mini|Irische Bevölkerung der USA 1872 mini|Irische Bevölkerung der USA in den Countys gemäß dem Zensus 2000 Irischamerikaner sind Einwohner der Vereinigten Staaten irischer Abstammung.

Einwanderungsmuster und Konfession Viele protestantische Iren wanderten während der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert nach Amerika aus. Ihnen folgten während und nach der großen Hungersnot (von 1845 bis 1852) Millionen von katholischen Iren. Während katholische Irischamerikaner 16 Prozent der Katholiken in den Vereinigten Staaten überhaupt ausmachen, war laut einer Studie der General Social Survey (University of Chicago) von 2014 die Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe protestantisch. Von den etwa 40 Millionen Irischamerikanern (35 Millionen aus der Republik Irland, 5 aus Nordirland) waren demnach etwa 20 Millionen Protestanten und 13 Millionen Katholiken (die übrigen gaben keine Konfession an); aktive Kirchgänger waren demnach jeweils 40 Prozent. Von den Evangelikalen in den Südstaaten machen Irischamerikaner etwa 20 Prozent aus; viele von ihnen schlossen sich dort den Southern Baptists an.John Simkin: Irish Immigration. In: Spartacus Educational, September 1997; Sheila Langan: Shock survey shows Irish Americans are more Protestant than Catholic. In: Irish Central, 22. März 2014. Die Irischamerikaner gehören laut vielen Soziologen inzwischen zur Gruppe der late ethnicity bzw. late-generation ethnicity, die von einer langanhaltenden Integration in die Empfängergesellschaft und versiegtem Zustrom aus der Herkunftsgesellschaft geprägt ist. Während der irischstämmige US-Senator Daniel Patrick Moynihan 1963 ein Ende der ethnischen Identität der Irischamerikaner prognostiziert hatte, erklärte er in den 1970er Jahren ein neues Bewusstsein für das Irischsein in den Vereinigten Staaten.Liam Kennedy: How Irish America thinks, votes and acts. In: The Irish Times, 3. Juni 2017.

Demographie Nach den Deutschamerikanern sind sie mit etwa 34,7 Millionen (beim United States Census 2010)Liam Kennedy: How Irish America thinks, votes and acts. In: The Irish Times, 3. Juni 2017. die zweitgrößte ethnische Gruppe der weißen Bevölkerung und insbesondere im Nordosten der Vereinigten Staaten anteilig stark vertreten. Dabei gaben 22 Millionen (7,2 Prozent der Gesamtbevölkerung) an, vorwiegend irische Vorfahren zu haben, weitere 13,5 Millionen hatten demnach teilweise irische Vorfahren (insgesamt 11,6 Prozent der Bevölkerung).Jed Kolko: America's Most Irish Towns. In: Forbes.com, 15. März 2013. Der Staat mit dem prozentual größten Anteil an Irischstämmigen ist Massachusetts. Im Jahr 2014 gaben laut United States Census Bureau 21,5 Prozent der Einwohner des Bundesstaates an, irische Vorfahren zu haben; besonders hohe Anteile erreichen sie in der Umgebung von Boston mit fast der Hälfte der Einwohner in Braintree (42,3 Prozent), Scituate, Hanover, Marshfield und Norwell. Der einzige andere Bundesstaat, in dem der Anteil von Irischamerikanern über 20 Prozent lag, war 2014 New Hampshire. Die zahlenmäßig größte Einwohnerschaft an Irischamerikanern hatten 2014 Kalifornien mit 2,5 Millionen, New York mit 2,3 und Pennsylvania mit 2,1 Millionen.Shannon Young: Massachusetts among top states claiming Irish Ancestry, US Census Bureau finds. In: MassLive, 17. März 2016. Mehrheitlich ließen sich die Iren in den Städten der USA nieder und bildeten einen großen Teil der Arbeiterschaft.John Simkin: Irish Immigration. In: Spartacus Educational, September 1997. Stark irisch geprägte Stadtteile sind South Boston oder Hell’s Kitchen in New York City.

