mini|Eduard Petitpierre (1789–1862)

Eduard Petitpierre (geb. 5. Januar 1789 in Couvet, Kanton Neuchâtel, Schweiz; gest. 15. Oktober 1862, wahrscheinlich in Berlin) war ein aus der Schweiz stammender Berliner Optiker, Feinmechaniker und Daguerreotypist.

Wirken Wann der Schweizer Petitpierre nach Berlin kam, ist unbekannt. Im Jahr 1820 eröffnete er ein Geschäft für Optik und Mechanik in der Mohrenstraße. Eine seiner ersten Anzeigen, mit der er im März 1820 auf sein Angebot, u. a. von „Fernröhre“ und „Theater-Perspectiven“ hinwies, unterzeichnete er mit „E. Petitpierre, Mechanikus“.Anzeige. Bekanntmachung. In: Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. 4. März 1820, S. , () Wenige Jahre später verlegte Petitpierre sein Geschäft in die Straße Unter den Linden 33. Er bezeichnete sich selbst als „Optiker Sr. Majestät des Königs, akademischer Künstler und Mechanikus in Berlin“. Zu Weihnachten 1848 unterzeichnete er eine Anzeige mit „E. Petitpierre, Optikus und Mechanikus, Sr. Maj. des Königs und akademischer Künstler“.Anzeige. In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. 5. December 1848, S. , ()Eduard Petitpierre hat sich nicht als Daguerreotypist bezeichnet. Friedrich Voigtländer nannte sich vergleichbar „Mechanikus und Optikus“.Wissenschaftliche und Kunstnachrichten. In: Der Oesterreichische Beobachter. 30. April 1825, S. 586, () Ein Datum für die Verleihung des Titels eines „Optikers seiner Majestät des Königs“ ist nicht bekannt.

Ende 1834 / Anfang 1835 brachte Eduard Petitpierre eine Erfindung heraus: Er bot eine kurze, durch die Außenwand eines Hauses hindurchzulegende Röhre an, die nach dem Prinzip der Camera obscura mittels eines Umkehrprismas das Geschehen im Blickfeld der äußeren Röhrenöffnung auf eine Mattscheibe im Inneren des Hauses projizierte. Diese an der Wand hängende Mattscheibe war wie ein Bild gerahmt und lieferte bei ausreichendem Licht bewegte Bilder vom Geschehen jenseits der Wand in den Innenraum.Optische Erfindung. In: Christoph Rösler: Gemeinnützige Blätter zur Belehrung und Unterhaltung als gleichzeitige Begleiter der vereinigten Ofener und Pesther Zeitung. 25. Jahrgang, 1. Hälfte, Ofen 1835, 1. Januar 1835, S. 2, ()

Petitpierre erhielt frühzeitig von dem Kunsthändler Louis Friedrich Sachse (1798–1877) eine defekte Kamera aus einer Lieferung von Alphonse Giroux. Nach deren Reparatur fertigte er Nachbauten an.

Petitpierre beschränkte sich nicht darauf, Gehäuse und Optik von Daguerreotyp-Kameras zu bauen, sondern daguerreotypierte auch vereinzelt. 1839 machte er Aufnahmen vom Alten Museum, dem Zeughaus und dem Lustgarten.Ulrich Koch (Hrsg.), Berlin 1856–1896. Photographien von F. Albert Schwartz. Mit Bilderläuterungen von Hans-Werner Klünner und einer Einführung von Laurenz Demps. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin 1991, ISBN 3-87584-343-6, S. 5 Mitte September 1839 erhielt er von dem russischen Zaren Nikolaus I. einen kostbaren Brillant-Ring als Anerkennung für drei von ihm gefertigte Daguerreotypien, die Petitpierre dem Zaren selbst überreichte.

Die Daguerre’sche Kamera brachte prinzipbedingt seitenverkehrte Abbilder hervor. Eduard Petitpierre erfand ein Umkehrprisma, mit dessen Hilfe seitenrichtige Daguerreotypien aufgenommen werden konnten.

