Die Severn Valley Railway ist eine normalspurige Museumsbahn in Shropshire und Worcestershire in England. Die 26 Kilometer lange einspurige Strecke verläuft von Bridgnorth nach Kidderminster im Tal des Severn, den sie auf der Victoria Bridge überquert. Zwischen den Endbahnhöfen gibt es vier weitere Bahnhöfe und drei Bedarfshaltestellen.
Geschichte Bau und Betrieb der Strecke Die Severn Valley Railway wurde zwischen 1858 und 1862 erbaut. Sie verband Hartlebury, bei Droitwich Spa, mit Shrewsbury über eine Entfernung von 40 Meilen (64 km). Wichtige Stationen an der Strecke waren Stourport-on-Severn, Bewdley und Arley in Worcestershire sowie Highley, Hampton Loade, Bridgnorth, Coalport, Ironbridge, Buildwas, Cressage und Berrington in Shropshire.
Obwohl die Bahnlinie von der ursprünglichen Severn Valley Railway Company erbaut worden war, wurde sie seit ihrer Eröffnung am 1. Februar 1862 von der West Midland Railway betrieben, die später – am 1. August 1863 – in der Great Western Railway (GWR) aufging. Als eine der vielen Nebenstrecken () im ausgedehnten Netzwerk der GWR wurde sie in der Folge in den Fahrplänen der GWR als Severn Valley Branch bezeichnet.Fahrplan der Great Western Railway 1902, S. 122 etc. Der größte Teil der Infrastruktur der Strecke (außer Bahndämmen und Einschnitten) war für ein zweites Streckengleis vorbereitet, aber aus Kostengründen wurde nur ein Gleis verlegt. Dies sollte einen späteren zweigleisigen Ausbau mit minimaler Beeinträchtigung des laufenden Betriebs auf der Strecke ermöglichen, jedoch kam es dazu niemals.
1878 eröffnete die GWR eine Verbindung von Bewdley nach Kidderminster. Jetzt konnten Züge aus dem Black Country direkt nach Shropshire fahren. Diese Verbindung ist heute Teil der Museumsbahn, während die ursprüngliche Strecke der Severn Valley Railway von Bewdley nach Hartlebury über Stourport heute stillgelegt und weitgehend abgebaut ist. Die meisten Züge von Kidderminster nach Bewdley fuhren weiter über die Tenbury and Bewdley Railway (abgebaut in den 1960er Jahren) nach Tenbury Wells oder Woofferton. Im Kreuzungsbahnhof Buildwas Junction – später Ort des inzwischen stillgelegten Kraftwerks Ironbridge im heutigen Telford – hatten die Züge der Severn Valley Railway Anschluss an Züge von Wellington nach Much Wenlock und Craven Arms.
Niedergang und Schließung Zeit ihres Bestehens war die Severn-Valley-Strecke niemals finanziell erfolgreich. Haupteinnahmequelle war der Güterverkehr; überwiegend wurden landwirtschaftliche Produkte transportiert sowie Kohle aus den Bergwerken von Alveley and Highley. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Zahl der Reisenden zurück, besonders in den großen Zwischenbahnhöfen Stourport, Bewdley und Bridgnorth. Maßnahmen wie die Eröffnung zusätzlicher Haltepunkte in den 1930er Jahren, um mehr örtlichen Verkehr anzuziehen, hatten nur begrenzten Erfolg. Jedoch war die Strecke im Zweiten Weltkrieg strategisch nützlich als alternative Route rund um die West Midlands; Hauptstrecke war die Oxford Worcester and Wolverhampton Railway.
Auch nach der Verstaatlichung der britischen Eisenbahnen nahm der Personenverkehr weiter ab. Obwohl die Severn Valley Railway zur Zeit der Beeching Axe in den 1960er Jahren stillgelegt wurde, war ihre Schließung schon vor der Veröffentlichung von Richard Beechings Bericht „The Reshaping of British Railways“ am 27. März 1963 beschlossen worden. British Railways hatte im Januar 1962 angekündigt, dass die Wirtschaftlichkeit der Strecke untersucht werde, und die British Transport Commission kündigte die Schließung am 1. Oktober 1962 vor einem Treffen des West Midlands Transport Users Consultative Committee an, das im Rathaus Bridgnorth am 8. November 1962 stattfand. Einwände gegen die beabsichtigte Schließung blieben erfolglos, und so wurde die Strecke zwischen Shrewsbury und Bewdley am 9. September 1963 für den Personenverkehr geschlossen. Der durchgehende Güterverkehr endete am 30. November 1963. Nach der Stilllegung wurde die Strecke nördlich von Bridgnorth abgebaut. Örtlichen Güterverkehr gab es bis 1969 zum Bergwerk Alveley und bis 1982 zur Fabrik der British Sugar Corparation in Foley Park. Es gab weiterhin spärlichen Personenverkehr von Bewdley nach Kidderminster und Hartlebury; dieser endete 1970.
