miniatur|„Wie der Ritter vom Thurn synen doͤchtern dyß Bůch zů jren Handen über antwurt“,Buchillustration 1493 Ritter Marquard vom Stein oder Markwart (Marx; Marcus) von Stain zu UttenweilerProzessakten Dr. Jörg Neidecker, RKG-Beisitzer, für (Vater) Martin von Neideck ./. Marquard vom Stein zu Ottenweiler und Ytelwolf vom Stein, 1496/97. (; * um 1425 wahrscheinlich in Uttenweiler, schwäbische Vorlande des Hauses Habsburg; † 1495/96Verzichtsurkunde Georg von Steins auf die Herrschaft Zossen vom 4. Juni 1495, ausgestellt in Berlin: „fur meine Bruder Marquart und Connrattn vom Stain“. vermutlich in oder bei Montbéliard, beigesetzt in Lucelle) war ein Gräflich württembergisch-mömpelgardischer Rat und Landvogt, der 1495 am Reichstag zu Worms teilnahm und die mittelalterliche Exempelsammlung Livre pour l’enseignement de ses filles (= Buch zur Unterrichtung seiner Töchter) des Geoffroi de La Tour Landry ins Deutsche übersetzte.
Leben Marquard vom Stein war ein naher Verwandter (Vater oder Onkel) des Humanisten Eitelwolf von Stein. Marquards Vater war Ritter Konrad (III.) von Stain zu Uttenweiler († zwischen 1477Brief von Ritter Marquart von Stein an Vater und Bruder Ritter Konrad III. und Konrad V. von Stein vom 14. April 1477; Louis Poulain: Der Ritter vom Thurn von Marquart von Stein. Werner Riehm, Basel 1906, S. 141f; vgl. S. 6: der Vater Konrad war 1477 ein „bejahrter Greis“. und 1481).Konrad (III.) von Stein zu Uttenweiler war ein Bruder des Bertold vom Stain († 1473) und hatte 1473 bzw. 1481 (nachdem er gestorben war) noch zwei lebende Söhne mit Namen Marquart und Konrad (V.).Theodor Selig: Zur Geschichte des ehemaligen Augustiner-Eremitenklosters Uttenweiler. In: Schwäbisches Archiv 29 (1911), S. 49–53, 71–77, 87–95, 100–103 und 119–122, bes. S. 76. Er führte das Wappen der württembergischen Familie Stein.Urkunde vom 24. Oktober 1474; Jacob Baechtold: Der Minorit Georg Koenig von Solothurn und seine Reisebeschreibungen. Gassmann, Solothurn 1874, S. 11 (Google-Books).
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Marquart vom Stein wurde 1452 in Rom von Kaiser Friedrich III. auf der Engelsbrücke („Teyffer-Brücke“) zum Ritter geschlagen.Gustav Georg König von Königsthal: Nachlese in den Reichs-Geschichten unter Kaiser Friedrich III. Bd I Von 1452. biß 1460. Johann August Raspe, Frankfurt am Main 1759, S. 21f (Google-Books). Er reiste 1453/54 mit Guillaume (VII.) de Chalon-Arlay nach Jerusalem.Jörg Wettlaufer (Bearb.), Jacques Paviot (Bearb.), Werner Paravicini (Hrsg.): Europäische Reiseberichte des späten Mittelalters, Teil II Französische Reiseberichte. (= Kieler Werkstücke, Reihe D. Beiträge zur europäischen Geschichte des späten Mittelalters 12). Peter Lang, Frankfurt am Main 1999, S. 92f (Bericht von Jean Regnaulde de Pierre-Fontaine); Jean-Daniel Morerod: La force du vœu. Le pèlerinage à Jérusalem de Guillaume de Chalon et ses témoins (1453–1454). In: Agostino Paravicini Bagliani u. a. (Hrsg.): L’itinérance des seigneurs (XIVe–XVIe siècles). Université de Lausanne, Lausanne 2003, S. 89–102, bes. S. 96 und 100;Réne Wetzel, Katharina P. Gedigk: Marquards von Stein ‚Der Ritter vom Turn‘. In: Johanna Thali, Nigel F. Palmer (Hrsg.): Raum und Medium. de Gruyter, Berlin 2020, S. 245–286, bes. S. 268–270.
