Der Midtbotnavatnet (auch Midtbotnvatn oder Midtbottenvatn) ist ein Stausee in den Kommunen Kvinnherad und Etne der norwegischen Provinz Vestland, etwa 70 Kilometer südöstlich von Bergen. Er ist einer von mehreren natürlichen Seen des Flusssystems Blådalsvassdraget, die zu Stauseen ausgebaut wurden. Der Hauptfluss Blåelva entspringt etwa fünf Kilometer vom Midtbotnavatnet entfernt in den Bergen des südlichen Teils der Folgefonna-Halbinsel. Im Einzugsgebiet des Oberlaufes gibt es hohe Niederschlagsmengen von bis zu 5000 Millimetern pro Jahr. Ein Teil des Niederschlages fällt als Schnee auf den Folgefonna-Gletscher, dessen Schmelzwasser vom Südteil auch das Blådalsvassdraget speist. Ab Anfang der 1950er Jahre wurde entlang des Blåelva das Blåfalli-Speicherkraftwerknetz errichtet, das seit 2007 über fünf Wasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von zusammen 360 MW verfügt und eine Jahresproduktion von 1,5 TWh erzeugt. Am Westende des Midtbotnavatnet befindet sich ein 53 Meter hoher Steinschüttdamm, der in seiner ersten Ausbaustufe 1958 errichtet und bis 1992 stufenweise erhöht wurde. Die Höhe der Bauwerkskrone liegt bei 775 moh. und das Stauziel des Midtbotnavatnet bei 771 moh., wo er eine Oberfläche von 2,5 km² erreicht. Bei einem Absenkziel von 700 moh. beträgt der Regulierungsbereich des Stausees 71 Meter, die maximale Wassertiefe liegt bei etwa 100 Metern. Der Abfluss erfolgt in den Blådalsvatnet, unter anderem über das Kraftwerk Blåfalli V.

Geographie

Der Midtbotnavatnet ist einer von mehreren Stauseen des Flusssystems Blådals­vassdraget im südlichen Teil der Folgefonna-Halbinsel. Vom Festland getrennt ist die Halbinsel im Nordwesten durch den Hauptarm des Hardangerfjords, im Nordosten durch seinen Fjordarm Sørfjord und im Süden durch seinen Fjordarm Skånevikfjord. Die zentralen Hochebenen (Fjells) der Halbinsel sind vom dreiteiligen Folgefonna-Gletscher bedeckt. Der südliche Folgefonna (Sønder Folgefonni) ist mit einer Fläche von 164 km² der größte Teil und erreicht Höhen von über 1600 moh.Fanny Ekblom Johansson, Jostein Bakke, Eivind Nagel Støren, Mette Kusk Gillespie, Tron Laumann: Mapping of the Subglacial Topography of Folgefonna Ice Cap in Western Norway—Consequences for Ice Retreat Patterns and Hydrological Changes. In: Front. Earth Sci. Vol. 10, Juni 2022, Artikel 886361 (englisch). Auf den Hochlagen der dem Atlantik zugewandten Westseite der Halbinsel kommt es zu hohen Niederschlagsmengen, die im Südteil Spitzenwerte von bis zu 5000 mm pro Jahr erreichen und das Blådalsvassdraget speisen. Der als Schnee auf den Folgefonna-Gletscher abgelagerte Niederschlag wird dort gespeichert und das Schmelzwasser der drei südlichen Gletscherzungen Mosevassbreen, Vestre Blomsterskardsbreen (auch Svelgabreen oder KjerringbotnbreenArve M. Tvede: Blomsterskardbreen, Folgefonni. En oversikt over breens variasjoner i nyere tid. NVE Rapport 1994:22, Oslo 1994, S. 5 (norwegisch).) und Østre Blomsterskardsbreen trägt zu etwa 50 % zum Durchfluss im Hauptfluss Blåelva bei. Insgesamt liegt dessen Durchfluss bei rund 700 Mio. m³ pro Jahr, was bei einem Einzugsgebiet von 162 km² eine Abflussspende von über 130 l/(s·km²) ergibt.Arve Tvede: Vannfylket. Kringom, 28. Oktober 2004, abgerufen am 20. Juli 2025 (norwegisch).Sjur Tjelmeland: Blåfalli: anleggsarbeid i Matre i 45 år. Sunnhordland Kraftlag, 1992, S. 9–13 (norwegisch).

