3I/ATLAS oder C/2025 N1 (ATLAS) ist ein Komet, der 2025 und 2026 mit Teleskopen beobachtet werden konnte. Nach 1I/ʻOumuamua und 2I/Borisov ist es das dritte als interstellar klassifizierte Objekt, das bis dahin im Sonnensystem entdeckt wurde.

Entdeckung und Beobachtung Das astronomische Frühwarnsystem Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) entdeckte am 1. Juli 2025 mit einem Teleskop am El-Sauce-Observatorium in Chile auf vier Aufnahmen ein Objekt mit einer Helligkeit von 17,8 mag. Es wurde anfangs als möglicherweise Erdnahes Objekt (NEO) eingestuft, das auf seinem weiteren Flug durch das Sonnensystem der Erde nahekommen könnte. Kurz darauf wurde es auch auf archivierten Aufnahmen seit dem 14. Juni 2025 mit der Zwicky Transient Facility (ZTF) am Palomar-Observatorium in Kalifornien, dem Gravitational-wave Optical Transient Observer (GOTO) in Südafrika und mit ATLAS in Chile, Südafrika und auf Hawaiʻi aufgefunden, so dass mit diesen Daten eine erste Bahnbestimmung durchgeführt werden konnte.

Überraschenderweise bewegte sich das Objekt demnach nicht auf einer elliptischen Bahn um die Sonne, wie es bei Asteroiden und in den meisten Fällen bei Kometen des Sonnensystems die Regel ist, sondern auf einer stark hyperbolischen Bahn, die es nicht nahe zur Erde bringen würde. Da es auch Anzeichen von Ausgasung gab, wurde der Himmelskörper als drittes interstellares Objekt und als Komet eingestuft und erhielt seine entsprechende Bezeichnung. In der Folge konnte der Komet sogar auf Aufnahmen des Weltraumteleskops Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) und der ZTF aufgefunden werden, die bis zum 8. Mai 2025 zurückreichen, als seine Helligkeit erst bei 21,6 mag lag.

Der Komet befand sich zum Zeitpunkt seiner Entdeckung bei etwa 4,51 AE Sonnenabstand im Bereich des äußeren Asteroidengürtels zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Jupiter und Mars und bewegte sich weiterhin auf die Sonne zu. Am 27. August 2025 wurde durch das Gemini-South-Observatorium in Chile ein länger werdender Schweif erfasst, der wie bei Kometen üblich von der Sonne weg gerichtet ist. Ab Ende September/Anfang Oktober war 3I/ATLAS von der Erde aus zunächst nicht mehr zu sehen, da er zu dieser Zeit am Abendhimmel zu nahe bei der Sonne stand. Ab Anfang November war er dann wieder am Morgenhimmel zu beobachten und erreichte in den folgenden Wochen maximale Helligkeiten im Bereich von etwa 9 mag.

Nachdem der Komet bei seinem nahen Vorbeiflug am Mars am 3. Oktober 2025 durch die im Orbit um den Planeten befindlichen Raumsonden Mars Reconnaissance Orbiter, Mars Express, ExoMars Trace Gas Orbiter und Tianwen-1 aus einer Distanz von 30 Mio. km visuell, photometrisch und spektroskopisch beobachtet werden konnte, erfolgte in der Zeit vom 18. Oktober bis zum 5. November, als der Komet während seiner größten Annäherung an die Sonne nicht von der Erde aus zu beobachten war, eine optische Überwachung mit dem Wide-Field Imager for Solar Probe (WISPR)-Instrument der Raumsonde Parker Solar Probe. Vom 2. November bis 25. November 2025 ergab sich auch die Gelegenheit, ihn mit fünf Instrumenten an Bord der auf ihrem Weg zu den Jupitermonden befindlichen Raumsonde JUICE zu beobachten, die nach geringer Vorlaufzeit speziell darauf programmiert worden war. Ihre größte Annäherung an 3I/ATLAS wurde am 4. November bei etwa 0,4 AE (ca. 60 Mio. km) Abstand erreicht.

Die letzte Beobachtung des Kometen erfolgte am 14. April 2026 am Astrocamp Nerpio in Spanien bei einer Helligkeit von etwa 18,7 mag.

