mini|hochkant|Wappen derer von Mücke (1806) im Österreichischen Staatsarchiv

Mücke ist der Name einer sächsisch-lausitzischen Familie, die 1806 von Kaiser Franz II. in den Reichsadelsstand erhoben wurde. Von 1793 bis zu ihrer Enteignung 1945 besaß sie das Rittergut Niederrennersdorf, das sie bereits seit 1767 bewohnte und bewirtschaftete. Ihre männlichen Mitglieder waren häufig einfache Offiziere oder Staatsbeamte. Besondere Bekanntheit als Kriegsheld erlangte 1915 Hellmuth von Mücke.

Geschichte Die Stammreihe der Familie Mücke beginnt bei Michael Mücke († vor dem 10. November 1710), Bürger und Drechsler in Eger.Mücke in: Genealogisches Handbuch des Adels, Band 17. C. A. Starke, 1958. S. 332. Sein Sohn Johann Ernst war Perückenmacher in Zittau. Am 10. November 1710 heiratete er Anna Lehmann, Tochter des Tuchmachers Johann Georg Lehmann und dessen Frau Ursula.

Von dessen Sohn Carl Siegfried wird berichtet, dass er in und außerhalb der Provinz (Lausitz) sehr bekannt war. Ab 1737 bereiste er Holland, Frankreich und England, und kehrte 1741 zurück. Er war danach Kammerdiener des Herzogs von Kurland, später auch des Oberstallmeisters Hanns Moritz von Brühl und des kursächsischen Premierministers Heinrich von Brühl.Lausitzisches Magazin oder Sammlung verschiedener Abhandlungen und Nachrichten zum Behuf der Natur-, Kunst-, Welt- und Vaterlandsgeschichte, der Sitten, und der schönen Wissenschaften, Band 25, Görlitz 1792, S. 373 f.mini|Niederrennersdorfer Schloss, 1859 Am 5. November 1742 heiratete er Christiane Friederike Nesen, Tochter des Advokaten Johann Conrad Nesen und Christiane Eleonore, geborene Just. Aus ihrer Ehe gingen zwei Söhne hervor, Karl Friedrich und Christian Siegfried. Über Karl Friedrich ist lediglich bekannt, dass er Advokat war.

Die Familie Nesen besaß seit 1718 das Lehnsgut Niederrennersdorf. Christian Siegfried Nesen erklärte es kurz vor seinem Tode 1766 zum Majorats- und Stammgut der Nesens und vererbte es seiner Nichte Christiane Friederike, verheiratete Mücke. Seit 1767 lebte die Familie Mücke auf dem Gut.Karl Gustav Maximilian von Mücke: Das Rittergut zu Nieder-Rennersdorf und seine Besitzer. 1843, S. 23. (Digitalisat) Ursprünglich sollte Christiane Friederikes Bruder Christian Friedrich Nesen Majorat und Gut wieder übernehmen. Nachdem er jedoch auf die Nachfolge verzichtete und 1793 verstarb, übergab sie beides ihrem Sohn, Christian Siegfried Mücke.Siehe Literatur: Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter. 1635-1815. Hrsg. Oberlausitzische Gesellsch. d. Wiss. zu Görlitz, Selbstverlag, Görlitz 1919. (Digitalisat) Von nun an sollte es bis zu ihrer Enteignung durch die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone 1945 im Besitz der Familie Mücke verbleiben.

Christian Siegfried war kursächsischer und königlich-polnischer Artillerie-Leutnant. In Rennersdorf heiratete er am 26. September 1771 Auguste Maria Dorothea Keul oder Keil, Tochter des königlichen Hofbratmeisters in Dresden und der Auguste Dorothea, geborener Köber. Am 8. April 1806 wurde Christian Siegfried von Kaiser Franz II. mit Prädikat „von“ in den Reichsadelsstand erhoben.AT-OeStA/AVA Adel RAA 284.6. (Austria [ISO-Code] – Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv Adel Reichsadelsakten 284.6.) Ein Ölgemälde auf Leinwand im Niederrennersdorfer SchlossCornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 34, In Kommission bei C. C. Meinhold, Dresden 1910, S. 441. Digitalisat zeigt entweder Christian Siegfried oder seinen Vater Carl Siegfried. Christian Siegfried und seine Frau hatten zwölf Kinder, von denen aber acht im teilweise frühen Kindesalter starben.Mücke. In: Hans Friedrich von Ehrenkrook et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1958. Band III, Band 17 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1958. S. 332–333, 337–338. Ihre älteste Tochter Auguste Wilhelmine Friederike heiratete den kursächsischen Oberstleutnant Karl Samuel von Emmerich.Mücke. In: Hans Friedrich von Ehrenkrook et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1958. Band III, Band 17 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1958. S. 332–333.