1457 kaufte er Blumberg (Florimont) von den Grafen Oswald I. (1424–1488)Gustav Georg König von Königsthal: Nachlese in den Reichs-Geschichten unter Kaiser Friedrich III. Bd I Von 1452. biß 1460. Johann August Raspe, Frankfurt am Main 1759, S. 17 (Google-Books). und Wilhelm von Thierstein-Pfeffingen († 1498) und wurde von Erzherzog Albrecht VI. von Österreich mit der Herrschaft belehnt.Louis Stouff: Les origines de l’annexion de la Haute-Alsace à la Bourgogne en 1469. Étude sur les terres engagées par l’Autriche en Alsace depuis le 14e siècle spécialement la seigneurie de Florimont. L. Larose, Paris 1901, Teil II, S. 92–99 und öfter („vnserm getrewen, lieben Marckchquarden vom Stein“ und ähnlich) S. 147–149; . Von den Grafen Eberhard V. von Württemberg-Urach und Heinrich von Württemberg wurde Marquart vom Stein um 1460 und erneut 1474 zum Landvogt in Mömpelgard (Montbéliard; „Montpellicart“) bestellt.Wilhelm Vischer, Heinrich Boos (Hrsg.): Basler Chroniken. Band II: Johannis Knebel capellani ecclesiae Basiliensis diarium. Hirzel, Leipzig 1880, S. 93; vgl. S. 463; . 1469 war er ein Rat Herzog Sigmunds „des Münzreichen“ von Österreich, den er zum Abschluss des Vertrags von Saint-Omer begleitete. Marquart vom Stein kämpfte in den Burgunderkriegen mit Konrad von Sachsenheim (Ehemann einer Nichte) auf Seiten der antiburgundischen „Niederen Vereinigung“.Michael Stettler: Chronicon Oder Gründtliche Beschreibung der denckwürdigesten Sache[n] unnd thaten, welchem in den Helvetischen Landen, an jetzt die Eydgnöschafft, oder das Schweitzerland genent, von erbawung an der Statt Bern in Nüchtland … bis auff das 1627. Jahr … sich zugetragen und verloffen. Jacob Stuber, Bern 1626, S. 217f (Google-Books).Louis Poulain: Der Ritter vom Thurn von Marquart von Stein. Werner Riehm, Basel 1906, S. 15–17, 24, 31 und 33f. Herzog Karl „der Kühne“ von Burgund forderte Georg vom Stein 1476 auf, seinen Bruder (den er 1469 in Saint-Omer persönlich getroffen hatte) von Feindseligkeiten gegen ihn abzuhalten.Brief von Herzog Karl von Burgund an Georg vom Stein vom 20. Juli 1476 aus Salins-les-Bains.
Die Brüder Marquart und Konrad (V.)Einladung von Albrecht VI. von Österreich an den Markgrafen Rudolf IV. von Hachberg und andere Lehnsleute (darunter „Hanns vom Stain oder Conrad sein Bruder“) zur Teilnahme am Romzug zur Kaiserkrönung Friedrichs III. vom 7. September 1451; Joseph Chmel (Bearb.): Urkunden, Briefe und Actenstücke zur Geschichte der habsburgischen Fürsten K. Ladislaus Posth., Erzherzog Albrecht VI. und Herzog Siegmund von Österreich. Aus den Jahren 1443–1473. K.K. Hof- und Staats-Druckerei, Wien 1850, S. 94–96, bes. S. 95 (Google-Books). vom Stain verkauften 1476 Schloss und Dorf Göffingen mit dem Burgstall auf dem Bussen an Bruno von Hornstain genannt Hertenstein.Urkunde vom 23. April 1476; Staatsarchiv Sigmaringen (Dep. 30/13 T 1 Dürmentingen-Bussen, Nr. 59 und 60); 1500 weiterverkauft an Graf Andreas von Sonnenberg; Fidel von Baur: Geschichte der Hohenzollernschen Staaten Hechingen und Sigmaringen, Bd. IV. Bucher und Liener, Sigmaringen 1835, S. 38 (Google-Books). 1490Urkunde über den Verkauf der Herrschaft Zossen vom 25. Juli 1490 (es leben noch die beiden Brüder Marquart und Konrad (V.) von Stein)). und 1495 stimmten die beiden noch lebenden Brüder Marquard und Konrad (V.) (als potentielle männliche Erben) dem Verkauf der Herrschaft Zossen durch Georg vom Stein an die Markgrafschaft Brandenburg zu.
1495 nahm der Rat Marquart vom Stein für „Wirtenberg“ am Reichstag zu Worms teil.Heinz Angermeier (Bearb.): Reichstag von Worms 1495, Bd. I Urkunden und Korrespondenzen. (Deutsche Reichstagsakten. Mittlere Reihe, Deutsche Reichstagsakten unter Maximilian I. 5,1). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1981, S. 768f und 1155 (Google-Books).
Kurz vor seinem Tod wurde Marquard vom Stein „zu Ottenweiler“ zusammen mit dem brandenburgischen Rat Eitelwolf vom Stein (wohl seinem Sohn) vor dem Reichskammergericht wegen einer Bürgschaft seines verstorbenen Bruders Georg von Stein von dem Tiroler Truchsess Martin von Neideck († 1503) verklagt.
