mini|Heraion von Perachora Das Heraion von Perachora (; , auch transkribiert als ) ist ein archäologischer Fundplatz in der griechischen Gemeinde Loutraki-Perachora-Agii Theodori in der Region Peloponnes auf der Halbinsel von Perachora, an der Nordküste des Golfs von Korinth und am Westende des Gerania-Gebirges.
Name Der Ort wurde seit der Antike „Heraion“ genannt wegen des Hera geweihten Heiligtums auf dem Kap. Der moderne Name der Region „Perachora“ stammt von dem antiken Ortsnamen „Piräus“ (altgriechisch ) oder „Perea“ (altgriechisch ),Der Ortsname erscheint in der Inschrift IG IV 329. der letztere ist dabei eine Abkürzung des Ausdrucks (altgriechisch , neugriechisch ) und bedeutet „Gegenüberliegendes [Land]“Carl Wilhelm Vollgraff: Inscription d’Argos (Traité entre Knossos et Tylissos). In: Bulletin de correspondance hellénique 37, 1913, S. 279–308, hier S. 307. oder sinngemäß „Ort jenseits des Meeres“. – siehe Konstantinos Kissas: In: Athen 2013, S. 1–9, hier S. 1. Der Name wurde wahrscheinlich gewählt, weil das Kap gegenüber der Stadt Korinth lag. Zwischen Heraion und Perachora liegt der Vouliagmeni-See, der in der Antike Eschatiotis () genannt wurde, ein Hinweis auf seine abgelegene geografische Lage am Kap.Humfry Payne & al.: Perachora. The Sanctuaries of Hera Akraia and Limenia, excavations of the British School of Archaeology at Athens 1930–1933, Architecture Bronze terracottas. Clarendon Press, Oxford 1940, S. 9.
Erforschung Die British School at Athens führte von 1930 bis 1933 unter der Leitung von Humfry PayneH. Payne & al.: Perachora. The Sanctuaries of Hera Akraia and Limenia, excavations of the British School of Archaeology at Athens 1930–1933, Architecture Bronze terracottas. Clarendon Press, Oxford 1940, S. 15. und von 1938 bis 1939 unter der Leitung von Thomas J. Dunbabin Ausgrabungen durch.T. J. Dunbabin: Perachora II. The Sanctuaries of Hera Akraia and Limenia: The pottery, ivories, scarabs, and other objects from the votive deposit of Hera Limenia. Clarendon Press, Oxford 1962. In den 1960er bis 1980er Jahren leitete Richard A. Tomlinson die Forschungen.R. A. Tomlinson: Perachora. In: Archaiologikon Deltion 21, 1966; The Upper Terraces at Perachora. In: Annual of the British School at Athens 72, 1977; Perachora. In: O. Reverdin, B. Grange (Hrsg.): Le santuaire grec: huit eposés suivis de discussions. Fondation Hardt Vandoeuvres, Genf 1992; The circular building at Perachora. In: The Corinthia and the Northeast Peloponnese: topography and history from prehistoric times until the end of antiquity: proceedings of the international conference, organized by the Directorate of Prehistoric and Classical Antiquities, the LZ’ Ephorate of Prehistoric and Classical Antiquities and the German Archaeological Institute, Athens, held at Loutraki, March 26-29, 2009. Hirmer, München 2013. Konstantinos Kissas erwähnt in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2013 umfangreiche Erweiterungsarbeiten am Heraion. Konstantinos Kissas: In: Athen 2013, S. 1–9.
Archäologische Stätte mini|Die archäologische Stätte des Heraion von Perachora:1. Westlicher Hof ()2. Römisches Bauernhaus ()3. Archaischer Tempel ()4. Heiligtum der Hera Akraia und Limenia ()5. Altar ()6. Portikus ()7. Apsifoti-Zisterne ()8. Gasthaus ()9. Wasserwerke ()10. Heilige Zisterne ()11. Gebäude der Hestia ( – früher als Heiligtum der Hera Limenia [] angesehen)12. Monumentale Treppe ()13. Moderner Pier ()14. Kirche des Heiligen Ioannis ()15. Moderne Bauwerke
Das Heraion von Perachora umfasst die folgenden Gebäude und Bereiche:H. Payne & al.: Perachora. The Sanctuaries of Hera Akraia and Limenia, excavations of the British School of Archaeology at Athens 1930–1933, Architecture Bronze terracottas. Clarendon Press, Oxford 1940.
