Der Gara Sbaa Plattenkalk ist eine Konservatlagerstätte im Südosten von Marokko aus dem späten Cenomanium bis frühen Turonium (Oberkreide)Martill, D. M., Ibrahim, N., Brito, P. M., Baider, L., Zhouri, S., Loveridge, R., Naish, D., & Hing, R. (2011). A new Plattenkalk Konservat Lagerstätte in the Upper Cretaceous of Gara Sbaa, south-eastern Morocco. Cretaceous Research, 32(4), 433–446. doi:10.1016/j.cretres.2011.01.005. Sie ist bekannt für ihre gut erhaltenen fossilen Fische und ArthropodenLamsdell, J. C., Tashman, J. N., Pasini, G., & Garassino, A. (2020). A new limulid (Chelicerata, Xiphosurida) from the Late Cretaceous (Cenomanian–Turonian) of Gara Sbaa, southeast Morocco. Cretaceous Research, 106, 104230. doi:10.1016/j.cretres.2019.104230.
Geographische Lage Die Konservatlagerstätte befindet sich auf dem Plateau „Hamada des Kem Kem“ des Berges Gara Sbaa (auch Gara Sba oder Gara Es Sba, ausgesprochen gara sabah). Der Berg hat eine Höhe von ca. 970 m und liegt etwa 30 km südsüdwestlich vom Dorf Tafraoute im Südosten von Marokko, nahe der algerischen Grenze. Die Koordinaten sind . Es gibt noch weitere paläontologisch relevante Fundorte in der RegionCavin, L., Tong, H., Boudad, L., Meister, C., Piuz, A., Tabouelle, J., Aarab, M., Amiot, R., Buffetaut, E., Dyke, G., Hua, S., & Le Loeuff, J. (2010). Vertebrate assemblages from the early Late Cretaceous of southeastern Morocco: An overview. Journal of African Earth Sciences, 57(5), 391–412. doi:10.1016/j.jafrearsci.2009.12.007.
Geologie
Geologischer Rahmen Die Lagerstätte kommt in extensiven marinen Karbonaten vor, welche sich während der Oberkreide (Cenomanium/Turonium) durch eine marine Transgression bildeten und in der Region weit verbreitet sind. Es handelt sich dabei um laminierte, dolomitisierte Kalksteine, welche größtenteils in ihrer ursprünglich horizontalen Ablagerung vorzufinden sind. Diese Formation wird Aoufous-Formation genannt. Darunter liegt die sogenannte Ifezouane-Formation, welche aus fluviatilen siliziklastischen Sedimenten besteht. Sie enthält Überreste von Wirbeltieren, unter anderem Dinosaurier. Basierend auf der Datierung dieser Überreste, wurde die Formation auf das Zeitalter Kreide (Albium oder Cenomanium) geschätzt. Beide Formationen gehören zur Continental Intercalaire Formation, welche lokal auch Kem-Kem-Sequenz genannt wird. Diese gehört wiederum zur „Hamada-Kreide-Tertiär-paläogeographischen Provinz“. Unter der Kem-Kem-Sequenz liegen von der variszischen Orogenese verfaltete Gesteine aus dem Paläozoikum vor.
Datierung Die Datierung basiert auf der Stratigraphie sowie auf Datierungen der Überreste aus der Kem-Kem-Sequenz. Von der Lagerstätte gibt es keine absolute Altersdatierung. Allerdings wird das Alter auf das späte Cenomanium bis frühe Turonium geschätzt.
Entstehungsgeschichte Die Kalksteine entstanden in einer karbonatischen Lagune mit benthonischen mikrobiellen Matten und anschließender Meeresspiegelerhöhung. Es wird davon ausgegangen, dass es einen großen Einfluss des ozeanischen anoxischen Ereignisses (OAE) im späten Cenomanium gab.
Taphonomie
Erhaltungszustand der Fossilien Alle Fossilien in der Gara Sbaa Lagerstätte sind im laminierten Kalkstein eingebettet und wurden abgeflacht. Die Wirbeltiere sind vollständig erhalten, jedoch sind ihre Knochen artikuliert und bräunlich gefärbt. Einige Knochen weisen einen Überzug des Minerals Vivianit auf.
Einige Fischfossilien zeigen eine orangebraune Eisenverfärbung, welche durch oxidierten Pyrit entstanden sein könnten. Dieser hatte sich aus den Weichteilgeweben gebildet. Auch Pflanzenreste sind als Eisenoxidfilme erhalten.
Wirbellose Tiere sind als Abdrücke erhalten, bei größeren Exemplaren (ca. 30-50 mm) ist zudem teilweise die Cuticula erhalten.
