Der Minardi M193 war ein Formel-1-Rennwagen des italienischen Motorsportteams Minardi, der in der Formel-1-Weltmeisterschaft 1993 eingesetzt wurde. Eine leicht überarbeitete Version erschien bei den ersten Rennen der Saison 1994 unter der Bezeichnung Minardi M193B.

Entstehungsgeschichte Der in Faenza ansässige Rennstall Minardi war 1969 als Scuderia del Passatore gegründet worden. 1972 übernahm Giancarlo Minardi das Team und führte es, zwischenzeitlich unter der Bezeichnung Suderia Everest, innerhalb weniger Jahre von der Formel Italia über die Formel 3 in die Formel-2-Europameisterschaft, in der es ab 1980 mit selbst konstruierten Rennwagen antrat. Zu Beginn der Saison 1985 folgte der Aufstieg in die Formel 1, in der Minardi nach schwierigen Anfängen 1989 das Niveau eines Mittelfeldes erreichte.Malte Jürgens: Ein kleiner Italiener: Aufsteiger Minardi. Teamportrait in auto motor und sport, Heft 23/1989, S. 264 ff. Zu Beginn der 1990er-Jahre versuchte Minardi durch einen Wechsel von Cosworth-Kundenmotoren zu anspruchsvollen Zwölfzylindermotoren italienischer Hersteller, die Basis des Teams zu verbessern.Ähnliche Schritte unternahmen das britische Team Tyrrell, das 1991 als B-Team neben McLaren mit Honda-Motoren beliefert wurde, und die französische Équipe Ligier, die parallel zu Williams Zehnzylindermotoren von Renault erhielt. Vgl. Alan Henry: Auto Course 1991/92. London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-87-2, S. 68. 1991 erhielt Minardi (als erstes Kundenteam) Motoren von Ferrari, 1992 waren es Motoren von Lamborghini. In beiden Jahren blieb Minardi hinter den Erwartungen zurück, was zumindest teilweise darauf zurückgeführt wurde, dass Minardi im Vergleich zu den Vorzugsteams von Ferrari und Lamborghini ältere und weniger leistungsstarke Motorversionen erhielt.Burchkalter/Galeron: Formula 1 – a complete guide to 1992, S. 90. Die Beziehungen zu Ferrari und Lamborghini belasteten Minardi finanziell stark; zum Jahreswechsel 1992/93 stand kurzzeitig der Fortbestand des Teams auf dem Spiel.Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 455. Die Saison 1993 wurde daraufhin zu einem Neuanfang. Minardi musste das Jahr mit sehr einfacher Ausrüstung bestreiten, womit der Verzicht auf moderne Fahrwerkstechnik und der Einsatz von Paydrivern verbunden war. Ungeachtet dessen schloss Minardi die Saison 1993 auf einem besseren Punktestand ab als die beiden Jahre vorher: mit sieben Weltmeisterschaftspunkten belegte das Team am Ende Rang acht der Konstrukteurswertung und lag damit vor dem Traditionsteam Tyrrell sowie vor Larrousse und BMS Scuderia Italia, die in diesem Jahr Kundenmotoren von Lamborghini und Ferrari einsetzten.

Eine geringfügig überarbeitete Version des M193 wurde in der Saison 1994 unter der Bezeichnung Minardi M193B eingesetzt, bevor er durch den M194 ersetzt wurde.

Konstruktion

Chassis

Der M193 war einer der einfachsten Fahrzeuge des 1993er Starterfeldes. Konstrukteure waren Aldo Costa und Gustav Brunner, der im September 1992 von March Engineering zu Minardi gekommen war. Brunner verwirklichte mit dem M193 einige Ideen, die er im Sommer 1992 für einen – nicht mehr verwirklichten – March 931 entwickelt hatte. Die Fachliteratur beschreibt den Minardi M193 als „konventionell bis ins Extrem“; Ziel waren möglichst einfache Herstellbarkeit und simple Wartung. Im Laufe des Jahres gab es nahezu keine Änderungen. Die Aerodynamik des M193 wurde erstmals nach Fertigstellung des Autos getestet; in der Entwicklungsphase gab es gar keine Windtunneltests.

Fahrwerk Die Räder sind an Querlenkern aufgehängt. Innenliegende Federn und Stoßdämpfer wirken über Umlenkhebel auf die Radaufhängungen. Die Reifen kamen wie bei allen anderen Teams von Goodyear.

In einer Saison, die den „Elektronik-Rausch der Formel 1“ zu ihrem Höhepunkt brachte,Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 447. hatte der M193 weder eine aktive Radaufhängung noch eine Traktionskontrolle oder ein Drive-by-Wire-System zur elektronischen Steuerung des Gaspedals. Minardi konnte derartige Systeme weder selbst entwickeln noch war das Team – anders als manche KonkurrentenFootwork übernahm beispielsweise die aktive Radaufhängung von McLaren, vgl. Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9 – in der Lage, sie von anderen Rennställen zuzukaufen.

Motoren

Minardi setzte die ältesten und leistungsschwächsten Motoren des 1993er Starterfelds ein. Es waren Achtylinder-V-Motoren der Cosworth-HB-Reihe, die Minardi nicht bei Cosworth selbst leaste, sondern bei dem britischen Unternehmen Grand Prix Engines Services, das zu Tom Walkinshaw Racing gehörte. Es handelte sich um die HB-III-Blöcke, die Walkinshaw 1991 im Gruppe-C-Sportwagen Jaguar XJR-14 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1991 an den Start gebracht hatte. Als Minardi sie übernahm, befanden sie sich auf dem Entwicklungsstand von 1990; später wurden sie auf das technische Niveau von 1991 gebracht.Alan Henry: Autocourse 1993/94. London 1993 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 1-874557-15-2, S. 80. Der Leasingpreis belief sich in diesem Jahr auf 2,4 Mio US-$.

Lackierung und Sponsoren Der Minardi M193 war weiß lackiert. Das Team hatte keinen Titelsponsor. Das Auto trug die Aufkleber zahlreicher Geldgeber. Dazu gehörten die Schuhmarke Valleverde, der Werkzeughersteller Beta Utensilii sowie die Verbrauchermarktkette Mercantone Uno; hinzu kamen technische Ausrüster wie Goodyear und Agip.

Renneinsätze

Die Fahrer des Wagens waren zu Beginn der Saison Christian Fittipaldi und Fabrizio Barbazza, der nach dem Großen Preis von Deutschland durch Pierluigi Martini ersetzt wurde. Für die letzten beiden Saisonrennen gab Minardi Fittipaldis Cockpit an den Paydriver Jean-Marc Gounon.

Beim Saisonauftakt in Südafrika ging Fittipaldi von Platz 13 ins Rennen, das er auf Platz vier – vor Gerhard Berger im Ferrari F93A – beendete. Beim Grand Prix von Italien sorgte Fittipaldi für Aufsehen, als er sich bei einer Kollision mit seinem Teamkollegen beim Zieleinlauf überschlug. Mit dem M193 errang Minardi sieben Punkte und belegte in der Konstrukteurswertung 1993 den achten Platz.

Ergebnisse Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Punkte Rang Formel-1-Weltmeisterschaft 1993 7 (1) 8. 23 4 DNF 7 DNF 8 5 9 8 12 11 DNF DNF 8 9 DNF DNF 24 DNF DNF 6 6 DNF 11 DNF DNF DNF 14 DNF DNF 7 8 10 DNF

Literatur Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9. Alan Henry: Autocourse 1993/94. London 1993 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 1-874557-15-2. David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001. 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2 (engl.) David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1993. Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7 Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1. 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7 (frz.) Stefano Pasini: F1 Minardi Team. Ed. C.E.L.I. Sport, Faenza, 1991

Weblinks

Minardi M193-Ford auf Racing-Years.com

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Rennwagen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1993 Kategorie:Formel-1-Rennwagen (Minardi)