Lilo Aureden, späterer Ehename Charlotte Louise Schwill, gelegentlich auch als Lieselotte Aureden oder Lilo von Abendroth geführt (geboren am 19. Februar 1912 als Charlotte Luise Martha Appenroth in Beuthen O.S.; gestorben am 17. Juli 1991 in Bad Hofgastein)Aureden, Lilo im Deutschen Literaturarchiv Marbach., war eine deutsche Autorin und Journalistin, die vor allem mit Kochbüchern und insbesondere ihrem 1953 erschienenen Bestseller Was Männern so gut schmeckt bekannt wurde. Eine Reihe ihrer Werke wurde ins Niederländische übersetzt, ihr Ratgeber Schön sein, schön bleiben auch ins Polnische, Spanische und Hebräische.
Leben Über das Leben von Lilo Aureden ist wenig bekannt, wie die Historikerin Birgit Jochens festhält, die in ihrem Buch über Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen einen kurzen biografischen Abriss gibt. Aureden selbst hat ihre Jugendjahre 1955 in ihrem Praktischen Ehebuch so beschrieben: Bereits 1915 sei sie in Italien durch den Krieg von ihren Eltern getrennt worden. Pflegeeltern hätten sie südlich von Neapel aufgezogen; danach sei sie von ihren Eltern auf Internate in der Schweiz und Belgien geschickt worden.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 144f. Quelle: Lilo Aureden: Das praktische Ehebuch. Muth, Düsseldorf 1955, S. 219.
Sie heiratete bereits im Alter von achtzehn Jahren. Ihr erster Ehemann war der Pressechef des Zirkus Sarrasani, Wilhelm („Will“) AuredenOstdeutsche Morgenpost: Verlobungsanzeige (Seite 8), 19. Februar 1930 (abgerufen am 28. Juni 2025).Ostdeutsche Morgenpost: Heiratsanzeige, 5. August 1930 (abgerufen am 28. Juni 2025). (* 1902 in Goslar).Gisela Winkler: Circus Busch. Geschichte einer Manege in Berlin, be.bra Verlag, Berlin 1998, ISBN 978-3-930863-36-5, Seite 120. Während sie in der Hochzeitsanzeige in der Ostdeutschen Morgenpost als „Liselotte, geb. Appenroth“ erschien, wurde sie in der Anzeige im General-Anzeiger für Oberhausen als „Lieselotte Aureden, geb. Freiin v. Abendroth“ vorgestellt. Als Ort der Hochzeit ist Stettin genannt.Ostdeutsche Morgenpost, 5. August 1930 (deutsche-digitale-bibliothek.de); General-Anzeiger für Oberhausen, 5. August 1930 (zeitpunkt.nrw). Sie versuchte sich sowohl unter ihrem Ehenamen als auch unter dem Namen „Lilo von Abendroth“ als Schauspielerin auf der Bühne und im Film. Ein Fotoporträt der „Lilo von Abendroth“ erschien Ende 1932 in der Zeitschrift Das Leben unter der Überschrift Bühnennachwuchs.Das Leben, Jg. 10, H. 6, Dezember 1932, S. 2 (arthistoricum.net). Aus den Akten der Reichsfilmkammer geht hervor, dass sie von 1935 bis 1937 in einigen Spielfilmen in Nebenrollen auftrat, etwa in Mazurka und KapriolenBirgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 144. sowie in Allotria (als Lieselotte Aureden in der Rolle eines Gastes bei einer Modenschau). Ferner trat sie in Ich liebe alle Frauen von Karel Lamač sowie in Daphne und der Diplomat von Robert Adolf Stemmle auf. In der Spielzeit 1936/1937 war sie an der Pommerschen Landesbühne in Stettin engagiert.Die Bühne. Zeitschrift für die Gestaltung des deutschen Theaters, 2. Septemberheft 1936, S. 561.
