Magnus von Wedderkop (* 12. März 1864 in Vechta, Großherzogtum Oldenburg; † 27. Januar 1929 in Oberbreisig) war ein deutscher Jurist und Museumsjustiziar der Königlichen Museen zu Berlin. Als Publizist befasste er sich insbesondere mit französischer Literatur und Kunstgeschichte.Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums zu Eutin, womit zu der auf den 26. und 27. März angesetzten öffentlichen Prüfung sämtlicher Klassen und der Schlussfeier ergebenst einladet der Direktor Dr. Friedrich Heussner. G. Struves Buchdruckerei, Eutin 1885, S. 43.Kölnische Zeitung vom 30. Januar 1929, Morgenausgabe, S. 4.General-Anzeiger für Bonn und Umgebung vom 29. Januar 1929, S. 9.
Leben Familie und frühe Jahre Magnus von Wedderkop entstammt der Adelsfamilie von Wedderkop. Er war wie sein Vater Magnus Cajus Friedrich Conrad von Wedderkop, der Oberamtsrichter in Eutin und Kammerherr am Hof des Großherzogtums Oldenburg war, ein Namensvetter des Juristen und Politikers Magnus von Wedderkop, auf den das Adelsgeschlecht zurückgeht. Seine Mutter war Elisabeth Post, eine Ur-Enkelin des Bremer Bürgermeisters Liborius Diederich Post. Sein jüngerer Bruder, Hermann von Wedderkop war Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber der Kunstzeitschrift Der Querschnitt.Ostholsteiner Anzeiger vom 6. Oktober 1956, S. 20.
Nachdem Magnus von Wedderkop am Großherzoglichen Gymnasium in Eutin am 9. September 1884 die Maturitätsprüfung abgelegt hatte, studierte er im Wintersemester 1884/85 und Sommersemester 1885 Rechtswissenschaften an der Großherzoglichen Badischen Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er unter anderem von Heinrich Rosin unterrichtet wurde.Universitätsarchiv Freiburg: 17-274 - Abgangszeugnis Magnus Wedderkop - 29.10.1885Verzeichnis der Behörden, Lehrer, Anstalten, Beamten und Studierenden der Badischen Universität Freiburg, H. M. Poppen & Sohn – Universitätsdruckerei, Freiburg im Breisgau 1885, S. 51. Er studierte zudem im Wintersemester 1885/86 und Sommersemester 1886 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und im Wintersemester 1886/87 und Sommersemester 1887 an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, wo er unter anderem von Rudolf von Gneist unterrichtet wurde.Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlich bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Winter-Semester 1885/86. Königliche Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn, München 1885, S. 84, Digitalisat.Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlich bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Sommer-Semester 1886 Königliche Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn, München 1886, S. 83, Digitalisat.Universitätsarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin: Rektor und Senat, Matrikelbuch, Matrikel-Nr. 856/77 Rektorat. Am 2. März 1888 bestand er die erste juristische Prüfung beim Kammergericht in Berlin. Er schlug eine Verwaltungslaufbahn ein und trat in den preußischen Staatsdienst ein. Am 3. April 1888 wurde er vom Justizminister des Oldenburgischen Staats zum Referendar ernannt und drei Tage später dem Königlichen Amtsgericht zu Eutin überwiesen. Vom 18. Januar 1889 bis zum 9. Juli 1890 war er bei der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Altona beschäftigt. Am 9. Juli 1890 trat er in die Königliche Preußische Verwaltung über. Vom 1. August 1890 bis zum 2. September 1891 war er zur Hilfsleistung bei dem Kommunalverband des Landkreises Harburg gestellt, dessen Wahl zum Syndikus er im August 1890 annahm, jedoch nicht antrat. Seine schriftliche Hausarbeit verfasste er über das Preußische Kommunalabgabengesetz vom 14. Juli 1893.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz: I. HA Rep. 125, Nr. 5306 Wedderkop, Magnus von, Regierungsreferendar, Lüneburg. Ab 1894 war er als Regierungsassessor tätig.Claude Keisch: Rodin im Wilhelminischen Deutschland. Seine Anhänger und Gegner in Leipzig und Berlin. In: Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz: Forschungen und Berichte. Henschel Verlag, Band 29/30, Berlin 1990, S. 251–301, Digitalisat. Seit dem 8. Dezember 1894 war er außeretatsmäßiges Mitglied der Regierung und unter anderem im Ressort des Kultusministeriums unter Kultusminister Heinrich Conrad Studt beschäftigt.Termin- und Notiz-Kalender für preußische Verwaltungsbeamte auf das Jahr 1899. A. Stein Verlagsbuchhandlung, Potsdam 1899, S. 97, Digitalisat.Termin- und Notiz-Kalender für preussische Verwaltungsbeamte auf das Jahr 1900. A. Stein Verlagsbuchhandlung, Potsdam 1900, S. 78, Digitalisat. 1896 wurde er dem Landrat des Kreises Plön, Christian zu Rantzau, überwiesen.Preußisches Verwaltungsblatt. Carl Heymanns Verlag, Siebzehnter Jahrgang, Oktober 1895 bis 1896, Berlin 1896, S. 132, Digitalisat.
