Das Great Council of Chiefs (, dt.: „Großer Rat der Häuptlinge“, GCC) ist ein Verfassungsorgan in Fidschi. Es existierte ursprünglich von 1876 bis März 2012 und wurde im Mai 2023 erneut konstituiert.

Der Große Rat der Häuptlinge unterscheidet sich vom House of Chiefs, einem größeren Gremium, dem alle erblichen Häuptlinge angehören, obwohl sich die Mitgliedschaften beider Gremien in erheblichem Maße überschnitten. Der Große Rat der Häuptlinge in seiner jüngsten Form wurde gemäß Artikel 116 der inzwischen außer Kraft gesetzten Verfassung von 1997 eingerichtet, existierte aber tatsächlich schon viele Jahre vor der Verfassung. Er war 1876, zwei Jahre nach der Abtretung Fidschis an das Vereinigte Königreich, von den britischen Kolonialherren als Beratungsgremium gegründet worden.

Der derzeitige Vorsitzende ist Ratu Viliame Seruvakula 1997 Constitution, but it actually predated the Constitution by many years, having been established by the British colonial rulers as an advisory body in 1876, two years after Fiji was ceded to the United Kingdom.

Der derzeitige Chairperson (Vorsitzende) ist Ratu Viliame Seruvakula.

Geschichte mini|Fotografie einer Sitzung des Großen Häuptlingsrats in Waikava im Jahr 1876. Die Sitzung des Großen Häuptlingsrats in Waikava, die am 20. November 1876 von Gouverneur Gordon eröffnet wurde, dauerte fast drei Wochen. Gordon erläuterte seine Pläne für eine indirekte Herrschaft und legte die Verfahren für zukünftige Sitzungen fest. Zahlreiche Resolutionen wurden verabschiedet, und am Ende der Sitzung unterzeichneten die führenden Häuptlinge einen Brief an die britische Königin. Verschiedene Personen nahmen am Höhepunkt der Sitzung teil, der ein Festmahl, Tanz und ein Solevu (rituelles Fest mit Warenaustausch) umfasste. Das Bild zeigt hochrangige Mitglieder des Großen Häuptlingsrats, wobei Cakobau oben auf der Rampe über seinem Bruder Ratu Josefa Celua sitzt. Der Häuptling zu seiner Linken, der einen weißen Masi-Turban trägt, ist wahrscheinlich Musudroka, der Vunivalu von Rewa.

Der Große Rat der Häuptlinge wurde 1876 unter Gouverneur Sir Arthur Gordon (Amtszeit: 1875–1880) gegründet. Er entstand nach Konsultationen mit den Häuptlingen, die Gordon hinsichtlich der bestmöglichen Verwaltung der indigenen Bevölkerung der Kolonie berieten. Der Anthropologe Robert Norton formulierte es so: „Er verkörperte das privilegierte Vertrauensverhältnis und den Schutz, der zwischen den Fidschianern und den Briten bestand.“„embodied the privileged relationship of trust and protection established between the Fijians and the British“. Robert Norton: The changing role of the Great Council of Chiefs. 2009, The 2006 Military Takeover in Fiji: A Coup to End All Coups? press-files.anu.edu.au doi.org

Während der britischen Kolonialzeit (1874 bis 1970) fanden alle ein bis zwei Jahre Sitzungen des Großen Häuptlingsrats statt, die mit einem feierlichen Protokoll („with rich ceremonial protocol“) und unter dem Vorsitz des britischen Gouverneurs abgehalten wurden. Die Ratsmitglieder berieten den Gouverneur in Fragen der indigenen Politik. Bis 1963 wählte der GCC auch indigene Vertreter für das Kolonialparlament. Zu den vom Rat in den 1950er und frühen 1960er Jahren nominierten Abgeordneten gehörten Ratu Sir Lala Sukuna, Ratu Sir Kamisese Mara, Ratu George Cakobau, Ratu Edward Cakobau und Ratu Penaia Ganilau, die später führende Regierungsmitglieder wurden. 1963 wurde diese Funktion des Rates abgeschafft, da die indigenen Fidschianer das Recht erhielten, ihre Vertreter selbst ins Parlament zu wählen.

In den 1950er Jahren war der Rat nicht mehr nur Häuptlingen vorbehalten; seine „Mitgliedschaft […] wurde erweitert, um die Vertretung von Gewerkschaften und anderen städtischen Organisationen zu ermöglichen“ („membership […] was broadened to allow representation of trade unions and other urban organizations“). Alle Mitglieder blieben jedoch indigener Herkunft.

Die erste Verfassung Fidschis, die nach der Unabhängigkeit im Jahr 1970 verabschiedet wurde, gab dem Rat das Recht, acht der zweiundzwanzig Mitglieder des Senats zu nominieren.