Wie Lilo Aureden im Vorwort ihres Praktischen Ehebuchs schrieb, zeigte ihr ihr erster Mann „auf vielen Reisen das Leben in vielen Ländern“ und bot ihr „Auslandsreisen, das Leben in berühmten Hotels, Rennen, Revuen, Modeschauen und Nachtlokale“.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 145; die Zitate stammen aus Lilo Aureden: Das praktische Ehebuch. Muth, Düsseldorf , S. 9. Die Ehe wurde allerdings bereits 1935 geschieden.Eheregister des Standesamts Stettin I (Nr. 568/1930). 1937 heiratete Lilo Aureden ein zweites Mal, nämlich den Journalisten Günther Schwill. Sie widmete dem „Helfer am Werk Günther Schwill“ später mehrere ihrer Bücher.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 145 und 147. Das Paar hatte, so Aureden, ein „selbsterarbeitetes schönes Heim“, das „im Bombenkrieg“ verloren ging, sodass die beiden 1945 „mit Nullkommanichts wieder von vorn anfangen“ mussten.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 146; Quelle der Zitate: Lilo Aureden: Das praktische Ehebuch. Muth, Düsseldorf 1955, S. 9–10.
1946 taucht Lilo Aureden unter dem Namen Luise Charlotte Schwill-Aureden in einer Liste der „Counter Intelligence“ des amerikanischen Militärs als Autorin in Garmisch auf.White, Grey, and Black List for Information Control Purposes, 1 Aug., 1946 (books.google.de). Zu diesen Listen siehe: Gemeinsame Vorgaben für das Filmwesen in der britischen und amerikanischen Zone, Abschnitt: Amerikanische Zone, Lernwerkstatt Film und Geschichte (filmgeschichte.com). Im nächsten Jahr war sie Vorsitzende eines Programmkomitees in Stuttgart, das Helena Sewall, die Frau des Militärgouverneurs für Württemberg-Baden Sumner Sewall, im American-German Women’s Club einberufen hatte, um deutschen Frauen den Geist der Demokratie näherzubringen.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 145. In den folgenden Jahren arbeitete sie, vermutlich als freiberufliche Journalistin, für verschiedene deutsche Zeitungen. Dokumentiert ist eine Artikelserie für das Hamburger Abendblatt, die 1950 erschien. Neben „traditionellen Frauenthemen“ (so Jochens) gehörte dazu auch ein Plädoyer für die selbstständige Versteuerung des Einkommens der Frau, gleiche Löhne der Geschlechter und eine Erhöhung des Anteils weiblicher Abgeordneter mit dem Titel Gleichberechtigte Frauen? Bei der Familie fängt der Staat an.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 145. Der Artikel erschien am 8. September 1950 im Hamburger Abendblatt.
1953 veröffentlichte Aureden ihr erstes Buch, das Kochbuch Was Männern so gut schmeckt. Wie alle ihre Bücher erschien es unter dem Namen Lilo Aureden. Es wurde ein großer Erfolg, und allein bis 1964 gingen 330.000 Exemplare über den Ladentisch; damit war es das damals bestverkaufte Taschenbuch des List-Verlags.Daniela Völker: Das Buch für die Massen. Taschenbücher und ihre Verlage. Tectum, Baden-Baden 2014, S. 133. Teilweise ist das wohl auch das Verdienst der Illustratorin Li Gelpke-Rommel, die die „kesse Illustration des Covers“ schufBirgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 149. Das Cover ist etwa hier zu sehen: alltagskulturen.lvr.de. und auch weitere Werke Auredens illustrierte. Später erschienen noch Lizenzausgaben von Was Männern so gut schmeckt bei dtv (vier Auflagen 1976 bis 1983) und Heyne (überarbeitet von Monika Mai; vier Auflagen 1988 bis 1994). Weitere Buchpublikationen Auredens, gewöhnlich Ratgeber und Kochbücher, schlossen sich ihrem Erstling in schneller Folge an, etwa Schön sein, schön bleiben (1955), Das praktische Ehebuch (1955), Athenäum-Speisedolmetscher (1958), Was Frauen wissen sollten (1958), Was Kindern so gut schmeckt (1959), Sei schöner, Adam. Das Kosmetik- und Gesundheitsbrevier für Männer (1960). Insbesondere Schön sein, schön bleiben verkaufte sich ebenfalls glänzend; bereits 1957 erschien die 22., 1964 die 33. Auflage.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 146.
