Der letzte König von Osten Ard (englisch The Last King of Osten Ard) ist eine vierteilige, zwischen 2017 und 2024 veröffentlichte Fantasy-Romanreihe des US-amerikanischen Schriftstellers Tad Williams. In der deutschsprachigen Ausgabe erschienen die Bücher als Doppelbände unter den Namen Die Hexenholzkrone (2017), Das Reich der Grasländer (2020), Im dunklen Tal (2023) und Die Kinder des Seefahrers (2025). Die Übersetzung erfolgte durch Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle.
Die Tetralogie spielt zeitlich gesehen dreißig Jahre nach der von Williams in den 1990er-Jahren geschriebenen Trilogie Das Geheimnis der Großen Schwerter. Als verbindenden Übergang der beiden Zyklen veröffentlichte der Autor 2017 den Roman Das Herz der verlorenen Dinge.
Entstehung
Laut Aussage von Williams kam ihm im Frühling 2013 die Idee für einen neuen Zyklus in Osten Ard. Er wolle schriftlich nur in eine seiner bisherigen Welten zurückkehren, wenn ihm eine Geschichte einfällt, die es wert sei, erzählt zu werden. Zudem bereitete ihm Sorge, es würde ein schlechtes Licht auf Das Geheimnis der Großen Schwerter werfen, wenn ihm kein würdiger zweiter Zyklus gelingt. Ein Jahr später – im April 2014 – kündigten DAW Books und Tad Williams eine Trilogie unter dem Namen The Last King of Osten Ard an. Anfang 2015 war der erste Entwurf von Die Hexenholzkrone beendet. Doch die für 2016 angedachte Veröffentlichung verschob sich durch die Fusion von Penguin Books und Random House um ein Jahr. Anders als bei bisherigen Büchern ließ Williams langjährige Leser den ersten Entwurf lesen und sich ein Feedback geben. Die Hexenholzkrone sollte bereits im August 2017 in deutscher Sprache erscheinen. Durch eine verspätete Abgabe des Originalmanuskripts und den höheren Seitenumfang entschied der Verlag Klett-Cotta, die deutschsprachige Ausgabe des ersten Bandes in zwei Büchern zu veröffentlichen, was im September und November 2017 geschah.
Viel Arbeit bereitete dem Autor während der Entstehung des ersten Bands die Verknüpfung der neuen Ideen mit dem Aufbau der Welt aus dem ersten Zyklus. Er erläuterte dies in einem Blogeintrag anhand des Beispiels der Monatsnamen der Keida'ya, die er im ersten Zyklus bereits in zweierlei Form nannte, und die er für den neuen Zyklus auf plausible Weise verknüpfte. Wie Williams ausführt, fügt er geschichtliche Texte und Zitate aus seiner fiktiven Welt direkt in die Erzählung ein, hat anders als beispielsweise Tolkien keine unveröffentlichten Geschichten geschrieben, auf denen seine Erwähnungen basieren. Der Autor begann das erneute Schreiben über Osten Ard zu genießen und fing bereits mit dem Schreiben des ersten Bandes an, über weitere Geschichten in dieser Welt nachzudenken.
Während Williams wusste, wie das Finale des Zyklus auszusehen hat, war ihm bei der Hälfte des zweiten Bands noch nicht klar, wie er die Romanfiguren an den gewünschten Platz vom Finale bringen wird. Wie er betont mag er Zwischenbände, da er hier Spielraum für im ursprünglichen Plot noch nicht vorgesehene Wendungen hat und sich auch mehr mit Nebenrollen-Figuren beschäftigen kann. Charaktere müssten sich ändern, Geheimnisse vertiefen und neue Faktoren eingebracht werden. Den ersten, 1200 Seiten umfassenden Entwurf des zweiten Bandes vollendete der Autor Anfang Oktober 2017. 2019 wurde Empire of Grass schließlich veröffentlicht.
Wegen einer Schulterverletzung verlor der Autor weite Teile des Jahres 2018 für das Schreiben und konnte so erst im April 2019 mit dem dritten Band The Navigator's Children beginnen, den er auch im September 2020 noch als abschließenden Band einer Trilogie sah – als sein bisher zweitlängstes Buch. Im November 2021 kündigte er die von seinem Verleger geforderte Teilung in zwei Bände an. Eine Kürzung der Geschichte kam für Williams nicht in Frage, da dies den Ablauf der Handlungsstränge und die Entwicklung der Charaktere erheblich stören würde. Der nunmehr dritte Band Into the Narrowdark kam im Juli 2022 auf den Markt, das abschließende The Navigator's Children im November 2024.
