Alligator Alcatraz ist eine derzeit ungenutzte Haft- und Abschiebeeinrichtung für Migranten in Südflorida, USA. Sie war von Juli 2025 bis Mai 2026 in Betrieb und befindet sich am Dade-Collier Training and Transition Airport im Big Cypress National Preserve Gebiet westlich von Miami. Die Anlage ist die erste ihrer Art, die vom Bundesstaat betrieben wird. Die Zukunft der Anlage ist derzeit ungewiss. Die Schließung wurde bereits angekündigt.

Das Projekt wurde Mitte Juni 2025 vom Generalstaatsanwalt von Florida James Uthmeier der Öffentlichkeit durch ein Video auf der Social-Media-Plattform X vorgestellt und bereits Anfang Juli nach einer Tour des US-Präsidenten Donald Trump eröffnet. Die Einrichtung steht im Mittelpunkt zahlreicher Klagen von Umweltschutzorganisationen, Bürgerrechtsgruppen und dem Stamm der Mikasuki. Gemeinsam mit 67 Kongressabgeordneten stellen sie die Rechtmäßigkeit der Einrichtung infrage – unter anderem wegen unmenschlicher Haftbedingungen, negativer Umweltauswirkungen und der Verletzung des Schutzes indigener Stammesgebiete.

Der Name referenziert sowohl die umliegenden Alligatorengebiete als auch das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz.

Im Mai 2026 gaben die Behörden bekannt, dass Alligator Alcatraz geschlossen werden solle. Die letzten der zu diesem Zeitpunkt noch verbliebenen 1400 Insassen würden das Lager noch im Juni verlassen.Jim DeFede, Ana Maria Soler: Florida's "Alligator Alcatraz" detention center to close as soon as June, sources say auf www.cbsnews.com, abgerufen am 13. Mai 2026

Geschichte

Everglades Jetport mini|317x317px|Start eines Flugzeugs am Everglades Jetport, Juli 1972. Im Jahr 1968 begann die Konstruktion des neuen Miami Jetports in den Everglades. Angedacht waren sechs Landebahnen für Überschallflieger, womit der Big Cypress Swamp Jetport der größte seiner Zeit gewesen wäre. Einsprüche zur Errichtung des Flugplatzes kamen von Ureinwohnern, Jägern und Umweltaktivisten, welche die Zerstörung des Ökosystems in Südflorida vorhersagten. Der Bau wurde nur zwei Jahre später eingestellt, nachdem ein Stopp der Entwicklung der Boeing 2707 absehbar geworden war. Fertiggestellt war zu dem Zeitpunkt eine 3,2 km lange Landebahn.

Nationales Schutzgebiet Durch andauernde Bemühungen um den Schutz des Gebietes wurde das Big Cypress National Preserve am 11. Oktober 1974 zu einem der ersten Nationalen Schutzgebiete im Nationalparksystem der Vereinigten Staaten. Das Big Cypress National Preserve gewährt den Mikasuki, Seminolen und weiteren Ureinwohnern das dauerhafte Recht, das Land auf traditionelle Weise zu bewohnen und zu nutzen. Darüber hinaus haben sie das Vorrecht einkommensschaffende Unternehmen im Zusammenhang mit den Ressourcen und der Nutzung des Schutzgebiets, wie zum Beispiel geführte Touren, zu gründen.

Das Big Cypress National Preserve wurde 2016 zum DarkSky International Park ernannt und ist damit das erste Naturschutzgebiet der USA, welches diese Ehre verliehen bekam.

Hintergrund Stephen Miller, Trumps oberster Berater beim Thema Einwanderung, erklärte im November 2023 dem konservativen Aktivisten Charlie Kirk auf seinem Podcast, dass Trump, sollte er wiedergewählt werden, bis zu 10 Millionen Einwanderer, welche illegal unter der Biden-Administration eingereist sein sollen, deportieren möchte. Dafür würde man diese in groß angelegten Razzien festnehmen und in Internierungscamps nahe der Grenze zu Mexiko sammeln. Von diesen Lagern aus würde die Regierung ununterbrochen Flüge organisieren, um Migranten in ihre Heimatländer zurückzubringen.

Donald Trump und seine Administration bestätigten diese Linie in seiner zweiten Amtszeit durch eine Reihe migrationspolitischer Maßnahmen. Die Regierung verfolge eine deutlich verschärfte Einwanderungs- und Abschiebepolitik in enger Zusammenarbeit mit der Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit ICE. Der Anstieg der Festnahmen von Nichtstaatsangehörigen führte zu einem erhöhten Bedarf an Unterbringungskapazitäten in den Internierungseinrichtungen, in denen die Betroffenen während ihrer Abschiebeverfahren festgehalten werden. Um Betrieb, Verwaltung und Aufsicht dieser Einrichtungen zu gewährleisten, unterstützt die Regierung den neuartigen Ansatz von Abschiebegefängnissen unter der Verwaltung der Bundesstaaten. Alligator Alcatraz gilt als Modellprojekt dafür.

Über den staatlichen Haushalt für die Deportationsvorhaben der aktuellen Regierung wurde am 1. Juli 2025 innerhalb des Gesetzgebungsverfahrens zum „One Big Beautiful Bill Act“ abgestimmt, in welchem 45 Milliarden US-Dollar für Immigrationshaftanstalten vorgesehen sind. Dies entspricht einem Anstieg von 265 % des jährlichen Budgets für ICE.

Konstruktion und Inbetriebnahme

Bekannt wurde das Projekt am 19. Juni 2025 über ein Video, hochgeladen auf dem X Account von Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier. Unter dem Titel „Alligator Alcatraz: the one-stop shop to carry out President Trump’s mass deportation agenda.“ präsentiert Uthmeier den alten Flugplatz als perfekten Ort für eine Übergangshaftanstalt.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis nutzte daraufhin das seit 2023 bestehende Notstandsgesetz für Einwanderung aus, um den im Besitz des Landkreises befindlichen Flugplatz zu beschlagnahmen und die Konstruktion ohne die Kollaboration mit der lokalen Politik oder der sonst üblichen Prüfung des Einflusses auf die Umwelt zu starten. Abgeordnete der Demokratischen Partei hinterfragten, ob es sich dabei nicht um eine Überschreitung der aus dem Notstandsgesetz resultierenden Befugnisse handelt.mini|Donald Trump, Kristi Noem und Ron DeSantis bekommen eine Tour des neuen Gefängnisses am 1. Juli 2025.Am 21. Juni 2025 mobilisierte DeSantis eine Gruppe privater Unternehmen für den Bau des Komplexes und setzte die Nationalgarde ein, um die Umgebung zu sichern. Die Anlage wurde innerhalb von, abhängig von der Quelle, sieben bis acht Tagen errichtet. In der Woche darauf, dem 1. Juli 2025, besichtigten Donald Trump, Ron DeSantis und die Ministerin für Innere Sicherheit Kristi Noem zusammen mit anderen führenden Politikern Floridas die Konstruktion. Donald Trump lobte den Bau mit den Worten: „Es könnte so gut sein wie das echte Alcatraz.“

Der erste Transport mit Inhaftierten traf am 2. Juli 2025 ein. Er markierte damit den Beginn des Betriebes der Haftanstalt.

Kosten Es wird geschätzt, dass der Betrieb des Lagers jährlich 450 Millionen US-Dollar kosten wird. Die Kosten pro Bett belaufen sich dabei auf rund 245 US-Dollar, was etwa 58 US-Dollar mehr als den durchschnittlichen Inhaftierungskosten der ICE entspricht. Bis zum 29. August 2025 hatte der Bundesstaat Florida bereits 218 Millionen US-Dollar an irreversiblen Baukosten für das Haftzentrum ausgegeben, finanziert aus dem Fonds für Notfallvorsorge und -bewältigung des Bundesstaates.

Bis Mai 2026 beliefen sich die Kosten für Alligator Alcatraz bereits auf etwa eine Milliarde US-Dollar. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für die Entscheidung gewesen sein, das Lager wieder zu schließen. Die Kongressabgeordnete Debbie Wasserman Schultz sagte, dieses Monument der Verschwendung, Grausamkeit und Umweltbelastung hätte an dieser Stelle nie gebaut werden dürfen. Mangels Infrastruktur musste sogar das Wasser hin- und das Abwasser weggefahren werden.Immigration detention center known as 'Alligator Alcatraz' may soon close

Auftragsvergabe Floridas Abteilung für Notfallmanagement und das Büro des Gouverneurs nutzten den seit Januar 2023 bestehenden „Immigrationsnotstand“ um Beschaffungs- und Ausschreibungsregeln zu umgehen. Dadurch konnten sie legal Verträge mit wichtigen Wahlkampfunterstützern von DeSantis und Spendern der republikanischen Partei abschließen.

