Schnauzer ist ein Spielfilm von Maxim Dessau von 1984. Er war der letzte verbotene DEFA-Film und wurde 1996 erstmals aufgeführt.
Inhalt Der Leiter der Abteilung für Materialbeschaffung in einem Maschinenbaukombinat, Siegfried Hirzek, soll für einen Exportauftrag besondere Bauteile wie einen Thyristor besorgen. Der Film beschreibt in seinem Verlauf Unfähigkeit, Ignoranz und Gleichgültigkeit im Wirtschafts- und Alltagsleben der DDR in drastischen und teilweise auch sarkastischen Szenen. Letztendlich erleidet Siegfried Hirzek einen Herzinfarkt und seine Frau hat einen neuen Freund.
Der DEFA-Spezialist Ralf Schenk beschrieb Teile des Films so:Ralf Schenk: Schnauzer in Chemnitz, in Filmdienst, 16/1996, S. 11f., nach der ersten Aufführung des Films
Hintergründe
Maxim Dessau, der Sohn des bekannten Komponisten Paul Dessau und der Theaterregisseurin Ruth Berghaus, wandte sich nach seinem Studienabschluss im November 1981 an den DEFA-Generaldirektor Hans Dieter Mäde mit der Bitte, einen Spielfilm nach dem Exposé Schnauzer des Schriftstellers Manfred Pieske (nach dessen gleichnamigen Roman) drehen zu dürfen.Ralf Schenk: Schnauzer in Chemnitz. Erste Begegnung mit dem letzten verbotenen DEFA-Film. In: Filmdienst, 16/1996. S. 10ff. (Text); mit einer ausführlichen Beschreibung der Hintergründe Mit seinem Studienkollegen, dem Kameramann Peter Badel, änderte er danach das Konzept grundlegend von einem positiven sozialistischen Erfolgsroman zu einer möglichst ungeschönten Beschreibung der Realität der Arbeitswelt in der DDR. Dessau und Badel besuchten Betriebe und sprachen mit Arbeitern und Betriebsleitern. Mit einer Handkamera und einem kleinen Team wollten sie an Originalschauplätzen mit Originalgeräuschen drehen. Ihre Entwürfe mussten allerdings zweimal gründlich überarbeitet werden, ehe sie die Drehgenehmigung bekamen.
Ab Oktober 1983 fanden die Aufnahmen vor allem im Werkzeugmaschinenkombinat „Fritz Heckert“ sowie in einem Neubauviertel in Karl-Marx-Stadt statt. In den folgenden Wochen kam es zu Diskussionen und Unterbrechungen, besonders durch den DEFA-Produktionsleiter, der Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des MfS war. Letztendlich wurden die Dreharbeiten nach acht Monaten abgebrochen. Als Gründe wurden angebliche qualitative farbliche Mängel des Filmmaterials und der Dramaturgie genannt.
Im Herbst 1988 wurde das gesamte ungeschnittene Negativmaterial auf Anordnung vernichtet. Nach 1989/1990 fanden sich keine Überreste des Films mehr, auch Standfotos, Protokolle und Tonbänder waren vollständig verschwunden.
1996 konnte dennoch eine Arbeitsfassung erstmals in Chemnitz gezeigt werden, da sich eine Kopie erhalten hatte, die die Filmemacher der DEFA-Leitung Anfang 1984 zur Zwischenüberprüfung vorlegen mussten. Seitdem sind keine weiteren Aufführungen bekannt.
Literatur
Ralf Schenk: Schnauzer in Chemnitz. Erste Begegnung mit dem letzten verbotenen DEFA-Film. In: Filmdienst, 16/1996. S. 10ff. Text, mit ausführlicher Beschreibung der Hintergründe
Weblinks
Schnauzer bei der DEFA-Stiftung, mit Fotos und vollständiger Besetzung Schnauzer beim Filmportal
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1996 Kategorie:Kultur (Chemnitz) Kategorie:DDR-Film Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Verbotener Film (DDR) Kategorie:Verschollener Film Kategorie:Arbeit im Film