Akköprü war ein Dorf mit einem historischen Brückenübergang über den Dalaman Çayı in Südwest-Anatolien in der Türkei im Landkreis Köyceğiz der Provinz Muğla und war bis 2011 bekannt als Rafting-Station. Seitdem liegt der Ort unter dem Wasserspiegel des Akköprü-Stausees. Der heutige Ort Akköprü dagegen, 5,5 km nördlich gelegen, ist identisch mit dem Dorf Demirli und gilt als „Stadtteil“ (Mahalle) der Kreisstadt (İlçe) Köyceğiz. Seine geographischen Koordinaten werden mit 36°55'13.3" N, 28°55'30.54" O angegeben.

Zur generellen Lagesituation links|mini|400x400px|Die Kartenskizze zeigt die Lage des alten Dorfes Akköprü und der historischen Brücke im topographischen Umfeld der Akköprü-Talsperre am Dalaman Çayı. Der alte Ort Akköprü lag am waldreichen Südostfuß des Sandras Dağı (2295 m) in den südlichen Ausläufern der zwischen 750 m und 2420 m hohen Gölgeli Dağları unmittelbar am Nordufer des Dalaman Çayı (auch Dalaman Nehri), einem wasserreichen Fluss, der am westlichen Ende des Taurusgebirges die Gölgeli-Gebirgskette im Osten über etwa 75 Kilometer begrenzend begleitet. Die abgelegenen Gölgeli Dağları gelten als besonders wichtiges Naturgebiet, das eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten beherbergt, darunter Mischwälder aus Beständen von Rotkiefern (Pinus brutia), Schwarzkiefern (Pinus nigra), Zedern (Cedrus libani subsp. stenocoma) und Kermeseichen (Quercus coccifera), sowie Bergsteppen mit nur geringen landwirtschaftlichen Flächen für marginale Kleinviehhaltung und Kultivierung von Gemüse und Obst. Akköprü war Teil einer Streusiedlung, eines verstreuten Walddorfes (türkisch: Orman Köyü) mit 11 Ortsteilen und dem Dorfschafts-Zentrum Demirli, das schon 1891 mit diesem Namen belegt ist. Das Dorf Akköprü diente Mitte der 1990er Jahre noch als ländlicher Marktplatz in osmanischer Tradition zur Nahversorgung mit aneinandergereihten Buden um ein offenes Rechteck für die in periodischen Abständen, zuweilen mehrmals im Monat abgehaltenen Märkte. Der Platz war bis etwa 2011 während der Fertigstellung des Akköprü-Damms und der Aufstauung des Dalaman Çayı zum Akköprü-Stausee (türkisch: Akköprü Barajı) Teil dieser Dorfschaft Demirli (heutiger Name: Akköprü) am Nordufer des Flusses mit zwei Brückenübergängen zu dessen Südufer:

eine jüngere hölzerne Brücke unmittelbar am Ort und eine historische Steinbrücke (die „Akköprü“, siehe unten) im Tal etwa 500 m oberhalb des Dorfes. Der Dorfvorsteher von Akköprü, Mustafa Karahan, vermerkte 2011, dass beide Übergänge von den Bewohnern genutzt wurden und dass die Holzbrücke 1960 durch die örtlichen Forstbehörde gebaut worden war. Auf eben dieser Holzbrücke mit den geographischen Koordinaten 36° 55' 05'' N - 28° 56' 04'' O beim Dorf AkköprüDie Brücke liegt etwa 20 km flussaufwärts des Brückenübergangs der Staatsstraße D 400 zwischen Köyceğiz und Fethiye über den Fluss Dalaman befand sich die Wasserbeobachtungsstation 812 des Dalaman Çayı. Dieses Dorf am Dalaman Çayı ist ansonsten in keiner öffentlichen amtlichen Bevölkerungsstatistik der Türkei vermerkt. Bekannt ist nur, dass 2012 nach der Füllung des Akköprü-Stausees dort im Tal 40 Häuser und die oben bereits erwähnte historische Brücke überflutet waren. Der rezente Ort Akköprü im Landkreis (İlçe) Köyceğiz, „Stadtteil“ (Mahalle) der Kreisstadt Köyceğiz erscheint in älteren türkischen Statistiken als Ort (Dorf) Demirli im zentralen Amtsbezirk (Merkez Bucağı) Köyceğiz unter anderem 1975 mit 934 Einwohnern, 1985 mit 1236 Einwohnern und 1990 mit 1230 Einwohnern und hat gegenwärtig (2024) 931 Bewohner (mit deutlich abnehmender Tendenz).

