mini|hochkant|Bronzerelief von Henri Mariotti auf dem Fliegerdenkmal in Pruntrut, 1950 eingeweihtEnrico «Henri» Mariotti (* 1891 in Tremona; † 22. November 1969 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer, der zwischen 1925 und 1957 in der Ajoie tätig war.
Leben Mariotti wurde 1891 im kleinen Tessiner Dorf Tremona, unweit der italienischen Grenze, geboren und wuchs hier auf. Als 13-Jähriger ging er für eine Weile nach La Chaux-de-Fonds, um Französisch zu lernen, und machte nach seiner Rückkehr eine Lehre als Marmordekorateur. 1913 erwarb er in Lugano ein Diplom als Zeichner. Nach dem Ersten Weltkrieg weilte er zunächst in Mailand und Paris und zog dann 1925 nach Pruntrut, wo er spätestens 1926 das Atelier des ebenfalls aus dem Tessin stammenden Richard Piffaretti an der Route de Belfort übernahm.Atelier de Marberie + Sculpture. In: Le Jura. Band 76, Nr. 97, 14. August 1926, S. 4 (online).Plusieurs décès. In: Le Jura. Band 119, Nr. 95, 28. November 1969, S. 10 (online). 1928 erhielt sein Geschäft an der Industrieausstellung der Exposition de Porrentruy eine Silbermedaille.Exposition industrielle. Classement du jury. In: Le Jura. Band 78, Nr. 119, 4. Oktober 1928, S. 3 (online). 1934 erlitt er in Pruntrut einen leichten Unfall, als er mit seinem Motorrad, von Alle her kommend, in eine Bahnschranke prallte.Au passage à niveau. In: Le Franc-Montagnard. Band 36, Nr. 4863, 27. Oktober 1934, S. 3 (online).
Mariotti ging im Frühjahr 1957 in Pension und übergab sein Atelier Jean-Paul Vuattoux.Avis et recommandation. In: Le Jura. Band 107, Nr. 14, 2. Februar 1957, S. 5 (online). Noch im selben Jahr kehrte er gemeinsam mit seiner Frau Luigina «Gina» Mariotti-Vassalli in seinen Geburtsort Tremona zurück, wo er 1969 im Alter von 77 oder 78 Jahren starb.† Henri Mariotti. In: L’impartial. Nr. 28193, 24. November 1969, S. 23 (online).
Werk mini|hochkant|Das Bruder-Klaus-Denkmal in Boncourt, 1947
Mariotti verrichtete über 40 Jahre lang in der Ajoie, vor allem in Pruntrut, allgemeine Steinmetzarbeiten und war insbesondere auf die Schaffung von Grabmälern aus Stein, Marmor und Granit spezialisiert, von denen noch heute manche auf dem Friedhof Pruntrut stehen. 1935 war er an der Dekoration der Kirche St-Pierre et Paul in Fontenais beteiligt.St-Pierre et Paul. La nouvelle Eglise de Fontenais. In: Le Jura. Band 85, Nr. 65, 1. Juni 1935, S. 5 (online). Ausserdem schuf er mehrere Büsten von Pruntruter Honoratioren.
In den 1930er Jahren nahm er an einigen lokalen Ausstellungen teil. 1935 zeigte er in Pruntrut die beiden Werke Esclave («Sklave») und Jeune fille («Junges Mädchen»).A propos d'une exposition. In: Le Jura. Band 85, Nr. 154, 26. Dezember 1935, S. 2 (online). 1936 stellte er in Tramelan aus. Vom 20. bis 30. März 1937 zeigte er im Rathaus von Pruntrut fünf Skulpturen, von denen namentlich Après l’effort («Nach der Anstrengung») und ein Porträt des Musiklehrers James Juillerat lobend in der Presse besprochen wurden.Exposition d'art à Porrentruy. In: Le Franc-Montagnard. Band 39, Nr. 5228, 30. März 1937, S. 3 (online).Les arts à Porrentruy. In: Journal du Jura. Nr. 76, 2. April 1937, S. 4 (online).
1947 schuf Mariotti eine Statue des Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe in Boncourt, mit der für die Verschonung der Schweiz im Zweiten Weltkrieg gedankt wurde.Une manifestation religieuse imposante. In: Le Jura. Band 97, Nr. 68, 10. Juni 1947, S. 4 (online).Schweizer Armee (Hrsg.): Inventaire des mémoriaux de l’armée et de guerre en Suisse: Jura. 2025 (PDF), S. 10.
Ein weiteres bekanntes Werk ist das Fliegerdenkmal für die beiden Schweizer Militärpiloten Rodolfo Meuli und Emilio Gürtler, die 1940 von deutschen Zerstörern über Pruntrut tödlich abgeschossen wurden. Es wurde 1950 eingeweiht.L’hommage discret rendu aux deux aviateurs tombés en Ajoie. In: L'Ajoie. Band 2, Nr. 241, 13. Juli 2016, S. 2 (online).
mini|hochkant|Betendes Mädchen, 1951, Friedhof Lugano 1951 schuf er das Betende Mädchen (Fanciulla orante) für das Grab von Ottorino Grassi auf dem Monumentalfriedhof Lugano.2 novembre. In: Gazzetta Ticinese. 2. November 1951, S. 2 (online).
1967 wurde im Rahmen der Neueinweihung der ehemaligen Pfarrkirche Sant’Agata in Tremona eine von Mariotti geschaffene Bronzebüste des Malers Antonio Rinaldi enthüllt.Festa restauri Sant’Agata. In: Libera Stampa. 18. Mai 1967, S. 3 (online).
Literatur Gustav Amweg: Les arts dans le Jura bernois et à Bienne. Band 1. Porrentruy 1937, S. 169.
Weblinks Emma Chatelain: Mariotti, Henri. In: Dictionnaire du Jura. 16. Oktober 2005. Mariotti, Henri in der Chronologie jurassienne
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Person (Pruntrut) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1969 Kategorie:Mann