Erste publizistische Tätigkeiten Seit dieser Zeit widmete er sich auch vermehrt schriftstellerischen und kulturpublizistischen Tätigkeiten. Entgegen dem antimodernen und nationalistischen Kulturklima Preußens veröffentlichte er im Juni 1896 den wertschätzenden Aufsatz „Paul Verlaine und die Lyrik der Décadence in Frankreich“ in der Kunst- und Literaturzeitschrift Pan. Darin analysiert er Verlaines symbolistische Lyrik im Kontext der aufkommenden französischen Décadence-Bewegung des Fin de Siècle. Er zeigt, wie Verlaine mit seinem Programm der Nuance und Musikalität Form und Sprache auflockerte, seine religiöse Bekehrung im Gedichtband „Sagesse“ verarbeitete und gemeinsam mit den „poètes maudits“ wesentliche Impulse für den Symbolismus des späten 19. Jahrhunderts setzte.Frauke Velden-Hohrath: Wolf Graf von Kalckreuth: Existenz, Übersetzung, Dichtung: das lyrische Werk zwischen Todessehnsucht und Kriegslust. Königshausen & Neumann, 1998, S. 58.Rüdiger Zymner, Rudolf Brandmeyer, Claudia Hillebrandt (Hrsg.): Lyriktheorie: Magnus von Wedderkop. Paul Verlaine und die Lyrik der Décadence in Frankreich. Im April 1897 erschien ebenfalls in Pan ein Beitrag von ihm über den Kunsthistoriker und Schriftsteller Carl Friedrich von Rumohr. Darin würdigte er dessen Leben und Wirken als Begründer der modernen Kunstgeschichte, weil Rumohr in seinen „Italienischen Forschungen“ mit strenger Quellenkritik und Stilanalyse Giorgio Vasaris Legenden widerlegte, unbekannte Schulen wie Siena erschloss, romantische Nachahmung verwarf und stattdessen naturbezogenes, handwerklich fundiertes Schaffen forderte.
Museumsdienst in Berlin Von 1897 bis 1898 arbeitete er als Hilfsarbeiter beim Landratsamt Lennep, im heutigen Remscheid, unter Landrat Richard Koenigs, einem jüngeren Bruder des Kölner Bankiers und seines späteren Schwiegervaters Ernst Friedrich Wilhelm Koenigs.Remscheider General-Anzeiger vom 15. Mai 1897, S. 4.Lenneper Kreisblatt vom 18. Mai 1898, S. 2.Jahrbuch für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1898 von Rudolf Harnisch, S. 10. Am 18. April 1898 heiratete Wedderkop in Köln dessen Tochter Elisabeth Koenigs und feierte anschließend im Dom-Hotel.Neußer Zeitung vom 22. April 1898, S. 3. Dadurch war er mit der Bankiers- und Industriellenfamilie Königs-Bunge verschwägert. Zu dieser gehörte auch sein Schwager, der Kunstsammler Franz Koenigs. Noch im Jahr der Hochzeit zog das Paar nach Berlin. Magnus von Wedderkop wurde am 1. Juli 1898 kommissarisch zum Justiziar und Mitglied des Verwaltungsrats der Generalverwaltung der Königlichen Museen zu Berlin berufen und löste den Museumsjustiziar Schauenburg ab.Ludwig Pallat: Richard Schöne, Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin: Ein Beitrag zur Geschichte der preussischen Kunstverwaltung 1872–1905. Nach der Handschrift von Paul Ortwin Rave. De Gruyter, Berlin 1959, S. 332.Herrmann A. L. Degener: Wer ist's? Unsere Zeitgenossen. Zeitgenossenlexikon. Verlag Herrmann Degener, Leipzig 1905, S. 189. Am 23. Februar 1903 wurde er fest bestellt und erhielt den Titel eines Regierungsrates.Berliner Börsen-Zeitung No. 101, Morgenausgabe vom 1. März 1903, S. 1.Ministerium der Geistlichen, Unterrichts und Medizinal-Angelegenheiten: Zentralblatt Für Die Gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1903, S. 260. Als Justiziar vertrat er den Generaldirektor. In dieser Funktion vermittelte er zwischen