Nach den Militärputschen von Oberstleutnant Sitiveni Rabuka im Jahr 1987 wurde der Rat wieder zu einem ausschließlich aristokratischen Gremium, dessen Mitgliedschaft den höchsten Häuptlingen vorbehalten war. Rabuka argumentierte, dass die erblichen Häuptlinge die oberste Entscheidungsgewalt behalten sollten.

Die Verfassung von 1990 (Constitution of the Sovereign Democratic Republic of Fiji) stärkte somit die Macht des Rates, indem sie dem Rat das Recht einräumte, 24 der 34 Senatsmitglieder zu ernennen und den Senat damit zu einem vom GCC dominierten Gremium zu machen. Der Rat sollte fortan auch den Präsidenten und den Vizepräsidenten von Fidschi ernennen.

Die Verfassung von 1997 reduzierte die Vertretung des Rates im Senat auf 14 Mitglieder (von 32), erkannte aber dessen Recht an, Präsidenten und Vizepräsidenten zu ernennen.Robert Norton: The changing role of the Great Council of Chiefs. In: Jon Fraenkel, Stewart Firth, Brij V. Lal (hgg.): The 2006 Military Takeover in Fiji: A Coup to End All Coups? April 2009. epress.anu.edu.au ISBN 978-1-921536-51-9

Ab Ende der 1980er Jahre wurde der Große Rat der Häuptlinge durch Manipulationen der Regierung kompromittiert. Nach dem Putsch von 2000 bemühte er sich jedoch mit mäßigem Erfolg um die Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit. 2001 entließ er den Putschistenführer von 1987 und ehemaligen Premierminister Sitiveni Rabuka aus seinem Vorsitz, nachdem Vorwürfe seiner möglichen Beteiligung am Putsch von 2000 laut geworden waren. Außerdem seine früheren Verbindungen zur Partei Soqosoqo ni Vakavulewa ni Taukei (Native Law Society) ab (die er Anfang der 1990er Jahre ursprünglich unterstützt hatte) und erklärte, künftig auf Parteipolitik zu verzichten; die einzelnen Mitglieder des Rates sollten jedoch selbstverständlich weiterhin die Möglichkeit haben, sich als Einzelpersonen politisch zu engagieren.

Im Juni 2004 geriet der Große Rat der Häuptlinge in eine Krise, als die Regierung beschloss, Ratu Epeli Ganilau nicht als einen der sechs Regierungsvertreter im Großen Rat wiederzuwählen; auch der Provinzrat von Cakaudrove gewährte ihm keinen seiner drei Sitze. Diese Entscheidungen führten zum vorzeitigen Ende von Ganilaus Amtszeit als Vorsitzender des Rates, da die Statuten vorschreiben, dass der Vorsitzende Mitglied sein muss. Man vermutet, dass Ganilaus offene Meinungsverschiedenheiten mit mehreren hochrangigen Regierungsmitgliedern, darunter Vizepräsident Ratu Jope Seniloli und Informationsminister Simione Kaitani, sowie die Befürchtung, er untergrabe die Neutralität des Großen Rates, um ihn als Plattform für seine eigenen politischen Ambitionen zu nutzen, Faktoren für die Entscheidung des Provinzrats von Cakaudrove waren. Ganilau wurde durch Ratu Ovini Bokini ersetzt, der als regierungsfreundlicher galt. Bokini wurde am 27. Juli 2005 für eine volle dreijährige Amtszeit wiedergewählt, und Ratu Sakiusa Makutu von Nadroga-Navosa wurde zu seinem Stellvertreter gewählt und trat die Nachfolge von Ro Jone Mataitini an, der sich nicht zur Wiederwahl stellte.

Obwohl Fidschi zu dieser Zeit als Republik Mitglied des Commonwealth of Nations war, erkannte der Große Rat Königin Elizabeth II. als seine traditionelle Königin bzw. Oberhäuptling an.

Am 20. April 2005 kündigte die fidschianische Regierung Pläne zur Ausweitung der Befugnisse des Großen Rates an. Dieser Vorschlag stieß umgehend auf Widerstand beim Vorsitzenden der Fiji Labour Party (lawalawa Cakacaka ni Viti, फिजी श्रमिक पार्टी), Mahendra Chaudhry, der darin eine „Doppelregierung“ in Fidschi sah. Auch Ratu Epeli Ganilau kritisierte den Vorschlag. Der ehemalige Vorsitzende des Großen Rates, der nun als Interimspräsident der National Alliance Party fungierte, erklärte, die Befugnisse des Rates seien bereits ausreichend.

