Die Schlacht von Cape Esperance (, ), teils als Zweite Schlacht vor Savo Island oder auch (in der deutschen Fachliteratur) als Nachtgefecht bei Kap Esperance bezeichnet,Helmut Pemsel: Seeherrschaft. Eine maritime Weltgeschichte von der Dampfschiffahrt bis zur Gegenwart. Band 2. Augsburg 1995, S. 588. war eine Seeschlacht zwischen der United States Navy und der Kaiserlich Japanischen Marine, die im Zweiten Weltkrieg beziehungsweise im Kontext des Pazifikkriegs in der Nacht des 11./12. Oktober 1942 ausgetragen wurde. Die Schlacht ereignete sich nördlich von Cape Esperance, dem nordwestlichsten Punkt der Insel Guadalcanal, und war ein separates Gefechtsereignis im Rahmen des mehrere Monate andauernden Kampfes um Guadalcanal. Das Nachtgefecht endete mit einem Erfolg der US-Streitkräfte.
Hintergrund Das Nachtgefecht war eine direkte Folge des seit August 1942 bestehenden Ringens um Guadalcanal zwischen Amerikanern und Japanern. Nach der Niederlage der Streitkräfte Kawaguchis im September 1942, versuchten die Japaner schnellstmöglich Verstärkungen nach Guadalcanal zu bringen und die Insel rückte ins Zentrum der strategischen Planungen der japanischen Führung für den Südwestpazifik.Robert D. Ballard, Rick Archbold: Versenkt im Pazifik. Schiffsfriedhof Guadalcanal. Verlag Ullstein GmbH. Berlin/Frankfurt a. M. 1993, S. 114. Am 9. Oktober 1942 landete General Hyakutake, der Oberbefehlshaber der (auch) für das Gebiet der Salomonen zuständigen japanischen Südarmee, persönlich auf der Insel, um den Angriff auf den schwer umkämpften und von den US-Marines gehaltenen Flugplatz Henderson Field vor Ort direkt zu koordinieren. Zur Unterstützung der geplanten Angriffsoperationen entsandten die Japaner Flottenkräfte unter Konteradmiral Gotō Aritomo, diese sollten einerseits das Henderson-Flugfeld beschießen und die US-Truppen dort niederhalten und andererseits japanische Bodentruppen nachführen, um die eigenen Kräfte vor Ort weiter zu verstärken.
Zu diesem Zweck wurden Anfang Oktober zwei Schiffsverbände zusammengezogen.Diese Darstellung ist nur begrenzt zutreffend, denn die hier genannte japanische Kreuzerkampfgruppe (6. Kreuzerdivision, siehe Text) bestand bereits seit 1933, dieser Verband hatte allerdings im Laufe des Jahres 1942, auch bedingt durch vorangegangene Verluste, mehrere Umgruppierungen erfahren. Vgl. hierzu u. a.: Eric LaCroix, Linton Wells: Japanese Cruisers of the Pacific War. Naval Institute Press. Annapolis (MD) 1997, S. 79f. Der Transportverband (unter Konteradmiral Jōjima Takatsugu) wurde bei den Shortland-Inseln gebildet und setzte sich aus den beiden Seeflugzeugträgern Chitose und Nisshin sowie sechs Zerstörern zusammen, die Schiffe hatten rund 730 Soldaten sowie Panzer und Artillerie an Bord. Der Transportkonvoi sollte am späten Abend des 11. Oktober vor Guadalcanal eintreffen und mit dem Entladen beginnen. Konteradmiral Gotō selbst wollte gegen Mitternacht mit seinem Kampfverband (6. Kreuzerdivision, ), der aus drei Schweren Kreuzern und zwei Zerstörern bestand, diese Kreuzerdivision fungierte zugleich als Sicherung für den Truppentransport, eintreffen und Henderson Field beschießen. Da seitens der US-Marine bislang keine Versuche unternommen worden waren, den sogenannten Tokyo Express zu stören, rechnete Gotō nicht mit einem Eingreifen von US-Seestreitkräften.Samuel Eliot Morison: History of the United States Naval Operations in World War II. Volume 5 (The Struggle for Guadalcanal, August 1942 – February 1943). Little, Brown & Company. Boston (MA) 1964, S. 149f.
Etwa zur gleichen Zeit versuchten auch die Amerikaner ihre Truppen auf Guadalcanal zu verstärken, so wurden ebenfalls am 9. Oktober 1942 unter anderem Teile (etwa 2.800 SoldatenBallard: Versenkt im Pazifik, S. 115.) der sogenannten Americal Division von Nouméa (Neukaledonien) aus in Richtung Guadalcanal an Bord von zwei Truppentransportern und acht schnellen, umgebauten Transportzerstörern (APDs) in Marsch gesetzt. Die Sicherung dieses Truppentransportes übernahm die neu gebildete Task Force 64 unter Konteradmiral Norman Scott mit vier Kreuzern und fünf Zerstörern.
