Die Saline Clemenshall (von 1848 bis 1929 Teil der Saline Friedrichshall) war eine 1751 gegründete und bis 1929 in Betrieb befindliche Saline zur Herstellung von Siedesalz in der baden-württembergischen Gemeinde Offenau.
Da die benachbarten Salinen Ludwigshall in Bad Wimpfen (1818), Friedrichshall in Bad Friedrichshall bzw. Jagstfeld (1816), das Steinsalzbergwerk ebenfalls in Bad Friedrichshall bzw. Kochendorf (1899), die Saline Ludwig in Bad Rappenau (1823) sowie das Steinsalzbergwerk in Heilbronn (1885) erst später folgten, begründete die Saline Clemenshall damit den Beginn der neuzeitlichen Salzgewinnung im Heilbronner Unterland.
Ihren Namen erhielt sie von Clemens August von Bayern, dem Hochmeister des Deutschen Ordens zum Zeitpunkt ihrer Gründung.
Geschichte Die erste Salinengesellschaft Die Geschichte der Saline Clemenshall beginnt eigentlich schon im Jahr 1600. Damals erteilte der Hochmeister des Deutschen Ordens, Maximilian von Österreich, eine folgenlose Genehmigung zum Bau und Betrieb einer Saline auf der Gemarkung der im Besitz des Ordens befindlichen Gemeinde Offenau an Philipp Heinrich von Aschhausen.
Nachdem von Aschhausen keinen Nutzen aus der ihm erteilten Genehmigung zog, wurde knapp 150 Jahre später mit der Gründung einer Salinengesellschaft im Jahr 1751 ein neuer Versuch zum Bau einer Saline und industriellen Nutzung der auf der Gemarkung vorhandenen Solequellen unternommen. Im Jahr 1754 fanden sich als Vertragspartner der als Postmeister tätige Georg Adam Herzog sowie der zuvor in der Saline Bruchsal beschäftigten Salinenfachmann Johann Michael Schambach, welche die Gründung einer Aktiengesellschaft planten und einen Gründungsvertrag mit dem Deutschen Orden schlossen. Aus diesem geht auch das bereits erwähnte ursprüngliche Gründungsjahr der Salinengesellschaft hervor. Die Betriebsdauer der Offenauer Saline war vorerst für 40 Jahre ab Beginn der ersten Soleverarbeitung angesetzt. Nach diesem Zeitraum sollten alle errichteten Salinengebäude inklusive Zubehör in gepflegtem Erhaltungszustand kostenfrei in den Besitz des Deutschen Ordens übergehen. In eben diesem Vertrag wurde auch festgesetzt, dass der bereits seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachgewiesene Kur- und Badebetrieb in Offenau durch das Nutzen der Quellen zur Salzgewinnung nicht beeinträchtigt werden durfte.
Erste Planungen sahen neben einer Saline in Offenau zunächst auch noch eine weitere Saline im, auf der anderen Flussseite liegenden, Nachbarort Heinsheim vor, welche aufgrund von Uneinigkeiten mit der dort ansässigen und besitzhaltenden Familie von Racknitz zuerst pausiert und später nach der Erkenntnis, dass zu wenig Antriebswasser für den laufenden Betrieb einer Saline vorhanden wäre, nicht weiter verfolgt wurde.
