mini|Brief von Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 5. Juli 1893, zwei Monate nach dem Tod seines Vaters Johann Schnitzler Ein Trauerrand (auch Trauerrahmen) ist ein schwarzer Rahmen, der bei Trauer für Drucksachen, insbesondere Briefpapier (auch Trauerpapier), Briefumschläge, Briefmarken (auch Trauermarken), Kondolenzschreiben, Todesanzeigen, Totenzettel, Visitenkarten oder Trauerkarten (österreichisch: Partezettel) sowie für Zeitungsseiten, Artikel oder Nachrufe verwendet wird. Früher wurde der Trauerrand auch für Taschentücher verwendet. Briefpapier und Briefumschläge mit Trauerrand wurden nicht nur für Kondolenzschreiben verwendet, sondern ersetzten während der Trauerzeit das Papier auch für andere Korrespondenz. Die Breite des Rands konnte entweder den Verwandtschaftsgrad oder die Zeit anzeigen, die seit dem Tod verstrichen war.

Verwendung

Drucksachen mini|Briefumschlag mit Trauerrand und schwarzem Siegellack (Frankreich, spätes 19. Jahrhundert) Im deutschen Sprachraum verwendete die kaiserliche Kanzlei erstmals gegen Ende des 17. Jahrhunderts Briefe mit Trauerrand. In Frankreich ist der Trauerrand (französisch: bordure de deuil, liseré de deuil) auf Briefpapier seit dem 18. Jahrhundert belegt. Das veraltete französische Wort pleureuse, wörtlich: „Klageweib“, ist von der Bezeichnung für einen Trauersaum abgeleitet.

Im 18. Jahrhundert sind schwarz umränderte Briefsachen außerdem in Holland und Italien belegt. Bis zum Aufkommen gummierter Briefumschläge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es üblich, Trauerpost mit schwarzem Siegellack zu verschließen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lagen die deutschen Zentren der Herstellung von Trauerpost der Papierindustrie in Berlin, Leipzig und Düren. Es gab eigene Trauerrand-Maschinen, die Abteilung von Fabriken wurde als Trauerränderei bezeichnet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es in Düren noch einige letzte Betriebe, in denen Ränder auf Trauerpost von Hand gestaltet wurden. Dies übernahmen sogenannte Trauerränderinnen. Die Ausbildung zur Trauerränderin wurde Anfang des 21. Jahrhunderts eingestellt.Schmidt-Bachem 2011, S. 382–390.

Sogenannte Trauervisitenkarten mit schwarzem Rand kamen um 1850 auf.

Zeitungen mini|Zeitungsseite des Pennsylvania Journal mit Trauerrand aus Protest gegen den Stamp Act (1765) Seit dem 18. Jahrhundert konnte der Trauerrand in Zeitungen nicht nur nach Todesfällen hochgestellter Personen verwendet werden, sondern auch, um Protest gegen ein politisches Ereignis auszudrücken. 1765 mussten mehrere Zeitungen in den nordamerikanischen Kolonien aufgrund des britischen Steuererlasses Stamp Act schließen. Die Zeitungen, die im Geschäft blieben, druckten Proteste in schwarzen Rändern, um gegen den Verlust der Meinungsfreiheit zu protestieren. Der Erlass wurde 1766 aufgehoben. 1956 erschien die Münchner Abendzeitung nach der Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht mit Trauerrand.

Als im 18. Jahrhundert Todesanzeigen in deutschen Zeitungen aufkamen, wurde noch kein schwarzer Rand verwendet; dies wurde Mitte des 19. Jahrhunderts üblich.

Zum Gedenken an wichtige Persönlichkeiten, vor allem Monarchen, war es im 19. Jahrhundert üblich, dass Zeitungen ihre Seiten für eine gewisse Zeit mit Trauerrändern druckten. In der Londoner Times war Georg III. 1820 der erste Monarch, dem die Ehre nach seinem Tod am 31. Januar zuteilwurde. Bis zu seiner Beerdigung am 17. Februar hatten alle Ausgaben einen Trauerrand. Nach dem Tod von Victoria hatte nur eine Ausgabe einen Trauerrand, was bis zum Tod von Georg VI. so beibehalten wurde. Der Brauch war nur Mitgliedern des britischen Königshauses vorbehalten, sodass Winston Churchill nach seinem Tod trotz intensiver Berichterstattung keinen Trauerrand erhielt. Auch nach dem Tod von Königin Elisabeth II. behielt die Times den Brauch im Gegensatz zu anderen Zeitungen bei.