Akköprü als Rafting-Station mini|Blick in die Talweitung des Dalaman Çayı bei Akköprü im Oktober 1995 links|mini|Hinweisschilder im Tal des Çayıhisar Deresi auf Rafting und andere touristische Einrichtungen bei Akköprü. Der unmittelbar am Ufer des Dalaman Çayı eher abgeschiedene Ort Akköprü lag an einer der besten Rafting-Routen in der Türkei, auf der während der Touristensaison bis 2011 durchschnittlich 600 Menschen pro Tag Wildwasserbootfahren betrieben. Rafting auf dem Dalaman Çayı im Bereich von Akköprü war bis zur Fertigstellung des Akköprü-Damms ganzjährig möglich und zog aufgrund seiner Nähe zu touristischen Gebieten am Mittelmeer und an der Ägäis einheimische und ausländische Touristen an. Die Rafting-Punkte waren/sind von Marmaris, Dalyan, Fethiye, Turunç (Marmaris) und dem Flughafen Dalaman aus erreichbar. Was für den dortigen Rafting-Sport von entscheidender Bedeutung war: Im September und Oktober steigt der Wasserstand aufgrund zunehmender saisonaler Niederschläge im Einzugsbereich deutlich, und im Frühling fließt das Wasser des Dalaman aufgrund der Schneeschmelze mit großer Strömung. Der Ausgangspunkt zum Rafting auf dem Dalaman-Fluss lag etwa 12 km nördlich von Akköprü südlich des Dorfes Çubuklu. Die Gesamtlänge der Strecke betrug 22 km. Der Fluss passierte auf der zentralen 13 km langen Raftingstrecke kleine Wasserfälle und stellenweise enge Durchflüsse, die oberhalb des Dorfes Akköprü den Fluss in zwei Abschnitte teilten: in einen oberen Teil mit Rafting-Schwierigkeitsgrad 5 und einen unteren von Grad 3–4. Diese Partien liegen rezent zur Gänze unter dem Stausee. Ab Akköprü abwärts nimmt die Fließgeschwindigkeit ab und der Schwierigkeitsgrad sinkt auf 3. Ungefähr 10–12 km südlich des Dorfes Akköprü weitet sich das Tal, seine Tiefe nimmt ab und geht in die Ebene von Dalaman (Dalaman Ovası) über.

Mit der Fertigstellung der Akköprü-Talsperre war es von Seiten der betroffenen Rafting-Gesellschaften und der regionalen Bevölkerung zu Protesten gekommen, als die 21. Regionaldirektion des staatliche Wasserbauamtes (DSİ = Devlet Su İşleri) in einem Schreiben an das Büro des Kaimakam (Bezirksgouverneur) von Köyceğiz bekannt gegeben hatte, dass Rafting ab dem 30. März 2011 aufgrund des Akköprü-Staudamms und des damit verbundenen Wasserstands im Stausee verboten sei. Rafter argumentierten, dass durch diese Entscheidung jährlich durchschnittlich 4 Millionen Türkische Lira (damals etwa 93.000 Euro) an Einnahmen verloren gehen würden, die fast 50.000 einheimische und ausländische Touristen einbrachten. Auch die Überflutung der Brücken, die acht Dörfer verbanden, hatte die Dorfbewohner aufgebracht. Sie forderten eine Ersatzbrücke. Die Dörfer Akköprü, Pınarköy, Bozbel, Gürleyik, Kerte, Elcik, Narlı und Sazak seien davon betroffen. Man wies darauf hin, dass die deutschen, schwedischen und niederländischen Rafting-Nationalmannschaften hier trainierten und auch englische und russische Flusskanuten hierherkämen. Mit den Im Rafting Beschäftigten und ihren Familien sowie den Bewohnern der umliegenden Dörfer verdienten hier fast 1.500 Menschen ihren Lebensunterhalt. Daraufhin wurde eine Studie mit dem Ziel durchgeführt, das touristische Potential der Region zu schützen und zu entwickeln. Als Ersatz wurde eine neue 12 Kilometer lange Strecke angelegt, die vom Dorf Narlı (Landkreis Dalaman, 15 km nordöstlich von Akköprü) aus organisiert wird. Seitdem wird trotz des Akköprü-Staudamms auf dem Dalaman Çayı weiterhin Rafting betrieben - allerdings ohne spürbare staatliche Unterstützung und weitgehend über private Initiativen und nicht mehr bei Akköprü. Zudem hatte der Bau des Stausees die Rafting-Attraktivität in der ansprechenden Naturlandschaft um Akköprü deutlich gemindert: Die Kosten sind gestiegen und die Anfahrtswege wurden länger.

