mini|Anomalien der Meeresoberflächentemperatur im Mittelmeer am 22. Juni

Die Dürre und Hitze in Europa 2025 war eine Abfolge von Hitzewellen und Dürren in weiten Teilen Europas, die Ende Juni zunehmend intensiver wurden. In vielen Teilen Europas fielen Temperaturrekorde, einige Regionen litten unter Wasserknappheit und es kam zu zahlreichen Waldbränden.

Ausgangslage

Laut einer vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes war in Deutschland bereits das Frühjahr (März, April, Mai) eines der drei trockensten seit Messbeginn 1881. Nur im Frühjahr 1893 und 2011 hatte es dort noch weniger geregnet. Die Periode von Februar bis Mai war in Deutschland gar die trockenste seit Messbeginn. Im ersten Halbjahr des Jahres regnete es in Potsdam auf dem Telegrafenberg so wenig wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1893, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf der Basis der vorläufigen Angaben der dortigen Messstation des Deutschen Wetterdienstes mitteilte. Gemäß dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) waren in den drei Frühlingsmonaten auch weite Teile der Schweiz von unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen betroffen. So fielen z. B. in Bern in der Periode vom 1. März bis am 5. Juli nur 60 Prozent der üblichen Niederschläge. In der Periode von März bis Juni gab es dort erst viermal weniger Regen seit Messbeginn 1864. Die Messstation des Bundesamts für Umwelt am Rhein in Neuhausen in der Nähe des Rheinfalls verzeichnete im April mit einem Abfluss von 181 m³/s einen neuen kleinsten Monatsmittelwert seit Beginn der Messungen am heutigen Standort im Jahr 1959.Hydrologisches Jahrbuch der Schweiz 2025, Bundesamt für Umwelt, 2026, S. 9

Verlauf Die erste Hitzewelle erreichte zwischen dem 17. und 22. Juni ihren Höhepunkt und betraf weite Teile West- und Südeuropas. Die zweite Hitzewelle ereignete sich zum Monatswechsel, wobei zwischen dem 30. Juni und dem 2. Juli in derselben Region noch extremere Temperaturen herrschten. Zwischenzeitlich waren einige Länder von einem Unwetter mit Orkanböen heimgesucht worden.

Die jährliche durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur (SST) für die europäische Region war das vierte Jahr in Folge die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen. Für das Mittelmeer war die jährliche SST die zweithöchste nach dem Jahr 2024.

Juni In El Granado wurde am 29. Juni mit einer Temperatur von 46 Grad Celsius (°C) der neue Juni-Rekord für Spanien registriert. Damit wurde der vorherige Rekord mit einer Temperatur von 45,2 °C in Sevilla aus dem Jahr 1965 überboten. In der portugiesischen Kleinstadt Mora stieg die Temperatur Ende Juni bis auf 46,6 °C. Unter anderem in Paris wurde die höchsten Hitzewarnstufe ausgerufen. Der bisherige Rekord war im Jahr 2017 mit 44,9 °C ebenfalls dort gemessen worden. Die maximalen gefühlten Temperaturen erreichten nordöstlich von Lissabon 48 °C, was „extremem Hitzestress“ entspricht und etwa 7 °C über dem durchschnittlichen Juni-Maximum liegt.

In den Niederlanden wurde am 13. Juni in der Gemeinde De Bilt bei Utrecht 31,8 Grad Celsius gemessen. Dies war der wärmste 13. Juni in den Niederlanden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901. Der bisherige Rekord wurde 1964 gemessen und lag bei von 31,5 °C.

In Österreich wurde die Nacht auf den 26. Juni 2025 an mehreren Orten als Tropennacht registriert und im Verlaufe des Tages wurden mehrere Juni-Temperaturrekorde gebrochen. Es war in Österreich der drittwärmste Juni seit Messbeginn. Unter anderem gab es in Kärnten einen Juni-Hitzerekord und einige Stationsrekorde. Am 26. Juni 2025 hatte es einige neue Juni-Hitzerekorde für die jeweilige Messstation gegeben wie zum Beispiel 37,9 °C wurden in Klagenfurt am Wörthersee, 37,8 °C in Ferlach und 36,7 °C in Bad Radkersburg gemessen. In Feistritz ob Bleiburg wurde am 26. Juni 2025 eine Temperatur von 38,3 °C gemessen, der vorherige Juni-Rekord lag bei 38,0 °C, der am 27. Juni 2019 in Hermagor und in Dellach im Drautal gemessen wurde. In der Schweiz wurde Ende Juni 2025 auf dem Berg Weissfluhjoch mit 20,3 °C erstmals in einem Juni die 20-Grad-Marke überschritten. Die Monatsmitteltemperatur betrug auf dem Bergpass Jungfraujoch 2,6 °C und hatte somit 0,4 °C höher als im bisherigen Rekord-Juni 2003 gelegen.

