mini|Bharti Kher
Bharti Kher (; * 1969 in London) ist eine britisch-indische Künstlerin, deren Werk Gemälde, Collagen, Fotografien, Skulpturen sowie Installationen umfasst. Ihr Werk wurde weltweit in Einzelausstellungen präsentiert und war Teil internationaler Gruppenausstellungen in Museen und Galerien.
Leben Bharti Kher wurde 1969 als Tochter indischer Eltern, die aus Punjab immigriert waren, in London geboren, wo sie aufwuchs und ihre schulische Ausbildung erhielt.
Von 1987 bis 1988 studierte Kher Kunst und Design an der Middlesex University in London und anschließend Bildende Kunst mit Schwerpunkt Malerei an der Northumbria University. 1991 schloss sie dort ihr Bachelor-Studium mit Auszeichnung ab.
Im Jahre 1992 zog Kher im Alter von 23 Jahren nach Neu-Delhi. Dort lernte sie ihren zukünftigen Ehemann, den indischen Künstler Subodh Gupta kennen und siedelte kurz darauf um. Kher lebt und arbeitet in Neu-Delhi.
Werk Kher setzt sich in ihrem Werk mit Animismus und Surrealismus auseinander und verwendet unter anderem Ready-mades, die sie transformiert und neu kontextualisiert.
Im Zentrum von Khers Werk steht das Thema Identität sowie die damit verknüpften Fragen nach Kultur, Tradition, Geschlecht und Zugehörigkeit. In ihren Arbeiten konfrontiert sie widersprüchliche Zeichen und Bedeutungen – etwa des Weiblichen, des Animalischen, von Macht und ethnischer Zugehörigkeit – miteinander. Durch diese Gegenüberstellungen hinterfragt Kher die vertrauten Kategorien, mit deren Hilfe wir unsere Welt ordnen und begreifen, und fordert so bestehende Wahrnehmungs- und Deutungsmuster heraus.
In vielen Arbeiten befreit Kher Frauen von tradierten Rollenbildern und formt sie zu etwas radikal Neuem und Unbestimmtem.
Khers Werk ist von einer engen Verflechtung persönlicher Erfahrungen aus dem westlichen Umfeld mit kulturellen Symbolen Indiens geprägt.
Ein zentrales Motiv in Khers Œuvre ist der Bindi, das Mal, das viele indische Frauen auf der Stirn zwischen den Augenbrauen tragen. Ursprünglich als Symbol des Dritten Auges mit spiritueller Bedeutung versehen hat der Bindi im Laufe der Geschichte zahlreiche sekundäre Bedeutungen angenommen. In der Gegenwart steht er vor allem für Weiblichkeit und indische Identität.
Kher nutzt den Bindi seit Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit als zentrales Ausdrucksmittel. In zahlreichen Skulpturen fungieren hunderte Bindis als gestalterisches Element, das die Oberflächen strukturiert und visuell auflädt. In ihren Gemälden adaptiert sie formale Strategien der westlichen Abstraktion – insbesondere der Op-Art und des Abstrakten Expressionismus – und ersetzt dabei traditionelle malerische Mittel durch das flächendeckende Aufbringen von Bindis in variierenden Farben, Formen und Mustern.
The Skin Speaks a Language Not Its own (2006) mini|Bharti Kher: The Skin Speaks A Language Not Its Own Die aus Bindis und Glasfaser gefertigte Skulptur gilt als eines der bekanntesten Werke der zeitgenössischen indischen Kunst und als Hauptwerk Khers, in dem sie sich kritisch mit der Rolle populärer Bildwelten in der zeitgenössischen indischen Kunst auseinandersetzt.
Das Werk zeigt eine lebensgroße, kniende Elefantenkuh, deren Körper vollständig mit weißen Bindis bedeckt ist und diesen wie eine zweite Haut überziehen. Die Darstellung verbindet zwei zentrale Symbole indischer Kultur – den Elefanten als Zeichen von Macht, Spiritualität und Staatlichkeit, und den Bindi als Marker weiblicher Identität und ritueller Praxis. In der buddhistischen Ikonografie steht der weiße Elefant zudem für Weisheit und königliche Würde.
Durch die Verwendung eines weiblich konnotierten, zugleich aber entleerten Symbols reflektiert Kher über Geschlechterrollen und kulturellen Wandel im heutigen Indien. Die ambivalente Körperhaltung des Tiers – zwischen Ruhe und Erschöpfung, Aufbruch und Zusammenbruch – verweist auf Indiens gesamtgesellschaftliche Spannung zwischen Tradition und beschleunigter Modernisierung. Kher thematisiert damit die Brüche und Widersprüche einer Nation im Umbruch und bringt zugleich ihre eigene transkulturelle Perspektive als in Großbritannien aufgewachsene Künstlerin ein. Die Skulptur wird häufig als Allegorie für den Zustand Indiens gelesen – zwischen globalem Aufstieg und innerer Erschöpfung.