In einem umstrittenen Schritt beschloss der Große Rat am 28. Juli 2005, den Gesetzentwurf der Regierung zur Versöhnung, Toleranz und Einheit, Reconciliation, Tolerance, and Unity Bill, zu unterstützen. Dieser sah die Einrichtung einer Kommission vor, die die Opfer des Putsches von 2000 entschädigen und die Täter begnadigen sollte. Gegner, darunter der ehemalige Vorsitzende des Großen Rates, Ganilau, bezeichneten dies lediglich als juristisches Instrument, um Regierungsanhänger freizubekommen, die wegen ihrer Beteiligung am Putsch verurteilt und inhaftiert worden waren.

Im April 2007 suspendierte Commodore Frank Bainimarama, der Drahtzieher des Militärputsches vom Dezember 2006, den Rat.Address by PM Bainimarama after the Great Council of Chiefs Meeting. Fiji government. 13. April 2007. Archivlink Er wurde jedoch nicht aufgelöst. Im Februar 2008 gab die Übergangsregierung bekannt, dass Bainimarama sich als Minister für indigene Angelegenheiten selbst zum Vorsitzenden des Rates ernennen würde. Als Vorsitzender würde er alle anderen Mitglieder auf Empfehlung der Provinzräte ernennen und hätte die Befugnis, jedes Mitglied zu disziplinieren, zu suspendieren oder zu entlassen.Frederica Elbourne: Bainimarama is GCC head. Fiji Times. fijitimes.com 19. Februar 2008. Archivlink

Die Übergangsregierung forderte die Provinzen auf, bis zum 15. Juli 2008 Kandidaten für den Großen Rat der Häuptlinge vorzuschlagen. Sollten bestimmte Provinzen keine Kandidaten benennen, würde Bainimarama selbst Mitglieder für den Großen Rat der Häuptlinge ernennen, die diese Provinzen vertreten sollten.Provinces given deadline. Fiji Broadcasting Corporation. radiofiji.com.fj 10. Juli 2008. Archivlink

Am 5. August 2008 wurde bekannt gegeben, dass der Große Rat der Häuptlinge bereit sei, wieder zusammenzutreten. Er sollte sich aus drei Häuptlingen aus jeder der vierzehn Provinzen zusammensetzen und vom Minister für Fidschi-Angelegenheiten, damals Commodore Bainimarama, geleitet werden.Fiji Great Council of Chiefs ready to convene. ABC Radio Australia. radioaustralia.net.au 5. August 2008.

Am 14. März 2012 verkündete Bainimarama, dass Präsident Ratu Epeli Nailatikau „Dekrete genehmigt habe, die den Großen Rat der Häuptlinge formell auflösen“. Er warf dem Rat vor, „zum Nachteil des Strebens Fidschis nach einer gemeinsamen und gleichberechtigten Bürgerschaft politisiert worden zu sein“.„approved decrees that formally de-establish the Great Council of the Chiefs“. „having become politicised to the detriment of Fiji’s pursuit of a common and equal citizenry“ Remarks by the Prime Minister on the Great Council of Chiefs (GCC). Government of Fiji. fiji.gov.fj Archivlink

Bei den fidschianischen Parlamentswahlen 2022 kam es zu einem Patt. Vier Parteien zogen ins Parlament ein: die regierende Partei FijiFirst des damaligen Premierministers Frank Bainimarama, die People’s Alliance (Volksallianz) des ehemaligen Premierministers Sitiveni Rabuka, die National Federation Party (Nationale Föderationspartei, NFP) von Biman Prasad und die Social Democratic Liberal Party (Sozialdemokratische Liberale Partei, SODELPA) von Bill Gavoka. Während die NFP bereits vor den Wahlen ihre Unterstützung für die People’s Alliance zugesagt hatte, hatte SODELPA im Vorfeld keine Position bezogen und wurde somit zum Königsmacher. SODELPA trat der Koalition aus People’s Alliance und NFP unter bestimmten Bedingungen bei, darunter die Wiedereinführung des Großen Rates der Häuptlinge. Diese Bedingungen wurden vereinbart.

Im April 2023 bestätigte Präsident William Katonivere die Wiederaufnahme der Sitzungen des Rates im Mai 2023. Die feierliche Neukonstituierung fand am 24. Mai 2023 auf der Insel Bau statt. Der nationale Champion Ratu Banuve Tabakaucoro hatte die Ehre, den Staatspräsidenten und den Premierminister mit einem traditionellen Kava-Opfer zu begrüßen. Ratu Viliame Seruvakula wurde 2024 zum Vorsitzenden des Rates gewählt.

Historische Zusammensetzung Der Große Rat bestand zuletzt aus 55 Mitgliedern, hauptsächlich erblichen Häuptlingen und einigen besonders qualifizierten Bürgern in folgender Zusammensetzung: