Julian Benjamin Orlishausen (geboren 1981) ist ein deutscher Opernsänger im Stimmfach Bariton.
Ausbildung Orlishausens Gesangstalent wurde bereits in der Grundschulzeit erkannt, was ihn dazu veranlasste, ab dem Alter von 10 Jahren das Internat des Windsbacher Knabenchors zu besuchen. In der Oberschule am Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium Windsbach trug er Schumann-Lieder vor und bereitete sich nach dem Abitur parallel zum Zivildienst auf ein Gesangsstudium vor. Ab 2002 studiert Orlishausen an der Hochschule für Musik Würzburg bei Endrik Wottrich. In zahlreichen Studioproduktionen sammelte er erste Bühnenerfahrungen, unter anderem als Hagen in der Operette Die lustigen Nibelungen (2004), Ariodate in Händels Serse (2005), Ottavio in Wolf-Ferraris Die neugierigen Frauen (2006) sowie Sokrates in Telemannss Der geduldige Sokrates (2007). 2008 war Orlishausen Preisträger des Bundeswettbewerbs Gesang Berlin. Im darauffolgenden Jahr sang er an der HfM Würzburg zum ersten Mal die Titelrolle in Don Giovanni. Er schloss sein Studium mit dem Diplom für Konzert und Musiktheater ab und vertiefte seine Ausbildung mit der Teilnahme an Meisterkursen von Francisco Araiza, Grace Bumbry, Gerold Huber, Edda Moser, Ľuba Orgonášová, Cheryl Studer, Michael Volle, und Ruth Ziesak.
Wirken Erste Engagements führten Orlishausen an die Oper Leipzig, wo er 2009 als Périchod in La Rondine sein Debüt gab. Die Oper wurde live auf Deutschlandfunk Kultur im Radio übertragen. 2010 sang Orlishausen am Theater Chemnitz Marcello in La Bohème und Graf von Eberbach in Der Wildschütz. Im Jahr 2011 sang er am Staatstheater Kassel den Narren in Kreneks Märchenoper Das geheime Königreich, Biterolf in Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg bei den Tiroler Festspielen Erl und legte sein Konzertexamen ab.
Ab der Spielzeit 2011/12 wirkte Orlishausen an der Volksoper Wien, wo er in zahlreichen Opern- und Operettenrollen debütierte, darunter Edwin in Die Csárdásfürstin, Juán Castrado in Das Wundertheater, Dr. Falke in Die Fledermaus, Amantio di Nicolao in Gianni Schicchi, Moralès in Carmen und Sid in Brittens Albert Herring. In der Spielzeit 2012/2013 gastierte Orlishausen am Theater Chemnitz als Sharpless in Madama Butterfly. Auch den Tiroler Festspielen Erl blieb er verbunden und sang dort Cesare Angelotti in Tosca und Wolfram von Eschenbach sowie Biterolf in Tannhäuser und Ratefreund in Die Vögel (2019). Bei den Internationalen Gluck-Opern-Festspielen im Schauspielhaus Nürnberg sang Orlishausen 2014 den Heerführer Patroklos in einer konzertanten Aufführung von Glucks Iphigenie in Aulis in der Fassung von Richard Wagner mit den Prager Philharmonikern unter der Leitung von Philippe Auguin.
In der Spielzeit 2015/14 war Orlishausen Ensemblemitglied am Landestheater Detmold, wo er als Marcello in La Bohème und Dr. Falke in Die Fledermaus zu erleben war. Als Gast sang er dort als Zar Peter der Erste in Zar und Zimmermann und Edwin Ronald in Die Csárdásfürstin. An der Oper Leipzig sang er 2016/17 unter anderem den 1. Nazarener in Salome und Peter in Hänsel und Gretel.
Seit der Spielzeit 2018/19 ist Orlishausen im Ensemble des Staatstheaters Darmstadt. Dort sang er unter anderem Frère Lèon in Messiaens Saint François d’Assise in der Inszenierung von Intendant Karsten Wiegand. In Inszenierungen von Valentin Schwarz sang er 2018 Renato in Un ballo in maschera und 2019 Ping in Turandot unter der musikalischen Leitung von Giuseppe Finzi. Im selben Jahr sang er den Wildhüter in Rusalka und Lord Enrico Ashton in Marcos Darbyshires Inszenierung von Lucia di Lammermoor unter der Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Cohen. 2021 sang er Marcello in Wolfgang Nägeles Regie von Puccinis La Bohème und Méphistophélès in Lili Boulangers Faust et Hélène sowie 2022 Sancho Pança in Don Quichotte, beides in Inszenierungen von Mariame Clément. Ebenfalls in der Spielzeit 2022/23 sang Orlishausen den Heerrufer des Königs in Wagners Lohengrin in der Inszenierung von Andrea Moses und die Titelrolle in Don Giovanni in der Inszenierung von Wiegand, beide unter der musikalischen Leitung von GMD Cohen und Giorgio Germont in Wiegands Inszenierung von La traviata im Dirigat des ersten Kapellmeisters Johannes Zahn. Orlishausen sang Belcore in Geertje Boedens Inszenierung von L’elisir d’amore unter der Leitung von Zahn, Orest in Wiegands Inszenierung von Elektra von Richard Strauss, den König und die Schlange in Valtinonis Der kleine Prinz in der Inszenierung von Kai Anne Schuhmacher, Kurwenal in Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung von Wagners Tristan und Isolde und Dandini in der von der Volksoper Wien übernommenen Produktion von La Cenerentola.
Als Gast sang Orlishausen 2018 an der Opéra National de Lyon von der Seitenbühne Tschang Ling in Der Kreidekreis für den erkrankten Lauri Vasar. 2021 gastierte er als Kilian in einer konzertanten Aufführung von Der Freischütz mit dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von René Jacobs in der Philharmonie de Paris. 2022 machte er sein Festival d’Aix-en-Provence Debüt als Peter in David Böschs Inszenierung von Irrelohe im Dirigat von Bernhard Kontarsky. Orlishausen machte 2023 sein Bühnendebüt an der Opéra National de Lyon als der Geisterbote in Die Frau ohne Schatten, inszeniert von Mariusz Treliński unter der Leitung von Daniele Rustioni. Am Badischen Staatstheater Karlsruhe war er 2024 erneut Tschang Ling in Der Kreidekreis in der Inszenierung von Sebastian Ritschel und der Leitung des 1. Kapellmeisters Johannes Willig. Die Premiere wurde in der Reihe ARD Oper auf hr2-Kultur übertragen.
Repertoire (Auswahl) Boulanger: Méphistophélès in Faust et Hélène Braunfels: Ratefreund in Die Vögel Britten: Sid in Albert Herring Donizetti: Belcore in L'elisir d'amore Donizett: Lord Enrico Ashton in Lucia di Lammermoor Dvořák: Der Wildhüter in Rusalka Gluck: Patroklos in Iphigénie en Aulide Humperdinck: Peter in Hänsel und Gretel Kálmán: Edwin Ronald in Die Csárdásfürstin Lortzing: Graf von Eberbach in Der Wildschütz Lortzing: Peter der Erste in Zar und Zimmermann Massenet: Sancho Pança in Don Quichotte Messiaen: Frère Léon in Saint François d’Assise Mozart: Titelrolle in Don Giovanni Mozart: Papageno und 2. Geharnischter in Die Zauberflöte Puccini: Marcello in La Bohème Puccini: Sharpless in Madama Butterfly Puccini: Périchaud in La Rondine Puccini: Cesare Angelotti in Tosca Puccini: Ping in Turandot Schreker: Peter in Irrelohe Strauss, J.: Dr. Falke in Die Fledermaus Strauss, R.: Orest in Elektra Strauss, R.: Der Geisterbote in Die Frau ohne Schatten Strauss, R.: 1. Nazarener in Salome Valtinoni: Der König und Die Schlange in Der kleine Prinz Verdi: Renato in Un ballo in maschera Verdi: Giorgio Germont, in La traviata Wagner: Der Heerrufer des Königs in Lohengrin Wagner: Wolfram von Eschenbach und Biterolf in Tannhäuser Wagner: Kurweal in Tristan und Isolde Weber: Kilian in Der Freischütz Zemlinsky: Tschang Ling in Der Kreidekreis
Quellen:
Diskografie (Auswahl) Strawinsky: Psalmensinfonie. Windsbacher Knabenchor, Rondeau 2001 Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild auf der CD 475 Jahre Reformation - Konzert zum Jubiläum 5. Juli 2014, Kreuzkirche Dresden. Monika Eder, Marlene Lichtenberg, Andreas Karasiak, Julian Orlishausen, Dresdner Kreuzchor, Dresdner Barockorchester. Dirigent: Roderich Kreile. HOROS Dresden, 2014 Mahler: Symphony No. 8 in E-Flat Major "Symphony of a Thousand" (Live). Carolyn Sampson, Jacquelyn Wagner, Sasha Cooke, Jess Dandy, Barry Banks, Julian Orlishausen, Christian Immler, Minnesota Orchestra. Dirigent: Osmo Vänskä. BIS Records, 2023
Weblinks Offizielle Website Julian Orlishausen auf der Website des Staatstheaters Darmstadt
Einzelnachweise Siehe „Julian Orlishausen bei Operabase“ in Weblinks (abgerufen am 20. Juni 2025)
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