Prosaübersetzer einer französischen Didaxe (Exempelsammlung) Marquart vom Stein wurde bekannt als Übersetzer einer HandschriftLouis Poulain: Der Ritter vom Thurn von Marquart von Stein. Werner Riehm, Basel 1906, S. 132–136. Der erste französische Druck erschien 1514, englisch William Caxton (Hrsg.): Knyght of the Toure. William Caxton, Westminster 1484. der mittelalterlichen Exempelsammlung (Lebenslehre; Didaxe) Livre pour l’enseignement de ses filles (= Buch zur Unterrichtung seiner Töchter), verfasst 1371/72 von Geoffroy IV. de la Tour Landry (* 1326; † 1402/06), unter dem Titel „Der Ritter vom Turn: von den exempeln der gotsforcht vn[d] erberkeit“ ins Deutsche (in alemannische Mundart).Ruth Harvey †: Marquard vom Stein: Der Ritter vom Turn. (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 32). Erich Schmidt, Berlin 1988; Ruth Harvey, Peter Ganz (Hrsg.): Marquard vom Stein: Der Ritter vom Turn. Kommentar. (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 37). Erich Schmidt, Berlin 1996. Die deutsche Erstausgabe von 1493 enthält Illustrationen (Holzschnitte), die Albrecht Dürer und Urs Graf zugeschrieben werden.Der Ritter vom Turn. von den exemplen der Gotzforcht und erberkeit. (Kolophon) Der spiegel der Tugenden und Ersamkeit durch den hochberümpten Ritter vom Turn, mitt schönen vnn[d] kostlichen hystorien vnd Exempel, zu vnderwysung syner Kind, jn Frantzosischer sprach begriffen, vnd durch den Edlen fürnemen vnd Strengen, hern Marquart vom Stein Ritter, vnd Landtuogt zu Montpellicart, in Tütsch transferirt vnd gezogenn. Michael Furter for Johann Bergmann de Olpe, Basel 1493 (digitale-sammlungen.de); Nachdruck Hans Schönberger, Augsburg 1498; 2. Auflage Michael Furter, Basel 1513 (digitale-sammlungen.de), (Google-Books).
Familie Marquart vom Stein heiratete, möglicherweise in zweiter Ehe,Julius Kindler von Knobloch (Hrsg.): Oberbadisches Geschlechterbuch, Bd. III M–R. Heidelberg, 1919, S. 100; vgl. S. 349 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg); nennt im Artikel von Moersberg abweichend als Ehefrau: „Elisabeth [von Moersberg], 1461; mar.: Marcus von Stain“, wohl verwechselt mit der Tochter Elsa oder der Vorname einer ersten Ehefrau, die dann vermutlich nicht aus der Familie von Moersberg stammte.Johann Seifert: Hoch-Adeliche Stam[m]-Taffeln, Bd. I. Johann Georg Hofmann, Regensburg 1721, Tf. Stain in Schwaben, A (Google-Books). vor 1464 Agnes von Mörsberg (Morimont),Max Prinet: Deux pierres tombales d’enfants de la maison de Reinach. In: Archives héraldiques suisses, 1913, 27, S. 189–196; doi:10.5169/seals-745068 Tochter von Peter von Mörsberg (* um 1415; † 1474/78), Beisitzer des Kammergerichts, Oberkämmerer Erzherzogs Albrecht VI. von Österreich, Landvogt im Elsass und Breisgau, und der Margareta von Rathsamhausen (* um 1425; † 1465). Christoph von Mörsperg („Mesperg“) und Belfort († um 1478), Rat und Burggraf von Graz, Kämmerer von Kaiser Friedrich III., der 1464 als „Schwager“ Georg von Stains bezeichnet wird,Valentin Preuenhueber: Annales Styrenses. Johann Adam Schmidt, Nürnberg 1740, S. 116 (Google-Books). war ein Sohn von dessen Bruder Hans Heinrich von Moersberg († vor 1459).Julius Kindler von Knobloch (Hrsg.): Oberbadisches Geschlechterbuch, Bd. III M–R. Heidelberg, 1919, S. 101. Beigesetzt wurden Marquart von Stein und seine Frau Agnes von Mörsberg im Kloster Lützel (Lucelle),Louis Poulain: Der Ritter vom Thurn von Marquart von Stein. Werner Riehm, Basel 1906, S. 32. wo auch seine Schwiegereltern lagen. Bereits 1490/91 hatte er dort ein Jahresgedächtnis für seine Familie gestiftet.Bernardino Walch OCist: (Handschrift) Marquard, de Lapide. In: Miscellanea Luciscellensia, 1749–1753, Bd. I, S. 323f (PDF, 614 MB, der Universitätsbibliothek Basel): „Hoc saxo legitur Marquardus de Lapide et Agnes de Mersberg uxor eius (= Unter diesen Stein hat man Marquard vom Stein gelegt und seine Ehefrau Agnes von Mörsberg)“. Als seine eigenen Töchter, für die Marquart vom Stein die Übersetzung des Livre pour l’enseignement de ses filles anfertigte, werden erwähnt: Elisabeth vom Stein (* 1461? † nach 1477), weil „das schwartz Els noch nit vast geng uf den beinen“, kurte es in Wildbad.Brief von Ritter Marquart von Stein an Vater und Bruder Ritter Konrad III. und Konrad V. von Stein vom 14. April 1477; Louis Poulain: Der Ritter vom Thurn von Marquart von Stein. Werner Riehm, Basel 1906, S. 141f; vgl. S. 6: der Vater Konrad war 1477 ein „bejahrter Greis“.