Beispielsweise wählten sie IRG Global Emergency Management, welche am 24. Juni 2025 10.000 US-Dollar an die Republikanische Partei Floridas gespendet hatten, für einen Vertrag im Wert von 1,1 Millionen US-Dollar aus. Diese sollen „betriebliche Unterstützungsdienste zur Unterstützung von Migrationsmaßnahmen im Bundesstaat“ leisten. Es folgten zwei weitere Verträge mit dem Bundesstaat im Gesamtwert von über 5 Millionen US-Dollar für Shuttleservices, Schutzausrüstung, Notfalldienste und Luftoperationen von Ort. IRG ist ein Ableger von Access Restoration Services US, Inc., der insgesamt fast 400.000 US-Dollar an die Republikanische Partei gespendet hat.

Insgesamt wurden vier Akteure bestätigt, mit denen Verträge über Konstruktion und Betrieb abgeschlossen wurden und die in der Vergangenheit an die Republikanische Partei gespendet haben.

Namensgebung mini|231x231px|Straßenschild am Eingang des Haftgefängnisses. Der Begriff „Alligator Alcatraz“ wurde zum ersten Mal durch das Video Uthmeiers auf X geprägt. Er referenziert sowohl die in den Everglades vorhandene Alligatorenpopulation als auch das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz. Im Juli 2025 bekannten sich Floridas Politiker und weitere Quellen zu dem offiziellen Namen Alligator Alcatraz.

In anderen Berichten heißt es jedoch, dass der offizielle Name „South Florida Detention Facility“ sein soll, und Alligator Alcatraz lediglich ein Spitzname ist. Die Tampa Bay Times führte die Geschwindigkeit der Konstruktion als Grund für die Verwirrung darüber an, ob es sich bei dem Namen Alligator Alcatraz um die offizielle Bezeichnung oder um einen Werbenamen handelt. Ein Sprecher des Generalstaatsanwaltes von Florida widersprach letzterem.

Auf den Schildern außerhalb der Einrichtung lässt sich „Alligator Alcatraz“ lesen.

Berichte über menschenunwürdige Bedingungen Berichten zufolge gebe es im Lager limitierten Zugang zu Wasser, das Essen reiche nicht aus und die Inhaftierten sollen bei der Ausübung ihrer Religion gehindert werden. Insassen haben zudem unhygienische Zustände beschrieben, wie den Überlauf von Sanitäranlagen und Insektenbefall. Dazu komme eine unzureichende medizinische Versorgung.

Die Anlage befindet sich in einer Region, die regelmäßig von extremen Wetterereignissen betroffen ist, darunter Hurrikans, starke Regenfälle, hohe Temperaturen und in der Trockenzeit auch Waldbrände. Fachleute äußerten Bedenken, dass die Einrichtung ausreichend gegen solche Risiken geschützt sei. Jason Houser, ehemaliger Stabschef von ICE, merkte an, dass mit der aktuellen Struktur der Zelte sowohl das Personal als auch die Inhaftierten dem Risiko von ernstzunehmenden Verletzungen ausgesetzt sind, sollte ein Extremwettereignis eintreten.

Durch Interviews von Human Rights Watch, Americans for Immigrant Justice und Sanctuary from the South kamen Vorwürfe der Inhaftierten gegen die Verantwortlichen des Lagers an die Öffentlichkeit. Wiederholt wurde von ihnen die Qualität der Verpflegung und deren Verabreichung beanstandet. Es soll vorgekommen sein, dass den Insassen bis um 19 Uhr Essen verweigert wurde. Zudem äußerten weibliche Gefangene, dass sie die Toiletten in Sicht der Männer nutzen müssen und ihnen auch sonst keine geschlechtsspezifische Pflege gewährt wird.

Am 22. Juli 2025 begannen Häftlinge einen Hungerstreik, um gegen die unmenschlichen und gefährlichen Lebensbedingungen im Lager zu protestieren, der Informationen zufolge nach 14 Tagen noch nicht beendet war. Einige Häftlinge erzählten von Maden im Essen und davon, dass sie wegen Störungen an den Sanitäranlagen „die Fäkalien mit bloßen Händen aus den Toiletten herausschaufeln“ mussten. Die Florida Division of Emergency Management und die Federal Emergency Management Agency widersprechen den Berichten. Eine unabhängige Untersuchung durfte bislang nicht durchgeführt werden.