Aufgrund von Erosion kommt es an manchen Stellen zu einer erhöhten Konzentration von Funden an der Oberfläche, wobei diese durch vermehrte Mitnahme immer weiter schwinden .
Funde
Flora Ein paar Fragmente von Farnen (Pteridophyta (Unterstamm)) wurden gefunden, welche als orange-braune Goethitfilme erhalten sind. Sie sind vergleichbar mit den Funden aus der brasilianischen Crato-Formation.
Fauna
Wirbellose Unterhalb der laminierten Karbonatschichten wurden hauptsächlich Muscheln der Überfamilie Ostreacea gefunden, welche in den laminierten Schichten fehlen.
In den laminierten Schichten wurden folgende Wirbellose identifiziert:
Arthropoda (Stamm) (Gliederfüßler): Isopoda (Ordnung) Decapoda (Ordnung) Chrysididae (Familie) ein Exemplar einer Aculeata (Klade) (Hautflügler/Hymenoptera (Ordnung)) Orthoptera (Ordnung) (Heuschrecken) eine Brachyura (Infraordnung), allerdings unvollständig Ammonitida (Ordnung) Neolobites vibrayeanus (Art)
Fische Fische bilden die am häufigsten gefundenen Fossilien in der Lagerstätte. Es wurden folgende Gruppen identifiziert:
mini|Agoultichthys chattertoni, Gara SbaaMacrosemiiden (Familie): Agoultichthys chattertoni (Art) Belonostomus sp. (Gattung) Pycnodontiformes (Ordnung): neue Art von Pycnodus (Gattung) Ichthyodectiformes (Ordnung): Cladocyclus sp. (Gattung) Dercetidae (Familie): Rhynchodercetis (Gattung) Saurorhamphus (Gattung) mini|Lusitanichthys africanus, Gara es SbaaLusitanichthys (Gattung) Ellimmichthyiformes (Ordnung): Paraclupeidae (Familie) Ellimmichthyidae (Familie) Diplomystus (Gattung) Ellimmichthys-ähnlich (Gattung) Sorbinichthyidae (Familie) Clupeomorpha (Überordnung) Agoultichthys chattertoni Acanthomorphe Fisch Acanthomorphata ostaryophysische Fische (Lusitanichthys-ähnlich)
Eine ausführliche Tabelle von weiteren Funden wurde von Cavin et al. (2010) veröffentlicht.
Amphibien Es wurden nur wenige Arten von Amphibien gefunden:
Kababisha sp. (Gattung) Oumtkoutia anae (Art)
Reptilien Eine einzelne Tetrapode (ein nicht bestimmbarer Lurch) wurde von einem Sammler ausgegraben. Sein heutiger Verbleib, ist unbekannt.
Literaturhinweis Die meisten Zuordnungen der gefundenen Flora und Fauna zu den jeweiligen taxonomischen Stammbäumen sind der Internetseite mineralienatlas.de entnommen.
Forschungsgeschichte
Wissenschaftliche Ausgrabungen Bei Feldarbeiten im Oktober 2006 wurden Proben genommen und anschließend in Kollaboration mit dem Department of Invertebrate Paleontology of the Museo di Storia Naturale di Milano erforscht.
Zudem gab es eine dreiwöchige Ausgrabungsserie im Mai 2008 von französischen Wissenschaftlern.
Außerdem wurde die Lagerstätte im Rahmen von Feldarbeiten an der Kem-Kem-Sequenz im Jahr 2008 beprobt. Anschließend wurde sie von einem Team der Universitäten Portsmouth, Casablanca und Dublin erforscht.
Weiterführende Publikationen Garassino, A., Angeli, A. D., & Pasini, G. (2008). New decapod assemblage from the Upper Cretaceous (Cenomanian-Turonian) of Gara Sbaa, southeastern Morocco. Atti della Società italiana di Scienze naturali e del Museo civico di Storia naturale in Milano 149, 37-67.
Garassino, A., & Pasini, G. (2018). Amazighopsidae, a new family of decapod macruran astacideans from the late Cretaceous (Cenomanian-Turonian) of Gara Sbaa, Southeastern Morocco. Natural History Sciences, 5(1). doi:10.4081/nhs.2018.358
Ibrahim, N., Sereno, P. C., Varricchio, D. J., Martill, D. M., Dutheil, D. B., Unwin, D. M., Baidder, L., Larsson, H. C. E., Zouhri, S., & Kaoukaya, A. (2020). Geology and paleontology of the Upper Cretaceous Kem Kem Group of eastern Morocco. ZooKeys, 928, 1–216. doi:10.3897/zookeys.928.47517
Einzelnachweise/Primärquellen
Kategorie:Fossillagerstätte Kategorie:Geographie (Marokko)