Hubert Andreas Gasteiger ist ein deutscher Chemiker im Bereich der Technischen Elektrochemie und Hochschullehrer an der Technischen Universität München. Seine Forschung konzentriert sich auf die Bereiche Batterien, Elektrolyseure und Brennstoffzellen. Er untersucht, welche Materialien dafür eingesetzt werden (können), welche Eigenschaften diese haben und was beispielsweise passiert, wenn eine Batterie altert und an Kapazität verliert.

Leben und Wirken Gasteiger schloss sein Studium der Technischen Chemie an der Technischen Hochschule Nürnberg im Jahr 1986 ab. Mit einem Fulbright-Stipendium finanziert studierte er zwei Jahre an der Oregon State University (USA), wo er 1989 seinen Master-Abschluss in Chemieingenieurwesen erwarb. Er promovierte 1993 an der University of California, Berkeley unter Elton Cairns in Chemieingenieurwesen zu Methanoloxidation auf PtRu-Modellelektroden. Als Postdoktorand forschte er anschließend bis 1995 am Lawrence Berkeley National Laboratory bei Phil Ross und Nenad Marković zu Oberflächenelektrokatalyse unter Verwendung von Elektronen- und Ionenspektroskopie. Von 1995 bis 1998 war er an der Universität Ulm bei Jürgen Behm tätig, wo er sich mit Gasphasen-Katalyse und Elektrokatalyse im Zusammenhang mit Brennstoffzellensystemen befasste.

Nach seiner akademischen Ausbildung war Gasteiger ab 1999 im Brennstoffzellenfahrzeugprogramm von General Motors (GM) tätig. Er hatte unter anderem eine leitende Position in der Entwicklung von Katalysatoren und Membran-Elektroden-Einheiten (MEAs) für Protonenaustauschmembran-Brennstoffzellen im Rahmen des Brennstoffzellenprogramms von GM/Opel in den USA inne. Im Jahr 2007 wechselte er zu Acta S.p.A. in Italien und war dort für ein Jahr Direktor für Katalysatorentwicklung und forschte weiterhin zu Katalysatoren und MEAs.

Im Jahr 2009 war er Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology in der Gruppe von Yang Shao-Horn. Gasteiger wurde 2010 auf seinen Lehrstuhl für Technische Elektrochemie an der Technischen Universität München (TUM) berufen, wo seine Gruppe Materialien, Elektrodendesigns und Diagnostik für PEM-Brennstoffzellen/Elektrolyseure und Lithium-Ionen-Batterien entwickelt.

Forschungsleistung Sein Forschungsinteressen konzentrieren sich vor allem auf die drei Bereiche Batterien, Elektrolyseure und Brennstoffzellen und umfassen Elektrokatalysatoren, elektroaktive Komponenten und Elektrodenentwicklung im Zusammenhang mit (Lithium-Ionen-)Batterien, Niedertemperatur-Brennstoffzellen und Elektrolyseuren sowie Materialdegradationsmechanismen. Mithilfe von Ex-situ-, In-situ- und Operando-Diagnostik sowie Untersuchungen in den drei Bereichen wollen sie neue Erkenntnisse über die Leistungsgrenzen und Alterungsmechanismen elektrochemischer Zellen für Energiespeicher- und -umwandlungsanwendungen gewinnen. „Alterung“ im Kontext von Batterien meint unter anderem die Reduzierung der Kapazität und die Erhöhung des Innenwiderstands.

Im Bereich der Batterien fokussieren sie sich auf die Entwicklung von aktiven Materialien sowie auf die Konstruktion von Elektroden für elektrochemische Zellen. Gasteiger ist Mitkoordinator des Kompetenzcluster Analytik & Qualitätssicherung (AQua), welches vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. Darin erforscht er mit seiner Arbeitsgruppe sowohl handelsübliche als auch neuartige Aktivmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien, die eine signifikante Potentialhysterese beim Laden und Entladen aufweisen, sowie Methoden zur Untersuchung ihrer Oberflächen. Zudem versuchen sie, Alterungsmechanismen neuartiger Kathodenaktivmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien mittels operando-Röntgenabsorptions- und -emissionsspektroskopie aufzuklären. Darüber hinaus werden grundlegende Untersuchungen zur Entwicklung von Festkörperbatterien durchgeführt. Sie arbeiten im Bereich der Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzellen und -Elektrolyseure an der Katalysatorentwicklung, an Stabilitätsprüfungen sowie an der Optimierung von Zellkomponenten (Membran-Elektroden-Einheiten, Diffusionsmedien und Bipolarplatten).

Veröffentlichungen (Auswahl)

Auszeichnungen

2021: Fellow der International Society of Electrochemistry 2020: Vittorio De Nora Award und Battery Research Division Award 2017: Energy Technology Division Research Award der Electrochemical Society 2015: David C. Grahame Award der Physical and Analytical Electrochemistry Division der Electrochemical Society 2012: Grove Medaille für Brennstoffzellenforschung 2011: Fellow der Electrochemical Society 2004: General Motors Technical Fellow

Weblinks

Arbeitsgruppe von Hubert A. Gasteiger auf der Website der TUM (englisch)

ORCID ID von Hubert A. Gasteiger: 0000-0001-8199-8703 (englisch)

Einzelnachweise

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