mini|links|hochkant=1.1|Der Fluss Blåelva unterhalb der Gletscher­zunge Vestre Blomsterskardsbreen/Svelgabreen Der Blåelva entspringt etwa fünf Kilometer östlich des Midtbotnavatnet (771–700 moh.) unterhalb der Gletscherzunge Vestre Blomsterskardsbreen, die bis auf 820 moh. hinabreicht (hierzu und zum Folgenden siehe die Karte im Kapitel „Geschichte“). Seit den 1970er Jahren wird auch das Schmelzwasser des Ausläufers Østre Blomsterskardsbreen über Tunnel dem Blåelva zugeführt und so in den Midtbotnavatnet umgeleitet. Unterhalb des Mosevassbreen liegt nördlich der benachbarte Stausee Insta Mosevatnet (873–820 moh.), aus dem alles nicht speicherbare Wasser über die Hochwasserentlastung ebenfalls in den Midtbotnavatnet geleitet wird. Westlich folgt im Lauf der Blåelva der Stausee Blådalsvatnet (711–611 moh.), durch den schließlich das gesamte Schmelzwasser der drei Gletscherzungen sowie das übrige Wasser der Einzugsgebiete fließt. Die drei genannten großen Stauseen des Oberlaufes sind umgeben von mehreren Bergen, die den Gletscherzungen vorgelagert sind. Zu den höchsten Erhebungen zählt der Blådalshorga (1302 moh.) südlich vom Midtbotnavatnet, der Brandvikhorga (1036 moh.) südlich vom Blådalsvatnet, der Blådalsholmen (1106 moh.) östlich des Midtbotnavatnet sowie der Sandahorgi (1179 moh.) östlich des Insta Mosevatnet. Der Blåelva verläuft in seinem Unterlauf vom Blådalsvatnet nach Südwest durch mehrere kleinere Seen bis zum Matrefjord, einem Seitenarm des Skånevikfjord.Hella Elisa Wittmeier: Glacier fluctuations and sediment transport at Vestre Blomsterskardsbreen, Folgefonna. Master’s thesis in physical geography, University of Bergen, 2010, S. 3 f. u. 66 f. (englisch).

Geschichte In den 1910er Jahren erkannten Geschäftsleute das Potential des Blåelva als regenerative Energiequelle zur Stromerzeugung, der dafür mit seinem hohen Durchfluss bei einem Höhenunterschied von 800 Metern auf 37 km Länge sehr gut geeignet war. Im Jahr 1914 wurde zur Entwicklung des Flusslaufes die A/S Blaafaldene gegründet, zu deren Geschäftsführung ab 1916 auch der renommierte norwegische Ingenieur Sigurd Kloumann (1879–1953) gehörte. Ziel war die Ansiedlung von elektrochemischer und elektrometallurgischer Industrie am Matrefjord und deren Versorgung durch Wasserkraftwerke. Obwohl das Unternehmen bis 1924 Grundstücke am Fjord und Wasserrechte am Blåelva erwarb sowie Detailplanungen ausarbeitete, gab es bis 1927 keinerlei Fortschritte in der Umsetzung und das Unternehmen versuchte zur Begleichung von Verbindlichkeiten die Wasserrechte wieder zu veräußern. Nach fast 20 Jahren Stillstand wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 das Energieunternehmen Sunnhordland Kraftlag (SKL) gegründet, das schließlich in den folgenden zehn Jahren alle Wasserrechte am Flusslauf erwarb.Sjur Tjelmeland: Blåfalli: anleggsarbeid i Matre i 45 år. Sunnhordland Kraftlag, 1992, S. 32–42 (norwegisch).

