Der Begriff der Model Minority, im deutschen auch Vorzeigeminderheit, beschreibt eine Minderheit in einer Gesellschaft, dessen Angehörige im Vergleich zu anderen Minderheiten einen höheren sozioökonomischen Erfolg, also finanziellen und sozialen Erfolg, haben oder ihnen ein solcher zugeschrieben wird.

Als Model Minority bzw. Vorzeige-Minderheit gelten in Europa und Amerika dabei oft (ost- und südost-)asiatische Menschen und teilweise auch jüdische Menschen, da beiden Gruppen hohes finanzielles und soziales Ansehen zugesprochen wird. Die Zuweisung als Model Minority wird als Diskriminierung betrachtet, die auf eine Homogenisierung der Minderheit zurückzuführen ist, beispielsweise allgemeine, diskriminierende Homogenisierung wie Juden besitzen alle viel Geld und Chinesen sind alle gut in Mathe.

Art und Weise

Hintergrund Vorzeige-Minderheiten werden häufig als „bessere“ Minderheit dargestellt, um damit andere marginalisierte Gruppen und Minderheiten herabzusetzen. Beispielsweise war das Vorurteil der Vorzeige-Minderheit oft ein Mittel in den USA, die Schwarze Bürgerrechtsbewegung zu untergraben. Gleichzeitig war es auch ein Mittel für das Durchsetzen von neoliberalen Überzeugungen, nachdem es für jeden Menschen, auch migrantisierten Menschen, möglich sei, es „im Leben zu schaffen“, wenn man genug arbeite. Dabei wird außer Acht gelassen, dass asiatische Menschen häufig fleißig sind, weil sie gesellschaftlichen Vourteilen gerecht werden wollen, indem sie ihnen zugeschriebene Eigenschaften wie Fleiß versuchen gerecht zu werden und sich zu integrieren.

(Positiv)Vorurteile und Kritik Ein wesentlicher Bestandteil des Begriffes der Model Minority/Vorzeige-Minderheit sind Vorurteile, die vor allem viel mit Sozioökonomie zu tun haben. Diese Vorurteile werden subjektiv oft als positiv gewertet, da finanzielles und soziales Ansehen gesellschaftlich subjektiv auch als positiv gewertet wird. Vorurteile sind im Wesentlichen:

Finanzielle Stärke: Vorzeige-Minderheiten wie asiatischen Menschen und jüdische Menschen werden oft als finanziell stark und autark angesehen. Bei asiatischen Menschen spielen dabei rassistische Vorurteile wie mathematische/technische Kompetenz oder Fleiß eine Rolle. Als Konsequenz verdienen asiatische Männer, die eine niedrigere Bildung haben, weniger als Weiße Menschen, die denselben Bildungsstand haben, gleich lange arbeiten und die gleiche Religion haben. Beispielsweise verdienen asiatisch-amerikanische Männer teilweise bis zu 24 Prozent weniger als gleichgestellte Weiße Männer. Bei jüdischen Menschen sind es vor allem antisemitische Verschwörungstheorien wie die einer „jüdischen Finanzherrschaft“ oder dem Narrativ des Geldjuden.

Hohe Bildung: Beispielsweise werden (süd)ostasiatische Menschen oft als gebildet angesehen. Vor allem in Schulfächern wie Mathematik wird ihnen eine hohe Kompetenz zugesprochen. Dass sie häufig dann tatsächlich teilweise erfolgreich sind, liege häufig daran, dass sie dann versuchen, diesen Vorurteilen nachzukommen, um von der Weißen Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden. Politisches Desinteresse: Im Gegensatz zu anderen marginalisierten Gruppen wird asiatischen Menschen politische Apathie bzw. Desinteresse zugeschrieben. Durch den Begriff der Model Minority wird asiatischen Menschen zugeschrieben, sie hätten bereits Erfolg und würden deshalb keine Diskriminierung erleben, weshalb politischer Aktivismus nicht notwendig wäre. Diese Annahme wird jedoch kritisch betrachtet, da beispielsweise viele Studierende asiatisch-amerikanischer Herkunft politisch aktiv sind und sich aktiv mit dem Begriff der Model Minority auseinandersetzen. Introvertiertheit: Ein Interesse am Zuhören wird vor allem bei asiatischen Menschen als respektvoll anerzogen („listen first, speak later“) – oft entkoppelt von Pathologisierung wie „schüchtern sein“. Dieses Interesse ist jedoch oft kulturell bedingt und kein Anzeichen von Introvertierheit bzw. Schüchternheit.

Absprechen/Leugnen der Diskriminierung Die Stigmatisierung, die durch das Zuschreiben von höheren sozioökonomischen Erfolgen wie „fleißig“ , „schulisch erfolgreich“ und „gut integriert“ resultiert, wird oft heruntergespielt, weil oft fälschlicherweise behauptet wird, Menschen die der Model Minority/Vorzeigeminderheit zugeordnet werden, würden keine Diskriminierung erleben.

Zum Beispiel wird asiatisch-amerikanischen Menschen Diskriminierung und finanzielle Benachteiligung abgesprochen, da sie das höchste Median-Einkommen aller ethnischen Gruppen in den Vereinigten Staaten haben. Gleichzeitig besteht jedoch auch die größte Einkommenskluft: Das Einkommen der obersten 10 Prozent liegt 10,7-fach über dem der unteren 10 Prozent – im Vergleich zu 9,8 bei Schwarzen Menschen und 7,8 bei Hispanics oder Weißen Menschen. Diese Diskrepanz macht Armut in der Gruppe nahezu unsichtbar.

Literatur

Amy Chua, Jed Rubenfeld: Alle Menschen sind gleich - erfolgreiche nicht: Die verblüffenden kulturellen Ursachen von Erfolg. Campus Verlag, 2014, ISBN 978-3-593-50117-8, Originaltitel: The Triple Package: How Three Unlikely Traits Explain the Rise and Fall of Cultural Groups in America

Einzelnachweise

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