Wahlverhalten Ihr Wahlverhalten war lange von einer überwiegenden Treue zur Demokratischen Partei geprägt,John Simkin: Irish Immigration. In: Spartacus Educational, September 1997. zumal Irischstämmige die „demokratische Maschine“ der Parteibosse insbesondere in Chicago beherrschten, was sich mit der zunehmenden Prosperität vieler Irischstämmiger im Lauf des 20. Jahrhunderts änderte.Liam Kennedy: How Irish America thinks, votes and acts. In: Irish Times, 3. Juni 2017. Der Trend zur Republikanischen Partei zeigte sich insbesondere bei der Präsidentschaftswahl 2016; manche Umfragen sahen den Republikaner Donald Trump unter denjenigen, die sich als Irischamerikaner bezeichneten, vor der Demokratin Hillary Clinton, teilweise allerdings nur knapp – und damit deutlich weniger Vorsprung für Trump als unter anderen ethnischen Gruppen der Weißen.Peter F. Stevens: As a majority of Irish Americans reportedly embrace Trump, lessons hard-learned by our immigrant ancestors are evaporating. In: Boston Irish Reporter, 6. September 2016; Peter Aldhous, Jeremy Singer-Vine: Which White People Support Trump? In: BuzzFeed, 9. Oktober 2016.

Liste irischstämmiger Amerikaner Zu den berühmtesten katholischen Irisch-Amerikanern gehört die Familie Kennedy. Joe Biden (* 1942), 46. Präsident der Vereinigten Staaten Billy the Kid (1859–1881), zentrales Mitglied der Lincoln County Regulators James J. Braddock (1905–1974), Profiboxer und Schwergewichts-Boxweltmeister von 1935 bis 1937 James J. Bulger (1929–2018), Verbrecher und Haupt der Winter Hill Gang in Boston James Cagney (1899–1986), Schauspieler Charles Carroll of Carrollton (1737–1832), Gründervater der USA James Coonan, Chef der irischstämmigen Bande The Westies Bing Crosby (1903–1977), Schauspieler und Sänger Jimmy Fallon (* 1974), Komiker, Moderator und Schauspieler F. Scott Fitzgerald (1896–1940), Schriftsteller Harrison Ford (* 1942), Schauspieler, Pilot und Umweltaktivist Swan Hennessy (1866–1929), Komponist Ben Hogan (1912–1997), Golfspieler Grace Kelly (1929–1982), Schauspielerin und spätere Fürstin von Monaco Edward Kennedy (1932–2009), Politiker John F. Kennedy (1917–1963), 35. Präsident der USA Joseph P. Kennedy (1888–1969), Geschäftsmann und Diplomat Robert F. Kennedy (1925–1968), Politiker Jena Malone (* 1984), Schauspielerin, Filmproduzentin und Musikerin John McEnroe (* 1959), Tennisspieler Joseph McCarthy (1908–1957), Politiker Charles T. Menoher (1862–1930), Offizier Billy Murray (1877–1954), Sänger Georgia O’Keeffe (1887–1986), Malerin Ed O’Neill (* 1946), Schauspieler Eugene O’Neill (1888–1953), Dramatiker und Literaturnobelpreisträger Ronald Reagan (1911–2004), 40. Präsident der USA Ed Sullivan (1901–1974), Entertainer

Literatur Richard Jensen: “No Irish Need Apply”: A Myth of Victimization. In: Journal of Social History. Band 36, 2002, Nr. 2, S. 405–429, Online. Timothy J. Meagher: The Columbia Guide to Irish American History. Columbia University Press, New York 2005 (Vorschau). J. J. Lee, Marion Casey (Hrsg.): Making the Irish American. History and Heritage of the Irish in the United States. New York University Press, New York, London 2006 (Vorschau). Irial Glynn: Emigration Across the Atlantic: Irish, Italians and Swedes compared, 1800–1950. In: Europäische Geschichte Online, 6. Juni 2011. William E. Watson, Eugene J. Halus Jr. (Hrsg.): Irish Americans. The History and Culture of a People. ABC-Clio, Santa Barbara, CA 2015 (Vorschau).

Weblinks Irish Central – Informationsportal zu Irischamerikanern (englisch) American Irish Historical Society (englisch) Irish America – Zeitschrift für Irischamerikaner (englisch) John Simkin: Irish Immigration. In: Spartacus Educational, September 1997 (englisch) Irish Stereotypes - Stereotyping of the Irish Immigrant in 19th Century Periodicals. In: Victoriana Magazine (englisch)

Belege

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