitarbeiter Biels, wurde 1876 sein Gesellschafter. Das wenige Jahre zuvor von Joseph Albert wesentlich verbesserte Verfahren des Lichtdrucks (auch Phototypie genannt) erlaubte es Biel, hochwertige Fotografien in Druckerzeugnisse wie Plakate, Broschüren und Bildbände einzufügen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang auch die preiswerte Massenproduktion von Ansichtskarten im Lichtdruck.Eintrag über Biels Werke im Bestand des Ibero-Amerikanischen Instituts (abgerufen am 15. Juli 2025)

Im Jahr 1880 heiratete Biel Edith Katzenstein (1858–1882), eine Tochter von Eduard KatzensteinEduard Katzenstein war Geschäftsmann und Konsul des Deutschen Reiches in Porto (1817–1894) und Nichte des Malers Ludwig Katzenstein.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 13 Biel hatte bereits sechs uneheliche Kinder aus vorherigen Beziehungen, von denen jedoch nur drei die ersten Jahre überlebten: Júlio Emílio (* 1870), João Jorge (* 1873) und Emílio de Almeida (* 1878). Nun kam Else Biel (1881–1952) als siebentes und erstes eheliches Kind hinzu.Else heiratete 1902 in Porto den aus Hamburg stammenden Adolf Höfle (1873–1948), beide hatten mindestens eine Tochter Edith (1903–1972); Adolf starb in Porto Biels Ehefrau Edith starb schon 1882 an Tuberkulose.

mini|Biel zugeschriebenes Foto vom Bau der Ponte Maria Pia um 1876, eine der berühmtesten Brücken von Gustave Eiffel mini|Viaduto do Corgo (Lichtdruck um 1886) aus dem Álbum Caminho de Ferro do Douro Im Jahr 1889 zog Biel mit seinem Atelier in den Palácio do Conde do Bolhão in die Rua Formosa 342 um, sein Personal war unterdessen auf 60 Angestellte angewachsen.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 14 Einer der prominenten Besucher des neuen Ateliers war der ehemalige Kaiser von Brasilien Peter II., der aus seinem französischen Exil Porto besuchte.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 15 Nach der Installation von elektrischem Licht in den neuen Räumen konnte Biel abends länger arbeiten. 1893 feierte man die Produktion der fünfzigtausendsten Druckplatte. 1900 kam als weiterer Gesellschafter neben Fernando Brütt der Fotograf José Augusto da Cunha Moraes zu Emílio Biel & Cª.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 16 Das Atelier durfte sich auch unter Karl I. als offizieller Fotograf des Königshauses der portugiesischen Dynastie Coburg-Braganza mit dem Titel Photographia da Caza Real schmücken.

Neben der Fotografie und der Tätigkeit als Herausgeber war Biel auch Vertreter für die britische Coats & Clark (Garne) sowie für die deutschen Unternehmen Benz & Cie. (Automobile und stationäre Gasmotoren) und Schuckert & Co. (elektrische Straßenbahnen und Kraftwerke). 1901 teilte er seinen Betrieb in Emílio Biel (nach seinem Tod Emílio Biel Herdeiros) und Emílio Biel & Cª auf. Sein ältester Sohn Júlio Emílio und später auch sein zweitältester Sohn João Jorge erhielten die Abteilung für Elektrizität und Motore. Emílio de Almeida bekam das Geschäft mit dem Import von Autos, Stoffen und anderen Waren. Der Vater konnte sich fortan mehr der Fotografie und der Herausgeberschaft widmen. Außerdem fand er mehr Zeit für seine außergeschäftlichen Leidenschaften: den Gartenbau, die Blumenzucht und die Insektenkunde. Biel starb im Alter von 77 Jahren in Porto und wurde auf dem Cemitério de Agramonte beigesetzt.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 18

Fotograf und Herausgeber Biels Studio war insbesondere bekannt für Porträtfotografien und Ansichtskarten mit rund 500 verschiedenen Motiven. Die genaue Urheberschaft der Fotos ist jedoch weitgehend unbekannt, da fast ausschließlich Emílio Biel & Cª angegeben wurde. Welche Fotos von Biel, seinen Gesellschaftern Cunha Moraes und Brütt oder einem Mitarbeiter des Unternehmens stammen, ist nicht feststellbar. Da das Urheberrecht anfänglich Fotografie nicht als Kunst ansah, kopierten auch andere Produzenten Werke von Emílio Biel & Cª.

Neben der Atelierarbeit widmete sich Biel der Landschaftsfotografie sowie der Dokumentation der Portweinproduktion und der großen Ingenieurarbeiten. Seine Fotografien zum Bau der Eisenbahn in Portugal begannen 1885. Zwischen 1884 und 1892 dokumentierte Biel den Bau des Hafens Porto de Leixões. Außerdem lieferte er Fotos für die Zeitschriften Illustração Portugueza (1884–1890) und Tiro e Sport (1904–1913) sowie für die Wochenzeitung Branco e Negro (1896–1898).

1887 wurde er mit der Silbernen Voigtländer-Medaille der Photographischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Die Herausgeberschaft begann 1880. Biel gab anlässlich des 300. Todestags des portugiesischen Nationaldichters Luís de Camões eine mit Gravuren versehene, auf 120 Exemplare limitierte Ausgabe des Epos Os Lusíadas heraus. Weitere 12 Exemplare wurden auf Pergament gedruckt und an Prominente verschenkt. Als Herausgeber war Emílio Biel & Cª jedoch erst wieder tätig, nachdem José Augusto da Cunha Moraes seit 1900 für diesen Bereich verantwortlich wurde. Angeregt durch die langjährige Vorarbeit mit dem Kunsthistoriker und Kritiker Joaquim de Vasconcelos gab er von 1902 bis 1908 das achtbändige Werk A Arte e a natureza em Portugal: album de photographias com descripções, clichés originaes; copias em phototypias inalteraveis; monumentos, obras d'arte, costumes, paisagens heraus.A Arte e a natureza em Portugal (Digitalisate als PDF-Files bei Wikimedia Commons) Weitere Werke erschienen beispielsweise in Zusammenarbeit mit Autoren wie José Duarte Ramalho Ortigão und Carolina Michaëlis de Vasconcelos. Das letzte Werk war A Arte Religiosa em Portugal mit Texten von Joaquim de Vasconcelos.Dirk Friedrich: Emílio Biel (1838–1915) – Leben und Werk: Ein deutscher Fotopionier in Portugal. Verlag minifanal.de, Bonn 2016. ISBN 978-3-95421-097-8, S. 18 Der erste Band über den Norden und die Mitte von Portugal einschließlich Lissabon erschien 1914 bis 1915 in 12 Lieferungen.Joaquim de Vasconcelos: A Arte Religiosa em Portugal. Biel, Porto 1914. Band 1 pdf Digitalisat der Biblioteca Nacional de Portugal (BNP) Der zweite Band über den Süden wurde nach dem Tod Biels nicht mehr vollständig fertiggestellt.

Technikpionier Neben dem Lichtdruck, den Biel für seine Arbeit benutzte und weiterentwickelte, interessierte er sich für viele andere technische Neuerungen. Schon 1881 beantragte Biel bei der Stadtverwaltung von Porto die Genehmigung einer direkten Telefonverbindung zwischen seinem Haus und dem Studio. Ferner führte Biel über seine Unternehmensvertretung erste Phonographen und Kinematographen in Portugal ein. Eins der ersten Benz-Automobile in Porto wurde über seine Vertretung importiert. Nachdem Biel von ersten Röntgenuntersuchungen im portugiesischen Coimbra erfahren hatte, sorgte er dafür, dass auch in Porto ein entsprechendes Gerät installiert wurde. Von Schuckert & Co. bezog Biel Materialen und Maschinen für die Errichtung des ersten portugiesischen Wasserkraftwerks bei Vila Real am Rio Corgo im Jahre 1894. Dadurch wurde Vila Real der erste Ort in Portugal, der eine elektrische Beleuchtung durch Wasserkraft erhielt.History im Museum des Wasserkraftwerks „Central do Biel“ (abgerufen am 17. Juli 2025) Biel übernahm das Kraftwerk selbst, als sein Auftraggeber in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Das Wasserkraftwerk, im Volksmund „Central do Biel“ genannt, blieb bis 1926 in Betrieb.

Im Zuge der allgemeinen Elektrifizierung führte Biel auch in Porto die elektrische Beleuchtung ein; nicht nur auf Straßen, sondern auch in vielen Villen. Ab 1895 beschaffte er für Porto die erste elektrische Straßenbahn Portugals mit Technik von Schuckert & Co. und Siemens & Halske.Siemens & Halske Aktiengesellschaft: Abteilung für Electrische Bahnen. Siemens, Berlin 1900. Nachdruck Röhr, Krefeld 1981. ISBN 978-3-88490-106-9, S. 98 Biel bestand darauf, eine der ersten Straßenbahnen in Porto selbst zu fahren.In der Folge 1054 der Serie Eisenbahn-Romantik des Südwestrundfunks mit dem Titel „Mit dem Zug durch Portugals Weltkulturerbe – Der Mira Douro“ wird Emil Biel aus Sachsen als einer der ersten Straßenbahnfahrer erwähnt.

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