Die Queste del Saint Graal (neufranzösisch: Quête du Saint-Graal; deutsch: Die Suche nach dem heiligen Gral) ist ein altfranzösischer Prosaroman von 300 Seiten aus dem frühen 13. Jahrhundert. Er ist Teil des Prosa-Lancelot (neuerdings Vulgata-Zyklus). Der Text existiert in zahlreichen Handschriften. Er wurde mehrfach herausgegeben sowie ins Neufranzösische übersetzt, daneben ins Englische und Italienische. Eine mittelhochdeutsche Übersetzung existiert seit der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie wurde 2004 (samt ihrer Weiter-Übersetzung ins heutige Deutsch) herausgegeben.
Die Ideologie des Textes unterscheidet sich von den anderen Teilen des Prosa-Lancelot. Ihre Herkunft ist umstritten. Ein überwiegender Teil der Forschung sieht den Text seit den 1920er Jahren als Zisterzienser-Roman.In der Nachfolge von Pauphilet 1921 Eine Minderheit betont stärker seinen häretischen Charakter oder will ihn der Katharer-Bewegung zuordnen.Wolfzettel 1997
Inhalt
Vorgeschichte in Camelot
1.1. Lancelot schlägt Galahad zum Ritter
Aus der Mitte der in Camelot versammelten Ritter der Tafelrunde wird durch eine berittene junge Frau Lancelot herausgerufen und zu einem Kloster geführt, wo er seine Vettern Bohort und Lionel schlafend vorfindet. Dazu tritt, in Begleitung dreier Nonnen, der im Kloster aufgezogene Galahad, Sohn der Tochter des Fischerkönigs. Er sieht Lancelot sehr ähnlich. Am nächsten Morgen wird er von Lancelot zum Ritter geschlagen, weigert sich aber, Lancelot und die Vettern zur Tafelrunde zurückzubegleiten.
1.2. Der gefährliche Stuhl
Unter den Stühlen, die um den runden Tisch stehen, ist der gefährliche Stuhl mit der Aufschrift: „454 Jahre nach Christi Passion soll dieser Stuhl seinen Herrn finden.“
1.3. Das Schwert im Stein
Der Wunsch von König Arthur, sogleich zu essen, wird von Seneschall Kay durchkreuzt, der ihn an die Gewohnheit erinnert, an hohen Festen nicht ohne vorheriges Abenteuer zu tafeln. Schon wird gemeldet, dass vor dem Schloss ein großer Steinklotz auf dem Wasser schwimmt. Die Ritter finden den inzwischen am Ufer liegenden Stein aus rotem Marmor mit einem darin steckenden Schwert und der Aufschrift: „Nur der, für den ich bestimmt bin, kann mich herausziehen und zeigen, dass er der beste Ritter auf der Welt ist.“ Der von König Arthur für den besten Ritter gehaltene Lancelot lehnt den Auftrag zum Herausziehen ab, weil er seine Schwäche kennt. Auch des Königs Neffe Gawain, der sich Lancelot unterlegen fühlt, lehnt zuerst ab, beugt sich dann zwar dem Willen des Königs, scheitert aber. Lancelot weissagt ihm darauf, dass er eines Tages Opfer dieses Schwertes sein wird, was den König betrübt. Als auch der vom König aufgeforderte Parzival scheitert, wird die „aventure“ beendet, und Kay bittet zu Tisch.
1.4. Ankunft des Galahad
Zwischen zwei Gängen gehen plötzlich alle Türen und Fenster von selbst zu und, hereingeführt von einem weiß gekleideten Alten, tritt ein Ritter in rotgoldener Rüstung herein, der dem König als Nachfahre Davids und des Josef von Arimathäa vorgestellt wird und der als ersehnter Ritter Galahad den außergewöhnlichen Ereignissen der letzten Zeit ein Ende setzen wird. Der Alte führt ihn zum gefährlichen Sitz, dessen Aufschrift inzwischen lautet: Dies ist der Sitz des Galahad. Galahad setzt sich darauf, dankt dem Alten und bittet ihn, seinem Onkel König Pelles und dem Fischerkönig in der heiligen Wohnstatt seine baldige Ankunft zu melden. Unter Verweigerung weiterer Erklärungen verlässt der Alte den Hof.
1.5. Galahad zieht das Schwert aus dem Stein
Galahad, von dem der Leser erst jetzt erfährt, dass er Lancelots Sohn ist, wird von allen umringt. Die Frauen hoffen, dass er den König Mehaignié heilen kann. Galahad erklärt dem König, dass er gekommen ist, weil die Gralssuche eben von diesem Schloss ausgehen muss. Er, der ohne Schwert gekommen ist, zieht mühelos das Schwert aus dem Stein und steckt es in seine leere Scheide. Der noch fehlende Schild soll später gefunden werden.
