Franz Wilhelm Herrmann Schauwecker (* 26. März 1890 in Hamburg; † 31. Mai 1964 in Günzburg) war ein deutscher Schriftsteller und Publizist.
Leben Franz Schauwecker, der Sohn des Zollbeamten Paul Schauwecker, besuchte zunächst eine Mädchenschule in Putzig und anschließend Gymnasien in Kolberg, Landsberg an der Warthe, Strasburg in Westpreußen und Danzig. Die häufigen Schulwechsel waren durch die beruflichen Versetzungen seines Vaters bedingt. Seine 1895 geborene Schwester Eva wurde als Grafikerin und Autorin später ebenfalls bekannt.Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 265 f.). Er studierte Kunstgeschichte und Germanistik in München, Berlin und Göttingen.Jürgen Hillesheim: Schauwecker, Franz. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Band 8 (Poethen–Schlüter). K. G. Saur, München 2007, S. 779 f. Im Ersten Weltkrieg trat er als Kriegsfreiwilliger in das Füsilier-Regiment Nr. 34 in Swinemünde ein und wurde im Sommer 1915 in der Schlacht am Narew schwer verwundet. Bei Kriegsende war er Leutnant der Reserve und Kompaniechef.Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 641 vom 18. August 1915 (Preußen 304), S. 8225 (Gefr. Franz Schauwecker (Füsilier-Regiment Nr. 34. 14. Kompagnie.) – Hamburg – schwer verwundet.); Ausgabe 2081 vom 2. September 1918 (Preußen 1231), S. 25984 (Schauwecker, Franz, Ltn. d. R. – 29. 3. Hamburg – l. v.). Nach seiner Militärentlassung im Dezember 1918 lebte er bei seinen Eltern und betätigte sich schriftstellerisch.Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 268). Ein Durchbruch gelang ihm bereits 1919 mit dem als „Frontbuch“ konzipierten Kriegsroman Im Todesrachen. Die deutsche Seele im Weltkriege. In mehreren weiteren Werken propagierte er den deutschen Soldaten als Vorkämpfer eines kommenden neuen Reiches. Sein mit Kriegsbeginn unterbrochenes Universitätsstudium nahm er nicht wieder auf und erlangte zeitlebens keinen akademischen Abschluss.Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 2. Aisthesis, Bielefeld 2011, S. 18 (Einleitung des Herausgebers).
Wie Friedrich Hielscher und Ernst Jünger, mit dem er sich nach dessen Erfolgsbuch In Stahlgewittern ab 1921 anfreundete und zeitweise Die Standarte – Beiträge zur geistigen Vertiefung des Frontgedankens, ein schrilles Kampforgan des Stahlhelmbundes, herausgab, gilt er als Vertreter des „Neuen Nationalismus“ und wird als einer der Wegbereiter des Nationalsozialismus in der Literatur angesehen. Zu seinem Roman Der feurige Weg (1926) schrieb Jünger als Herausgeber auch das Vorwort. Exponierter noch als Jünger wurde Schauwecker zu einer zentralen Figur in der Debatte um die Deutung des Ersten Weltkriegs in der Weimarer Republik, in der er den deutschnational-kulturrevolutionären und radikal nationalistischen Standpunkt vertrat.Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 264). Sein Bildband So war der Krieg, der in einer neuartigen Konzeption großformatige Kriegsfotografien, meistenteils aus amtlichen Quellen, mit essayartig kommentierenden Kurztexten verband, erreichte trotz seines vergleichsweise hohen Preises eine hohe Auflage.Bernd Hüppauf: Zwischen Metaphysik und visuellem Essayismus. Franz Schauwecker: So war der Krieg (1928). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 233–248 (bes. 239–242). Einem breiten Publikum bekannt wurde Schauwecker schließlich vor allem durch seinen Roman Aufbruch der Nation (1929), in dem er den häufig zitierten Satz formuliert: „Wir mußten den Krieg verlieren, um die Nation zu gewinnen.“ Der Text offenbart einige Elemente, die ihn nach den Kriterien Ralf Schnells als nationalsozialistische Literatur ausweisen.Nadja Bengsch: Franz Schauwecker – der „Dichter des heldischen Lebens“. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 2. Aisthesis, Bielefeld 2011, S. 193; Ralf Schnell: Dichtung in finsteren Zeiten. Deutsche Literatur und Faschismus. Rowohlt, Reinbek 1998. In einem Tagebucheintrag von Joseph Goebbels, damals NSDAP-Gauleiter von Berlin und später Propagandaminister des NS-Staates, heißt es am 10. November 1929Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 261 f.). über den Roman: „Ein hinreißendes Buch. Mir kamen die Tränen. Einzelne Szenen geradezu meisterhaft. Ich lese es mit Begierde weiter.