mini|Grenzbefestigung bei Eilat Die Ägyptisch-israelischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Ägypten und Israel. Beide Länder befanden sich nach der Staatsgründung Israels 1948 nahezu permanent miteinander im Krieg, wobei Israel von Ägypten während des Sechstagekriegs 1967 den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel entreißen konnte. Nach dem Ende des Jom-Kippur-Kriegs kam es zu einer Annäherung zwischen beiden Staaten, welche 1979 im Ägyptisch-israelischen Friedensvertrag gipfelte, bei dem Ägypten als erster arabischer Staat diplomatische Beziehungen zu Israel aufnahm und im Gegenzug den Sinai zurückerhielt. Seitdem haben beide Seiten eine begrenzte Kooperation im Bereich der Wirtschaft und der Sicherheitspolitik aufgebaut (z. B. beim Sinai-Aufstand und gegenüber der Hamas im Gazastreifen). Aufgrund der weitverbreiteten Ablehnung Israels in der ägyptischen Gesellschaft und dem ungeklärten Israelisch-palästinensischen Konflikt ist das Verhältnis allerdings distanziert geblieben, weshalb von einem „kalten Frieden“ gesprochen wurde. So wurde der Friedensvertrag mit Israel in einer Meinungsumfrage von 2019/20 von 85 Prozent der Ägypter abgelehnt.The 2019–2020 Arab Opinion Index" (PDF) Arab Center for Research and Policy Studies

Geschichte

Vorgeschichte Die Verbindungen zwischen Ägypten und dem Volk Israel reichen bis in die Antike zurück. In der hebräischen Bibel spielt Ägypten eine zentrale Rolle: Die Israeliten gerieten dort in die Sklaverei und sollen schließlich laut dem Buch Exodus von Moses aus dem Exil in Ägypten geführt worden sein. Diese Überlieferung bildet einen gründungsmythologischen Kern der jüdischen Identität, auch wenn moderne Historiker die Historizität des biblischen Exodus in Frage stellen. Historisch belegt ist jedoch, dass bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. jüdische Gemeinschaften in Ägypten existierten. So unterhielt eine Gemeinschaft jüdischer Söldner um 500 v. Chr. eine eigene Kultstätte auf der Nil-Insel Elephantine nahe Assuan. Während der folgenden Jahrhunderte – insbesondere in der hellenistischen Epoche unter der ptolemäischen Dynastie – wuchs die jüdische Diaspora in Ägypten stark an. Alexandria entwickelte sich zu einem der größten jüdischen Zentren der antiken Welt; um das 1. Jahrhundert n. Chr. lebten in der Hafenstadt etwa 250.000 Juden, die in Gesellschaft und Wirtschaft prominent vertreten waren. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien ab 1492 begannen viele sephardischen und karaitischen Juden nach Ägypten auszuwandern. Später kamen auch noch osteuropäische Juden auf der Flucht vor Pogromen dazu, sodass auch in der osmanischen Periode zahlreiche Juden in Ägypten lebten.

Ägyptisch-israelische Kriege nach 1948 mini|Ägyptische Soldaten bei Rafah während der Suezkrise (1957) Mit der Gründung des Staates Israel 1948 beteiligte sich Ägypten zusammen mit anderen arabischen Staaten (neben Ägypten auch Transjordanien, Syrien, Libanon, Irak und Saudi-Arabien) an der Invasion des neu gegründeten Israel, wobei die Araber den UN-Teilungsplan für Palästina ablehnten. Ägyptische Truppen rückten bis in den Gazastreifen vor und bombardierten Tel Aviv aus der Luft. Trotz der zahlenmäßigen Übermacht der Angreifer konsolidierten die israelischen Streitkräfte ihre Position und gingen schließlich zur Offensive über. Bis Anfang 1949 errang Israel einen militärischen Sieg und konnte seine staatliche Existenz sichern. In dem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstandsabkommen von 1949 erkannte Ägypten (wie die anderen Konfliktstaaten) keine endgültigen Friedensgrenzen an, aber es wurden Demarkationslinien gezogen: Ägypten behielt den Gazastreifen unter seiner Verwaltung, während Transjordanien das Westjordanland besetzte. Der Schock über die Niederlage in Ägypten trug dort maßgeblich zur Revolution von 1952 bei, bei der Gamal Abdel Nasser und die „Freien Offiziere“ König Faruq stürzten.