1.6. Galahad siegt im Turnier. Das Erscheinen des Grals
Inzwischen kommt eine junge Frau geritten und erklärt Lancelot den Verlust seiner Position als bester Ritter, womit Lancelot übereinstimmt. Zusätzlich kündigt sie dem König das Erscheinen des Grals und die damit verbundene Sättigung der Ritter an, worauf der König ein letztes Turnier vor der Gralssuche anberaumt, um sich von der Überlegenheit Galahads zu überzeugen. Auch ohne Schild besiegt Galahad alle anderen (mit Ausnahme von Lancelot und Parzival). Beim nunmehrigen Abendessen schwebt unter herrlichen Düften bei Donner und blendender Helligkeit der mit weißer Seide verdeckte Gral herein, setzt jedem sein Lieblingsessen vor und verschwindet.
1.7. Auszug der Ritter zur Suche des Grals
König Arthur legt das Ereignis als Liebesbeweis des Herrgotts aus, der sie am Pfingstfest mit seiner Gnade gesättigt hat. Da der Gral verdeckt war, hat die – nun zuerst von Gawain geschworene – Suche nach ihm das Ziel der klaren Schau auf das heilige Objekt. Der Einsiedler Naszian erklärt dem vor Abschiedsschmerz weinenden König und allen Damen, dass es hier um Gottesgeheimnisse geht und dass den Damen die Begleitung der Ritter nicht erlaubt ist. Nach Besuch der Messe schwören die Ritter, nicht ohne Kenntnis der Geheimnisse zurückzukommen, mindestens aber ein Jahr und einen Tag abzuwarten. Die Königin sieht Lancelot unter Schmerzen scheiden und empfiehlt ihn „dem, der sich auf dem heiligen Kreuz hat foltern lassen, um die Menschheit vor dem ewigen Tod zu retten.“ Freudig ziehen die Ritter ab, Galahad immer noch ohne Schild. Ein letzter Abschied gilt dem König unter einem Wegkreuz, dann verbringen sie die Nacht im Schloss des Vagan, um sich am nächsten Morgen (nach Besuch der Messe) zu trennen. Jeder geht seinen eigenen Weg.
Die Abenteuer
2.1. Galahad
2.1.1. Bagdemagus Unglück mit dem Schild
Galahad trifft in einer Zisterzienserabtei (Abtei der weißen Mönche) auf König Bagdemagus und Iwein den Bastard. Sie setzen sich im Obstgarten des Klosters unter einen Baum. Im Kloster gibt es hinter dem Altar einen Schild (weiß mit rotem Kreuz und Wohlgeruch verbreitend), der jedem Besitzer Unheil bringt. Bagdemagus nimmt den Schild an sich, wird aber vor einer Einsiedelei von einem weißen Ritter besiegt, der sich – die Namensangabe verweigernd – als Sendbote des Herrgotts ausgibt und den Knappen des Königs anweist, den Schild dem „Soldat Christi“ Galahad zu bringen und ihn zu bitten, selbst an diesen Ort zu kommen. Bagdemagus kehrt mit dem Knappen zum Kloster zurück und wird dort medizinisch versorgt. Galahad reitet mit dem Knappen und dem Schild fort, trifft den weißen Ritter und bittet um Aufklärung über den Schild. Er erfährt folgendes:
2.1.2. Die Erzählung von der Herkunft des Schildes
42 Jahre nach dem Tod Christi verließ der edle Ritter Josef von Arimathäa auf Gottes Geheiß mit seiner Familie Jerusalem und kam in die Stadt Sarras des heidnischen Königs Evalach, der mit dem (Anspruch auf sein Reich erhebenden) Tholomer im Kriege lag. Josaphat, Sohn des Josef von Arimathäa, warnte Evalach, klärte ihn über das Neue Testament auf und riet ihm, in der größten Schlachtnot den Schild zu entblößen und das Kreuz mit dem blutenden Gekreuzigten zu zeigen. Evalach tat so, siegte und vermittelte das Evangelium an sein Volk. Sein Schwager Naszian ließ sich taufen. Während der Taufe geschah das Wunder der abgeschlagenen Hand, die sich wieder an den Arm des Opfers setzte, nachdem der Mann das Kreuz berührt hatte. Und das Kreuz ging vom Schild auf den Arm des Mannes über. Da wurde Evalach Soldat Christi und hütete fortan den Schild.