Inhalt
Vorgeschichte Das Herz der verlorenen Dinge
Die Novelle aus dem Jahr 2017 stellt einen Abschluss der ersten Buchreihe dar, bereitet jedoch vor allem auf die neue Tetralogie vor. Der ursprüngliche, von Tad Williams bevorzugte Titel The Heart of Regret (übersetzt in etwa Das Herz des Bedauerns) bekam den alternativ angedachten Titel The Heart of What Was Lost. Thema ist die Flucht der Nornen nach dem verlorenen Sturmkönig-Krieg in ihre Stadt und die anschließende Belagerung. Erzählt wird die Handlung aus der Warte beider Seiten. Bei den Nornen werden die Ereignisse aus der Sicht des Baumeisters Viyeki geschildert. Beim Heer der verfolgenden Rimmersmänner lassen sich die Ereignisse aus dem Blickwinkel der Heeresleitung um Herzog Isgrimnur beobachten, aber auch in Person des jungen Porto das Erleben eines einfachen Ritters. Die Sithi Ayaminu begleitet die Verfolger. Wie sich im Band The Navigator's Children dreißig Jahre später herausstellt, hatte sie Kontakt mit einer Widerstandsgruppe der Nornen.
Eine flüchtende Gruppe Nornen verschanzt sich in der verlassenen Wirrwurzelfestung und nach einer weiteren Flucht im Dreirabenturm. Beide Belagerungen durch die Rimmersmänner dauern nur kurz, doch es verschafft einem Teil der Nornen die nötige Zeit, in die Bergstadt Nakkiga zu fliehen.
Nakkiga ist eine Stadt im Berg, und der wesentliche Zugang führt durch ein großes, stark befestigtes Tor. Die Zerstörung des Tors ist nur eine Frage der Zeit, und daher beenden die Nornen die Belagerung, indem sie einen Teil des Berges auf das Stadttor stürzen lassen. Damit sind sie im Berg gefangen, doch auch die Angreifer haben keine realistische Chance, die Trümmer vor dem nahenden Winter zu entfernen. Daher ziehen die Belagerer ab.
Die Ereignisse in der belagerten Stadt beeinflussen die Zukunft und bilden die Grundlage für die folgende Romanreihe. Die Zahl der Nornen hat sich nach dem verlorenen Krieg und während der Verteidigung drastisch reduziert. Die Königin befindet sich im Heilschlaf, und so werden durch Intrigen und Bündnisse die Machtverhältnisse innerhalb der Führungsschicht neu geordnet. Der Sänger Akhenabi sorgt für den Tod seiner größten Konkurrentin Suno'ku. Der Großmagister Yaarike lässt dies zu, um seinen Plan zur Versiegelung des Stadttors durchführen zu können. Die eigentlich auf die Reinheit ihrer Blutlinie achtenden Nornen beschließen, sich mit ihren menschlichen Sklaven zu paaren und so das Bevölkerungswachstum und damit das Überleben zu sichern.
Rahmenhandlung der Tetralogie
Um den im Sterben liegenden Herzog Isgrimur noch einmal zu sehen, reisen die Hochkönige Simon und Miriamel nach Rimmersgard. Während ihrer Reise erfahren sie von den Kriegsvorbereitungen der Nornen. Von ihrem Vasallenstaat Hernystir werden sie verraten, denn der dort herrschende König Hugo lässt einen Trupp Nornen durch sein Land ziehen, der kurz darauf die Burg Naglimund erobert.
Unter der Burg befindet sich die Rüstung von Ruyan dem Seefahrer, einem Tinukeda'ya. Mit dieser Rüstung und dem Blut eines Drachen kann Utuk'ku den Bruder des Sturmkönigs, Hakatri, aus seinen eigenen Knochen zum Leben erwecken. Bereits in der Nornenstadt Nakkiga wurde eine Tote erweckt, doch es ist nicht wie von Uttuku erwartet eine verstorbene Generalin, die sie ins Leben zurückholt, sondern die sich noch tarnende Geloë.
In Erchester erwartet man einen Angriff der Nornen auf den Hochhorst. Doch das Königreich ist durch die Intrigen des eigentlich für die Lande des Hochkönigs arbeitenden Großkanzler Pasevalles geschwächt: In Nabban gibt es einen Bürgerkrieg, die Grasländer greifen das Kernland an, die Hernystiri haben sich abgewendet und die Sithi begegnen den Menschen mit Misstrauen und wollen nicht helfen. So können die Nornen zwar besiegt werden, doch ein Großteil des Hochhorstes wird bei dem Angriff zerstört.
