Jan Tesař (geb. 2. Juni 1933, in Skuteč, Tschechoslowakei; gest. 16. Juni 2025, in Brezová pod Bradlom, Slowakei) war ein tschechischer Essayist, Historiker und Dissident. Er war einer der Unterzeichner der Charta 77 in der Tschechoslowakei.

Leben Geboren in Skutsch, studierte Jan Tesař Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag. 1956 trat er dem Vojenský historický ústav (Institut für Militärgeschichte) bei, aus welchem er 1958 aus politischen Gründen ausgeschlossen wurde. Ab Mitte der 1950er Jahre begann er, die Memoiren von Widerstandskämpfern gegen die Nationalsozialisten zu sammeln und aufzuzeichnen, was zu dieser Zeit unüblich war (Historiker in der kommunistischen Tschechoslowakei betrachteten persönliche Berichte als weniger wertvoll als schriftliche Quellen). Zwei Jahre blieb er ohne feste Anstellung und widmete sich der unabhängigen Forschung, bevor er eine Stelle am Museum von Pardubice fand und 1961 dem Höheren Institut in Prag beitrat.

1961 kehrte er zur VHÚ zurück. Er war Gründungsmitglied des Tschechoslowakischen Komitees für die Geschichte des antifaschistischen Widerstands (Československého výboru pro dějiny protifašistického odboje), einer in den 1960er Jahren relativ unabhängigen Plattform. 1966 trat er der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei bei, verließ diese jedoch im Frühjahr 1969 wieder. 1968 arbeitete er im Beraterstab des damaligen Vorsitzenden der Nationalversammlung, Josef Smrkovský, wo er unter anderem an der Vorbereitung der erwarteten allgemeinen Rehabilitation der von früheren Repressionen betroffenen tschechoslowakischen Bürger beteiligt war. Von 1968 bis 1969 war er als Gerichtsgutachter im Wiederaufnahmeverfahren gegen eine Gruppe von Offizieren der Staatssicherheit tätig. Im September 1969 wurde er verhaftet und nach dreizehn Monaten Haft ohne Gerichtsverfahren freigelassen. 1971 wurde er erneut verhaftet und im Oktober 1976 aus dem Gefängnis entlassen. Er war einer der ersten Unterzeichner der Charta 77 und beteiligte sich an der Gründung des Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných, VONS) und war die prägende Figur der Treffen tschechischer und polnischer Dissidenten im Riesengebirge. Ab 1977 war er Herausgeber der Zeitschrift „Dialogy“. Im Mai 1979 wurde er erneut verhaftet und nahm 1980 ein Angebot zur Ausweisung an. Er lebte zunächst in Deutschland und später in Frankreich. Er war Redakteur der polnischen Exilzeitschrift „Kontakt“ und arbeitete mit russischen Emigrantenmagazinen zusammen. Er verteilte das Bulletin EIT/AET (Mezinárodní dohoda pracujících/Europské združenie pracujúcich – Internationales Abkommen der Arbeitnehmer/Europäischer Arbeitnehmerverband) in Tschechien und der Slowakei. Seine Frau Anna Koutná Tesařová folgte ihm ins Exil.

Archive zur tschechoslowakischen Opposition Tesař, hinterließ zwei Sammlungen zur Geschichte des Dissens in der Tschechoslowakei und anderen Teilen Europas. Eine dieser Sammlungen befindet sich derzeit im Mährischen Landesmuseum in Brünn, die andere in den Sammlungen von La contemporaine in Nanterre.

Werke Mnichovský komplex: jeho příčiny a důsledky. (Der Münchner Komplex: Seine Ursachen und Folgen) Prostor, Prag 2000. ISBN 80-7260-035-4 Zamlčená diagnóza. (Versteckte Diagnose) Triáda, Prag 2003. ISBN 80-86138-56-9 Traktát o „záchraně národa“: texty z let 1967-1969 o začátku německé okupace. (Eine Abhandlung über die „Rettung der Nation“: Texte aus den Jahren 1967–1969 über den Beginn der deutschen Besatzung) Triáda, Prag 2006. ISBN 80-86138-67-4 Česká cikánská rapsodie. (Tschechische Zigeuner-Rhapsodie. Bd. I-III) Triáda, Prag 2016: Vol. I: Vzpomínky Josefa Serinka / Jan Tesař, Místo epilogu / Rozhovor s Josefem Ondrou / Dokumenty (Erinnerungen von Josef Serinka / Jan Tesař, Ort des Epilogs / Interview mit Josef Ondra / Dokumente) ISBN 978-80-87256-84-8 Vol. II: Komentáře ke vzpomínkám Josefa Serinka (Kommentare zu den Erinnerungen von Josef Serinka) Vol. III: Mapy, tabulky, diagramy – partyzáni na Vysočině / Jan Tesař, Serinkovské inspirace (Karten, Tabellen, Diagramme – Partisanen im Hochland / Jan Tesař, Serinkas Inspirationen) ISBN 978-80-7474-171-5 Co počít ve vlkově břiše. Práce o vytváření struktur občanské společnosti 1968–1980. (Was tun im Bauch des Wolfes? Arbeiten zur Entstehung zivilgesellschaftlicher Strukturen 1968–1980) Triáda, Prag 2018. ISBN 978-80-7474-172-2

Bibliographie

Einzelnachweise

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