Die Zeitschrift Koryphäe - Medium für feministische Naturwissenschaft und Technik erschien ab Oktober 1986 bis 2009 in 45 Heften. Sie war eine feministische, technisch-naturwissenschaftliche Zeitschrift, verbreitet in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Luxemburg und Schweden.

Geschichte Außerhalb der Carl von Ossietzky-Universität bildete sich nach dem Besuch einer Lehrveranstaltung bei Luise Berthe-Corti vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) eine unabhängige feministische Arbeitsgruppe, die ihre Ergebnisse veröffentlichen wollte. Die Veröffentlichung in der TAZ scheiterte an den feministischen Ansprüchen. Für die Emma waren die Inhalte zu naturwissenschaftlich-technisch. Beim Kongress von Frauen in Naturwissenschaft und Technik (FiNuT) 1986 in Oldenburg fand sich auf Initiative der Biologin Eva Sassen mit der Chemietechnik-Studentin Doris Lawrenz und der Vermessungsingenieurin Romy Klupsch eine kleine Gruppe von Frauen zusammen, die eine Testausgabe für eine eigene Zeitung erarbeitete. Die ersten 200 Exemplare, die im Oktober 1986 erschienen, waren schnell vergriffen und mussten nachgedruckt werden. Das daraus entwickelte Zeitschriftenformat erschien halbjährlich, zuerst mit dem Untertitel Austauschorgan von Frauen in Naturwissenschaft und Technik, ab Heft Nr. 6 mit dem Untertitel Medium für feministische Naturwissenschaft und Technik. Viele Abonnentinnen kamen aus dem Umfeld der FiNuT-Kongresse. Ab Heft Nr. 8 brachte der Verein Koryphäe e.V. die Zeitschrift heraus.

Der Titel der Zeitschrift stand für die weibliche Expertin, das grammatikalische Geschlecht (w) sorgte für Identifikation und wurde durch die Verknüpfung mit dem Untertitel feministisch verstanden.

Anfang der 1990er Jahre entstand der Gesprächskreis Feministische Naturwissenschaft und Technik FemiNaTe in Wien, der den ersten österreichischen Kongress von Frauen in Naturwissenschaft, Technik, Handwerk und Medizin 1993 in Wien organisierte. Die Frauen besuchten auch die FiNuT-Kongresse in Deutschland. Daraus ergab sich zuerst die Gastredaktion für das Heft Nr. 24 unter dem Titel Wiener Melange, das 1998 erschien. Später, mit dem Heft 29 wissen_schaf(f)t_widerstand wechselte die Redaktion komplett nach Wien. Herausgegeben wurde die „Kory“ dort anfangs vom Verein FLuMiNuT - Frauen, Lesben und Mädchen in Naturwissenschaft und Technik, ab 2004 vom Verein Koryphäe. Verein für feministische Naturwissenschaft und Technik.

2009 wurde die Zeitschrift im Zuge der zunehmenden Digitalisierung eingestellt. Etwa zur gleichen Zeit wandelte sich der Kongress FiNuT zu einer Tagung. Beide waren von ihren Themen sehr breit aufgestellt. Diese Bandbreite in Verbindung mit der immer stärkeren Institutionalisierung der Frauenaspekte in den einzelnen Fachgebieten wurden als Gründe für das nachlassende Interesse an der Koryphäe gesehen.

Inhalte mini|Drei Ausgaben der Koryphäe Die Hefte beschäftigten sich mit Schwerpunktthemen wie Ökologie, Atomenergie, Regenerative Energien, Gen- und Reproduktionstechnologien, Agrar- und Nahrungspolitik, Digitalisierung, Medizin aus feministischer Sicht. Es ging thematisch weiter um feministische Wissenschafts- und Technikkritik, Frauenstudiengänge, Interdisziplinarität und Frauenpolitik. Berufs- und Arbeitswelten, historische Porträts und aktuelle Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen wurden vorgestellt. Es wurde untersucht, wie Forschung und Technik von Geschlechterverhältnissen geprägt ist und wie eine feministische Perspektive die Wissenschaft und die Technik verändern kann. Die Funktion als Austauschmedium zur Vernetzung war insbesondere vor dem Aufkommen des Internets wichtig. Die Zeitschrift war sowohl eine Frauenzeitschrift für Technikerinnen als auch ein politisches Magazin und wissenschaftliches Journal. Als Wissenschaftsmagazin sprach die Koryphäe auch Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen an.

Die Redakteurinnen trugen selbst immer wieder mit eigenen Artikeln zur Koryphäe bei. In der deutschen Ausgabe veröffentlichten Autorinnen wie Corinna Bath oder Petra Lucht. Regelmäßige Autorinnen der Wiener Jahre waren Roswitha Hofmann und Julia Mayer. Ab Heft 29 schuf Ulrike Rostek die Cartoons zwischen den Artikeln sowie viele Titelbilder.

Redakteurinnen (Alphabetisch)

Deutschland Anna Haas (Herausgeberin Nr. 3 bis Nr. 7), Kathrin Harloff (Herausgeberin Nr. 4, Nr. 5), Romy Klupsch (Gründerin, Herausgeberin Nr. 0 bis Nr. 7), Doris Lawrenz (Gründerin, Herausgeberin Nr. 0, Nr. 1), Susanne Ortmann (Herausgeberin Nr. 3 bis Nr. 7), Eva Sassen (Gründerin, Herausgeberin Nr. 0 bis Nr. 7)

Österreich Amelie Cserer, Helga Gartner, Sonja Hnilica, Anita Kamptner, Bente Knoll, Lena Krins, Martina Mayrhofer, Elke Michlmayer, Gabriele Mraz, Brigitte Ratzer, Petra Seibert, Elke Szalai, Rosemarie Zehetgruber

Ausgaben

Literatur

Barbara Paul, Corinna Bath, Silke Wenk (Hrsg.): Geschlechterwissen in und zwischen den Disziplinen, Perspektiven der Kritik an akademischer Wissensproduktion, Transcript, Bielefeld 2020. ISBN 978-3-8376-5237-6, S. 109, 110, 119. Digitalisat Helene Götschel: Die Geschichte des Kongresses von Frauen in Naturwissenschaft und Technik 1977 bis 1989. Schriftenreihe / NUT – Frauen in Naturwissenschaft und Technik e.V., Band 8, 2002, Talheimer, Mössingen-Talheim, ISBN 3-89376-095-4.

Weblinks

Siehe auch

Liste deutschsprachiger Frauenzeitschriften Liste der Zeitschriften zur Frauen- und Geschlechterforschung

Einzelnachweise

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