Petitpierre beteiligte sich an der Allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung 1844 im Zeughaus in Berlin. Vertreten war sein Unternehmen in der Abteilung „II. Optischen Instrumente“ (a. Fernröhre) mit einem astronomischen Fernrohr auf Stativ, einem Militär-Fernrohr und weitere Fernrohre, einer Kamera obscura und einer Kamera klara,Berg- und Hütten-Produkte, grobe Metall-Arbeiten, Metall-Fabrikate und kurze Waaren, Instrumente, Uhren und Chronometer, Maschinen und Ackergeräthe, Gegenstände des Eisenbahn- und Schiffsbauwesens enthaltend.(= Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1844. Band 2.1.) Karl Reimarus, Berlin 1846, S. 419, () in der Abteilung „III. Physikalische und chemische Instrumente“ (b. Meteorologische Instrumente, Aräometer) mit Baro-, Thermo- und HygrometerBerg- und Hütten-Produkte, grobe Metall-Arbeiten, Metall-Fabrikate und kurze Waaren, Instrumente, Uhren und Chronometer, Maschinen und Ackergeräthe, Gegenstände des Eisenbahn- und Schiffsbauwesens enthaltend.(= Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1844. Band 2.1.) Karl Reimarus, Berlin 1846, S. 432, () und (c. Feine Waagen und Gewichte) mit einer chemischen Waage vertreten.Berg- und Hütten-Produkte, grobe Metall-Arbeiten, Metall-Fabrikate und kurze Waaren, Instrumente, Uhren und Chronometer, Maschinen und Ackergeräthe, Gegenstände des Eisenbahn- und Schiffsbauwesens enthaltend.(= Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1844. Band 2.1.) Karl Reimarus, Berlin 1846, S. 434, ()

Petitpierre erhielt die Medaille für Kunst und Wissenschaft und verschiedene andere Auszeichnungen.

Zeitgeschehen

Am 19. August 1839 wurde in Paris von Louis Daguerre (1787–1851) das Patent zur Herstellung der nach ihm benannten Daguerreotypien offengelegt. Daguerreotypien waren versilberte Kupferplatten, auf denen ein Lichtbild gespeichert (fixiert) werden konnte. Schon wenige Wochen später wurde die Daguerreotypie in Berlin eingeführt. Der Berliner Optiker und Feinmechaniker Carl Theodor Dörffel (1810–1878) fertigte als erster Daguerreotypie-Kameras nach dem Vorbild der von Louis Daguerre entworfenen und bei Alphonse Giroux in Frankreich hergestellten an. Bereits am 16. September 1839 stellte er ein von ihm selbst angefertigtes Muster der neuen Kamera in seinem Laden, Unter den Linden 46, zur Ansicht aus und nahm dort Bestellungen entgegen.James E. Cornwall: Die Geschichte der Photographie in Berlin 1839 bis 1900. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins e.V. Nr. 1/1976, (online) Einen anderen Weg hatte der Berliner Louis Friedrich Sachse eingeschlagen, indem er sechs bei Giroux hergestellte Daguerreotypie-Kameras nebst Zubehör nach Berlin importierte. Die bestellten Kameras trafen am 6. September 1839 ein, waren aber infolge unsachgemäßer Verpackung allesamt bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt, die mitgelieferten Fotochemikalien – darunter giftiges Quecksilber – waren ausgelaufen, Jod hatte alles gebräunt.

Nachfolge Am 15. Oktober 1862 starb Eduard Petitpierre. Sein Sohn Gottfried Louis Petitpierre (geb. 2. März 1822; gest. 1882) übernahm sein Optiker- und Feinmechaniker-Geschäft und führte es bis zu seinem Tode im Jahr 1882 weiter. Ihm wurde zu Beginn des Jahres 1857 das „Prädikat eines Königlichen Hof-Optikus“ verliehen.Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: … In: Königlich Preußischer Staats-Anzeiger. 4. Januar 1857, S. 1, () Zu diesem Zeitpunkt war Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen.

Werke Der Rathgeber für die Erhaltung der Augen. Mit einem Vorwort von [Carl Alexander Ferdinand] Kluge, [Hirschwald], Berlin 1928, s. 128, (3 Kupfertafeln=Abbildungen)Hier wird der Vorname das Autors mit „C.“ angegeben.

Auszeichnungen Roter Adlerorden, 4ter Klasse, Januar 1837VI. Den Rothen Adler-Orden 4ter Klasse. In: Courier: hallische Zeitung für Stadt und Land. 24. Januar 1837, S. 7, (Digitalisat)

Literatur ,

Einzelnachweise

Kategorie:Fotopionier Kategorie:Fotograf (19. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Fotograf (Deutschland) Kategorie:Optiker Kategorie:Fotograf (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1789 Kategorie:Gestorben 1862 Kategorie:Mann