mini|William Stairs, Anführer der Expedition Die Stairs-Expedition nach Katanga (1891–1892) unter der Leitung von Captain William Stairs war eine Unternehmung, mit dem Ziel, Katanga, ein riesiges, mineralreiches Gebiet in Zentralafrika, zur Kolonisierung und Ausbeutung zu beanspruchen. Die Expedition wurde im Spannungsfeld zwischen den zwei imperialistischen Mächten Großbritannien, vertreten durch die British South Africa Company (BSAC), und dem Kongo-Freistaat des Königs Leopold II. durchgeführt und dieser konnte letztlich den Erfolg für sich verbuchen.

Dieser „Wettlauf um Katanga“ war ein Paradebeispiel für den kolonialen Wettlauf um Afrika und einer der dramatischsten Vorfälle dieser Zeit.

Das Unternehmen wurde einerseits berüchtigt für die Tötung des lokalen Häuptlings Mwenda Msiri (ca. 1830–1891) und andererseits aufgrund der Tatsache, dass Stairs, der Anführer der Seite des Kongo Freistaats, tatsächlich Offizier in der britischen Armee und damit eigentlich Teil der gegnerischen Seite war.

Historischer Hintergrund Auf der einen Seite des Wettstreits um das rohstoffreiche Katanga stand der Kongo-Freistaat, das Konstrukt des belgischen Königs Leopold II. zur Kolonisierung Zentralafrikas zu seinem persönlichen Vorteil. Auf der anderen Seite stand die Gesellschaft BSAC unter der Leitung von Cecil Rhodes, die von der britischen Regierung beauftragt worden war, Verträge mit afrikanischen Häuptlingen abzuschließen. Die BSAC beabsichtigte hauptsächlich die Erlangung von Mineralkonzessionen als Teil einer Vision einer britischen imperialistischen Entwicklung auf dem gesamten Kontinent.Neil Parsons: A New History of Southern Africa, Second Edition. Macmillan. London. 1993. S. 181–183.

Eigenständiger Akteur und Gegner dieser Mächte war Msiri, der mächtige lokale Herrscher von Garanganze (wie die Region auch genannt wurde) oder Katanga. Sein Stammesgebiet, das noch nicht von einer europäischen Macht beansprucht wurde, war flächenmäßig größer als viele europäische Länder. Msiri war zunächst, wie viele afrikanische Herrscher zu dieser Zeit, als Sklavenhändler aktiv und hatte für die Region überlegene Militärtechnologie, die er durch den Handel mit Elfenbein, Kupfer und Sklaven erworben hatte, eingesetzt, um benachbarte Stämme zu unterwerfen, wobei er deren Angehörige in großer Zahl wiederum als Sklaven weiterverkaufte. Zur Zeit der Stairs-Expedition war Msiri der unangefochtene Despot der Gegend. Er hatte ein gutes Gespür für Strategie, war aber gegenüber der Expedition mit seiner Militärtechnologie unterlegen. Weiterhin war er außerdem ein völliger Gegner des britischen Konzepts der Abolitionismus.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 170–181 (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5).

Die Berliner Konferenz Auf der Berliner Konferenz von 1884–85 und den damit verbundenen bilateralen Verhandlungen zwischen Großbritannien und Belgien wurde die folgende Vereinbarung getroffen: das Land westlich und nördlich des Luapula-Fluss-Mwerusee-Systems (also Katanga) wurde dem Kongo-Freistaat zugeteilt, während das Land im Osten und Süden Großbritannien und der BSAC zugeteilt wurde. Die Vereinbarungen enthielten jedoch ein Prinzip der Effektivität, nach dem jede Kolonialmacht eine effektive Präsenz in dem Gebiet aufbauen musste – etwa indem sie Verträge mit lokalen Stammeshäuptlingen einholte, ihre Flagge hisste und eine Verwaltung und Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung einrichtete – um diesen Anspruch zu bestätigen. Wenn sie dies nicht taten, konnte ein Rivale eingreifen und so mit den entsprechenden Maßnahmen das Gebiet in den Augen der zivilisierten (also vernehmlich europäischen) Mächte „legal“ übernehmen.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 6–12. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5). Moloney geht auf Seite 11 explizit auf diesen Punkt ein. 1890 verfügte keine der beiden Kolonialmächte über Verträge oder eine wirksame Präsenz in Katanga, als aber Berichte über Gold- und Kupferfunde aus Katanga eintrafen, war die Bühne frei für ein Wettrennen zwischen der BSAC und dem Freistaat.