In Belgien war der Trauerrand im 19. Jahrhundert zwischen Todesfall und Beerdigung obligatorisch. In Bayern war es Ende des 19. Jahrhunderts für Zeitungen üblich, gut zwei Wochen mit Trauerrand zu erscheinen. Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur noch direkt auf den Tod bezogene Artikel schwarz umrandet.

Nach dem Tod von Josef Stalin 1953 erschienen Zeitungen in den sozialistischen Staaten Europas mit Trauerrand. In der Sowjetunion war es in Zeitungen und Zeitschriften üblich, Namen Verstorbener in einem Trauerrahmen abzudrucken.

Taschentücher mini|Batisttaschentücher für Volltrauer mit schwarzem Rand und für Halbtrauer mit gesticktem Rand, Le moniteur de la mode (1888) Bis ins 20. Jahrhundert gehörten zur Trauerkleidung für Damen und Herren Stofftaschentücher mit einem Trauerrand. Bei den Trauertaschentüchern für Damen waren auch Umrandungen aus schwarzer Häkelspitze üblich. Laut Anleitungen aus dem Sezessionskrieg hatten Frauen Taschentücher mit schwarzem Rand zu tragen, dessen Breite nach der Volltrauer dünner sein konnte. Die Pariser Modezeitschrift Le moniteur de la mode präsentierte 1888 für Volltrauer Batisttaschentücher mit dickem Rand und für Halbtrauer Tücher mit festoniertem Rand.

Breite Die Breite des Trauerrands konnte entweder die Zeit seit dem Tod oder die Nähe der Verwandtschaft zur betrauerten Person anzeigen. Neben einfachen Trauerrändern gab es Ränder mit Verzierungen.G. R.: Ueber Trauerränder, ein Feld für die Papierausstattung, in: Papier-Zeitung, Nr. 26, 24. Juni 1880, S. 548; N. N. Ueber Trauerränder, in: Österreichisch-ungarische Papier-Zeitung, Nr. 24, 25. August 1882, S. 4–5; N. N.: Ueber Trauerränder. Ein Wort zur Abwehr, im Interesse unserer vaterländischen Papier-Industrie, in: Papier-Industrie, Nr. 28, 5. Oktober 1882, S. 241–242.

Volltrauer und Halbtrauer Im 19. Jahrhundert konnte die veränderliche Breite des Trauerrands (englisch: black border, black edge, black edging, manchmal auch mourning border) anzeigen, ob jemand Volltrauer (deep/strict mourning) oder Halbtrauer (second mourning, half-mourning) trug. In Frankreich empfahl ein Ratgeber 1871 für Volltrauer eine Breite von 8 bis 15, für Halbtrauer von 3 bis 4 mm. Vom französischen Schriftsteller Marcel Proust ist belegt, dass er nach dem auf den Tod seines Vaters Adrien Proust 1903 folgenden Jahr Papier mit dünnerem Rand verwendete. Ein US-amerikanischer Ratgeber empfahl 1921, dass man nach drei Monaten zu grauem Papier übergehen könne.

Verwandtschaftsgrad mini|Anleitung zur Breite auf Papier und Umschlägen nach Verwandtschaft in Wyman’s Dictionary of Stationery (1875) mini|Sieben Randbreiten nach Jean Wilde Clark (1910) Britische und deutsche Papierzeitschriften gaben Ende des 19. Jahrhunderts Anleitungen, in denen die Breite der Rahmen nach dem Grad der Verwandtschaft geordnet war und sechs Stufen hatte: doppelt breit nach dem Tod von Ehepartnern, sehr breit nach dem Tod von Eltern, breit nach dem Tod von Geschwistern, mittel nach dem Tod von Onkeln, Tanten oder Cousins, schmal nach dem Tod von Freunden und italienisch (am dünnsten) für Geschäftspartner oder gesellschaftlich hochgeachtete Personen.Breite der Trauerränder. In: Papier-Zeitung, Nr. 6, 6. Februar, 1879, S. 116. Ein US-amerikanisches Benimmbuch von Jean Wilde Clark, das sieben verschiedene Randbreiten zeigte, schrieb 1910, dass die Regeln nicht mehr so streng seien wie früher. Die Breite des Rands könne von der Verwandtschaft abhängen, sei aber auch eine Geschmacksfrage.Jean Wilde Clark: A desk book on the etiquette of social stationery. Eaton, Crand and Pike company, New York / Pittsfield MA 1910, S. 68.

