mini|„Offizielles“ Foto des Climate Summit vor der COP 30 am 7. November 2025
Die UN-Klimakonferenz 2025 in Belém (COP 30, United Nations Framework Convention on Climate Change, 30th Conference of the Parties, auch 30. Weltklimakonferenz) fand ab 10. November in Belém, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Pará, statt. Das Ende war für den 21. November 2025 geplant, wurde jedoch um über 19 Stunden verlängert. Bereits am 6. und 7. November kamen hier Staats- und Regierungschefs zu einem globalen Klima-Gipfeltreffen zusammen, dem Global Climate Leader-Summit.
Vorfeld Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen veröffentlichte wenige Tage vor Beginn der Konferenz seinen diesjährigen Emissions Gap Report, nach dem die Erde selbst bei Einhaltung aller gegenwärtigen Klimaschutzzusagen bis 2100 auf eine Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad Celsius zusteuere: Der Finanzmittelbedarf der Entwicklungsländer, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, sei dabei 12- bis 14-mal so hoch wie die tatsächlich zugesagten Investitionen der Industrieländer.
Die Rückversicherungsgesellschaft Munich RE veröffentlichte kurz vor der COP 30 ihren jährlichen Bericht über weltweite Schäden durch Naturkatastrophen: Demgemäß beziffern sich die Schäden infolge von Unwettern und Fluten allein für Deutschland von 1980 bis 2024 auf rund 182 Mrd. Euro (210 Mrd. US $). Der Bericht enthielt auch einen Vergleich der Kosten für Schäden durch Naturkatastrophen als Anteil vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) von verschiedenen Ländern über die letzten fünf Jahre: Demnach hatten die USA von 2020 bis 2025 mit 0,54 % ihres BIP (absolut 150 Mrd. US $) den höchsten Anteil. Auf Platz zwei folgte Deutschland mit 0,29 % (14 Mrd. US $) und Indien mit 0,28 % (9 Mrd. US $). Auf der Katastrophen-Rangliste für den Zeitraum 1980 bis 2024 der zehn größten Volkswirtschaften stehen dabei mit 2,7 Billionen Dollar Schäden die USA an erster Stelle vor China mit 680 Mrd.; Deutschland belegt Platz drei. Von den genannten Schäden waren in den USA 54 % versichert. In Deutschland waren 46 % versichert, in China nur 4 %. Die Münchener Rück (Munich RE) stellt einen klaren Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Höhe der Schäden her: Unwetter traten demnach nicht nur häufiger auf als in früheren Jahrzehnten, sondern seien auch extremer geworden.
Belém als Gastgeberstadt Vorbereitung und Infrastruktur mini|Beléms Stadtpark als Austragungsort im Bau (Mitte Februar 2025)
Belém erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts infolge des Kautschuk-Handels einen wirtschaftlichen Aufschwung, wurde jedoch in den folgenden Jahrzehnten von der Regierung vernachlässigt. Die COP 30 galt daher als Chance für wirtschaftliche Belebung und internationale Aufmerksamkeit; ihre Ausrichtung löste umfangreiche Bau- und Infrastrukturmaßnahmen in der Stadt aus: Straßen wurden erneuert, Gebäude saniert und der Flughafen erweitert. Um die Stadt für die erwarteten zehntausende Gäste vorzubereiten, investierte die brasilianische Regierung rund 740 Mio. Euro in die Region mit zusätzlichen Mitteln aus der Privatwirtschaft.Diplomaten im Sex-Motel. In: Die Zeit, erschienen am 4. September 2025, S. 20
Herausforderungen Da Belém und die umliegende Region bislang keinen nennenswerten Tourismus aufweisen, mangelt es an Hotelkapazitäten. Privatpersonen und Geschäftsleute reagieren darauf, indem sie ihre Wohnungen umbauen und Zimmer über Online-Plattformen zu teils extrem hohen Preisen anbieten. Für zehn Nächte werden Beträge zwischen 30.000 Euro für einfache Unterkünfte und über 100.000 Euro für Zimmer mit gehobener Ausstattung verlangt.