“Die Tagebücher von Joseph Goebbels (1987), S. 452. Zit. n. Bengsch (2011), S. 192. Als er Schauwecker knapp ein Jahr danach persönlich kennen lernte, hielt Goebbels seinen Eindruck weniger positiv fest und beurteilte ihn ähnlich wie Jünger als selbstverliebt und schwer einzugliedern. Dennoch hielt er Schauweckers Werk für die Propaganda des Nationalsozialismus für wichtig. mini|Unterschrift von Franz Schauwecker Schauwecker war seit 1926 mit Gertrud Luise Schauwecker geb. Villwock, genannt „Käte“ († 1979), verheiratet und lebte spätestens ab 1930 fest in Berlin.Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 276, Anm. 71). Ab Dezember 1925 bis zum Verkauf des Verlages 1936/37 war er als Lektor und Herausgeber für Franz Seldtes Frundsberg-Verlag tätig.Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 269, 273 f.). 1931 war er Mitglied in der Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Sein im gleichen Jahr erschienener Roman Deutsche allein fordert einen starken politischen Führer, der in Deutschland ohne Rücksicht auf demokratische Institutionen regieren soll.Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Erweiterte Neuausgabe. Europa-Verlag, Hamburg/Wien 2002, S. 350. 1932 wurde er Vorsitzender des Nationalverbandes Deutscher Schriftsteller (NDS).Nadja Bengsch: Franz Schauwecker – der „Dichter des heldischen Lebens“. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 2. Aisthesis, Bielefeld 2011, S. 194. Im Oktober 1933 gehörte Schauwecker zu den 88 Unterzeichnern des Gelöbnisses treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 516. Ulrich Fröschle nennt das Dokument allerdings „zweifelhaft“,Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 295). und auch Joseph Wulf hielt die Liste für „kaum sehr glaubwürdig“.Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Gütersloh 1963, S. 96. Die Zweifel machen sich daran fest, dass die Unterzeichner des unter Zeitdruck hergestellten Propagandamanifests von Partei- und Akademiefunktionären ausgewählt wurden und ihre Namen auf kaum transparenten Wegen auf die Unterzeichnerliste gelangten. Das soll zum Teil auch ohne Rücksprache mit den Autoren, deren Unterstützung vorausgesetzt werden konnte, oder mit deren bloß angenommener Einwilligung geschehen sein. Bei Schauwecker kommt hinzu, dass sein Vorname in der Liste falsch mit „Heinz“ angegeben ist. Ob es sich um den ebenfalls als Schriftsteller tätigen Arzt Heinz Schauwecker statt um den auch damals viel bekannteren Franz Schauwecker gehandelt haben kann, wird in der Literatur nicht erwogen.
In der Zeit des Nationalsozialismus erreichten Schauweckers Bücher hohe Auflagen. Der Titel seines bekanntesten Romans Aufbruch der Nation wurde zu einem emblematischen Slogan, der in der Sichtweise der Nationalsozialisten den Umbruch von 1933 treffend charakterisierte; zur Popularisierung dieser Idee wurden zahlreiche leicht konsumierbare Auszüge aus dem Werk in auflagenstarken Auskopplungen veröffentlicht.Ulrich Fröschle: „Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln?“ Franz Schauwecker: Aufbruch der Nation (1929). In: Thomas F. Schneider, Hans Wagner (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik. Band 53). Brill, Amsterdam 2003, S. 261–298 (hier: S. 294). Den zwischen 1933 und 1938 verfassten neun Kriegsbüchern folgte der Jugendroman Thecumseh. Erhebung der Prärie, der 1938 publiziert und ebenfalls ein Erfolg wurde.Nadja Bengsch: Franz Schauwecker – der „Dichter des heldischen Lebens“. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 2. Aisthesis, Bielefeld 2011, S. 197 f. Es geht um den
Um das Jahr 1940 kamen mehrere Prosatexte Schauweckers heraus; danach trat er erst 1944 wieder literarisch in Erscheinung mit dem Roman Der weiße Reiter (Scherl, Berlin 1944) und der mit Scherenschnitten von Eva Schauwecker illustrierten Hundegeschichte Robby (Essen, 1944). Im Herbst 1941 leistete er für drei Wochen Kriegsdienst.Nadja Bengsch: Franz Schauwecker – der „Dichter des heldischen Lebens“. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 2. Aisthesis, Bielefeld 2011, S. 198.
Seine bewegliche Habe einschließlich Bücher und Manuskripte verbrannte während des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Vermutlich floh Schauwecker im April 1945 vor den sowjetischen Truppen nach Bayern. Jedenfalls lebte er nach dem Krieg mit seiner Frau im bayerischen Günzburg an der Donau. Es ist davon auszugehen, dass ein Entnazifizierungsverfahren gegen Schauwecker deshalb ausblieb, weil der Schriftsteller kein Mitglied der NSDAP gewesen war.Nadja Bengsch: Franz Schauwecker – der „Dichter des heldischen Lebens“. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 2. Aisthesis, Bielefeld 2011, S. 199.