Nebenwirkungen (Originaltitel: Side effects) ist eine erstmals 1980 bei Random House erschienene Textsammlung von Woody Allen. Die deutsche Übersetzung von Benjamin Schwarz erschien erstmals 1981 bei Rogner & Bernhard. Kurzbeschreibung Nebenwirkungen enthält 17 Texte unterschiedlicher Gattung und unterschiedlicher Erzählperspektive zu unterschiedlichen Themen. Inhalte der einzelnen Texte So war Nadelmann (Originaltitel: Remembering Needleman)
Der Ich-Erzähler berichtet nachrufartig über den Akademiker Sandor Nadelmann, der nach der Machtergreifung aus Berlin geflohen war. „Als Busch verkleidet und sich mit jeweils drei raschen Schritten nur seitwärts bewegend, überschritt er unbemerkt die Grenze“,Woody Allen: Allen für alle. Seine besten Stories. (=Sammlung Luchterhand, Band 1053.) Aus dem Amerikanischen von Benjamin Schwarz. Luchterhand-Literaturverlag, Hamburg/Zürich 1992. ISBN 3-630-71053-0. S. 60. gelangte schließlich in sein US-Exil. Nadelmann, so der Ich-Erzähler, „hatte das Gefühl, Sprechen sei die verkehrte Art, mit Menschen umzugehen, und selbst seine vertraulichsten Gespräche führte er mit Hilfe von Signalflaggen.“Allen, Allen für alle, S. 57–58. Gelegentlich aber muss Nadelmann doch gesprochen haben, denn der Ich-Erzähler berichtet, Nadelmann habe gerne gesagt „Gott schweigt“ und gefordert, „wenn wir jetzt bloß die Menschen dazu brächten, die Klappe zu halten.“Allen, Allen für alle, S. 59. Zu Nadelmanns unvollendeten Werken gehört „ein Buch über den Holocaust. Dieses aber mit Ausschneidefiguren.“Allen, Allen für alle, S. 58. Nadelmann starb, „als er in seiner Mittagspause bei einem Hausabriß zusah“ und ihm „von einer Rammkugel der Kopf eingeschlagen wurde“. Der zum Tode Verurteilte (Originaltitel: The condemned)
Cloquet, seines Zeichens Geflügelpsychologie-Dozent an der Sorbonne, möchte den einst mit ihm befreundeten Faschisten Gaston Brisseau im Schlafe in dessen Bett erschießen, zögert jedoch insgesamt über zwei Stunden, sieht ein, dass er dazu unfähig ist und flieht. Seiner attraktiven marxistischen Bekannten Juliet gegenüber erklärt er jedoch, Brisseau getötet zu haben, was mit bewirkt, dass es mit ihr zum Geschlechtsverkehr kommen kann. Am nächsten Morgen wird Cloquet zu seiner Überraschung wegen Mordes an Brisseau festgenommen. Die Beweislast ist erdrückend, da Cloquet Spuren hinterließ, und Cloquet wird zum Tod durch die Guillotine verurteilt. In der Todeszelle gibt er sich teilweise absurden Gedanken hin, kommt aber am Tag seiner Hinrichtung frei, weil der wahre Mörder von Brisseau ein Geständnis abgelegt hat. Des Schicksals kalte Schulter (Originaltitel: By destiny denied, Notes for an eight-hundred-page novel – the big book they're all waiting for)
Dieser Text bietet „Notizen zu einem Achthundert-Seiten-Roman – dem großen Buch, auf das alle warten“.Allen, Allen für alle, S. 168. In der Vorgeschichte entkommt der Brotkanten-Dieb Solomon Entwhistle im Jahre 1823 durch einen Tunnel einem Glasgower Gefängnis, schifft sich gen USA ein und gründet dort eine „kleine Handelsniederlassung“, die sich „zu einem gigantischen modernen Warenhaus“ entwickeln sollte,Allen, Allen für alle, S. 169. in dem im Jahre 1976 Blanche Mandelstam als Schuhverkäuferin arbeitet. In Blanches Schuhabteilung taucht als Kunde der Mann mit dem Frauennamen Carmen Pinchuk auf. „Gegenwärtig ist er bei der Fisch- und Wildbretgesellschaft beschäftigt, wo er dafür bezahlt wird, daß er Eichhörnchen Spanischunterricht erteilt.