Der Angriff auf den Hochhorst dient der Nornenkönigin nur als Ablenkung, um ihr eigentliches Ziel zu verschleiern. Sie zieht mit ihrer Streitmacht nach Tanakirú. Dort befindet sich ein neuntes Schiff aus dem verlorenen Garten. Dessen Antrieb, das Nichtsein, will Utuk'ku zur Vernichtung von Osten Ard verwenden. Der Plan kann vereitelt, Utuk'ku getötet werden.
Dieses neunte Schiff trägt den Namen Hexenholzkrone, und mit diesem verlassen viele der Tinukeda'ya Osten Ard.
Geschichte der Gartenvölker
Tad Williams enthüllt in der Tetralogie die Herkunft und die Geschichte der Gartenvölker. Sie ist der Schlüssel für viele Ereignisse der Handlung.
Einst lebten die Keida'ya im Garten, umgeben vom ein Bewusstsein habenden Träumenden Meer. Beide Seiten begannen sich zu bekämpfen. Das Träumende Meer erschuf die Tinukeda'ya, um Frieden zu schaffen, doch letztlich wurden diese von den Keida'ya versklavt. Sollte es noch einmal zum Krieg kommen, erfanden die Keida'ya als Waffe das Nichtsein. Doch es wurde (vermutlich ungewollt) freigesetzt und begann den Garten zu vernichten. Die Tinukeda'ya unter ihrem Anführer Ruyan begannen Schiffe zu bauen, um den Keida'ya zu entkommen. Doch am Ende halfen sie auch den Keida'ya auf acht Schiffen zur Flucht vor dem Nichtsein. Ein neuntes Schiff, die Hexenholzkrone, verschwiegen sie. Denn dieses Schiff sollte nach der Rettung der Keida'ya alle Tinukeda'ya aufnehmen und in eine andere Welt bringen. Doch das neunte Schiff blieb verschollen und kam erst verspätet in Osten Ard an. So wurden die Tinukeda'ya erneut versklavt. Ruyan der Seefahrer wurde bis zu seinem Tod eingesperrt. Geloë ist seine letzte Nachfahrin.
Die Schiffe bewegten sich nicht über Wasser, sondern zwischen Welten, die einer Erklärung nach wie Buchseiten aneinander liegen. Als Antriebsenergie nutzten sie ein durch Wasser vom Träumenden Meer ummanteltes Nichtsein, das mit der Ankunft in Osten Ard aufgebraucht war. Nur das neunte Schiff hatte davon eine höhere Menge, da es die Tinukeda'ya noch an einen anderen Ort bringen sollte.
Bereits im Garten nahmen die Tinukeda'ya die Gestalt von verschiedenen Wesen an, doch in jedem ist etwas vom Träumenden Meer.
Die Trennung der Keida'ya in Zida'ya (Sithi) und Hikeda'ya (Nornen) begann sich bereits im Garten anzudeuten. Der Bruch zwischen den Brüdern Ineluki (Hikeda'ya) und Hakatri (Zida'ya) fand erst in Osten Ard statt. Die Hikeda'ya veränderten im Laufe der Jahrhunderte durch das Leben in der sonnenlosen Bergstadt ihr Aussehen. Doch Utuk'ku und ihre Altersgenossen, die wie die Zida'ya der Hochkönigszeit aussehen, versteckten ihr Äußeres hinter Masken und Körperbemalung.
Die Hexenholzbäume gingen nach und nach ein, bis sie in der Zeit der Hochkönige komplett ausstarben. Doch aus den Hexenholzfrüchten (kei-t'si) wurde ein Elixier entwickelt, das Utuk'ku und ihren Gefährten ihr langes Leben ermöglichte. Nun, da dieses zur Neige geht, sie daher sterben wird und sich nicht vorstellen kann, dass eine Welt ohne sie sein kann, plant sie Osten Ard zu zerstören.
Handlung nach den Protagonisten
Miriamel
Seit dreißig Jahren sind Simon und Miriamel Hochkönige. Ihr einziges Kind Johan Josua starb sieben Jahre vor dem Einsetzen der Geschichte an einem Gift, mit dem er bei Streifzügen unter dem Hochhorst in Berührung kam. Seine Witwe Prinzessin Idela und die gemeinsamen Kinder Morgan und Lillia leben auf dem Hochhorst.