Stradella ist ein erotisch-satirischer Roman von James Webster Sherwood, zugleich ein experimenteller, teilweise surrealistischer TextBarry Reay, Nina Attwood: Dirty Books : Erotic Fiction and the Avant-Garde in Mid-Century Paris and New York. Manchester University Press 2023, ISBN 978-1-5261-5924-3, S. 146., der als Traveller’s Companion 101 in Maurice Girodias’ Pariser Verlag Olympia Press 1962 erschien.Barry Reay, Nina Attwood: Dirty Books. 2023, S. 146.

Inhalt Stradella Fonteyn – eigentlich Stella Funtberg – ist eine alternde, aber sexuell immer noch attraktive Hollywood-Persönlichkeit, ehemals „Amourella, Göttin der Liebe“ und Königin des Mitternachts-Fernsehens, nun Bienenkönigin in einem kleinen Kreis von Bewunderern und Liebhabern, lauter mehr oder minder gescheiterte Gestalten in der Welt der Starlets, Gelegenheitsprostituierten, Ex-Promis und Nichtsnutzen, die alle darauf hoffen, es doch noch irgendwann einmal zu schaffen bei Film und Fernsehen. Ein junger Mann aus Los Angeles namens Archimedes Flum gerät in Stradellas Umfeld, verliebt sich leidenschaftlich in sie, wird von ihr entsprechend schlecht behandelt und zu einer Mixtur aus Butler, Zofe, Sklave gemacht und gelegentlich darf er auch den Liebhaber geben.

Der Roman ist aus der Perspektive von Archimedes erzählt, der sein Verstricktsein in die Scheinwelt Hollywoods teils trocken, teils zynisch beschreibt.

Der Anfang des Romans lautet:

Auch an anderen Stellen erscheinen immer wieder surrealistisch anmutende Wendungen und Metaphern: „Sie stand so nah, dass ich versehentlich ihre Lippen verschluckte“, heißt es von der ersten Begegnung des Erzählers mit Stradella.„She was standing so close I swallowed her lips by accident.“ James Webster Sherwood: Stradella. 1967, S. 11. Oder: „Ich warf sie gegen eine Wand. Sie stopfte mich in eine Schublade. Ich spielte in ihrer Muschi, ein Kätzchen im Pudding. Sie seufzte und schwang sich von einer Lampe. Ich kroch an den Jalousien hoch.“„I threw her against a wall. She stuffed me in a drawer. I played in her pudendum, a kitten over pudding. She sighed and swung from a lamp. I crawled up the Venetian blinds.“ James Webster Sherwood: Stradella. 1967, S. 15.

Publikation Die Publikationsgeschichte war ähnlich surrealistisch wie das Buch selbst. James Sherwood schrieb:

Nicht alle abstrusen Details dieser Schilderung sind erfunden. Ursprünglich war das Werk von McGraw-Hill angenommen worden, die es Truman Talley von Signet für die Taschenbuchrechte anboten. Der allerdings lehnte ab, da Signet bereits eine ganz ähnliche Hollywood-Geschichte gekauft habe, nämlich There Must be a Pony! von James Kirkwood (1961; deutsch als: Da muss doch ein Pony sein. Übersetzt von Günther Huster. Krüger, Hamburg 1963). Talley spekulierte über die Ähnlichkeiten der Autorennamen James Kirkwood bzw. James Sherwood, es war die Rede von Plagiat und es wurde mit Klage gedroht, worauf McGraw-Hill seine Zusage zurückzog.

Schließlich landete das Manuskript beim Pariser Verlag Olympia Press, ging dort prompt verloren und wurde wiedergefunden, dann in Italien gestohlen und erneut wiedergefunden. Zwischendurch aus dem Gedächtnis rekonstruiert, vom Verlag in der Erstausgabe gekürzt und die Kürzungen für die Ausgabe bei Grove Press wieder hergestellt. Die gekürzte Ausgabe erschien noch einmal in der New English Library in England, wurde dort verboten, dann wurde das Verbot wieder aufgehoben und das Buch wurde zum Bestseller. Bei einem Dinner anlässlich der Aufhebung des Verbots trat der Pariser Verleger Maurice Girodias als Autor von Stradella auf.Patrick J. Kearney, Angus Carroll: The Paris Olympia Press. 2007, S. 237–239.

Bei Olympia Press wurde Stradella von Marilyn Meeske betreut, auch Autorin im Olympia Verlag. Gegenstand des ursprünglichen Vertrags zwischen Sherwood und Olympia Press war eine Serie von Romanen, von denen Stradella nur der erste gewesen wäre. Aufgrund der chaotischen Geschichte von Olympia Press, der bestenfalls unregelmäßigen Zahlungen und der Eigenmächtigkeiten von Girodias und des schließlichen Bankrotts des Verlags kam es aber nie zu weiteren Veröffentlichungen. In einem Brief an Patrick J. Kearney vom 2. Juni 1996 schreibt Sherwood, er habe tatsächlich einen Zyklus von neun Romanen unter dem Titel The Hollywood Opera geschrieben und würde zusammen mit Meeske eine Veröffentlichung vorbereiten. Von einer solchen ist allerdings nichts bekannt.

Ausgaben Erstausgabe: Stradella. The Traveller’s Companion No. 89. Olympia Press, Paris 1962. UK-Ausgabe: Stradella. The Olympia Press traveller's companion series No. 101. New English Library, London 1966. US-Ausgabe: Stradella. Revised Edition. Grove Press, New York, . Stradella. Auszug in The Olympia Reader : Selections From the Traveller's Companion Series. Hrsg. von Maurice Girodias. Grove Press, 1965, S. 99–118.

Literatur Patrick J. Kearney, Angus Carroll: The Paris Olympia Press. Liverpool University Press 2007, ISBN 978-1-84631-105-5, S. 236–239.

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Erotische Literatur Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik