Das neo-aristotelische Meta-Ontologie ist ein Paradigma der zeitgenössischen Meta-Ontologie in der analytischen Philosophie und stellt eine Wiederaufnahme von aristotelischen Gedanken dar. Zu den wichtigsten Vertretern gehören Jonathan Schaffer und Kit Fine.
Zentral ist die Auffassung, dass Entitäten aus verschiedenen ontologischen Kategorien unterschiedliche Grade an "Fundamentalität" aufweisen. Beispielsweise hätten Substanzen den höchsten Grad an Fundamentalität, sofern sie "in sich selbst" existieren. Eigenschaften hingegen sind weniger fundamental, weil sie für ihre Existenz von Substanzen abhängen.
Position Die Hauptfrage der Ontologie Das neo-aristotelische Paradigma unterscheidet sich von anderen durch eine hierarchische Sicht auf die ontologische Struktur der Realität, in der verschiedene Kategorien des Seienden durch ein Verhältnis der ontologischen Priorität geordnet sind – das heißt, das Sein mancher Dinge hängt vom Sein grundlegender Entitäten ab. Für Schaffer und Fine ist dieses Verhältnis das sogenannte Fundamentieren (Grounding), weshalb sich die zentrale ontologische Frage in diesem Paradigma verändert: Anstelle der Frage „Was gibt es?“ wird die Frage „Was gründet worauf?“ gestellt. Der Begriff der Fundamentalität wird üblicherweise im Sinne des metaphysischen Gründens definiert. Fundamentale Entitäten unterscheiden sich von nicht-fundamentalen Entitäten, weil sie nicht in anderen Entitäten gründen. Beispielsweise wird manchmal angenommen, dass Elementarteilchen fundamentaler sind als die makroskopischen Objekte (wie Stühle und Tische), die sie bilden. Dies ist eine Behauptung über das Begründungsverhältnis zwischen mikroskopischen und makroskopischen Objekten. Ein Neo-Aristoteliker würde diese Behauptung als eine ontologische Behauptung kategorisieren.
Ontologische Struktur Die neo-aristotelische Meta-Ontologie lässt sich auch nach der Methode von Jonathan Schaffer klassifizieren, je nach ihrem Blick auf die ontologische (metaphysische) Struktur der Realität. Die neo-aristotelische Meta-Ontologie gehört zur Kategorie der geordneten Strukturen. Das heißt, das Ziel metaphysischer Forschung besteht darin, eine geordnete Hierarchie zu ermitteln, die sich ergibt aus: 1. einer Liste von Substanzen und 2. einer Liste von Fundamentierungsbeziehungen.
Prioritätsmonismus (priority monism) Jonathan Schaffers Prioritätsmonismus (priority monism) ist eine neuere Form der neo-aristotelischen Ontologie. Er vertritt die These, dass es auf der fundamentalsten Ebene nur ein Ding gibt: die Welt als Ganzes. Diese These leugnet nicht unsere Intuition des gesunden Menschenverstands, dass die verschiedenen Objekte, denen wir in unseren alltäglichen Angelegenheiten begegnen, wie Autos oder andere Menschen, existieren. Sie bestreitet nur, dass diese Objekte die fundamentalste Form der Existenz haben.
Siehe auch Meta-Ontologie
Literatur
Christof Rapp (2017): Was ist Aristotelisch am Aristotelischen Naturalismus? In: Hähnel, M. (Hrsg.) Aristotelischer Naturalismus. J.B. Metzler, Stuttgart. . ISBN 978-3-47604332-0 Phil Corkum (2025): Neo-Aristotelian Metaphysics. Cambridge University Press Print, 22. Mai 2025. Online ISBN 978-1-009234948. Daniel D. Novotny und Lukas Novak (Hrsg.): Neo-Aristotelian Perspectives in Metaphysics. New York: Routledge, 2016 Kit Fine: Essence and Modality: The Second Philosophical Perspectives Lecture. In: Philosophical Perspectives 8 (1994), Seite 1–16 Kit Fine: Things and Their Parts. In: Midwest Studies in Philosophy 23 (1999), Seite 61–74
Daniel D. De Haan: The Power to Perform Experiments. In: William M. R. Simpson, Robert C. Koons, James Orr (Hrsg.): Neo-Aristotelian Metaphysics and the Theology of Nature, 2022. DOI:10.4324/9781003125860-10
Einzelnachweise
Kategorie:Philosophische Strömung Kategorie:Aristoteles als Namensgeber Kategorie:Griechische Philosophie