“Allen, Allen für alle, S. 172. Pinchuk möchte seine Hushpuppies-Schuhe umtauschen, weil sie ihm zu klein sind, hat aber seinen Kassenbon verlegt. „Das zentrale Problem ist, daß er ständig Dinge verlegt. Einmal ging er schlafen, und als er aufwachte, war sein Bett nicht da“.Allen, Allen für alle, S. 173. Blanches Problem dagegen ist, dass sie nicht Nein sagen kann, weil sie geliebt werden möchte. „Einmal habe ich ein lebendes Gnu gekauft, weil ich nicht nein sagen konnte.“ Die Hushpuppies werden umgetauscht, doch kommt es zu keiner Romanze zwischen den beiden. Pinchuk fühlt „eine schwere Depression und leichte Benommenheit“ und wird „chinesischer Kellner in einem Kantonrestaurant“ statt Spanischlehrer für Eichhörnchen.Allen, Allen für alle, S. 174. „Blanche Mandelstam erlitt kurz darauf einen ziemlichen Nervenzusammenbruch und versuchte, mit einem Foto von Dizzy Dean durchzubrennen.“ Die UFO-Gefahr (Originaltitel: The UFO menace)
In dieser „humorvollen Darstellung der absurden Suche nach außerirdischem Leben“„humorous take on the absurd search for extraterrestrial life“ – Summary of Side Effects by Woody Allen. A Detailed Synopsis. In: newbookrecommendation.com. Abgerufen am 30. Juni 2025. geht es anfangs um fiktive wissenschaftliche Theorien wie die, dass außerirdische Zivilisationen der unseren um etwa fünfzehn Minuten voraus seien oder gar nicht zu uns kommen würden, weil sich die Reise angesichts der Shows am Broadway kaum lohnen würde. Nach einer historischen Rückschau auf geklärte oder ungeklärte UFO-Sichtungen beispielsweise in biblischen Zeiten, durch Goethe, der unter Verweis auf sein Genie nicht von Außerirdischen entführt werden wollte, oder durch einen britischen Adligen, der versehentlich seine Zechernase für ein rotglühendes zigarrenförmiges UFO hielt, endet die Geschichte mit der Erzählung eines Fabrikarbeiters aus Louisiana, der angeblich von Außerirdischen entführt wurde, die damit drohten, die Menschen sollten in Frieden leben, sonst würde das UFO in gewalttätiger Absicht wiederkehren. Meine Apologie (Originaltitel: My apology)
Der Ich-Erzähler Allen schildert einen Traum in Form eines Bühnenstücks, in dem Allen die letzten Stunden des Sokrates nachlebt und in der Todeszelle besucht wird durch Simmias von Theben und Agathon von Athen. Am Anfang gibt Allen sich noch tapfer mit Sentenzen wie „Der Tod ist ein Zustand des Nichtseins. Was nicht ist, existiert nicht. Also existiert der Tod nicht.“Allen, Allen für alle, S. 137. Doch lässt seine Tapferkeit nach, er distanziert sich von dieser Sentenz mit den Worten: „Na, hör mal – ich habe vielerlei bewiesen. So bezahl ich meine Miete.“Allen, Allen für alle, S. 139. Es kommt dazu, „dass ich schamlos um Hilfe winsele, und alles scheint verloren. Da nimmt der Traum aufgrund irgendeines angeborenen Überlebenstriebes eine Wendung, und ein Bote erscheint“, der die Nachricht bringt, dass der Todgeweihte begnadigt worden wäre.Allen, Allen für alle, S. 140. Das Zwischenspiel mit Kugelmaß (Originaltitel: The Kugelmass episode)
In dieser „wohl berühmtesten Kurzgeschichte“ von Woody Allen„probably Allen’s most famous short story“ – Jason Luna: Side Effects by Woody Allen. In: geekspeakmagazine.com. Abgerufen am 30. Juni 2025. ist der in zweiter Ehe unglücklich verheiratete CCNY-Professor Sidney Kugelmaß sehr erpicht auf eine außereheliche Affäre, zögert aber, weil ihn eine zweite Scheidung ruinieren würde. Der Zauberer Persky kontaktiert Kugelmaß und macht ihn mit einem magischen Schrank bekannt, der Kugelmaß in die Welt eines Buches seiner Wahl versetzen kann. Kugelmaß bedient sich des Schrankes, flirtet mit Madame Bovary, muss wegen eines Termins zurück und sieht frohgemut einer Zukunft als Bovary-Liebhaber entgegen, der die heimische Gattin nicht fürchten muss. Kugelmaß weiß jedoch nichts von der Wechselwirkung, dass