Geschichte der Museumsbahn mini|Ein Zug der SVR auf der Victoria Bridge (März 2010) Die Severn Valley Railway Society wurde im Juli 1965 von Personen gegründet, die einen Teil der 1963 stillgelegten Bahnstrecke erhalten wollten. British Railways (BR) als Besitzer der Strecke hatte mit ihrem Abbau begonnen und akzeptierte im Februar 1966 ein Angebot von 25.000 £ für die Meilen (knapp 9 km) zwischen Bridgnorth und dem Bergwerk Alveley. Im Februar 1967 leistete die Gesellschaft eine Anzahlung von 2.500 £. Um eine Betriebsgenehmigung (Light Railway Order) zu erhalten, musste eine Limited Company gegründet werden. Die neue Severn Valley Railway Company wurde im Mai 1967 registriert und nach der Gesellschaft benannt, die die Strecke ursprünglich gebaut hatte. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt war das erklärte Ziel der Gesellschaft .
Der Light Railway Order wurde im Mai 1970 erteilt, damit konnte ein regelmäßiger Zugverkehr zwischen Bridgnorth und Hampton Loade aufgenommen werden. Der Rest des Kaufpreises von 25.000 £ wurde am 24. Juni 1970 an British Rail bezahlt.
Das Ende der Kohlenzüge vom Bergwerk Alveley 1969 erlaubte 1972 der SVR, weitere Meilen (13,7 km) der Strecke von Hampton Loade nach Foley Park zu erwerben. Der Kaufpreis von 74.000 £ (2023: ca. 1,23 Mio. £)Inflation berechnet nach Daten aus wurde durch den Börsengang einer Public Company aufgebracht, die zunächst unter der Leitung von Sir Gerald Nabarro MP stand (die Strecke lag teilweise in seinem ehemaligen Wahlkreis Kidderminster). Die Aktien wurden ausgegeben, aber nachdem die Ehrenamtlichen der SVR herausgefunden hatten, dass er den Verkauf des Bahnhofs Bridgnorth für den Bau eines Hotels und Wohnungen plante und Geschäftsfreunde von außerhalb in den Vorstand holen wollte, führte dies zu Streikdrohungen des ehrenamtlichen Personals, und seine Vorschläge wurden in einer hitzigen Jahreshauptversammlung verworfen. Nabarro trat als Vorsitzender im März 1973 zurück und verließ den Vorstand im Mai 1973; neuer Vorsitzender wurde Viscount Garnock. Im Mai 1974 wurde der Zugverkehr bis Bewdley ausgegehnt.
Nach dem Ende des Güterverkehrs zur Zuckerfabrik in Foley Park 1982 kaufte die SVR das letzte Stück der Strecke bis Kidderminster für 75.000 £ (2023: ca. 334.000 £). Außerdem mietete die SVR den ehemaligen Güterbahnhof Comberton Hill in Kidderminster von British Railways, wo ein neuer Personenbahnhof – Kidderminster Town – gebaut werden sollte. Dies geschah rechtzeitig zur Eröffnung des Personenverkehrs nach Kidderminster am 30. Juli 1984.
Zu den größeren Entwicklungen auf der Severn Valley Railway seit 1984 gehörte die Inbetriebnahme eines neu gebauten Stellwerks in Kidderminster 1987, die Eröffnung einer neuen Dampfkesselwerkstatt in Bridgnorth 1990, der Kauf des Geländes des Bahnhofs Kidderminster Town 1994, die Eröffnung einer neuen Wagenhalle in Kidderminster 2003, die Fertigstellung des Ostflügels und des Vordachs des Bahnhofs Kidderminster Town 2006 und die Eröffnung des Lokschuppen-Museums in Highley 2008. Das Jahr 2010 stand im Zeichen des 40. Jahrestages der Eröffnung der Museumsbahn 1970 und des 175-jährigen Jubiläums der Gründung der Great Western Railway. 2015 stand im Zeichen des 50. Jahrestages der Geburt der Severn Valley Railway am 6. Juli 1965. In beiden Jahren fanden besondere Veranstaltungen statt, um diese Jubiläen zu feiern.