Die Schutzverträge, die mit lokalen Häuptlingen in Afrika geschlossen wurden, zielten im Allgemeinen nicht darauf ab, dass diese ihre Unterwerfung akzeptierten – das konnte nur durch eine überlegene Macht geschehen, genauso wie es zuvor mit rivalisierenden Häuptlingen auch passiert war –, sondern sollten rivalisierenden Kolonialmächte sowie die eigene Bevölkerung in Europa lediglich von der Rechtmäßigkeit jeglicher (auch militärischer) Maßnahmen überzeugen, was letztlich dazu diente, ihren Anspruch auf die „Zivilisierung“ des Gebiets ihnen gegenüber durchzusetzen.René de Pont-Jest: L'Expédition du Katanga, d'après les notes de voyage du marquis Christian de Bonchamps. In: Edouard Charton (Hrsg.): Le Tour du Monde magazine. Section I. 1892.

Als sich die Idee der Demokratie und Mitbestimmung im gesamten 19. Jahrhundert in Europa verbreitete, mussten die Regierungen allerdings zunehmend die öffentliche Meinung berücksichtigen, die ein starker Motivator für koloniale Maßnahmen sein konnte, wie der Faschoda-Zwischenfall einige Jahre später zeigte.

Frühere Expeditionen Auf britischer Seite war Rhodes 1890 der erste, der Alfred Sharpe, unterstützt von Joseph Thomson, zu der Zeit britischer Kommissar in Nyasaland, nach Katanga entsandte, doch Sharpe konnte Msiri nicht überzeugen, den britischen Herrschaftsanspruch anzunehmen, und Thomson schaffte es gar nicht erst bis zu Msiris Hauptstadt Bunkeya. Sharpes Berichte waren selbstgefällig und nahmen die Erfolgsaussichten ihrer Rivalen nicht ernst. Er war der Ansicht, dass Katanga Großbritannien gehören würde, sobald der 60-jährige Msiri aus dem Weg wäre.Alfred Sharpe's Travels in the Northern Province and Katanga. In: The Northern Rhodesia Journal. Vol. III, No.3. 1957. S. 210–19. In diesem Fall wäre es wahrscheinlich Teil von Nordrhodesien geworden, dem heutigen Sambia, mit dem die Region bis heute enge kulturelle und ethnische Verbindungen hat.

Leopold reagierte 1891, indem er zwei Expeditionen entsandte, und Sharpes Ansicht schien sich zu bestätigen. Die Expedition von Paul Le Marinel konnte von Msiri lediglich einen vage formulierten Brief (den sog. Le Marinel-Brief) erhalten, in dem er der Anwesenheit von Agenten des Freistaats in Katanga zustimmte, mehr jedoch nicht. Diese Expedition wurde durch einen Unfall behindert, als das Schießpulver, das sie für Msiri mitbrachte, explodierte, wobei mehrere Männer getötet und einige der anderen Geschenke beschädigt wurden, die mitgebracht wurden, um das Geschäft zum Abschluss zu bringen. Ein belgischer Offizier der Expedition, Legat, blieb mit einer Gruppe von Askaris in einer Boma am Lufoi-Fluss etwa 40 km von Bunkeya entfernt zurück, um ein Auge auf Msiri zu haben. Msiri beschuldigte Legat später, die bei der Explosion verlorenen Vorräte tatsächlich für sich behalten zu haben.René de Pont-Jest: L'Expédition du Katanga, d'après les notes de voyage du marquis Christian de Bonchamps. In: Edouard Charton (Hrsg.): Le Tour du Monde magazine. Section II. 1892.