Die Nullgradgrenze lag am 28. Juni 2025 in der Schweiz bei 5.124,6 m ü. M., womit die Grenze von 5.000 m ü. M. erstmals seit Messbeginn 1954 bereits im Juni überschritten worden war. Zudem war dies die fünfthöchste jemals gemessenen Nullgradgrenze. Auch am Folgetag lag die Nullgradgrenze mit 5.065 m ü. M. auf über 5.000 m ü. M., was der zweithöchsten jemals gemessenen Nullgradgrenze in einem Juli entspricht. Die höchste Tagesmitteltemperatur für einen Juni (seit Messbeginn 1959) wurde am 29. Juni 2025 in Hallau mit 27 °C und in Ulrichen mit 21,9 °C gemessen.

Auch weite Teile Südeuropas erlebten überdurchschnittlich viele Tropennächte. In Teilen Spaniens gab es bis zu 24 Tropennächte, 18 mehr als im Junidurchschnitt. In den Balkanländern lagen die Temperaturen häufig um die 37 °C, Anfang Juni erlebte Griechenland eine Reihe tropischer Nächte mit häufig über 30 °C.

Juli In Demker, einem Ortsteil der Stadt Tangerhütte in Sachsen-Anhalt, wurde am 2. Juli eine Temperatur von 39,2 °C erreicht und damit ein neuer Rekord erzielt. In Sachsen erzielte die Gemeinde Mockrehna mit einer Temperatur von 38,5 °C einen neuen Höchstwert. Auch in Thüringen war es heiß. In Artern wurde mit 37,9 °C der Höchstwert gemessen. Aus Brandenburg in Heideblick-Langengrassau wurde die deutschlandweit höchste Temperatur von 39,9 °C gemeldet. Der Allzeit-Hitzerekord in Deutschland von 41,2 °C, der am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl gemessen wurde, wurde nicht erreicht.

Um den 22. Juli wurden weite Teile Süd- und Südosteuropas von einer Hitzewelle heimgesucht. Bis zum 24. Juli dauerte in Skandinavien eine rund 14-tägige Hitzewelle. In Norwegen war es teils 10 bis 15 °C wärmer als zu dieser Jahreszeit üblich. Am 25. Juli wurde in der Türkei mit 50,5 °C in Silopi (Provinz Şırnak) ein neuer nationaler Temperaturrekord verzeichnet, womit der bisherige Rekord vom 15. August 2023 von 49,5 °C in Sarıcakaya (Provinz Eskişehir) um rund ein Grad übertroffen wurde.

August Im August wiesen große Teile West- und Südeuropas unterdurchschnittliche Niederschläge und Bodenfeuchte auf. Auch im August wurden weite Teile Europas von Hitzewellen heimgesucht. Am Morgen des 12. August wurde im spanischen Getafe mit 27,3 °C der dortige Allzeitrekord der höchsten Minimaltemperatur seit Messbeginn gebrochen. Im Verlauf des Tages wurde dort ein Temperaturmaximum von 40,6 °C und in Sevilla 44,4 °C registriert. Beide Werte lagen etwa 2 °C unter dem jeweiligen Allzeitrekord. Auch in Frankreich wurden Temperaturen um die 40 °C erreicht. Am 13. August erreichte eine Hitzewelle in der Schweiz ihren Höhepunkt mit Temperaturmaxima von teilweise über 36 °C. Am 19. August herrschte in den meisten Regionen der Schweiz die Gefahrenstufe «mässig» bis «erhebliche», im Wallis «grosse» bis «sehr grosse» Waldbrandgefahr. Im ganzen Kanton Wallis galt von daher ein generelles Feuerverbot.