Die Organisatoren rechnen fest damit, dass durch die Bevölkerung ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden können. Zudem werden öffentliche Gebäude wie Behörden und Schulen temporär in Hotels umgewandelt; hierfür wurden sogar die Sommerferien teilweise in den November verlegt. Darüber hinaus wurden zwei Kreuzfahrtschiffe mit insgesamt 6000 Betten gechartert, die als schwimmende Hotels dienen sollen und deren Zimmer zu moderaten Preisen angeboten werden. Kritiker bemängeln die Umweltbilanz dieser Lösung; die Organisatoren begegnen der Kritik und planen die Schiffe zumindest teilweise mit Biokraftstoff zu betreiben.
Neben dem Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten stellt auch die allgemeine Infrastruktur Beléms eine Herausforderung dar: Der öffentliche Nahverkehr ist in der Stadt kaum ausgebaut, ein funktionierendes Recyclingsystem fehlt vollständig. Die Abwasserentsorgung erfolgt über offene Gräben, die sich durch das Stadtgebiet ziehen und ungeklärte Abwasser direkt in den Fluss leiten. Eine Kanalisation oder zentrale Kläranlage existiert bislang nicht.
Soziale Auswirkungen und Kritik Die Entscheidung, die Konferenz in Belém auszurichten, wurde von der brasilianischen Regierung bewusst getroffen, um eine Region in den Fokus zu rücken, die bei internationalen Verhandlungen über Klima- und Naturschutz häufig thematisiert wird. Dennoch gibt es Kritik: Ärmere Staaten, NGOs und Aktivisten beklagen die hohen Übernachtungskosten und kündigten teilweise ihre Nichtteilnahme an. Auch die brasilianische Opposition äußert Zweifel an der Eignung Beléms als Austragungsort. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verteidigte die Entscheidung und forderte die Gäste auf, ihre Ansprüche anzupassen. Eine staatlich verordnete Preisdeckelung der Übernachtungskosten lehnt die Regierung ab.
Die Vorbereitungen führen auch zu sozialen Spannungen in der Stadt: Für Infrastrukturmaßnahmen müssen Grundstücke und Häuser verkleinert werden. Zwar erhalten die betroffenen Anwohner Entschädigungen, diese gelten jedoch als unzureichend. Trotz dieser Einschränkungen überwiegt in der Bevölkerung die Hoffnung auf wirtschaftliche Impulse und langfristige Verbesserungen.
Belém temporär als Hauptstadt Brasiliens Präsident Lula unterzeichnete eigens ein Gesetz, mit dem die Hauptstadt Brasiliens während der Konferenz zwischen dem 11. und 21. November 2025 symbolisch nach Belém verlegt wurde.Lei Nº 15.251, de 3 de novembro de 2025, abgerufen am 15. November 2025 In dieser Zeit mussten alle Anordnungen des Präsidenten, der Minister und Bundesbehörden in Belém erlassen werden. Darüber hatte die gesamte Exekutive und Judikative von Belém aus zu agieren. Der Nationalkongress stimmte dem Gesetz am 7. Oktober 2025 zu.
Vorsitz mini|André Corrêa do Lago, Präsident der COP 30
Im Januar 2025 hatte Brasiliens Präsident Lula da Silva den brasilianischen Diplomaten André Corrêa do Lago zum Präsidenten der COP 30 ernannt. Brasilianische Klimaaktivisten begrüßten diese Entscheidung aufgrund do Lagos Erfahrung zum Thema Klimagerechtigkeit. Do Lago gilt auch als erfahrener Diplomat; seit März 2023 war er zudem Staatssekretär für Klima, Energie und Umwelt im brasilianischen Außenministerium und Brasiliens Chefunterhändler bei den COPs 28 (2023) und 29 (2024).
Gleichzeitig mit der Ernennung do Lagos wurde Ana Toni, Staatssekretärin für Klimawandel im brasilianischen Umweltministerium, zur Exekutivdirektorin der COP 30 ernannt.
Teilnahme An der COP 30 nehmen rund 50.000 Vertreter von 198 Vertragsstaaten teil, darunter „Observer“, Beobachtende (ohne Stimmrecht) von über 2.000 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und 100 zwischenstaatlichen Organisationen (IGOs, z. B. Weltgesundheitsorganisation).