Nach dem Friedensschluss kam es an der gegenseitigen Grenze zu ständigen Überfällen und Sabotageaktionen, die eine Welle von Terror und Gegenterror auslöste. In dieser Atmosphäre kam es 1954 zur Lawon-Affäre. Israelische Agenten, rekrutiert aus dem Kreis einheimischer ägyptischer Juden, platzierten im Juli 1954 Bomben in amerikanischen und britischen Einrichtungen in Kairo und Alexandria. Diese sollten als Aktion unter Falsche Flagge lokalen Islamisten angehängt werden und den Abzug westlicher Truppen vom Suezkanal verhindern. Die Aktion flog jedoch auf und führte zu einer schweren innenpolitischen Krise in Israel, einschließlich des Rücktritts von Verteidigungsminister Pinchas Lawon. Außenpolitisch beendete sie eine zarte Annäherung an Ägypten, denn Nasser fühlte sich hintergangen und brach geheime Gespräche über eine Verständigung mit den Israelis ab und entschloss sich bald darauf den Suezkanal zu verstaatlichen.mini|Von Israel im Sechstagekrieg von 1967 eroberte GebieteDie Übernahme des Suezkanals sorgte 1956 für eine neuerliche Krise, denn Großbritannien und Frankreich, die bis dahin maßgeblichen Anteilseigner der Kanalgesellschaft waren, reagierten empört und sahen ihren Einfluss in der Region bedroht. Israel, unter der ägyptischen Blockade des Golfs von Akaba und der Straße von Tiran, die Nasser für israelische Schiffe geschlossen hatte, leidend, startete mit Franzosen und Briten eine Militäraktion und stieß über den Sinai in Richtung Suezkanal vor. Die Besetzung des Suezkanals durch Briten, Franzosen und Israelis sorgte jedoch für Proteste sowohl bei den Vereinigten Staaten als auch bei der Sowjetunion, welche um ihren Einfluss in der arabischen Welt fürchteten. Unter internationalem Druck mussten die Besatzer schließlich den Suez wieder räumen. Dies stellte einen taktischen Erfolg für Nasser dar, dessen Ansehen gestärkt war und der sich in der Folgezeit den Sowjets annäherte und vom Ostblock aufgerüstet wurde, wodurch der Nahostkonflikt sich zunehmend zu einem Stellvertreterkonflikt entwickelte. Am 13. Mai 1967 erhielt Nasser – mutmaßlich von der Sowjetunion – falsche Geheimdienstinformationen, Israel plane einen Angriff auf Syrien. Er konzentrierte deshalb Truppen im Sinai und ließ am 22. Mai 1967 die Straße von Tiran erneut sperren, was einer Kriegserklärung gleichkam. Am Morgen des 5. Juni 1967 startete Israel schließlich einen Präventivschlag gegen Ägypten. In einem überfallartigen Luftangriff zerstörte die israelische Luftwaffe binnen Stunden den Großteil der ägyptischen Flugzeuge am Boden. Der folgende Sechstagekrieg endete für die Ägypter in einem Desaster. Das Land verlor den gesamten Sinai (eine Fläche fast so groß wie Israel selbst) sowie die Kontrolle über den Gazastreifen (und Jordanien das Westjordanland). Etwa 11.000 ägyptische Soldaten waren gefallen; das militärische Gerät (Panzer, Flugzeuge) war zum großen Teil zerstört oder erbeutet. Nasser übernahm öffentlich die Verantwortung und bot kurzzeitig seinen Rücktritt an, den die ägyptische Bevölkerung jedoch verweigerte. Massenproteste verlangten eine Weiterführung des Kampfes. Dennoch war Nassers Prestige international angeschlagen, und der Panarabismus erlitt einen schweren ideologischen Rückschlag.

Nasser zog aus 1967 den Schluss, dass die Diplomatie allein Israel nicht zum Rückzug bewegen würde. Bereits 1968 kam es entlang des Suezkanals zu sporadischen Gefechten, die ab März 1969 in einen offenen Abnutzungskrieg mündeten, wobei Ägypten versuchte die israelische Verteidigung durch sporadische Angriffe zu zermürben. Ägyptische Artillerie bombardierte über Monate hinweg die israelischen Stellungen am Ostufer des Suezkanals, während ägyptische Kommandotrupps wiederholt nächtliche Überfälle auf Sinai-Stützpunkte unternahmen. Israel reagierte zunächst mit Gegenartillerie und später zunehmend mit seiner Luftwaffe und griff strategische Ziele im ägyptischen Kernland an, um Druck auf die Führung auszuüben, wobei sich in Ägypten auch zahlreiche sowjetische „Militärberater“ befanden. Bis 1970 steuerte der Konflikt auf eine gefährliche Phase zu, da die direkte Konfrontation israelischer und sowjetischer Kräfte drohte. US-Außenminister William Rogers legte einen Friedensplan vor und erreichte im August 1970 eine Waffenruhe (Rogers-Plan), der sowohl Ägypten als auch Israel zustimmten.