Auswirkungen Einige Regionen waren von Waldbränden bedroht. Die Situation trug zudem zu einer erhöhten Ozonbelastung bei. Gewässer erwärmten sich oder drohten auszutrocknen. Nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus war das Mittelmeer mit 26 °C Ende Juni noch nie so warm gewesen. Auf den Flüssen wurde der Frachtverkehr aufgrund von Niedrigwasser zunehmend eingeschränkt, wie z. B. auf dem Rhein und der Elbe. Am 1. Juli schloss Frankreich aufgrund hoher Temperaturen Schulen und die oberste Etage des Eiffelturms. Wie das Bildungsministerium in Paris mitteilte, blieben rund 1.350 Schulen ganz oder teilweise geschlossen. Während es in Norditalien zu heftigen Gewittern und Starkregen kam, herrschten in vielen Regionen im Land anhaltend hohe Temperaturen. Das Gesundheitsministerium rief für mehrere Großstädte, darunter Rom, Bologna und Florenz, die höchste Hitzewarnstufe aus. In mehreren Städten Italiens fiel der Strom aus, vermutlich aufgrund hoher Temperaturen. Im Stadtzentrum von Florenz waren beispielsweise zahlreiche Geschäfte vorübergehend ohne Elektrizität, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet hatte. In Spanien in der Region Katalonien kam es am 12. und 13. Juli zu schweren Unwettern, vor denen Anfang Juli für diese Stelle gewarnt worden war. Lokal fielen innerhalb kurzer Zeit über 100 mm Regen. Straßen wurden überflutet, Flüsse traten über die Ufer und Keller liefen voll. In Frankreich war für 14 Départements die höchste Hitzewarnstufe Rot sowie in 64 weiteren die Warnstufe Orange erlassen worden. Der spanische Wetterdienst Agencia Estatal de Meteorología hatte entsprechende Hitzewarnungen für folgende Regionen herausgegeben wie z. B. Extremadura, Andalusien, Castilla-La Mancha, Aragonien, Navarra und La Rioja. Auch die Küsten- und Pyrenäenregionen waren davon betroffen. Am stärksten traf die Trockenheit Teile Osteuropas, unter anderem waren Bereiche in Südosteuropa wie zum Beispiel Serbien, Bulgarien und dem Kosovo fast vollständig von Dürren betroffen, aber auch Frankreich zwei Drittel des Landes. Portugal und Spanien waren davon verschont geblieben. In einigen Regionen hatte anhaltende Trockenheit Europas für Ernteausfälle gesorgt. Die Schäden durch Hitze, Dürre und Überschwemmungen hatte auf rund 126 Milliarden Euro aufsummiert, wie eine Studie der Universität Mannheim und der Europäischen Zentralbank ergeben hatte. Frankreich, Italien und Spanien waren besonders davon betroffen mit jeweils etwa 34 bis 35 Milliarden Euro. Neben zerstörten Gebäuden und Ernteausfällen sowohl als auch Produktivitätseinbußen waren in die Berechnungen mit eingeflossen.

Wetterextreme führten im Sommer zu Dürre, Hitze oder Überschwemmungen in Europa zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Die direkten und indirekten Schäden, die durch die Wettextreme ausgelöst worden waren, hatten sich auf rund 43 Milliarden Euro aufsummiert, wie Forschende ermittelt haben. Im Mittelmeerraum waren die Folgen von Dürre und Hitze besonders gravierend.

Von Ex-Hurrikan Gabrielle wurde spanische Urlaubsinsel Ibiza heimgesucht und hatte die verheerendsten Überschwemmungen seit 50 Jahren erlebt. Extreme Niederschlagsmengen von 300 Millimeter pro Quadratmeter hatten die registrierten Messstationen stellweise gemessen. Binnen 12 Stunden waren 236 Millimeter Regen waren in der Stadt Ibiza gefallen. In der Gegend von Puig de Molins war die Situation besonders dramatisch, dort hatte ein Unwetter einen Erdrutsch ausgelöst.

Mortalität

Das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut schätzte die Anzahl hitzebedingter Todesfälle von Mai bis September 2025 in der Schweiz anhand der Übersterblichkeit auf 410 Menschen. Dies liegt im Bereich des Durchschnitts der letzten zwanzig Jahre und deutlich unter dem Rekord-Wert von 2003 (damals gab es eine Hitzewelle in Europa), als 1402 hitzebedingte Todesfälle geschätzt wurden.

Wald- und Flächenbrände Laut dem Europäischen Waldbrandinformationssystem (European Forest Fire Information System; EFFIS) verbrannten bei Waldbränden in der Europäischen Union seit Beginn des Jahres und bis um den 21. August bereits 1.015.731 Hektar Fläche, davon mehr als 380.000 Hektar allein in Spanien, das derzeit die schlimmsten Waldbrände seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Seit Einführung der Statistik im Jahr 2006 verbrannte in Europa noch nie so viel Fläche in einem Jahr. Bereits am 15. Juli hatten die verbrannten Flächen 231.539 Hektar erreicht und lagen damit 119 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt von 105.586 Hektar für diese Zeit des Jahres.