An absence of assignable cause (2007) mini|Bharti Kher: An Absence Of Assignable Cause
Teilweise inspiriert von Künstlern wie Hieronymus Bosch, Francisco Goya und William Blake, bezieht sich Bharti Kher in diesem Werk auf magische Bestien, mythische Monster und allegorische Erzählungen. Der blaue Pottwal ist eines der größten Tiere der Welt. Da sie keine ausreichende wissenschaftliche Dokumentation über seine Anatomie finden konnte, erfand Kher für die Installation das Aussehen des Walherzens. Die Künstlerin schuf es aus Fiberglas und verzierte das riesige Herz sowie die hervortretenden Venen und Arterien mit verschiedenfarbigen Bindis.
Weitere Werke (Auswahl) mini|Kunstwerk von Bharti Kher 2004: Angel 2004: Arione 2004: Chocolate Muffin 2004: The Girl with the Hairy Lip said No 2004: Squaring the Circle 2006: Arione’s sister 2006: The Girl with the Hairy Lip said No 2006: Mrs. Hera Moon 2008: And all the While the Benevolent Slept 2008: Sing to them that will listen 2008: Warrior with cloak and shield 2009: The Waq Tree 2009–10: Confess 2010: Contents 2010: Indra’s net series 2010: Make up (as you go along), Frisiertisch aus Holz, Spiegel, Bindis und Glasbausteine 2010: Not all who wander are lost 2010–12: The Deaf Room 2011: Dominate, Sari, Harz und Holzstühle 2011: The day they met, Holztreppe, Stoff, Harz 2012: The hot winds that blow from the west, 131 Heizkörper 2012: The Messenger 2012: Portrait from Memory I, Zement, Sari und Harz 2014: Six Women, Installation 2014: three decimal points of a minute. of a second. of a degree, Installation, Holz, Metall, Granit, Seil 2015: Dark Matter MM 2015: I have seen more things than I dare to remember 13 2016: The Chimera (1) 2016: Mother and Father, Installation 2016: Virus VII, Installation, Vancouver Art Gallery, Vancouver 2018: The Intermediary Family, Installation, Frieze Sculpture Park, London 2018: Pieta 2018–19: Animus Mundi 2019: Algorithm for Clarity 2019: Algorithm for psychological disorders 2019: The shrewdness of apes 2021: Strange Attractor mini|Bharti Kher: Sans Titre
Gruppenausstellungen (Auswahl)
1990: Fresh Art, National Fine Art Degree Fair, Business Design Center, London 1991: Aspects of British Figurative Painting (1988-93), Milton Gallery, London 1993: Trends in Contemporary Indian Art, Art Heritage, Neu-Delhi 1995: 6th Bharat Bhawan Biennal of Contemporary Indian Arts, Sakshi Gallery, Mumbai 1995: Postcards for Gandhi, Indien 1996: Royal Overseas League Open Exhibition, Overseas House, London 1996: Of Women Icons/Stars/Feasts, Eicher Gallery, Neu-Delhi 1998: Edge of The Century, British Council, Neu-Delhi 1998: Cryptograms, Lakeeren Art Gallery, Mumbai 1999: Impact, Center for Contemporary Art, Neu-Delhi 1999: Embarkation’s, Sakshi Gallery, Mumbai 1999: Icons of The Millenium, Nehru Centre, Mumbai 1999: Boxwallahs, Gurgaon 1999: Hed end aagse Kunst uit India, Hogeschool van Amsterdam, Amsterdam 2000: Open Circle Exhibition, Lakeeren Art Gallery, Mumbai 2000: of, based on, or obtained by (Tradition), Nature Morte, Neu-Delhi 2000: Aar Paar, an exchange between five Indian and Pakistani artists, Karatschi 2001: Art On The Move, Ackland Art Museum, North Carolina, Art Gallery of Mississauga, Missisauga und University of California, Los Angeles 2001: Kitch kitch Hota Hai, India Habitat Center, Neu-Delhi 2002: Under Construction, Tokyo Opera City Art Gallery, Tokio 2002: Khoj Residency Show, Khoj Studios, Neu-Delhi 2002: Creative Space, Sakshi Gallery, Neu-Delhi 2002: Photosphere, Nature Morte, Neu-Delhi 2002: Playgrounds & Toys, ART for The World, Genf 2002: Cutting Edge Contemporary, National Gallery of Modern Art, Mumbai 2002: Glue, Sumukha Gallery, Bengaluru 2002: Borderless Terrain, India Habitat Center, Neu-Delhi 2002: Silence Violence, NSA Gallery, Nieu-Bethesda 