mini|links|hochkant|Bau des Staudamms am Midtbotnavatnet, 1979 mini|hochkant=1.3|Blåfalli-Speicherkraftwerknetz mit den Standorten der Kraftwerke 8px und Verlauf der Tunnel 6px6px (im Bau befindliche Anlagen in Grün, ehemalige Anlagen in DunkelgrauSjur Tjelmeland: Blåfalli: anleggsarbeid i Matre i 45 år. Sunnhordland Kraftlag, 1992, S. 214 f. (norwegisch).) (II)Blåfalli II 1953/57/60/63 → 200774 MW(III)Blåfalli III 1968/73/76105 MW(IV)Blåfalli IV 198113 MW(I)Blåfalli I 1984 → 200710 MW(S)Staffi 20004 MW(V)Blåfalli V 20028 MW(Vik)Blåfalli Vik 2007230 MW (F)Blåfalli Fjellhaugen 2029185 MW Zur Elektrifizierung der Gemeinden gab es nach dem Krieg nur eingeschränkte staatliche Unterstützung und so konnte in den 1950er Jahren vorerst nur eine kostengünstige Variante bei der Erschließung umgesetzt werden. Da der höchste Durchfluss mit der Schneeschmelze im Frühjahr und Sommer vorherrscht, der Stromverbrauch im Winter aber zunimmt, sollte im Lauf der Blåelva der Midtbotnavatnet als oberer Wasserspeicher und der Fjellhaugvatnet als unteres Ausgleichsbecken zur Versorgung eines Kraftwerkes an der Ostseite des Opstveitvatnet (28 moh.) dienen, etwa zwei Kilometer östlich von der Mündung des Blåelva. Das spätere Kraftwerk Blåfalli II wurde stufenweise mit vier Turbinen ausgestattet, von denen die erste mit 16 MW 1953 in Betrieb ging (ab 1963 lieferte das Kraftwerk 74 MW,Fredrik Vogt, Arne Solem: Norske kraftverker. Bind 2, Teknisk ukeblads forlag, 1966, S. 150–152 (norwegisch). bis es 2007 durch das Kraftwerk Blåfalli Vik ersetzt und bis 2019 abgerissen wurdeNo forsvinn det 66 år gamle landemerket. Kvinnheringen, 25. August 2018, abgerufen am 2. September 2025.). Ein erster kleinerer Damm entstand ab 1950 am Fjellhaugvatnet und mit dem Bau eines Tunnels vom Midtbotnavatnet zum Blådalsvatnet konnte ersterer ab 1953 bei Bedarf um 35 m abgesenkt werden. Damit wurde der Midtbotnavatnet vorerst auch ohne Damm zu einem nutzbaren Reservoir und zudem sichergestellt, dass für das Kraftwerk immer ausreichend Wasser zur Verfügung stand. In den folgenden Jahrzehnten entstanden aus natürlichen Seen im Blådalsvassdraget zehn Stauseen, die über Tunnel zum Blåfalli-Speicherkraftwerknetz verbunden wurden. Das Netzwerk verfügt seit 2007 über fünf Wasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von zusammen 360 MW und erzeugt eine Jahresproduktion von 1,5 TWh.Sjur Tjelmeland: Blåfalli: anleggsarbeid i Matre i 45 år. Sunnhordland Kraftlag, 1992, S. 46 f., 69–73, 84–87 (norwegisch).

Am Westende des Midtbotnavatnet wurde 1958 ein erster 50 Meter langer Staudamm errichtet, der den Wasserstand um 5 Meter erhöhte. Von 1977 bis 1983 erfolgte in der nächste Ausbaustufe eine Erhöhung um 10 Meter und 1989–1992 um weitere 20 Meter; der Regulierungsbereich betrug damit 70 Meter.Sjur Tjelmeland: Blåfalli: anleggsarbeid i Matre i 45 år. Sunnhordland Kraftlag, 1992, S. 131–134 (norwegisch). Mit dem Kraftwerk Blåfalli V ging 2002 ein 8-MV-Kraftwerk zwischen dem Midtbotnavatnet und dem Blådalsvatnet in Betrieb. Im gleichen Jahr wurde die Hochwasserentlastung um einen Meter erhöht und der Regulierungsbereich auf 71 Meter vergrößert, bei einem Stauziel von 771 moh. Auf Grund von Undichtigkeiten der Stahlbeton-Oberflächendichtung des Staudamms wurden 2004 Reparaturarbeiten ausgeführt und die Dichtungsplatte mit einer zusätzlichen PVC-Schicht bis zu einer Höhe von 760 moh. versehen.Dam Midtbotnvatn: Oppgradering av dam. Detaljplan for miljø og landskap, Oppdragsnr.: 5206405, Norconsult AS, 15. Juni 2023, S. 8 (norwegisch). Im Jahr 2025 wurde mit dem Bau eines weiteren Kraftwerks begonnen, das ab 2029 das Blåfalli-Speicherkraftwerknetz um weitere 185 MW vergrößern soll. Das Kraftwerk Blåfalli Fjellhaugen wird dabei über Tunnel direkt vom Midtbotnavatnet gespeist und hat seinen Auslass zum Fjellhaugvatnet.Jonn Karl Sætre: Konsesjon til Blåfalli Fjellhaugen-utbygginga i statsråd: – Eit kinderegg. Kvinnheringen, 4. April 2025 (norwegisch).Energidepartementet: Sunnhordland Kraftlag AS – tillatelser til bygging av Blåfalli Fjellhaugen kraftverk med tilhørende elektriske anlegg i Kvinnherad kommune. Kongelig resolusjon, Saksnr.: 16/562, 4. April 2025 (norwegisch).

Beschreibung

Stausee mini|links|OSM-Karte des Midtbotnavatnet bei Vollstau, Staudamm in Rot markiert mini|hochkant=1.3|Satellitenaufnahme des Sentinel-2 vom 27. September 2025, unten links der Midtbotnavatnet