Im Tagesverlauf des 11. Oktober 1942, gegen 14:45 Uhr, wurde der anmarschierende japanische Nachschubtransport von Konteradmiral Jōjima von der US-Luftaufklärung erfasst, wobei die beiden Seeflugzeugtender aber irrtümlich als zwei Kreuzer gemeldet wurden. (Gotōs Kreuzerverband, der dem Truppentransport folgte, wurde indessen nicht entdeckt.) Daraufhin wurde die Task Force 64 unter Konteradmiral Scott von ihrer Geleitsicherungsaufgabe entbunden und umgeleitet, um die Japaner abzufangen. Wissend, dass die Japaner durchaus manche Vorteile im Nachtkampf hatten, sowohl bezüglich des Ausbildungsstandes als auch beispielsweise hinsichtlich des leistungsstarken und gefürchteten Typ-93-Torpedos, plante Scott seine Zerstörer zu benutzen, um die Ziele mit Suchscheinwerfern zu beleuchten und sie mit Granatfeuer der Kreuzer auf größere Distanz niederzukämpfen. Von großem Vorteil für Scott war hierbei, dass die US-Schiffe mit Radar ausgestattet waren.
Schlachtaufstellung Scotts Verband umfuhr Guadalcanal südlich und erreichte, von Süden kommend, den westlichen Eingang des Ironbottom Sound. Damit schob er sich, ohne es zu wissen, zwischen die bereits in den Ironbottom Sound eingelaufene japanische Verstärkungsgruppe und die noch im Anmarsch befindliche Bombardierungsgruppe. Die amerikanische Formation war eine einfache Kiellinie. Vorne liefen die Zerstörer Fahrenholt, Duncan und Laffey, dann folgten die Schweren Kreuzer San Francisco und Salt Lake City und die Leichten Kreuzer Boise und Helena. Den Schluss bildeten die Zerstörer Buchanan und McCalla.
Konteradmiral Gotōs Verband bestand aus den Schweren Kreuzern Aoba, Furutaka und Kinugasa, die ebenfalls in Kiellinie liefen. Zu beiden Seiten des führenden Kreuzers liefen die Zerstörer Fubuki und Hatsuyuki. Die Verstärkungsgruppe mit den beiden Seeflugzeugträgern und den sechs Zerstörern nahm am folgenden Gefecht nicht teil und hatte zum Zeitpunkt der Schlacht bereits mit dem Entladen von Truppen an der Nordküste Guadalcanals begonnen.
Verlauf mini|links|Der Schwere Kreuzer San Francisco, Konteradmiral Scotts Flaggschiff (Aufnahme von Dezember 1942). In den frühen Nachtstunden des 11. Oktober, kurz nach 22:00 Uhr, starteten von Bord der US-Kreuzer drei Aufklärungsflugzeuge zu einer nächtlichen Erkundungsmission, um das Seegebiet nordwestlich von Cape Esperance abzusuchen. Dabei stürzte allerdings das Bordflugzeug der Salt Lake City ab, als sich an Bord des Flugzeuges versehentlich Leuchtbomben (die zur Beleuchtung des Seegebietes hätten genutzt werden sollen) entzündeten. Der Pilot konnte später gerettet werden. mini|Track Chart der Schiffe während der Schlacht. Scotts Gefechtskehrtwende um 23:35 Uhr ist rechts (nahe der Legende) zu erkennen.
Unmittelbar zuvor hatte der Transportverband von Konteradmiral Jōjima (von den US-Bordflugzeugen unbemerkt) mit hoher Fahrt Cape Esperance passiert und war vor der Nordküste Guadalcanals vor Anker gegangen. Jōjima meldete gegen 22:20 Uhr an Gotō, dass keine US-Schiffe vor Guadalcanal anzutreffen seien, allerdings versäumte es Jōjima in diesem Funkspruch darauf hinzuweisen, dass er Flugzeuge über sich in der Dunkelheit hören könne.Morison: United States Naval Operations, S. 152. Die Meldung bestärkte Gotō in seiner Annahme, dass sich keine US-Seestreitkräfte in der Nähe befinden würden. Weder Gotō noch Jōjima waren sich des Umstandes bewusst, dass zu dieser Zeit der aus Richtung Südwest herankommende US-Kreuzerverband von Konteradmiral Scott bereits westnordwestlich von Cape Esperance stand.
Um 23:25 Uhr erfassten die Radargeräte der beiden US-Kreuzer Salt Lake City und Helena den aus Richtung Nordwest anmarschierenden Kreuzerverband Gotōs – auf eine Distanz von rund zwölf Seemeilen (etwa 23 Kilometer).Young, Peter (Hrsg.): Der große Atlas zum Zweiten Weltkrieg. Bechtermünz. Augsburg 1998, S. 142.
