mini|Logo des Flandernbunkers Der Flandernbunker ist ein ehemaliger Marinehochbunker am Militärhafen Kiel-Wik. Seinen Namen erhielt er 1943 zur Stärkung des Heldenmythos um die Flandernschlachten im NS-Staat. In unmittelbarer Nachbarschaft lag der Flandernplatz mit dem Flanderndenkmal, das 1927 für die Gefallenen des Marinekorps Flandern im Ersten Weltkrieg am Tirpitzhafen errichtet worden war. Der Verein Mahnmal Kilian betreibt heute den Flandernbunker als Museum und Erinnerungsort.
Bau und Nutzung im Zweiten Weltkrieg und danach mini|Flandernbunker, Juli 2025 Der Bunker wurde 1943 bis Juni 1944 gebaut, womöglich unter Einsatz von Zwangsarbeitern. Er hat drei Geschosse auf einer Grundfläche von 550 Quadratmetern. Wandstärke 2,5 m. Decke 4 m. Im Zweiten Weltkrieg war der Bunker Schutzraum für bis zu 750 Soldaten der 5. U-Boot-Flotte, diente als Funkzentrale und Kommandantur für Kiel, den Nord-Ostsee-Kanal und den gesamten Ostseeraum. Eingeschränkt war er auch für zivile Schutzsuchende freigegeben. Der Bunker war auch Organisationsort 1945 für die Flucht über die Ostsee und Zuweisung der Schiffe und Konvois in die Häfen der westlichen Ostsee. 1946 wurde er von den Alliierten teilweise gesprengt. Nach dem Krieg diente der Stahlbetonbau für Lebensmittel- und Warenlager. Er wurde 1950 durch eingesprengte Öffnungen militärisch unbrauchbar gemacht und war als Ruine dem Verfall preisgegeben.
1995 gründete sich der Verein Mahnmal Kilian, der sich den Erhalt der Bunkerruine Kilian am Ostufer zum Ziel gesetzt hatte. Nach der Sprengung der Ruine im Jahr 2000 erwarb der Verein unter Leitung des Kunsthistorikers und Journalisten Jens Rönnau stattdessen 2001 den Flandernbunker am gegenüberliegenden Ufer und baute ihn als Erinnerungs- und Bildungsstätte in Kiel auf. Im Fokus der Vereinsarbeit steht die Geschichtsvermittlung und Friedensförderung. 2004 wurde der Bunker unter Denkmalschutz gestellt. Das Denkmal wurde behutsam saniert und eine barrierefreie Zugänglichkeit der Räume ermöglicht.Bundeszentrale für Politische Bildung ErinnerungsorteKiel Wiki Flandernbunker
Mahnmal, Erinnerungs- und Begegnungsstätte mini|hochkant|Aufstieg zur Dachaussicht Der Bunker dient heute als Informations- und Begegnungsstätte für anschauliche Geschichtsvermittlung. In Ausstellungen werden die historischen Zusammenhänge mit Fotos, Texten und Videos erläutert: der Flandernbunker und die Verbindung zwischen Kiel und der Marine, die Einrichtung des kaiserlichen Reichskriegshafen 1871 bis zur Gewaltherrschaft des NS-Regimes und dem Zweiten Weltkrieg in Kiel. Interview-Ausschnitte von Kriegszeugen und Opfern des NS-Regimes bringen die damalige Realität nahe. Im 2. Stock finden sich aktuelle Ausstellungen zur Geschichte und Kunst. Über eine Eisentreppe erreicht man das Dach des Bunkers mit Kieler Förde-Rundblick – vom Militärhafen bis zum Marine-Mahnmal in Laboe.Flyer Flandernbunker Verein Mahnmal Kilian E.V., Geschichtsvermittlung zur Friedensförderung und Völkerverständigung, Verein Mahnmal Kilian e.V., Kiel, ohne DatumBürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten: Erinnerungs- und Bildungsstätte Flandernbunker
Die Bildungsarbeit des Denkorts Flandernbunkers wird unter anderem von der Stadt Kiel finanziert. Der Trägerverein ist Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein.
Auszeichnungen und Kritik Für seine Öffentlichkeitsarbeit zum Erhalt des U-Boot-Bunkers Kilian erhielt der Verein 1999 den Deutschen Preis für Denkmalschutz.
Der Vorsitzende des Vereins, Jens Rönnau, wurde für sein Engagement sowohl mit der Andreas-Gayk-Medaille der Stadt Kiel (2014) als auch dem Bundesverdienstkreuz am Bande (2017) ausgezeichnet.
2024 geriet die Arbeit des Vereins Mahnmal Kilian als Betreiber des Flandernbunkers in die Kritik, als ein problematischer Umgang mit städtischen Fördergeldern öffentlich wurde. Eine geschichtsdidaktische Masterarbeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bescheinigte der Bildungsstätte Flandernbunker 2016 beträchtliche Mängel.
Literatur Jens Rönnau (Hrsg.): Stolperstein der Geschichte - Die Ruine des Kieler U-Bootbunkers als Mahnmal und Herausforderung Kunst Geschichte Meinungsstreit, Kiel 1997, ISBN 978-3-930563-14-2 Inge Marszolek, Marc Buggeln (Hrsg.): Bunker. Kriegsort, Zuflucht, Erinnerungsraum, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-593-38603-4 Harald Schmid: Gedenken, Aufklären, Lernen Gedenkstätten zur Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein – ein Überblick. In: Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein, 22 (2011), S. 219–254. (Online-Fassung (PDF)) Martin Kaule: Faszination Bunker. Steinerne Zeugnisse der europäischen Geschichte, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-761-8 Jens Rönnau: Gedenkstätten und Mahnmale in Kiel. Die Entwicklung von einem Streit über den Erhalt um die Ruine eines U-Bootbunkers zu einer umfassenden Konzeptidee des Umgangs mit dem Nationalsozialismus in Kiel. In: Gedenkstättenrundbrief, 10/2016, Nr. 183, S. 15–28. Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten (Hrsg.): Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur Geschichte des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Wegweiser und Bildungsangebote, Redaktion: Harald Schmid, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft: Rendsburg 2020 (Online-Fassung (PDF)) Jens Rönnau: Verbunkerte Kieler Geschichte. 25 Jahre Verein Mahnmal Kilian und der Flandernbunker. In: Gegenwind. Politik und Kultur in Schleswig-Holstein & Hamburg, Bd. 387 (2020), S. 4–7
Weblinks
Verein Mahnmal Kilian
Einzelnachweise
Kategorie:Hochbunker Kategorie:Bunker im Nationalsozialismus Kategorie:Bunker in Schleswig-Holstein Kategorie:Landeinrichtung der Kriegsmarine Kategorie:NS-Zwangsarbeit Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in Kiel Kategorie:Kulturdenkmal in Kiel Kategorie:Museum in Kiel Kategorie:Erbaut 1944