Die Vereinigten Staaten, nach der Volksrepublik China zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen weltweit, nahmen unter Präsident Donald Trump nicht an der COP 30 teil,, USA: Trump kämpft gegen den Klimaschutz um „die wirtschaftliche und nationale Sicherheit ihres Landes nicht für vage Klimaziele aufs Spiel [zu] setzen, die anderen Ländern schaden“. Allerdings bekräftigte unter anderem Gavin Newsom, Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien und ranghöchster US-Beamter vor Ort, das Umwelt- und Klimaschutz-Engagement Kaliforniens. So würdigte er auch das zehnjährige Bestehen der Under2 Coalition; ihn begleitete eine große alternative US-Delegation mit über hundert Vertretern der Bundesstaaten und lokalen Behörden.
Themen, Ziele Auf der COP 30 gab es vor Beginn kein klares Hauptthema wie bei früheren Klimakonferenzen.
Anpassung an die Erderwärmung Auf der COP 30 sollte u. a. festgelegt werden, mit welchen Indikatoren sich die Anpassung an die globale Erwärmung messen und vergleichen lassen könnte; hierzu sollte eine Liste mit etwa 100 entsprechenden Punkten erarbeitet werden wie Zustand und Umfang der Gesundheit vor Ort, klimaresilienter Infrastrukturen, der Lebensgrundlagen, Wasserversorgung oder des Schutzes von Ökosystemen.
Formulierung und Umsetzung nationaler Klimaziele Die Vertragsstaaten des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen haben sich verpflichtet, alle fünf Jahre nationale Klimaziele zu nennen (NDCs, Nationally Determined Contributions), allerdings hat nur ca. ein Drittel von ihnen neue Klimaschutzpläne bis 2035 vorgelegt. UN-Generalsekretär António Guterres forderte in Belém hier deutlich ehrgeizigere nationale Pläne.
Die Europäische Union hatte in diesem Zusammenhang kurz vorher beschlossen, ihre Emissionen im Vergleich zum Niveau von 1990 zwischen 66,25 und 72,5 % zu senken, wobei Deutschland Teil der EU-Pläne ist: Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte auf dem Leaders Summit vor der COP 30, Deutschland stehe zu den EU-Klimazielen; man müsse aber auch sicherstellen, dass Energie langfristig günstig, sicher und verlässlich verfügbar sei; „Klimaschutz, Wirtschaft und Sicherheit im Einklang“ müsse gelten.
Global Stocktake Auf der COP 30 sollten hier nationale Umsetzungspläne der Erkenntnisse des Global Stocktake 2023 besprochen und ausgewertet werden. Der Global Stocktake wurde auf der COP 21 in Paris beschlossen. Es geht dabei um eine regelmäßige Bestandsaufnahme, wie weit die Länder mit der Umsetzung ihrer national festgelegten Beiträge (NDC) gekommen sind.
Der brasilianische Präsident Lula da Silva hatte vorgeschlagen, einen Fahrplan weg von den fossilen Brennstoffen zu entwickeln. Zwar wurde im Verlauf der Konferenz sein Vorschlag von einer zunehmenden Anzahl Länder unterstützt. Wie bei der COP 29 im Jahr zuvor blockierten jedoch auch dieses Mal einige Staaten, allen voran arabische Länder, aber auch China, Indien und einige weitere Entwicklungsländer, Fortschritt zum Thema der Umsetzung: Jeder Bezug zu konkreten Sektoren wurde abgelehnt. Beschlossen wurde schließlich nur, einen „Globalen Umsetzungsbeschleuniger“ („Global Implementation Accelerator“) und eine „Belem 1,5-Mission“ („Belém Mission to 1.5“) einzurichten, ohne das klar wurde, was diese tun sollten.
„Tropenwälder für immer“ Mit dem von Brasilien zur COP 30 vorgestellten globalen Tropical Forest Forever Facility-Fonds (TFFF) sollen Nationen belohnt bzw. jährlich finanziell entschädigt werden, die ihre [Regen- bzw. Tropen-]Wälder erhalten und schützen, für jeden zerstörten Hektar Wald wären hingegen Strafzahlungen zu leisten – auf einem Treffen der zehn BRICS-Staaten Anfang Juli 2025 bereits war deren Unterstützung zur Einrichtung des TFFF auf der COP 30 beschlossen worden. Einige weitere Länder haben hier ebenfalls ihre Unterstützung bekundet, darunter Deutschland, Indonesien, Frankreich und Norwegen.
Kritik Avenida Liberdade