Geologisch-morphologische Situation Der Dalaman Çayı und seine Nebenarme haben innerhalb der waldreichen miozänen Landoberfläche schmale und tiefe Täler geöffnet, wobei vor allem das Umfeld von Akköprü von auffälliger Tektonik geprägt ist, was speziell an den Hänge in der von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Verwerfungszone entlang des Büyükasar Tepesi, des Sandalbaşı Tepesi und des Kocakarayar Dağı auffällt. Paläozoisch-mesozoische Kalksteine sowie durch Verwerfungen unterbrochene, brekzienartige Melange, Peridotite und Serpentinite aus der Kreidezeit wurden dort über tertiäre Kalksteine und Flysch geschoben. Die Breite der heutigen Talsohle, die sich in weiten Teilen als schmaler Streifen um Akköprü erstreckt, beträgt stellenweise 150–200 m. Nordöstlich von Akköprü, im Tal des Dalaman Çayı einsetzend, und oberhalb der Mündung des Çayıhisar Çayı in den Dalaman stößt man auf quartäre Konglomerate und Alluvionen. Die Talsohlenfüllung aus Ton, Schluff, Schlick bis hin zu Kies und großen Blöcken beträgt Bohrungen zufolge bis zu 38 m. Durch tektonische Einflüsse konnten sich in den breiteren Talabschnitten Terrassen ausbilden, so dass die Talflanken ein stufenförmiges Aussehen erhielten, was als Reste älterer Talböden die alten Pegelstände des Dalaman-Flusses repräsentiert. links|mini|300x300px|Geologisches Profil durch das Tal des Dalaman Çayı bei der historischen Akköprü-Brücke (generalisiert). Diese „Akköprü-Terrassen“ bilden zwei Gruppen auf vier verschiedenen Ebenen und werden als „Hochterrasse 1“, „Hochterrasse 2“ und „Niederterrasse 1“ und „Niederterrasse 2“ bezeichnet. Die oberen beiden dieser vier Terrassen auf 300–400 m bzw. 200–300 m Höhe sind nicht von Terrassenfüllungen bedeckt, was auf tektonische Prozesse hinweist, während auf den unteren auf 130–150 m und 90–110 m Höhe Konglomerat-Ablagerungen auffallen. Auch im Talbereich des Çayhisar Çayı, der südlich von Akköprü in den Dalaman-Bach mündet, gibt es solche flachen Hangpartien, die den niedrigen Akköprü-Terrassen entsprechen. Das gut gerundete Terrassenmaterial aus hauptsächlich Kieseln und Blöcken von Kalkstein bzw. Serpentinit ist das Produkt einer starken Strömung während einer Regenperiode im Pleistozän. Die Schotterstücke sind partiell mit zementartigen kalkigen Bindemittel verklumpt und variieren im Durchmesser zwischen 0,5 mm und 30 cm, wobei auch deutlich größere Blöcke vorkommen. links|mini|Die Terrassenschotter im Bachbett des Çayhisar (untere Niederterrasse) bei Akköprü sind mit Kalksteinzement stabil verfestigt. mini|In der Niederterrasse des Çayhisar Deresi bei Akköprü fließt der Bach aufgrund tektonischer Vorgänge in einer schmalen und tiefen kanalartigen Schlucht innerhalb der „zementierten“ Terrassenfüllung. 3 km südwestlich der Siedlung Akköprü, wo der Bach Çayhisar Çayı in den Dalaman Çayı mündet, erstrecken sich derartige Terrassen in zwei Ebenen talaufwärts, weisen aber andere Merkmale auf, auch wenn das Material hier und bei den Akköprü-Terrassen in etwa den gleichen Charakter hat. Vor allem die unteren sind dort im Gegensatz zu den Terrassen von Akköprü noch deutlich fester zementiert und erstrecken sich als schmale und lange Streifen über die Talhänge. Das gilt besonders auch für die unteren Terrassen, wo sie noch fester zementiert sind. Speziell die Schotter der untersten Çayhisar-Terrasse aus Serpentinit- und Kalksteinblöcken sowie großen Kieselsteinen ist mit einem festen Kalksteinzement verklebt. Der Bach fließt dort in einer schmalen, oft nur 1–2 m breiten Schlucht, die an einigen Stellen 6–7 m Tiefe misst. Auf derartigen Sediment-Fundamenten wurde auch die historische Akköprü-Brücke über den Dalaman Çayı errichtet.

Akköprü, die historische Brücke über den Dalaman Çayı links|mini|Blick auf die byzantinische Akköprü (Weiße Brücke) über den Dalaman Çayı aus der Richtung des alten Dorfes Akköprü 1995.

Etwa 500 m oberhalb des unter den Wassern des Akköprü-Stausees verschwundenen Dorfes Akköprü steht die einzige bisher bekannte historische Bogenbrücke über den Dalaman Çayı (in der Antike: Indos), die „Akköprü“. Sie ist heute ebenfalls vom Stausee überflutet. Ihre Bezeichnung (türkisch für „Weiße Brücke“) geht wahrscheinlich auf die Kalk-Sinterungen zurück, die sich in Zeiten starker Strömung und hohen Wasserstandes auf dem hellen Kalkstein der Brückenköpfe und dem Ziegelmauerwerk der Bögen abgesetzt hatten.

Forschungsgeschichte