Wissenschaftliche Auswertung Beobachtungen vor und in den ersten Tagen nach der Entdeckung mini|links|Prediscovery-Aufnahme von 3I/ATLAS durch das Vera C. Rubin Observatory in Chile am 21. Juni 2025 Nahezu ununterbrochen waren bereits vom 7. Mai bis 2. Juni 2025 durch das Weltraumteleskop TESS Aufnahmen von 3I/ATLAS noch vor seiner eigentlichen Entdeckung gemacht worden. Das Objekt konnte darauf aber erst nachträglich durch Bildbearbeitung sichtbar gemacht werden. Eine Auswertung der photometrischen Daten gab zu der Vermutung Anlass, dass das Objekt bereits bei einem Sonnenabstand von etwa 6 AE kometarische Aktivität gezeigt haben könnte, was in dieser Entfernung noch nicht auf der Sublimation von Wassereis beruhen konnte. Die Daten ließen aber noch keine Ableitung einer Rotationsperiode zu.A. D. Feinstein, J. W. Noonan, D. Z. Seligman: Precovery Observations of 3I/ATLAS from TESS Suggest Possible Distant Activity. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 991, Nr. 1, L2, 2025, S. 1–10, doi:10.3847/2041-8213/adfd4d (PDF; 10,6 MB).J. Martinez-Palomera, A. Tuson, C. Hedges, J. Dotson, T. Barclay, B. Powell: Prediscovery TESS Observations of Interstellar Object 3I/ATLAS. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 994, Nr. 2, L51, 2025, S. 1–11, doi:10.3847/2041-8213/ae1f91 (PDF; 1,60 MB). Auch auf Aufnahmen der Zwicky Transient Facility (ZTF) ab dem 15. Juni, die sich dann noch bis zum 20. Juli erstreckten, konnte 3I/ATLAS aufgefunden werden. Auch hier wurde aus seiner Helligkeitsentwicklung abgeleitet, dass das Objekt mindestens seit einem Sonnenabstand von 6,5 AE (d. h. etwa ab Anfang Mai) aktiv war. Es wurde geschätzt, dass die Produktionsrate von Staub Anfang Mai bei 5 kg/s lag und sich bis Mitte Juli auf 30 kg/s steigerte. Der gleichmäßige Ausstoß von Staub könnte bereits bei einem Sonnenabstand von 9 AE begonnen haben, als die Sublimation von Kohlenstoffdioxid (CO2) einsetzte. Eine Suche nach Anzeichen des Kometen auf Aufnahmen aus dem Jahr 2024, als er noch zwischen 17 und 13 AE von der Sonne entfernt war, erbrachte keine Hinweise auf Helligkeitsausbrüche zu dieser Zeit.Qu. Ye (叶泉志), M. S. P. Kelley, H. H. Hsieh, E. C. Bellm, T. X. Chen, R. Dekany, A. Drake, S. L. Groom, G. Helou, Sh. R. Kulkarni, T. A. Prince, R. Riddle: Prediscovery Activity of New Interstellar Object 3I/ATLAS: Rapid Brightening from 6 to 4 au. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 993, Nr. 1, L31, 2025, S. 1–8, doi:10.3847/2041-8213/ae147b (PDF; 1,38 MB). Das Vera C. Rubin Observatory in Chile befand sich noch in der routinemäßigen Hochlaufphase vor seiner offiziellen Inbetriebnahme, erfasste aber währenddessen bereits Fotografien der Himmelsregion, in der sich 3I/ATLAS bewegte. Der Komet konnte dann auch auf Prediscovery-Aufnahmen ab dem 21. Juni gefunden werden, die dann anschließend noch mit weiteren Aufnahmen bis zum 20. Juli ergänzt wurden. Die hochauflösenden Bilder zeigten eine Staubkoma um den Kometen und ermöglichten genaue astrometrische und photometrische Auswertungen. Für den 2. Juli wurde die Produktionsrate von Staub zu 10–100 kg/s abgeschätzt.C. O. Chandler, P. H. Bernardinelli, M. Jurić, D. Singh, H. H. Hsieh, I. Sullivan, R. L. Jones, J. A. Kurlander, D. Vavilov, S. Eggl, M. Holman, F. Spoto, M. E. Schwamb, L. A. MacArthur, R. Makadia, M. Micheli, A. Heinze, E. J. Christensen, W. Beebe, A. Roodman, K.-T. Lim, T. Jenness, J. Bosch, B. M. Smart, E. Bellm, S. MacBride, M. L. Rawls, S. Greenstreet, C. Slater, Ž. Ivezić, R. D. Blum, A. Connolly, G. Daues, M. Gower, J. B. Kalmbach, M. T. Bannister, L. Dones, R. C. Dorsey, D. Farnocchia, W. C. Fraser, J. C. Forbes, C. Fuentes, C. E. Holt, L. Inno, G. H. Jones, M. M. Knight, C. J. Lintott, T. Lister, R. Lupton, M. J. M. Magbanua, R. Malhotra, B. E. A. Mueller, J. Murtagh, N. Pandey, W. T. Reach, N. H. Samarasinha, D. Z. Seligman, C. Snodgrass, M. Solontoi, G. M. Szabó, P. Vereš, E. White, M. Womack, L. A. Young und 242 weitere: NSF-DOE Vera C. Rubin Observatory Observations of Interstellar Comet 3I/ATLAS (C/2025 N1). In: The Astrophysical Journal Letters. Band 1001, Nr. 2, L35, 2026, S. 1–32, doi:10.3847/2041-8213/ae4b3a (PDF; 15,4 MB).

Direkt nach der Entdeckung des Kometen wurde vom 2. bis 5. Juli 2025 eine Beobachtungsreihe zu seiner vorläufigen Charakterisierung gestartet, an der das Canada-France-Hawaii Telescope (CFHT) am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi, das Very Large Telescope (VLT) am Paranal-Observatorium in Chile sowie kleinere Teleskope auf dem Haleakalā auf Hawaiʻi, am Siding-Spring-Observatorium in Australien, am Observatori Astronòmic del Montsec in Katalonien und die beiden TRAPPIST-Teleskope in Marokko und Chile beteiligt waren. Im Verlauf der vier Tage konnte eine schwache Aktivität mit geringen Helligkeitsveränderungen festgestellt werden, während das beobachtete Spektrum demjenigen anderer interstellarer Objekte und ursprünglicher Kleinkörper des Sonnensystems (Kometen und Asteroiden vom D-Typ) entsprach.D. Z. Seligman, M. Micheli, D. Farnocchia, L. Denneau, J. W. Noonan, H. H. Hsieh, T. Santana-Ros, J. Tonry, K. Auchettl, L. Conversi, M. Devogèle, L. Faggioli, A. D. Feinstein, M. Fenucci, M. Ferrais, T. Frincke, M. Gillon, O. R. Hainaut, K. Hart, A. Hoffman, C. E. Holt, W. B. Hoogendam, M. E. Huber, E. Jehin, T. Kareta, J. V. Keane, M. S. P. Kelley, T. Lister, K. Mandt, J. Manfroid, D. Marčeta, K. J. Meech, M. A. Miftah, M. Morgan, F. Ocaña, E. Peña-Asensio, B. J. Shappee, R. J. Siverd, A. G. Taylor, M. A. Tucker, R. Wainscoat, R. Weryk, J. J. Wray, A. Yaginuma, B. Yang, Qu. Ye (叶泉志), Q. Zhang: Discovery and Preliminary Characterization of a Third Interstellar Object: 3I/ATLAS. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 989, Nr. 2, L36, 2025, S. 1–13, doi:10.3847/2041-8213/adf49a (PDF; 3,11 MB). Astrometrische und photometrische Messungen erfolgten am 2., 3. und 6. Juli am Kottamia Astronomical Observatory in Ägypten, am Palomar-Observatorium und am Apache Point Observatory in New Mexico, für die Produktionsrate von Staub wurden Werte von 0,1–1 kg/s angenommen.B. T. Bolin, M. Belyakov, C. Fremling, M. J. Graham, A. M. Abdelaziz, E. Elhosseiny, C. L. Gray, C. Ingebretsen, G. Jewett, C. M. Lisse, S. Karpov, M. Kilic, M. Mašek, M. Molham, D. Roderick, A. Takey, L.-M. Abron, M. W. Coughlin, Ch. Hsieh (謝承翰), K. S. Noll, I. Wong: Interstellar comet 3I/ATLAS: discovery and physical description. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters. Band 542, Nr. 1, 2025, S. L139–L143, doi:10.1093/mnrasl/slaf078 (PDF; 2,66 MB). Photometrische Beobachtungen vom 2. bis 5. Juli mit dem Two-meter Twin Telescope (TTT) am Observatorio del Teide auf Teneriffa sowie spektroskopische Messungen am 4. Juli mit dem Gran Telescopio Canarias (GTC) am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma erbrachten ebenfalls ein Spektrum, das etwas röter als das von D-Typ-Asteroiden ist. Aus der gemessenen Lichtkurve konnte nun eine Rotationsperiode von etwa 16,8 h abgeleitet werden.R. de la Fuente Marcos, M. R. Alarcon, J. Licandro, M. Serra-Ricart, J. de León, C. de la Fuente Marcos, G. Lombardi, A. Tejero, A. Cabrera-Lavers, S. Guerra Arencibia, I. Ruiz Cejudo: Assessing interstellar comet 3I/ATLAS with the 10.4 m Gran Telescopio Canarias and the Two-meter Twin Telescope. In: Astronomy & Astrophysics. Letters to the Editor. Band 700, L9, 2025, S. 1–7, doi:10.1051/0004-6361/202556439 (PDF; 573 kB).