Bauprogramm und Betrieb Ein erster Bauabschnitt zur Errichtung der geplanten Salinenanlage beinhaltete den Bau einer Schneidmühle, einer Ziegelhütte, eines Brunnenschachts mit Leitung, einem Gradierhaus mit Solebecken und einem Siedehaus. Zusätzlich wurde ein Wehr am im Osten von Offenau liegenden Fluss Jagst errichtet, von dem aus ein neuer Kanal Wasserkraft in die Gebäude leiten sollte. Der Bau der Gebäude und Anlagen zog sich bis ins Jahr 1755, für den Bau des Gradierhauses (I) wurden 3600 Stämme in Pforzheim bestellt und nach Offenau geflößt. Im Jahr 1756 wurde schon mit dem Bau eines weiteren Gradierhauses (II) und einem Wohn- und Verwaltungsgebäudes begonnen. Ebenfalls in diesem Jahr begann man damit erstes Salz aus der Sole zu gewinnen. Alle bis zu diesem Zeitpunkt begonnenen Bauarbeiten an den Gebäuden und Anlagen wurden aber erst in der Jahresmitte 1757 nahezu abgeschlossen. Um diese Zeit herum fiel aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt sehr gut laufenden Soleverarbeitung auch die Entscheidung und Durchführung des Baus einer Aschenkammer beim Siedehaus, sowie die Errichtung eines Wachhauses für Gradierknechte am beinahe fertigen Gradierhaus II. Auch die Überlegung zum Bau eines weiteren, dritten Gradierhauses wurde angestellt. Der Bau und die Fertigstellung dieses Gradierhauses zog sich allerdings noch bis zum Jahr 1760. Nach Fertigstellung des dritten und letzten Gradierhauses III verfügte die Saline Clemenshall damit über eine addierte Gradierhauslänge von insgesamt 1840 Metern, die sich aus dem Gradierhaus I mit 560 m, Gradierhaus II mit 690 m und dem Gradierhaus III mit 590 m zusammensetzte. mini|Das noch erhaltene, aber durch eine ehemalige Werkstattnutzung teilweise veränderte Wohnhaus der historischen Ziegelhütte im Frühjahr 2025. Die abgebrochene Ziegelhütte der Saline Clemenshall befand sich auf der Nordostseite des Gebäudes, südlich der heute dort verlaufenden Bahnlinie zwischen Stuttgart und Heidelberg. Im daraufhin laufenden Betrieb stellte sich allerdings bald heraus, dass die Ausführung der drei Gradierhäuser zu ambitioniert gewesen war. Als sich in den 1760er-Jahren die Qualität der aus den Brunnen gewonnenen Sole durch das Eindringen von Wasser deutlich verschlechterte, begann bereits der wirtschaftliche Abschwung der Saline. Um den Qualitätsverlust auszugleichen, wurden neue Brunnen gebohrt. Auch ein starkes Hochwasser und die daraus entstandenen Schäden an den Gradierhäusern Mitte der 1760er-Jahre machten der Saline zusätzlich zu schaffen. Nachdem viele Bemühungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Saline ohne Erfolg geblieben waren, wurde 1772, keine 15 Jahre nach seiner Errichtung, das Gradierhaus III wieder zurückgebaut. Auch die Ziegelhütte wurde abgebrochen, das nebenan befindliche Wohnhaus blieb erhalten. Trotz vieler weiterer Versuche in den darauffolgenden Betriebsjahren konnte die Saline das Ruder nicht mehr herumreißen. Nachdem auch noch erneute Hochwasser- und Sturmschäden die aufgrund akuten Geldmangels mittlerweile heruntergekommene Bausubstanz weiter schädigten, verlangte ein Anteilseigner 1788 die Auflösung der Salinengesellschaft. Da die vertraglich vereinbarte Übergabe der Salinenengebäude in gepflegtem Zustand nicht möglich war, zogen sich die Verhandlungen mit dem Deutschen Orden bis zum 16. September 1797. An diesem Tag wurde schlussendlich der Auflösungsvertrag der ersten Salinengesellschaft unterschrieben.
Die zweite Salinengesellschaft Im darauffolgenden Jahr 1798 unterzeichneten der Beamte Friedrich Justin Bertuch und der Bergdirektor Johann Martin Hoppensack einen neuen Pachtvertrag, dessen Laufzeit wie bei der ersten Gesellschaft 40 Jahre dauern sollte. Bei einer Erhöhung der gewonnenen Salzmenge und Erweiterung der Saline sah der Vertrag außerdem eine mögliche Verlängerung der Pachtzeit um 10 Jahre vor.