Majoratsherr auf Niederrennersdorf wurde ihr Bruder Gustav Adolf Maximilian. Auf ihn folgten Carl Gustav Maximilian, Sekretär der Lausitzer Predigergesellschaft zu Leipzig, später Advokat und Notar in LeipzigMücke in: Genealogisches Handbuch des Adels, Band 17. C. A. Starke, 1958. S. 333–337. und Emil Gustav. Unter seinem Nachfolger Werner verlor die Familie im Zuge der Gründung der Weimarer Republik 1919 ihre Vorrechte, 1929/1930 wurde die Familienanwartschaft zwangsaufgelöst und 1945 die Familie enteignet.mini|Alexander Eduard von Mücke (1815–1883) 1872 als Vorsitzender im Leipziger Hochverratsprozess mit Wilhelm Liebknecht (in der Mitte im Zeugenstand stehend), August Bebel (1.v.r.) und Adolf Hepner (2.v.r.) als AngeklagteAutorenkollektiv, Walter Ulbricht u. a.: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Band 1: Von den Anfängen der deutschen Arbeiterbewegung bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED. Dietz Verlag, Berlin 1966, Bildteil nach S. 352. Carl Gustavs Bruder Alexander Eduard von Mücke wurde Richter in der königlich-sächsischen Justiz. 1872 fand unter seinem Vorsitz als Bautzener Bezirksgerichtsdirektor der Leipziger Hochverratsprozess statt, in dem Wilhelm Liebknecht und August Bebel zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt wurden.James Retallack: August Bebel: Ein Sozialdemokrat gegen Eroberungskrieg und „Verpreußung“, in: Krieg – Sieg – Nation. Wie das deutsche Kaiserreich entstand, Ausstellungskatalog hrsg. von Gerhard Bauer/Katja Protte, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Dresden, 2020, S. 6 (PDF, 164 KB). 1881 ging von Mücke als Oberlandesgerichtsrat in Dresden in Pension.

mini|S. M. Schiff „Ayesha“ landet in Hodeida 4. Februar 1915 mit der Restmannschaft der „Emden“ – Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881–1957). Fotomontage auf zeitgenössischer Postkarte Einer seiner Enkel war Hellmuth von Mücke, der 1915 populär wurde, als er einen Landungszug anführte, der sich von Indonesien bis Konstantinopel durchschlug. Ab 1921 aktives Mitglied der NSDAP und von 1926 bis 1927 Abgeordneter und NSDAP-Fraktionsvorsitzender im Sächsischen Landtag, verließ er die Partei 1929 wegen eines Konfliktes um Manfred von Killinger und einem Skandal um ein Bündnisangebot an die sächsische KPD und SPD. Danach wandte er sich nationalbolschewistischen Ideen zu, die ihm 1933 ein Vortrags- und Publikationsverbot einbrachten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, setzte er sich vehement gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland ein.

Carl Gustavs Sohn Kurt Maximilian war königlich-sächsischer Bezirksarzt und Obermedizinalrat. Von seinen Kindern war Ella Martha Jenny mit dem Oberst a. D. Otto von Knobelsdorff verheiratet und Georg Maximilian von Mücke war königlich-sächsischer Major. Sein Bruder Friedrich Gustav Walther starb als königlich-sächsischer Oberstleutnant im Kampf bei Souchez.Mücke. In: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1958. Band III, Band 17 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1958, S. 334–335. Carl Gustav Maximilians Enkel Benno Gustav Maximilian starb als Offiziersanwärter im Grenadier-Regiment 183 im Kampf in Milerowo.

