Jakob Kozelczyk, auch Kozelczuk oder Gorzelezyk, (; * 13. Juli 1902 in Krynki, Russisches Kaiserreich; † 13. Juni 1953 in Cholon, IsraelN.N., Yakoov Kozelczyk (Shimshon Eisen), in Davar, 14.07.1953, 4. (hebräisch)) war ein israelisch-kubanischer Ringer und Schausteller polnischer Herkunft. Als Häftling des Konzentrationslager Auschwitz war er als Kalfaktor im Block 11 tätig.
Frühe Jahre: Auswanderung, Schausteller und Ringer mini|Jakob Kozelczyk an Bord eines Einwanderungsschiffs, Juni 1946 Jakob Kozelczyk wurde in der Stadt Krynki, in der Nähe von Białystok als Sohn des Gerbers Yitzhak Kozelczyk und dessen Ehefrau Sarah geboren. Nach dem Tod beider Eltern wurde Jakob bereits im Alter von acht Jahren zum Vollwaisen und war fortan weitestgehend auf sich alleine gestellt. Bereits in jungen Jahren fiel dieser jedoch aufgrund seiner außergewöhnlichen Muskelkraft und seines großen, muskulösen Körpers auf. Im Alter von 18 Jahren verließ er Polen und zog zu Verwandten nach Kuba, wo er zunächst als Verlader im Hafen von Havanna arbeitete. Nur kurze Zeit später schloss sich der mittlerweile 130 Kilogramm schwere Kozelczyk einem Wanderzirkus als professioneller Wrestler an und tourte durch die USA, Mexiko und Argentinien. Während eines Aufenthaltes des deutschen Boxweltmeisters im Schwergewicht, Max Schmeling, in den USA sei Kozelczyk laut eigenen Angaben als dessen Bodyguard und Sparringpartner tätig gewesen, was Schmeling jedoch Jahre später dementierte. Als Teil einer internationalen Gruppe von Ringern kehrte Kozelczyk im Jahr 1938 nach Europa zurück und tourte unter anderem auch durch Polen, wo er in Sokółka seine spätere Frau kennenlernte.
Zweiter Weltkrieg: KZ-Häftling mini|Schwarze Wand, Block 11 Während der deutschen Besetzung Polens wurden im November 1942 seine Ehefrau und die beiden gemeinsamen Kinder ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort im Zuge des Holocaust ermordet.Jochen August: Bunker-Jakob. (Rezension zu Amir Haskel: The Warden of Block 11) In: Einsicht 12 - Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Ausgabe Herbst 2014, S. 67 Kozelcyk selbst kam am 26. Januar 1943 in einem RSHA-Transport gemeinsam mit 2300 Juden aus dem Ghetto in Sokółka in dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau an. Unmittelbar nach Ankunft des Deportationszuges wurden 2107 Personen in den Gaskammern ermordet.Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Reinbek 1989, S. 393. Kozelzczyk erhielt die Häftlingsnummer 93.830. Aufgrund seines außergewöhnlich athletischen Körperbaus überstand er die Selektion und wurde ins Lager eingewiesen. Später wurde ihm die Tätigkeit des Kalfaktors im Lagergefängnis (Block 11, auch Todesblock oder Bunker genannt) übertragen. Zunächst war dort Kozelcyzk Gehilfe des polnischen Häftlings Hans Musioł, bis er diesen im Mai 1943 als Kalfaktor ablöste. Im Lager war er als Bunker-Jakob bekannt.Filip Müller: Sonderbehandlung: meine Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz. wbg Theiss, Darmstadt 2022, ISBN 978-3-8062-4433-5, S. 79.
Als Funktionshäftling war er unter anderem für das Öffnen, Verschließen und Reinigen der Arrest-, Steh- und Dunkelzellen, für die Essensverteilung an die Häftlinge und den Vollzug der Prügelstrafe zuständig. Außerdem musste er die nackten Todeskandidaten aus dem Bunker zur Hinrichtung an die schwarze Wand führen, sie beim Erschießen festhalten und anschließend die Leichen wegtragen.
mini|Block 11, Arrestzellen im Keller
Nachdem die Rote Armee die Weichsel-Oder-Operation gestartet hatte und sich dem Lager näherte, wurden zwischen dem 17. und 21. Januar 1945 fast 56.000 Häftlinge gezwungen, auf einem Todesmarsch westwärts zu gehen. Ab 18. Januar 1945 befand sich auch Kozelczyk unter den Häftlingen, welche den Fußmarsch nach Westen, zunächst über das Konzentrationslager Groß-Rosen und anschließend in das Außenlager Leitmeritz des KZ Flossenburg antreten mussten, wo Kozelczyk ebenfalls als Kapo tätig war. Nach der Kapitulation der Wehrmacht wurde das KZ-Außenlager Leitmeritz offiziell am 8. Mai 1945 geschlossen.
Nachkriegszeit 251x251px|mini|Jakob Kozelczyks Grabstein
Kozelczyk war nach seiner Freilassung damit beschäftigt, jüdische Holocaust-Überlebende bei der Übersiedelung nach Palästina zu unterstützen, wohin er selbst ein Jahr später emigrierte. In Cholon eröffnete Kozelczyk einen Kiosk und begann kurz darauf als Schausteller unter dem Künstlernamen "Samson Eisen" durch das Land zu touren.
Im September 1946 veröffentlichte die israelische Tageszeitung Haaretz einen Artikel, in dem behauptet wurde, Kozelczyk habe mit den Nazis kollaboriert, wogegen er eine Verleumdungsklage einreichte. Ein Verfahren gegen Kozelcyzk wurde aufgrund vieler entlastender Zeugenaussagen eingestellt.Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Europaverlag, 1980, ISBN 3-548-33014-2, S. 218 Die Verdächtigungen um die Beteiligung Kozelczyks an Kriegsverbrechen in Auschwitz führten auch zu zwei Auslieferungsanträgen aus Polen und Tschechien, welchen sich die israelische Regierung jedoch verweigerte.
Die Gerüchte um Kozelczyks Kollaboration hielten sich jedoch weiter und beendeten seine Karriere als Entertainer. Kozelczyk starb am 13. Juni 1953 in seiner Wohnung an einem Herzinfarkt. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof Kiryat Shaul, in Tel-Aviv beerdigt.
Film 2015: The Kozalchik Affair (Fernsehfilm)
Literatur Amir Haskel: The Warden of Block 11. Contento Now, 2014, ISBN 978-965-550-260-2. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2, S. 214 ff.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Funktionshäftling im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im KZ Flossenbürg Kategorie:Kapo Kategorie:Überlebender des Holocaust Kategorie:Polnischer Emigrant in Palästina zur Mandatszeit Kategorie:Immigrant in Kuba Kategorie:Ringer (Kuba) Kategorie:Schausteller Kategorie:Kubaner Kategorie:Pole Kategorie:Israeli Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Mann