Nassers Nachfolger Anwar as-Sadat unternahm 1971 einen Vorstoß mit einem Teilfriedensangebot, doch Israel lehnte dies ab. Gemeinsam mit Syriens Präsident Hafiz al-Assad startete Sadat darauf einen koordinierten Überraschungsangriff auf Israel, um die erstarrte Front aufzubrechen und eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. Am 6. Oktober 1973 begann der Jom-Kippur-Krieg, bei dem Ägypter und Syrer beachtliche Anfangserfolge erzielen und weit in israelische Gebiete vorstoßen konnten. Mit einem erfolgreichen Gegenangriff überquerten die Israelis allerdings am 16. Oktober 1973 den Suezkanal und konnten die ägyptischen Flugabwehrsysteme ausschalten. Der Krieg führte zu einem Eingreifen der Supermächte und die USA versorgten die Israelis über eine Luftbrücke mit Nachschub während des Krieges. Unter dem Druck der Supermächte unterzeichneten beide Seiten am 11. November 1973 ein formelles Waffenstillstandsabkommen. Der Überraschungsangriff stellte jedoch dennoch einen Achtungserfolg für die Ägypter und seinen Präsidenten Sadat dar, da er mit dem Ruf der israelischen Unbesiegbarkeit brach.

Ägyptisch-israelische Annäherung und Friedensabkommen Der Waffenstillstand ebnete den Weg für eine schrittweise Annäherung zwischen Ägypten und Israel. Unter US-Vermittlung schloss Ägypten zunächst im Januar 1974 ein erstes Truppenentflechtungs-Abkommen mit Israel ab, dem am 4. September 1975 ein weitergehendes Interims-Friedensabkommen folgte. In diesem sogenannten Sinai-II-Abkommen verpflichteten sich beide Staaten feierlich, fortan auf Gewalt oder deren Androhung gegeneinander zu verzichten und den Waffenstillstand einzuhalten. Sadat löste sich in der Folgezeit aus der engen Bindung an die Sowjetunion, suchte die Nähe zum Westen und bereitete sein Land auf einen möglichen Frieden mit Israel vor. Im November 1977 überraschte Sadat die Weltöffentlichkeit mit seinem historischen Besuch in Jerusalem, wo er vor der Knesset eine visionäre Friedensrede hielt. Diese Geste – der erste Besuch eines arabischen Staatsoberhaupts in Israel – ebnete den Weg für direkte ägyptisch-israelische Verhandlungen. mini|Anwar as-Sadat, Jimmy Carter und Menachem Begin (1978) Unter Vermittlung von US-Präsident Jimmy Carter trafen sich Sadat und der israelische Premierminister Menachem Begin im September 1978 in Camp David und einigten sich auf zwei Rahmenabkommen. Darin skizzierten sie einerseits einen Fahrplan zur autonomen Selbstverwaltung der Palästinenser in den besetzten Gebieten und andererseits die Konditionen eines bilateralen ägyptisch-israelischen Friedensvertrags. Ägypten und Israel unterzeichneten schließlich am 26. März 1979 in Washington den formellen Friedensvertrag – als erster arabischer Staat erkannte Ägypten damit Israel völkerrechtlich an. Gemäß den Vertragsbedingungen erhielt Ägypten bis 1982 die gesamte Sinai-Halbinsel von Israel zurück. Beide Länder nahmen volle diplomatische Beziehungen auf (Austausch von Botschaftern) und vereinbarten Sicherheitsgarantien. Zudem begrenzte der Vertrag die Aufrüstung im Grenzgebiet und sicherte Ägypten umfangreiche wirtschaftliche Unterstützung, insbesondere jährliche Militär- und Wirtschaftshilfen der USA in Milliardenhöhe.

Der Friedensschluss von 1979 beendete über 30 Jahre Feindschaft und wurde international als Durchbruch begrüßt. Innenpolitisch hatte Sadat jedoch einen hohen Preis zu zahlen: Sein Schritt isolierte Ägypten zunächst in der arabischen Welt – viele arabische Staaten brachen die Beziehungen zu Kairo ab – und er stieß auch auf Ablehnung in der ägyptischen Öffentlichkeit. 1981 fiel Sadat einem Attentat radikalislamischer Offiziere zum Opfer, die den Separatfrieden mit Israel als Verrat betrachteten.

Ägyptisch-israelische Beziehungen nach 1979