Die Bezeichnung „italienischer Rand“ (Italian border) wurde im American Stationer darauf zurückgeführt, dass der Brauch, auf Papier mit dünnem Rand zu schreiben, nach landläufiger Meinung Mitte des 18. Jahrhunderts aus Italien nach England gekommen sei. Dies sei jedoch nicht der Fall, bereits Joseph Addisons Komödie The Drummer erwähne 1716 Trauerpapier mit schwarzem Rand.Mitre: Our London Letter (From Our Regular Correspondent). In: The American Stationer, 6. Februar 1896, S. 225–230.

Ein britischer Ratgeber schrieb 1869, auch von Männern als Trauerflor getragene Hutbänder könnten je nach Nähe der Verwandtschaft variieren. The Ladies’ Home Journal gab 1898 an, Taschentücher von Witwen hätten einen Rand von einem Viertelzoll, alle anderen Trauernden verwendeten einen Achtelzoll. Heute sagen Knigge-Ratgeber, der Trauerrand sei für die Familie vorbehalten.

Kritik mini|Empfänger eines Trauerbriefs im Gemälde Woman’s Mission: Companion of Manhood von George Elgar Hicks (1863) Ende des 19. Jahrhunderts gab es Reformbestrebungen in der viktorianischen Trauerkultur. Die 1875 gegründete Church of England Funeral and Mourning Reform Association forderte unter anderem die Abschaffung von Trauerpapier. Gegen den Trauerrand wurden verschiedene Einwände vorgebracht, außerdem wurden alternative Randgestaltungen von Trauerpapier angeboten, die sich jedoch nicht durchsetzten.

Negative Wirkung Die Papier-Zeitung kommentierte 1879, Papier mit Trauerrand gehöre zusammen mit dem Sarg zu den Überbleibseln des Heidentums:

Der American Stationer schrieb 1892, Trauerbriefpapier (mourning stationery) sei für viele verletzend und werde daher häufig vermieden. Die Papierindustrie beute das Leid der Trauernden mit der Produktion solcher Waren aus. Die Autorin Marion Harland kritisierte 1905 in ihrem Benimmbuch die Verwendung von Trauerrändern für jegliche Post. Wer einen schwarz umrandeten Brief erhalte, sei besorgt darüber, dass es sich um eine Todesnachricht handeln könnte. Sie empfahl daher, nur die Adresse oder das Monogramm eines Briefs mit schwarzem Rand zu versehen.Marion Harland: Everyday etiquette; a practical manual of social usages, Indianapolis: The Bobbs-Merrill Company, 1905, S. 29:

Übermäßige Breite mini|Visitenkarte der Frau des 1896 verstorbenen Ambroise Thomas mit breitem Trauerrand Verschiedene englischsprachige Benimmbücher rieten von allzu dicken Rändern ab, da sie übertrieben ostentativ oder schlechter Geschmack seien. Ein Autor der britischen Zeitschrift Notes & Queries schrieb 1871:

Als Beispiel für einen übermäßig breiten Rand wurde in den USA das Kondolenzschreiben von Königin Victoria an die Witwe des ermordeten US-Präsidenten Abraham Lincoln genannt, dessen Rand knapp einen Zoll breit war. Ein US-amerikanischer Ratgeber bezeichnete dies als affektiert und gruselig.

Alternative Gestaltungsversuche 1879 berichtete die Papier-Zeitung über den englischen Schreibwarenhersteller Goodall & Son, der mit seinem japanisch verzierten Trauerpapier eine Alternative zum Trauerrand vorgestellt habe. Das Produkt Japanesque Mourning Stationery wurde beworben als „elegante Neuheit, die das altmodische und kunstlose schwarz umrandete Papier ablöst“.

1890 machte der Londoner Hersteller John Dickinson & Co. mit der Produktlinie Court Mourning Stationery den Versuch, den Trauerrand durch ein in der linken oberen Ecke des Papiers platziertes Dreieck zu ersetzen. Dies setzte sich jedoch nicht durch. Der American Stationer berichtete 1891 über positive Reaktionen in der englischen Presse, gab aber auch eine satirische Replik wieder, der zufolge ein Code von Signalen entwickelt werden solle: Unten rechts mit Spitze nach oben könne das Dreieck den Tod des „schwarzen Schafs“ der Familie ausdrücken; in der gegenüberliegenden Ecke jenen des Familienoberhaupts; ein gewellter Rand könnte den Tod eines jungen Mädchens bedeuten, eine Raute den einer Witwe.

In Literatur und Kunst mini|Schwarzer Rahmen in Laurence Sternes Roman Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman (1759) mini|Besucher des amerikanischen Pavillons der Kunstbiennale Venedig nehmen Drucke vom Stapel der Installation Untitled (The Republican Years) von Félix González-Torres (2007)