Konteradmiral Scott befahl daraufhin gegen 23:35 Uhr seiner in Richtung Nordost marschierenden Formation eine Kursänderung auf Südwest, d. h. eine sogenannte Gefechtskehrtwende um 180 Grad, um dann danach das Manöver Crossing the T vor den ankommenden Japanern auszuführen zu können. Dies war notwendig, da der US-Verband bereits zu weit Backbord querab von den Spitzenschiffen des japanischen Verbandes stand.
Durch Irrtümer in der Kommunikation änderte jedoch zuerst sein Flaggschiff, der an vierter Stelle in der Kiellinie befindliche Kreuzer San Francisco, den Kurs und drehte nach Backbord ein. Nach einigem Zögern entschlossen sich auch die Kommandanten der drei anderen Kreuzer, dem Führungskreuzer zu folgen, womit die US-Formation auseinanderbrach, da sich die beiden Zerstörer der Nachhut (Buchanan und McCalla) nun ebenso den Kreuzern anschlossen, während die Spitzenschiffe (die drei Zerstörer Fahrenholt, Duncan und Laffey) zunächst weiter ihren Kurs fortsetzten.Ballard: Versenkt im Pazifik, S. 116. Der amerikanische Verband bestand jetzt aus zwei Kolonnen, der von Kreuzern und den (hinteren) Zerstörern gebildeten Hauptgruppe sowie der aus den vorderen drei Zerstörern bestehenden zweiten Kolonne, die sich jetzt (steuerbordseitig) zwischen der Führungsgruppe und den Japanern befand. mini|Der japanische Schwere Kreuzer Aoba, Konteradmiral Gotōs Flaggschiff.
In der Folge versuchten die drei Zerstörer der Vorhut nun, die verspätet ebenfalls nach Backbord beziehungsweise auf Südwest-Kurs eingedreht hatten, sich mit hoher Geschwindigkeit wieder vor die eigenen Kreuzer zu setzen. Dabei verlor der Zerstörer Duncan den Anschluss an seine Gruppe, verirrte sich in der Dunkelheit und lief den Japanern später fast direkt vor die Rohre; er ging als einziges Schiff des US-Verbandes verloren. Scott wusste, dass seine drei Vorhut-Zerstörer nun von Steuerbord achtern mit hohen Fahrtstufen heranliefen, um wieder zu den Kreuzern aufzuschließenMorison: United States Naval Operations, S. 154ff. – womit sich diese drei Zerstörer jedoch genau im Schussfeld zwischen den US-Kreuzern und dem japanischen Verband befanden. Um zu verhindern, dass seine eigenen Zerstörer unter den Beschuss der eigenen Kreuzer gerieten, und weil er der neuen Radartechnik noch nicht ganz traute, zögerte Scott noch mehr als zehn Minuten, bevor er den Feuerbefehl erteilte. Um 23:46 Uhr eröffneten die US-Kreuzer schließlich das Feuer auf die nur noch ca. 6,5 Seemeilen (rund zwölf Kilometer) entfernten japanischen Schiffe. Durch das Durcheinander ging den Amerikanern ein wertvoller Teil des Überraschungsmomentes, das ihnen die Radargeräte ermöglicht hatten, verloren. Bereits kurz vor der Feuereröffnung hatte die Brückenbesatzung des Kreuzers Helena lakonisch gemeldet, dass man die gegnerischen Schiffe nun schon mit bloßem Auge sehen könnte.
Die Japaner wurden von dem Feuerüberfall vollständig überrascht, obwohl auch die Brückenbesatzungen der japanischen Schiffe, die über kein Radar verfügten, in der Dunkelheit die US-Schiffe bereits hatten ausmachen können. Irrtümlicherweise hatten die Japaner jedoch angenommen, dass sie die Einheiten der eigenen Verstärkungsgruppe von Konteradmiral Jōjima vor sich hätten und hatten diesen Schiffen (in Wirklichkeit waren es die US-Schiffe) sogar ihre Erkennungssignale übermittelt. Das Feuer der Amerikaner konzentrierte sich zunächst auf den führenden Schweren Kreuzer der Japaner, Gotōs Flaggschiff Aoba, der innerhalb von wenigen Minuten zahlreiche Treffer erhielt, wobei auch Konteradmiral Gotō auf der Kommandobrücke tödlich verwundet wurde. Die Verwunderung über diesen Beschuss zeigte sich auch in Gotōs Reaktion, der – in der Annahme, von Jōjimas Kräften irrtümlich beschossen zu werden – bereits schwer verletzt die Beleidigung „Bakayarō!“ () fallen ließ.Etwa frei übersetzbar mit „diese verfluchten Idioten“. Vgl. hierzu: Andrew Wiest, Gregory Louis Mattson: Krieg im Pazifik 1941 – 1945. Von Pearl Harbor bis Hiroshima. Tosa Verlag. Wien 2002, S. 113.