In den ersten Jahren investierten die neuen Pächter viel Geld in Instandsetzung und Modifikation der Saline. Nachdem das zur Verfügung stehende Geld aber schnell aufgebraucht war und der Anteilseigner Bertuch bereits 1802 wieder aus dem Vertrag ausstieg, ersetzten ihn der Legationsrat Johann Wilhelm Thon aus Nürnberg und der Kammerpräsident Johann August Alexander von Kalb aus Kalbsried als neue Vertragspartner. 1803 stieg dann auch Hoppensack aus dem Pachtvertrag aus, nachdem er von seinen neuen Vertragspartnern eine Ausgleichszahlung erhalten hatte. Als Offenau am 4. Dezember 1805 im Zuge der Säkularisierung vom Besitz des Deutschen Ordens in den Besitz des Kurfürstentums Württemberg wechselte, wurde der Pachtvertrag mit den beschlossenen Konditionen zuerst unverändert weitergeführt. Nachdem ein Unwetter im Jahr 1806 dann für erhebliche Schäden an der Salineninfrastruktur sorgte, die den Pächtern vertraglich zustehende Teilzahlung zur Reparatur durch das zwischenzeitlich zum Königreich aufgestiegene Württemberg zunächst ausblieb und kurz darauf, im Jahr 1808, mit der Einführung des Salzhandelsmonopols die von der Saline abgeschlossenen Verträge mit Handelspartnern nicht weitergeführt werden konnten, wurde am 25. Juni 1808 ein neuer Pachtvertrag geschlossen. Nur zwei Monate später wurde der Rentmeister Philipp Georg Amsler an die Saline Clemenshall berufen, da dort einiges im Argen lag.
Während Amslers Tätigkeit war die Saline trotz seiner großen Bemühungen zunächst auch weiterhin wirtschaftlich stark angeschlagen und befand sich über Jahre hinweg mehrfach kurz vor der Insolvenz. Grund hierfür waren die wiederholten Schäden an den Gradierhäusern, erfolglose Bohrungen nach qualitativ besserer Sole sowie rechtliche Streitigkeiten und andere Faktoren. Nach dem Tod des von Kalb im Jahr 1814 führte Thon den Pachtvertrag ohne Partner und unter der Salinenleitung Amslers weiter. Nachdem man in den Jahren bis 1819 in eine zum damaligen Zeitpunkt beeindruckende Tiefe von 205 Metern gebohrt hatte, erfolgte auf wiederholten Rat durch Amsler bei Johann Wilhelm Thon der Beschluss, eine komplett neue Bohrung an der Gemarkungsgrenze zu Jagstfeld und Wimpfen am Neckarufer beim dort verlaufenden Salinekanal zu beginnen. In den beiden Nachbarorten hatte man schon Jahre zuvor hochkonzentrierte Sole und ein Salzvorkommen angebohrt, weswegen beide Ortschaften mittlerweile über gut laufende Salinen verfügten, während man Angestellte in Offenau aus Geldmangel mittlerweile mit dem selbst produzierten Salz bezahlen musste.
Im darauffolgenden Jahr, am 17. März 1820, wurde ein neuer Vertrag geschlossen, in der Hoffnung damit die rechtlichen Streitigkeiten der vergangenen beinahe 20 Jahre zu beenden. Die Dauer der Pacht wurde bis Mitte 1848 verlängert. Am Ende dieser Pachtzeit sollten alle Anlagen in den Besitz des Königreichs Württemberg übergehen und der Pächter Thon eine entsprechende Ausgleichszahlung erhalten. Kurz darauf schloss Thon im Juni 1820 in der Hoffnung auf frisches Kapital einen Beteiligungsvertrag mit Eberhard Friedrich Sandel. Keine zwei Monate später, am 14. August 1820, traf man in der neuen Bohrung endlich auf die ersehnte Schicht, aus der qualitativ hochwertige Sole gepumpt werden konnte und über der ein erstes Bohrhaus errichtet wurde. Nur zwei Wochen später entschied man sich zu einer weiteren Bohrung, welche ebenfalls mit einem Bohrhaus versehen wurde. mini|Das Bohrhaus I der ehemaligen Saline Clemenshall mit seinen Nebengebäuden von Südwesten aus gesehen. Heute wird es als privates Wohnhaus genutzt. mini|Das heute ruinöse Bohrhaus II der ehemaligen Saline Clemenshall im Frühjahr 2025 von Südwesten aus gesehen.