er nun in der Bovary-Schullektüre in verschiedenen Klassenzimmern im ganzen Land als Romanfigur auftaucht und sich Schüler über diesen unvorhergesehenen Kahlkopf wundern. Monatelang nimmt Kugelmaß die Bovary-Dienste Perskys in Anspruch. Da Kugelmaß Madame Bovary vom Oscar erzählt, möchte sie die Filmbranche kennenlernen, und Persky ermöglicht es, dass Madame Bovary mittels seiner Magie aus dem Roman in die Realität versetzt wird, während sie zur Verwunderung der Leser aus den Büchern verschwindet. Aufgrund eines technischen Fehlers kann Madame Bovary aber nicht mehr in die Romanhandlung zurückkehren und verlangt von Kugelmaß, dass er sie in die Romanhandlung zurückbringen lasse oder heirate; die beiden entfremden sich. Als der technische Defekt behoben ist, kann Madame Bovary zurückkehren, Kugelmaß schwört sich zunächst, nie wieder auf Perskys Dienste zurückzugreifen, will später dann aber doch in Portnoys Beschwerden versetzt werden. Bei diesem Versuch geht der magische Schrank in Flammen auf, Persky erleidet einen tödlichen Herzinfarkt und Kugelmaß landet versehentlich in einem Spanisch-Lehrbuch, wo ihn ein hässliches Verb über karges Gelände jagt. Meine Ansprache an die Schulabgänger (Originaltitel: My speech to the graduates)
Der Ich-Erzähler stellt in diesem Redetext auf „seine einfachste Form gebracht“ das Problem in den Raum: „Wie ist es möglich, in einer begrenzten Welt einen Sinn zu finden, wenn ich nur von meiner Taillenweite und Hemdgröße ausgehe?“Allen, Allen für alle, S. 202. Kann Gott die Lösung sein? Der Mensch befinde sich „mitten in einer Glaubenskrise. […] Er hat die verheerenden Auswirkungen des Krieges gesehen, er hat Naturkatastrophen erlebt, er ist in Singlebars gewesen. […] Im Gefühl, ohne Gott zu sein, haben wir die Technik zum Gott gemacht. Aber kann die Technik denn wirklich die Lösung sein […]? Mein neuer Toaster hat in vier Jahren noch kein einziges Mal richtig funktioniert“, sondern schießt Toastbrotscheiben in den Raum: „Einmal haben sie einer Frau, die ich von ganzem Herzen liebte, das Nasenbein gebrochen.“Allen, Allen für alle, S. 203–204. Die Diät (Originaltitel: The diet)
Der Büroangestellte F. ist frustriert wegen seines feindseligen Berufsumfelds, frustriert wegen der bürokratischen Hürden, die er nehmen müsste, um an einen neuen Bürostuhl zu kommen – der alte fällt um, wenn man entspannt die Füße auf den Schreibtisch legt – und frustriert, weil ein Bürokollege sogar zwei Stühle hat. Sein Leben will F. nun ändern, macht mehrere Wochen lang eine Diät, und mit seinem Gewicht verringert sich auch sein Pech: Ein Minister lädt F. zu einem Gespräch, das der Minister zuvor verweigert hatte. Während eines späteren Gesprächs mit einem Bekannten kann F. jedoch einem Eclair nicht widerstehen, und damit kehrt anscheinend sein Pech zurück: Sein Gesprächspartner erklärt, er habe gehört, der Minister wolle F. wegen bestimmter Anschuldigungen sprechen. F. springt von seinem Tisch auf, rennt nach Hause, wirft sich vor seinem Vater auf den Boden und weint. Erinnerungen – Orte und Menschen (Originaltitel: Reminiscences: places and people)
In diesem „Reisebericht“„travelogue“ – Luna, Side Effects by Woody Allen, abgerufen am 30. Juni 2025. blickt der Ich-Erzähler auf ihn prägende Begegnungen und die zugehörigen Orte zurück: Brooklyn samt Ebbets Field, New Orleans samt dortigem Mardi Gras, Paris, Mexiko, London. Hierbei verwebt der Ich-Erzähler skurrile Anekdoten mit feinen Beobachtungen scheinbar unwichtiger Momente oder Personen, die dennoch bleibende Spuren in seinem Gedächtnis hinterließen. Die Geschichte vom Verrückten (Originaltitel: The lunatic's tale)