Der Magnum ist ein italienisches SUV, das von 1985 bis 2003 gebaut wurde. Das Auto steht in der Tradition des Monteverdi Safari und wird gelegentlich als italienische Alternative zum Range Rover beschrieben. Der Magnum gilt als einer der ersten Luxus-SUVs. Initiator des Projekts war das im Piemont ansässige Unternehmen Rayton Fissore, das den Wagen unter Einbindung zahlreicher Zulieferer bis 1992 baute und als Rayton Fissore Magnum 4x4 verkaufte. Einige andere Betriebe setzten die Fertigung danach bis 2003 fort. Zeitweise hieß das Auto in Europa Fissore Magnum; auf dem nordamerikanischen Markt wurde es dagegen als Laforza verkauft. Alle Versionen zusammengenommen, entstanden in 18 Jahren etwa 6000 Fahrzeuge.
Entstehungsgeschichte Der Magnum geht auf das 1976 von Giulio Malvino und anderenGründer des Unternehmens Mario Fissore, seine Schwester Fernanda, deren Ehemann Giulio Malvino sowie Gregorio Bernardi. Die beiden Fissore-Geschwister sowie Malvino waren eng mit dem 1920 gegründeten Karosseriebauunternehmen Carrozzeria Fissore verbunden, Bernardi war bis 1975 dessen Geschäftsführer gewesen. gegründete Unternehmen Rayton Fissore zurück, das bis 1982 für den Schweizer Automobilhersteller Monteverdi den Geländewagen Safari in Kleinserie produziert hatte.Alessandro Sannia: Enciclopedia dei carrozzieri italiani. Società Editrice Il Cammello, 2017, ISBN 978-8896796412, S. 467. Als Peter Monteverdi 1982 den Bau des Safari ersatzlos einstellte,Der Monteverdi Safari basierte auf dem US-amerikanischen Geländewagen Scout von International Harvester (IHC). Die Produktion des Basisfahrzeugs endete in den USA bereits 1980. Zwei Jahre später musste Monteverdi daraufhin seinerseits die Fertigung des Safari einstellen. sah Rayton Fissore ausreichendes Marktpotenzial für ein neues, in der Tradition des Safari stehendes Geländefahrzeug mit aktualisierter Technik, das eine Alternative zu dem mittlerweile veralteten und rustikalen Range Rover sein konnte. Daraus wurde der Rayton Fissore Magnum, der 1983 und 1984 unter Einbindung verschiedener Dienstleister entwickelt wurde. Der Magnum übernahm einzelne Konstruktionsdetails des Konzeptfahrzeugs Taxi Torino, das Rayton Fissore 1983 entwickelt hatte.Rayton Fissore Taxi Torino auf allcarindex.com (abgerufen am 16. Juni 2025).
Rayton Fissore brachte den Magnum 1985 auf den Markt. Er wurde zunächst in Italien und einigen anderen europäischen Ländern verkauft. Die Verbreitung war durch ein schwaches Händler- und Kundendienstnetz begrenzt. Größere Staatsaufträge unter anderem von verschiedenen Polizeieinheiten sicherten allerdings zumindest in den 1980er-Jahren eine ausreichende Auftragslage. Zum Ende des Jahrzehnts versuchte Rayton Fissore, zusätzlich den nordamerikanischen Markt zu erschließen. Hierzu wurde der Magnum mit großen amerikanischen Achtzylindermotoren ausgestattet. Letztlich war auch auf diesem Weg kein dauerhafter Erfolg zu erreichen. Finanzielle und juristische Krisen, darunter die Beteiligung an einem SchmiergeldskandalDie Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Rayton-Fissore-Manager wegen des Verdachts, Schmiergelder als Gegenleistung für die Erteilung von Staatsaufträgen gezahlt zu haben; vgl. Novelli: Fracanzani indagato per Rayton Fissore. Nachricht vom 7. Mai 1995 auf repubblica.it (abgerufen am 19. Juni 2025). und die Insolvenz eines größeren Investors,1990 übernahm das Turiner Investmentunternehmen Dominion Trust die Mehrheit an Rayton Fissore. Dominion Trust führte betrügerische Anlagegeschäfte durch, wegen derer der Inhaber später zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Nach der Insolvenz von Dominion Trust 1991 wurde im folgenden Jahr auch Rayton Fissore zahlungsunfähig. führten zu mehreren Eigentümerwechseln und wiederholten Produktionsunterbrechungen. Den jeweiligen Eigentümern fehlten die Mittel, um die Konstruktion kontinuierlich weiterzuentwickeln.Salvatore Loiacono: Il Magnum torna con Laforza (Geschichte des Magnum auf it.motor1.com (archivierte Version); abgerufen am 16. Juni 2025). In welchem Umfang in den 1990er-Jahren noch Autos für den europäischen Markt produziert wurden, ist unklar. Die letzten Magnums wurden 2003 in den USA verkauft; einige dieser Autos waren bereits mehrere Jahre vorher gebaut worden.