Auf Le Marinel folgte die Delcommune-Expedition, die versuchte, Msiri auf der Grundlage des Briefes von Le Marinel davon zu überzeugen, die Flagge des Freistaats und Leopolds Souveränität anzunehmen. Auch sie scheiterte und zog nach Süden, um die Bodenschätze von Katanga zu erkunden.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 6–9. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5).

Vorbereitungen und Hinreise Personal mini|Dr. Joseph Moloney, medizinischer Offizier der Stairs Expedition, mit zwei der Nyamparas (Chefs oder Aufseher) der Expedition, Hamadi bin Malum (links) und Massoudi, nach ihrer Rückkehr nach Sansibar im Juli 1892. Moloneys schwarze Armbinde erinnert an den Tod des Expeditionsleiters, Captain William Stairs.

Nach diesen Misserfolgen wurde Leopold II. klar, dass er offenbar in Belgien kein geeignetes Personal mit ausreichender Erfahrung in den Tropen sowie im Vorgehen mit indigenen Stammesführern finden würde. Allerdings war er geschickt darin, Angehörige anderer europäischer Nationalitäten für seine Pläne zu rekrutieren. Zudem war Zentralafrika ein wildes, unerforschtes Land, das Söldner und Abenteurer anzog. Auf Empfehlung des britisch-amerikanischen Entdeckers Henry Morton Stanley, der bereits im Kongo für Leopold gearbeitet hatte, wurde der 27-jährige, Swahili sprechende Hauptmann William Stairs zum Expeditionsleiter ernannt, auch aufgrund seiner Erfahrungen auf der Emin Pasha Rettungsmission, auf der Stairs Stanleys Stellvertreter war. Er hatte den Ruf, Befehle zu befolgen und die Arbeit zu erledigen.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 13. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5). Allerdings war schon diese vorherige Expedition von Gewalt und Brutalität gegenüber allen Indigenen geprägt, die sich ihr in den Weg stellten, sowie auch gegenüber indigenen Angehörigen der Expedition, was auch von Stairs ausgegangen war.Daniel Liebowitz & Charles Pearson: The Last Expedition — Stanley's Mad Journey Through the Congo. W.W. Norton & Co. New York. 2005. S. 109–148, 313–322.

Stairs war in Kanada geboren, also in einem Teil des britischen Empires. Er war teilweise in Großbritannien erzogen worden und hatte sich einem britischen Regiment angeschlossen. Er galt als Engländer oder Brite und sah sich auch selbst so.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 199, 205. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5).

Stairs' Stellvertreter war der einzige Belgier auf der Expedition, Hauptmann Omer Bodson, der bereits dem Freistaat Kongo gedient hatte und Kontakt zur umstrittenen „hinteren Kolonne“ der Emin Pasha-Hilfsexpedition gehabt hatte.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 14. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5). Dritter in der Reihe war der Marquis Christian de Bonchamps, ein französischer Abenteurer und Jäger. Es gab noch zwei weitere Weiße: Joseph Moloney, der Expeditionsarzt und ebenfalls so etwas wie ein Abenteurer, der bereits Erfahrung in Afrika als Sanitätsoffizier im Ersten Burenkrieg und auf einer Expedition in Marokko hatte, und Robinson, ein Zimmermann und Handwerker.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 15–16. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5).

Anders als Sharpe war Stairs keineswegs begeistert, an einem „Wettrennen“ teilzunehmen, und hielt es für wahrscheinlich, dass Joseph Thomson zu Verhandlungen mit Msiri für die BSAC geschickt werden würde, bevor die belgische Expedition dort ankommen konnte.Joseph Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891-92. Sampson Low, Marston & Co, London. 1893. Kapitel X, S. 10. (Reprint durch Jeppestown Press, ISBN 978-0-9553936-5-5).