Westlicher Hof (): (6. Jahrhundert v. Chr.). Das Gebäude liegt westlich der kleinen Bucht und der Raum war vermutlich teilweise überdacht. An gleicher Stelle wurde in römischer Zeit ein Bauernhaus errichtet. Die römische Residenz war ein langgestreckter Bau mit fünf hintereinander liegenden Räumen (darunter eine Küche, eine Ölpresse und Lagerräume). Das Gebäude wurde bei den Ausgrabungen unter Payne untersucht, fotografiert und schließlich vollständig abgetragen. Einige Fotografien des Gebäudes sind in den Publikationen zu den Arbeiten unter Payn noch erhalten. Der Tempel der Hera (; spätes 6. Jahrhundert v. Chr.)B. Menadier: The sixth century BC temple and the sanctuary and cult of Hera Akraia, Perachora. University Microfilms international, Ann Arbor 1995. Dies ist das Gebäude, dessen Teile noch in der archäologischen Stätte sichtbar sind. Das Gebäude wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. umgebaut. Sein südlicher Teil ist fast vollständig zerstört. An dieser Stelle wurde ein neuerer Kalkofen identifiziert (dies ist die halbkreisförmige Brandspur südlich des Tempels). Der archaische Tempel (). Dies ist das erste Kultgebäude in der Region und stammt aus der geometrischen Periode. Das Gebäude wurde wahrscheinlich durch ein Erdbeben während der archaischen Periode zerstört. Der Altar (). Das Gebäude wurde zur gleichen Zeit wie das archaische Heiligtum der Hera (6. Jahrhundert v. Chr.) errichtet und im 4. Jahrhundert v. Chr. (gleichzeitig mit dem Bau der Stoa) um eine Kolonnade erweitert. Die Stoa (). Das rechtwinklige Gebäude () liegt östlich der kleinen Bucht. Es ist zweigeschossig, die Säulen des Erdgeschosses sind dorisch, die des Obergeschosses sind ionische Halbsäulen. Der Bau wird Demetrios Poliorketes (336-283 v. Chr.) zugeschrieben und steht möglicherweise im Zusammenhang mit der Zerstörung des Westhofes durch Agesilaos II. (390 v. Chr.),Xenophon: 2, 18. während zahlreiche Brandspuren die Forscher zu der Schlussfolgerung führen, dass der Bau während der römischen Invasion im Jahr 146 v. Chr. durch einen Brand zerstört wurde. Die gewölbte Zisterne (, 6. Jahrhundert v. Chr.). Das Gebäude ist sehr gut erhalten und stammt wahrscheinlich aus der gleichen Zeit wie der Tempel der Hera Akreia. Wasserbauwerke (). Bauten mit Kanälen und anderen Reservoirs, die ein Netzwerk im weiteren Umkreis schaffen. Das Gasthaus (). Das Gebäude besteht aus zwei Haupträumen und einem Vorzimmer. Die beiden Räume sind gleich groß und dienten als Speiseräume mit jeweils 11 Betten. Solche Gebäude waren den prominentesten Mitgliedern der Gesellschaft vorbehalten. Ηeilige Zisterne (). Diese besondere Stätte wurde so genannt, weil dort eine große Menge beweglicher Funde kultischer Natur (Tribute) gefunden wurden. Allerdings handelt es sich dabei um ein kleines künstliches Reservoir zur Sammlung von Regenwasser, weshalb die Forscher die Möglichkeit einer natürlichen Ablagerung offen lassen (die Funde stammen aus dem Gebäude von Hestia wenige Meter weiter östlich und wurden vom Regenwasser weggeschwemmt). Es gab Versuche, diese besondere Ablagerungsstätte mit den von Strabon erwähnten Wahrsageritualen in Verbindung zu bringen,T. J. Dunbabin: The Oracle of Hera Akraia at Perachora. In: Annual of the British School at Athens 46, 1951, S. 61–71. allerdings konnte die systematische Ablagerung von kultischem und rituellem Material an dieser besonderen Stätte bisher nicht zufriedenstellend belegt