Auf dem Weg von Sarras nach Großbritannien fielen Josaphat und sein Vater in die Hände eines grausamen Königs, der sie zusammen mit zahlreichen weiteren Christen einsperrte. Als König Mordrain/Evalach davon erfuhr, rückte er mit seinem Schwager gegen Großbritannien vor, siegte und bekehrte das ganze Land zum Christentum. Evalach und Naszian blieben bei dem so geliebten Josaphat und als dieser im Sterben lag, bat ihn Evalach, ihm ein Andenken zu hinterlassen. Josaphat ließ Evalachs Schild herbeibringen, bekam Nasenbluten und zeichnete mit seinem Blut ein Kreuz auf den Schild, das nicht verwischt werden konnte, denn niemand durfte ungestraft den Schild benutzen, außer eines Tages der gute Ritter Galahad als letzter Nachkomme Naszians und als tapferster und tugendhaftester der Ritter. Und wo konnte Galahad den Schild finden? Am Grabe des Naszian, fünf Tage nach seiner Aufnahme in den Ritterorden. Und so ist es gekommen, denn in dieser Abtei ist Naszian begraben.
2.1.3. Die Ritterleiche im Grab
Auf Bitten des Knappen kehrt Galahad mit ihm zum Kloster zurück, um ein weiteres Abenteuer zu bestehen. Denn auf dem Klosterfriedhof erschallt eine Stimme, die jeden lähmt, der hinzutritt. Galahad, der von der Stimme angesprochen wird und der in der Stimme den Teufel erkennt, tritt furchtlos näher. Die Stimme sagt: „Galahad, heiliges Geschöpf, so viele Engel sind um dich, dass ich weichen muss.“ Im Grab liegt die Leiche eines Ritters in voller Rüstung. Was soll Galahad tun? Die Mönche raten, die Leiche nicht anzutasten. Der Geschichtenerzähler aber rät zur Entfernung, was auch geschieht, und klärt dann auf über den Hintergrund des Geschehens. Während der Knappe sich auf seinen Ritterschlag vorbereitet, erklärt der Alte den Sinn der Ereignisse:
Die schwere Steinplatte, die vom Leichnam wegzuwälzen war, bedeutet die Herzensverhärtung, die vor der Geburt des Heilands auf der Erde herrschte. Deshalb schickte Gott Vater zur Aufweichung und Milderstimmung der Herzen seinen Sohn. Und parallel dazu soll Galahad heute „erlösen“. Seit 20 Jahren wird er von Propheten angekündigt als Befreier von dem Ungemach im Reiche Logres (des Locrinus). Der Leichnam bedeutet die sündenbeladene Menschheit, das Grab die Herzenshärte der Juden, und die Stimme bedeutet den Spruch der Juden vor Pontius Pilatus: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“, was ihren Untergang bewirkte. Galahad, der jungfräulich ist und von Sünden rein, konnte als einziger den Teufel bezwingen.
2.2. Meliant
Am andern Morgen wird der Knappe zum Ritter geschlagen und nennt seinen Namen: Meliant, Sohn des Königs von Dänemark. Da die diesbezügliche erste Bitte des neuen Ritters nicht abgeschlagen werden kann, darf er Galahad begleiten. Nach einer Woche kommen sie an einem Dienstagmorgen zu einem Kreuz an einer Weggabelung. Die Inschrift erklärt, dass der linke Weg nur von den Besten begangen werden kann und dass der rechte zum baldigen Tod führt. Meliant wählt den linken Weg und Galahad den rechten.
Meliant stößt auf einen gedeckten Tisch mit einem Thron davor, auf dem eine Krone liegt. Er nimmt sich die Krone und reitet davon. Ein Ritter taucht auf und verlangt die Rückgabe der Krone. Es kommt zum Kampf. Meliant wird schwer verletzt und verliert die Krone. Galahad stößt zufällig auf Meliant, der ihn bittet, zum Sterben in ein Kloster gebracht zu werden. Da taucht Meliants Besieger wieder auf, wird aber von Galahad besiegt, wie auch ein Zweiter, der mit abgeschlagener Hand entflieht. Wieder bittet Meliant, in ein Kloster gebracht zu werden, diesmal mit der Hoffnung auf dortige Heilung. Im Kloster beichtet er, bereut und kommuniziert. Ein Mönch erklärt ihm den Sinn der durchlebten Ereignisse:
Am Scheideweg bedeutete der rechte Weg den christlichen Weg der Frömmigkeit, der linke den Weg der Sünde. Diesen hat Meliant aus Stolz und Überheblichkeit gewählt. Die Krone hat er aus Stolz und Begier genommen, und dass er überhaupt noch lebt, verdankt er dem Kreuzzeichen, das er vor dem Kampf gemacht hat. Aus all dem sollte er lernen. Galahad aber hat als sündenreiner Ritter den Kampf gewonnen.
2.3. Galahad befreit die Jungfrauen