Drei Stücke für Streichquartett sind eine Komposition von Igor Strawinsky aus dem Jahr 1914 für die traditionelle Besetzung mit zwei Violinen, Viola und Violoncello.
Entstehung und Fassungen Strawinsky komponierte die Drei Stücke 1914 in der Schweiz in zwei Fassungen: für Klavier zu vier Händen und für Streichquartett. Die Streichquartettfassung wurde am 30. November 1915 in New York uraufgeführt. In einer 1918 überarbeiteten Version erschien sie 1922 im Verlag Boosey & Hawkes. Die Stücke trugen zunächst keine Titel und – über Metronomangaben hinaus – keine charakterisierenden Tempobezeichnungen.
1928 bearbeitete Strawinsky die Stücke für Orchester und veröffentlichte sie zusammen mit der Orchestereinrichtung der Ètude pour Pianola als Quatre Ètudes. Diese Fassung enthält charakterisierende Titel der einzelnen Sätze.
Form und Stilistik Die drei Sätze zusammen haben nur eine Aufführungsdauer von ca. 7–8 Minuten. Mit der geringen Dimension des Werks und mit der unkonventionellen Formbildung distanziert sich Strawinsky deutlich von der großen Tradition klassischer und romantischer Werke. Mit den Drei Stücken und weiteren, ungefähr zeitgleich entstandenen Kompositionen wie z. B. den Fünf Sätzen op. 5 von Anton Webern beginnt ein neuer Traditionsstrang der Streichquartett-Komposition mit miniaturhaft verdichteten Werken, in denen sich die klassischen Formen auflösen.
Alle drei Stücke weisen Elemente und Charaktere auf, die kennzeichnend für den Komponisten sind und sein ganzes Werk durchziehen:
Der 1. Satz, in der späteren Orchesterversion als Danse (Tanz) betitelt, verwendet mehrere kurze Motive. Sie werden oft wiederholt, dabei variiert und gegeneinander rhythmisch verschoben, so dass für den Hörer keine metrische Orientierung möglich ist. Das Stück erinnert an russische Volks- oder Tanzmusik.
Der 2. Satz erhielt später den Namen Excentrique (Exzentriker). Er wirkt durch viele Lagenwechsel und kontrastierende Motive sprunghaft und skurril. Strawinsky nannte den zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Little Tich bekannten Varieté-Künstler Harry Relph als seine Inspiration für diesen Satz.
Der 3. Satz, später Cantique (Canticum, liturgischer Gesang) genannt, hat ruhigen und rituellen Charakter und erinnert an geistliche Musik der russisch-orthodoxen Kirche. Rezeption Unter dem Eindruck der Uraufführung schrieb die Schriftstellerin Amy Lowell drei Gedichte, die den Ausdrucksgehalt der drei Sätze widerspiegeln.
Notenausgaben
Igor Strawinsky: Trois Pièces pour Quatuor a Cordes. Boosey & Hawkes, Taschenpartitur BH 634, Verlagsnr. BH6500520 Igor Strawinsky: Three Pieces for String Quartet, for piano duet arranged by the composer. Boosey & Hawkes, Verlagsnr. BH200130
Einzelnachweise
Kategorie:Streichquartett (Werk) Kategorie:Werk von Igor Strawinsky Kategorie:Musik 1914