den Schenkungsplänen der Familie Koenigs, den auf die französische Moderne gerichteten Erwerbungsinteressen der Nationalgalerie unter Direktor Hugo von Tschudi und den ästhetisch-konservativen sowie nationalistisch aufgeladenen Genehmigungserfordernissen Kaiser Wilhelms II.Claude Keisch: Felix Koenigs. Ein Berliner Künstlerfreund. Mäzen zu Lebzeiten und postum. In: Birgit Verwiebe und Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Hrsg.): Die Sammlung der Nationalgalerie zum langen 19. Jahrhundert. Erwerbung, Forschung, Dokumentation, Vermittlung, arthistoricum.net, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-9850110-9-4, S. 64–133, Digitalisat.Claude Keisch: 100 Jahre danach: Die Stiftung Felix Koenigs. In: Museumspädagogischer Dienst Berlin (Hrsg.): Museumsjournal. Nr. IV, 15. Jahrgang, Oktober 2001, ISSN 0933-0593, S. 25. Magnus von Wedderkop verfasste das Vorwort für den Ausstellungskatalog der Sonderausstellung „Ausstellung der Sammlung Felix Koenigs“, die im März und April 1901 in der Nationalgalerie stattfand. Damit fiel sie in die Zeit des 25-jährigen Jubiläums der Alten Nationalgalerie. Gezeigt wurde der Nachlass mitsamt einer großen Anzahl ausländischer Werke des ein Jahr zuvor verstorbenen Felix Koenigs, einem Bruder von Wedderkops Schwiegervater.Johannes Rein ter Molen: F.W. Koenigs 1881-1941 In: 150 jaar Museum Boijmans Van Beuningen Rotterdam. Een reeks beeldbepalende verzamelaars ISBN 90-5662-113-0, S. 352.Barbara Paul: Hugo von Tschudi und die moderne französische Kunst im Deutschen Kaiserreich. In: Berliner Schriften zur Kunst. Band 4, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1416-7, S. 8.Königliche Mussen zu Berlin. Nationalgalerie. Ausstellung der Sammlung Felix Koenigs. März–April 1901. Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1901.
Magnus von Wedderkop arbeitete zunächst unter Museumsdirektor Richard Schöne und ab dem Dezember 1905 noch einige Monate unter Wilhelm von Bode.Stephan Waetzoldt: Wilhelm von Bode und die innere Struktur der Preussischen Museen zu Berlin. In: Thomas W. Gaehtgens, Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Jahrbuch der Berliner Museen. Beiheft. "Kennerschaft". Kolloquium zum 150sten Geburtstag von Wilhelm von Bode. Gebr. Mann Verlag, 38. Band, Berlin 1996, S. 11, Digitalisat. Aus dem Nachlass von Wilhelm von Bode sind 14 Briefe von Magnus von Wedderkop aus den Jahren 1900–1907 im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin erhalten.Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin: Nachlass Wilhelm von Bode (1845–1929), Kunsthistoriker. Da er häufig krankheitsbedingt ausfiel, wurde Wolfgang von Burchard, ein Sohn von Emil von Burchard, zunächst sein Vertreter und blieb dann als zweiter Justiziar. Nachdem er sich wiederholt für längere Zeit wegen Krankheit beurlauben lassen hatte, ließ sich Magnus von Wedderkop zum 1. Oktober 1906 vorzeitig pensionieren.Elisabeth Hensel: Paul Hensel. Sein Leben in Briefen. Wolfenbütteler Verlagsanstalt, Wolfenbüttel 1947. Er wurde mit dem Eintritt in den Ruhestand mit dem Roten Adlerorden vierter Klasse ausgezeichnet.Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger No. 245 vom 16. Oktober 1906, S. 1.Ministerium der Geistlichen, Unterrichts und Medizinal-Angelegenheiten: Zentralblatt Für Die Gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1906, S. 744.
Publizistische Tätigkeit im Ruhestand