Betrieb Die SVR betreibt historische Personenzüge, die von Dampf- oder Diesellokomotiven über die ungefähr 26 km lange Strecke zwischen Kidderminster und Bridgnorth gezogen werden und an allen Bahnhöfen halten. Die „Halte“ (Northwood Halt, Country Park Halt und Eardington Halt) sind Bedarfshaltestellen, die von den Fahrgästen nur bei Tageslicht benutzt werden können. Diese Züge verkehren während der britischen Schulferien und an den Wochenenden. Gelegentlich kommen Speisewagen als zusätzliche Attraktion für die Besucher zum Einsatz. Die Bahn ist Ort von Sonderveranstaltungen, die sich an verschiedene Zielgruppen richten, um die Zahl der Besucher und die Einnahmen zu steigern.
Es gibt besondere Gala-Tage für die Enthusiasten, oftmals mit dem Besuch von Lokomotiven und Fahrzeugen von anderen Museumsbahnen. Durch diese und andere Attraktionen hat die Zahl der Reisenden in guten Jahren den Wert von 250.000 überschritten.
Im September 2023 gab die SVR bekannt, dass sie eine Partnerschaftsvereinbarung mit Network Rail abgeschlossen hat und professionelle Unterstützung, Beratung sowie überflüssiges Material erhalten wird, auch sollen Angestellte von Network Rail an besonderen Freiwilligentagen zu Gast sein.
Die Gleisverbindung der SVR zum von Network Rail betriebenen britischen Eisenbahnnetz in Kidderminster ermöglicht es, Fahrzeuge für die Streckenunterhaltung, Unkrautbekämpfung, Streckenvermessung sowie gelegentlich Reisezüge aus verschiedenen Teilen des Landes nach Bridgnorth zu bringen. Einige Beispiele dafür sind:
Im Mai 2007 brachten zwei Güterzüge der EWS 6 m lange Rohre von Kidderminster zur Wasseraufbereitungsanlage von Severn Trent in Trimpley. Zwei durchgehende Züge von Bridgnorth nach London Marylebone betrieben von Chiltern Railways am 15. August und am 28. November 2009. Im März 2021 war die Bahn Teststrecke für die erste umgebaute Lokomotive der Baureihe 69, betrieben von GB Railfreight. Ein InterCity 125 von CrossCountry im September 2022; Anlass war der 40-jährige Einsatz dieser Züge bei diesem Verkehrsunternehmen.
Signalisierung mini|Einfahrsignale in Bridgnorth, Fahrerlaubnis für einen Zug nach Gleis 1 Mit Ausnahme der Verbindung zu den Gleisen von Network Rail in Kidderminster, wo es ein Lichtsignal gibt, ist die ganze Strecke mit Lower-Quadrant-Signalen im Stil der Great Western Railway ausgestattet. Mast und Flügel können aus Metall oder Holz sein, als Ausnahme hat das Ausfahrsignal aus Highley in Richtung Bridgnorth einen seltenen Betonmast. Jeder Bahnhof (aber nicht die Haltestellen) besitzt ein Stellwerk. In Bewdley sind es wegen der Ausdehnung der Bahnanlagen sogar zwei (Nord und Süd), da Bewdley ursprünglich Abzweigbahnhof war. mini|hoch|Stellwerk Bewdley Nord Auf allen Streckenabschnitten zwischen Bridgnorth und Bewdley Nord kommt Electric Token Block zum Einsatz Die eingleisige Strecke zwischen Bewdley South und Kidderminster wird durchgehend per Gleisstromkreis überwacht.
Die meisten Stellwerke an der Strecke tragen ihre originalen gusseisernen GWR-Namensschilder. Einzige Ausnahme ist Bridgnorth, das eine Nachbildung hat. Das Namensschild im Bahnhof Kidderminster der SVR stammt von einem Stellwerk, das sich früher an einer anderen Stelle im Bahnhof Kidderminster befand und Network Rail gehörte. Die Hebelbank dieses Stellwerks wurde in Arley wiederverwendet. Das Stellwerksgebäude dort stammt aus dem Bahnhof Yorton der LNWR, das Originalstellwerk in Arley ist abgerissen worden.
Fahrzeuge und Lokomotiven