2002: MANGO, A SAWCC show, Talwar Gallery, New York 2002: Sorry for The Inconvenience, Japan Foundation, Bangkok und Tokyo Opera City Art Gallery, Tokio 2002: Sidewinder, CIMA Gallery, Kolkata und India Habitat Centre, Neu-Delhi 2003: Crossing Generations: diverge, National Gallery of Modern Art, Mumbai 2003: The Tree from the Seed: Contemporary art from India, Henie Onstad Kunstsenter, Høvikodden (Norwegen) 2003: Sirpur Paper Mills, Artinc, Neu-Delhi 2003: Bad Taste, Apparao Gallery, Apeejay New Media Centre, Neu-Delhi 2004: Contemporary Art from India, Thomas Erben Gallery, New York 2004: Pamela Singh and Bharti Kher 2004: Vanitas Vanitatum, Sakshi Gallery, Mumbai 2004: The SNEEZE, 106-minütiger Spielfilm, 80 Kunstschaffende x 80 Sekunden, The Gazon Rouge Gallery, Athen45 2004: Adrogyne, India Habitat Center, Neu-Delhi 2005: Zeitsprünge Raumfolgen, Institut für Auslandsbeziehungen, Berlin 2005: Mom and Pop, Walsh Gallery, Chicago 2005: Indian Summer, École des Beaux-Arts, Paris 2005: Indian Summer, Nature Morte, Neu-Delhi 2005: Het offer/ an intimate I: Droom en werkelijkheid, De Beverd Museum voor Grafische werkeljkheid, Breda 2006: Fuori Uso 2006 - Altered States. Are you experienced?, Ex Mercato Ortofrutticolo, Pescara 2006: Asia Pacific Triennale, Queensland Art Gallery, Brisbane 2006: Le troisième Oeil, Lille 3000, Lille 2006: Inside Outside, Nature Morte, Neu-Delhi 2006: Hungry Gods, Arario Gallery, Peking 2006: Made By Indians, Galerie Enrico Navarra, Art on the Beach, Saint-Tropez 2006: Long Happy Hours Thereby Happiness & Other Stories, Museum Gallery, Mumbai 2007: Hungry God, Art Gallery of Ontario, Toronto 2007: The Sneeze 80x80, Kapstadt 2007: Urban Manners. Contemporary Artists from India, HangarBicocca in Zusammenarbeit mit ART for the World Europa, Mailand 2007: Indian Photo and Media Art: A Jouney of Discovery, FLUSS - NÖ Initiative für Foto- und Medienkunst, Weinviertel 2007: FUORI USO 2006. ALTERED STATES, Muzeul Național de Artă Contemporană, Bukarest 2007: Private/Corporate IV, Sammlung DaimlerChrysler, Berlin 2007: International exhibition of sculptures and installations, Venedig 2007: Face East. Contemporary Asian Portraiture, Wedel Fine Art, London 2008: Indian Highway, Serpentine Gallery, London 2008: Mutant Beauty, Anant Art, Neu-Delhi 2008: Chalo! India: A New Era of Indian Art, Mori-Kunstmuseum, Tokio 2008: Indian Focus, Espace Claude Berri, Paris 2008: Everywhere is war (and rumors of war), Bodhi Art, Mumbai 2008: Still Moving Image, Devi Art Foundation, Gurgaon 2008: Expenditure, Busan-Museum, Busan 2008: Comme des bêtes (Like Animals), Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne, Lausanne 2008: Re-imagining Asia: A Thousand Years of Separation, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2008: Distant Nearness, Nerman Museum of Contemporary Art, Johnson County Community College, Kansas 2008: Passage to India, Frank Cohen Collection, Initial Access Wolverhampton, Wolverhampton 2008: India - Guest in the Giant, Swarovski Kristallwelten, Wattens 2008: New Delhi – New Wave, Primo Marella Gallery, Mailand 2009: Marvellous Reality, Lalit Kala Academy, Neu-Delhi 2009: Shifting Shapes. Unstable Signs, Yale University Art Gallery, New Haven 2009: Indian Narrative in the 21st Century: Between Memory and History, Madrid und Barcelona 2009: Who’s Afraid of the Artists? A Selection of Works from the Pinault Collection, Palais des Arts de Dinard, Dinard 2009: Bharti Kher, Yayoi Kusama, Eva Rothschild, Mindy Shapiro, Marianne Boesky Gallery, New York 2009: Les Artistes Indiens d’Aujourd’hui, Palais Bénédictine, Fécamp 2009: Nature Nation, Museum on the Seam, Jerusalem 2009: Re-imagining Asia: A Thousand Years of Separation, The New Art Gallery Walsall, Walsall (Wanderausstellung)