werden. Monumentale Treppe (). Sie führte zu den oberen Ebenen des Heraion-Bereichs. Gebäude der Hestia (). Ursprünglich wurde das Gebäude als Heiligtum der Hera Limenia interpretiert (in früheren Veröffentlichungen wurde vermutet, dass das Gebäude nach dem Zusammenbruch des geometrischen Tempels und vor dem Bau des archaischen als Tempel diente)N. G. Hammond: The Heraeum at Perachora and Corinthian Encroachment. In: Annual of the British School at Athens 49, 1954, S. 93–102.J. Salmon: The Heraeum at Perachora and Early Corinth and Megara. In: Annual of the British School at Athens 67, 1972, S. 157–204. und wird in das 7. Jahrhundert v. Chr. datiert, während es bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch blieb, als es wahrscheinlich durch eine Naturkatastrophe zerstört wurde. Runde Zisterne (). Sie liegt 200 m östlich des Hestia-Gebäudes und ist wahrscheinlich das Gebäude, auf welches sich Xenophon bezog, als er Agesilaus im Jahr 390 v. Chr. auf einem runden Bauwerk sitzend darstellte, während er die Bewegung von Beute und Gefangenen bei den Plünderungen beobachtete. Befestigungsmauern ().H. N. Fowler, C. A. Robinson: Corinth and the Corinthie, Perachora. In: H. N. Fowler: Corinth. Results of excavations. Volume I. introduction, topography, architecture. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts 1932. Teile davon sind vor allem in den höheren Lagen des Kaps und rund um den modernen Leuchtturm sichtbar. Hafen (). Angesichts der antiken Hinweise und der Anrufung von Hera „Limenia“ muss die Stätte Heraion eine Art Zugang zum Meer gehabt haben. Die kleine Bucht vor der archäologischen Stätte wurde von Blackman als möglicher Hafen vorgeschlagen,D. Blackman: The harbour at Perachora. In: Annual of the British School at Athens 61, 1966, S. 194. während Payne die Möglichkeit in Betracht zog, dass auch das Ufer vor dem Vouliagmeni-See genutzt wurde.H. Payne & al.: Perachora. The Sanctuaries of Hera Akraia and Limenia, excavations of the British School of Archaeology at Athens 1930–1933, Architecture Bronze terracottas. Clarendon Press, Oxford 1940, S. 10.
Geschichte Über das prähistorische Heraion – und insbesondere über die Zeit vor dem 8. Jahrhundert v. Chr. – ist aufgrund fehlender schriftlicher Aufzeichnungen nicht viel bekannt. Im weiteren Gebiet von Perachora und dem Vouliagmeni-See stammen die ältesten Funde aus helladischer und mykenischer Zeit.H. Payne & al.: Perachora. The Sanctuaries of Hera Akraia and Limenia, excavations of the British School of Archaeology at Athens 1930–1933, Architecture Bronze terracottas. Clarendon Press, Oxford 1940, S. 20.J. M. Fossey: The pre-historique settlement by Lake Vouliagmeni. In: Annual of the British School at Athens 64, 1969, S. 53–59, hier S. 55. Von den wenigen antiken Hinweisen auf das Heraion von Perachora ist der umfangreichste der von Xenophon in der Passage über den Korinthischen Krieg (391–390 v. Chr.). Xenophon erwähnt auch die Viehzucht in der Gegend von Perachora.Yenophon, Hellenika 4, 5; vergleiche , V in der griechischen Wikisource beziehungsweise Hellenica (Xenophon) 4, 5 in der englischen Wikisource. Plutarch (der im 1. Jahrhundert v. Chr. lebte) erwähnt das Heraion indirekt in der Passage über die Charakterisierung „doryxenos“ (), wo er schreibt, dass die Megarer „in der Antike“ an fünf verschiedenen Orten lebten und jeweils „Heräer“, „Piräer“, „Megarer“, „Kynosourer“ und „Tripodisker“ () genannt wurden.