Stammfolge Die Stammfolge wurde, wenn nicht ergänzend angegeben, auf Grundlage des Genealogischen Handbuchs des Adels und Walter von Boettichers Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter erstellt.Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter 1635–1815. Band 2. Oberlößnitz/Görlitz 1913, S. 229–231Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1958. Band III, Band 17 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1958, S. 332–338.

Wappen Das Wappen derer von Mücke der Adelserhebung von 1806 ist wie folgt blasoniert: Von Blau und Gold gespalten. Vorne zwei schräglinke silberne Balken, hinten ein aufgerichteter Hirsch. Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-silbernen und links schwarz-goldenen Helmdecken ein goldenes Zepter zwischen einem offenen Flug, die Flügel rechts blau, links schwarz, jeweils belegt mit einem nach innen gerichteten gesichteten Halbmond, rechts silbern, links golden.v. Mücke. In: Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter 1635–1815. Band 2, Oberlößnitz/Görlitz 1913, S. 231.

Dem im Österreichischen Staatsarchiv aufbewahrten Adelsdiplom zufolge, entsprechend auch bei Walter von Boetticher und im Genealogischen Handbuch des Adels, sind vorne zwei Schrägbalken dargestellt. Kneschke, Ledebur, Hefner und Mülverstedt sprechen dagegen fälschlicherweise von drei Schrägbalken.Mücke, in: Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Der Adel des Königreichs Preußen. Nürnberg 1857. S. 271.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 3 (T–Z. Nachtrag A–Z). Berlin 1858. S. 314. Nachtrag A–Z.George Adalbert von Mülverstedt, Adolf Matthias Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Der blühende Adel des Königreichs Preußen (Edelleute M – Z.). Nürnberg 1878. S. 271 In einigen Darstellungen des Wappens (Tyroff, Kneschke und Siebmachers Wappenbuch) fehlt das Kleinod oder Teile davon.Mücke in: Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 5 (Kalb–Loewenthal). Leipzig 1864. S. 374. Einzelnen Heraldikern zufolge sollen sowohl im Wappen der Nesen als auch im Kleinod derer von Mücke nicht Halbmonde, sondern halbe Sonnen dargestellt sein.Die Nesen in: Adolf Matthias Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Berlin 1898. S. 55. Ein seltenes Wappenbuch. (Online)

Die Wappenbilder auf dem Helm (die Helmzier) sind, anlässlich der Verwandtschaft der geadelten Linie der Familie Mücke mit den Nesens, dem Nesen’schen Wappen entnommen.Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Friedrich Voigt, Leipzig 1864. (Digitalisat)

Das Familienwappen wurde als das Wappen Hellmuth von Mücke in den 1930er Jahren in das Wappensammelalbum „Von Friedrich dem Großen bis Hindenburg – 255 ruhmreiche deutsche Wappen“ der Garbáty Cigarettenfabrik aufgenommen.Garbáty Cigarettenfabrik (Hrsg.): Von Friedrich dem Grossen bis Hindenburg. 255 ruhmreiche deutsche Wappen. Berlin 1934, S. 35. (Digitalisat)

Literatur Hellmuth von Mücke. In: Andreas Hofer: Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881-1957). Marineoffizier - Politiker - Widerstandskämpfer. Ein Leben zwischen den Fronten. Diplom.de Verlag, Hamburg 2002. Druck ISBN 978-3-8386-6053-0. Auflage Online-Ressource ISBN 978-3-8324-6053-2. Mücke. In: Hans Friedrich von Ehrenkrook, u. a.: Genealogisches Handbuch des Adels. Band 17 (= Adelige Häuser B (Briefadel), Band III). Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1958, S. 332–338. Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie: Mücke. In: Band 2 (L–S). Verlag L. Rauh, Berlin 1856. S. 123. (Online) Mücke (II. 123.) in: Band 3 (T–Z. Nachtrag A–Z). Berlin 1858. S. 314. Nachtrag A–Z. (Online) v. Mücke. In: Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635–1815, Band 2, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Oberlößnitz bei Dresden / Görlitz 1913, S. 229–231. (Online) Siebmachers Wappenbuch Mücke, in: George Adalbert von Mülverstedt, Adolf Matthias Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Der blühende Adel des Königreichs Preußen (Edelleute M – Z.). Bauer und Raspe Emil Küster, Nürnberg 1878, S. 271; Tfl. 323. (Online: Text, Tafel)