mini|Haus Gary, 2014 Wo das Schriftstellerpaar – auch Günther Schwill veröffentlichte in den 1950er Jahren zwei erfolgreiche Bücher, So macht man Millionen (1955) und Skandale um Millionen (1958), beide gemeinsam mit Egon Jameson – die Jahre bis 1958 verbrachte, konnte Jochens nicht feststellen. Das Vorwort zu Auredens Praktischem Ehebuch (datiert Pfingsten 1955) trägt die Ortsangabe Frankfurt am Main; für 1958 ist in einem Zeitschriftenaufsatz Auredens die Ortsangabe Gauting dokumentiert.Lilo Aureden: Honig ist Hafer fürs Herz. In: Südwestdeutscher Imker. Verbandsorgan der Landesvereine Nordwürttemberg, Nordbaden, Südwürttemberg, Südbaden, Rheinland-Pfalz, Jahrgang 1958, S. 236. In der Autorenzeile ist angegeben: „Von Lilo Aureden, München-Gauting“ (google.de). Von 1958 bis 1966 lebten sie und ihr Ehemann in einer Villa in Berlin-Lichterfelde, dem sogenannten Haus Gary,Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 146. das Felix Lindhorst 1902 für den Ingenieur Max Gary gebaut hatte.Zum Haus Gary siehe Dietrich Seidlitz: Das Haus Gary – ein Dahlemer Landhaus in Lichterfelde. In: Steglitzer Heimat, 55. Jahrgang, 2010, Heft 2, S. 7–13 (yumpu.com, dort auch ein Bild des Hauses).
Aus dieser Berliner Zeit stammt der einzige erhaltene Brief von Lilo Aureden. Sie schrieb am 11. Februar 1962 an Gabriele Strecker, die sie vom Hörfunk her kannte, anlässlich der Nachricht, dass Strecker ihre Stelle aufgab und ins Tessin übersiedeln wollte. Aureden klagte in diesem Brief, sie sei seit 1956 von einem Pressedienst hintergangen worden, der Seiten aus ihren Büchern ohne Genehmigung oder Honorar nachgedruckt und sie dadurch um 18.000 Mark gebracht habe. „Jetzt hab’ ich 2 Millionen Auflage erreicht – und keinen finanziellen Erfolg.“ Sie selbst habe nun ebenfalls „Schluß gemacht mit dem Bücherschreiben“ und würde am liebsten selbst auswandern, zumal die Stimmung in Berlin nach dem Mauerbau „gedrückt“ sei. „Hierher zu ziehen war falsch!“Der Brief ist im Faksimile reproduziert bei Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 148. Birgit Jochens hält die Angaben zur Urheberrechtsverletzung für glaubhaft, da sich in Archiven deutscher Tageszeitungen Beiträge mit Texten Auredens ohne oder nur mit versteckter Quellenangabe finden. Dass Auredens Verlage dies nicht verfolgt hätten, sei nicht untypisch, da diese damals vor allem auf hohe Auflagen gezielt und auf den Schutz der Autorenrechte wenig Wert gelegt hätten.Jochens beruft sich für diese Diagnose auf Patrick Rössler: Lesefutter fürs Wirtschaftswunder: Rotationsdrucke und die ersten Taschenbücher 1946–1960. Edition 451, Stuttgart 1996. Die Klage, „keinen finanziellen Erfolg“ zu haben, hält Jochens für übertrieben: „Ganz so schlimm wird es nicht gewesen sein, aber zu einem großen Vermögen wird es nicht gereicht haben.“ Dazu wären wohl bessere Vermarktungsstrategien erforderlich gewesen.Birgit Jochens: Lilo Aureden (1912–?). Bestsellerautorin: Wanted! In: dies.: Zwischen Ambition und Rebellion. Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen. vbb, Berlin 2021, S. 144–154, hier: S. 148–149.