Hersteller Der Magnum wurde innerhalb von 18 Jahren von vier verschiedenen, formal voneinander unabhängigen Unternehmen produziert:
Von 1985 bis 1992 entstand der Magnum bei Rayton Fissore.
Nach dessen Involvenz setzte das von Giulio Malvino neu gegründete Unternehmen Fissore Co. die Produktion des Magnum von 1993 bis 1997 fort. In dieser Zeit hieß das Auto Fissore Magnum.
Nachdem auch Fissore Co. in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, ging der Bau des Autos 1997 auf Magnum Industriale über, an dem Malvino ebenfalls beteiligt war.
Im Frühjahr 1999 übernahm das US-amerikanische Unternehmen Laforza Automobiles, das den Magnum seit 1989 in die USA einführte, die Produktionsrechte und übertrug sie auf das neu gegründete Tochterunternehmen Laforza International in Cherasco. Hier entstanden die letzten Magnum. 2003 endete die Produktion des Autos endgültig.
Der Zulieferbetrieb Golden Car, der seit 1985 die Bleche für den Magnum gepresst hatte, erwarb 2003 die Produktionsrechte, brachte aber keine Serienfertigung mehr zustande.
Modellbeschreibung mini|Heckpartie mit Citroën-BX-Rückleuchten mini|Interieur (Laforza) Fahrwerk Technische Basis des Magnum ist der Rahmen des allradgetriebenen Militärfahrzeugs Iveco WM40-10, das seinerseits vom Iveco Daily abgeleitet ist. Vom Iveco stammt auch die Aufhängung. Die vorderen Räder sind einzeln aufgehängt. Vorn sind Querlenker, Schubstreben und Torsionsfederstäbe eingebaut. Hinten hat der Magnum eine Starrachse mit Halbelliptikfedern und doppelten Dämpferbeinen.Roger Gloor: Alle Autos der 80er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03144-9, S. 434.
Karosserie und Interieur Der Magnum ist ein viertüriger Kombi mit großer Heckklappe.
Abgesehen vom ersten Prototyp, dessen Aufbau aus glasfaserverstärktem Kunststoff gebaut wurde, besteht die Karosserie aller Magnum-Modelle aus gepresstem Stahl. Die Karosserieteile wurden bei praktisch allen Fahrzeugen vom Zulieferer Golden Car in Caramagna Piemonte hergestellt.Alessandro Sannia: Enciclopedia dei carrozzieri italiani. Società Editrice Il Cammello, 2017, ISBN 978-8896796412, S. 282. Der Aufbau war nach dem von Rayton Fissore patentierten Univis-Prinzip konstruiert: Es gibt ein tragendes Gerüst aus Vierkantrohren, das mit dem Chassis verbunden ist und an dem die Karosserieteile angeschraubt werden. Dadurch erhielt der Rahmen zusätzliche Festigkeit.
Die Form der Karosserie wurde von Tom Tjaarda entworfen. Nach seiner Darstellung erledigte er die Arbeit in allen Einzelheiten allein ohne Hilfskräfte.Rayton Fissore 4x4 Magnum von Tom Tjaarda (abgerufen am 19. Juni 2025). Tjaarda gestaltete einen glattflächigen Aufbau „ohne Schnickschack“ mit großen Glaspartien und ohne ausgeprägte Ecken. Zahlreiche Anbauteile kamen von Großserienherstellern. Die Breitbandscheinwerfer, in die die Blinker seitlich integriert sind, übernahm Tjaarda von der Schräghecklimousine Lancia Beta, die Rückleuchten vom Citroën BX und die Türgriffe jedenfalls bei späteren Versionen vom Range Rover. Das Karosseriedesign polarisierte. Bei seiner Vorstellung wirkte der Magnum moderner als der Monteverdi Safari oder der Range Rover. Einem Autor zufolge sah der Magnum bei seiner Vorstellung 1985 aus wie ein Range Rover von 1995. Andererseits wurde das Design als beliebig, fantasielos und ohne Eigenständigkeit beschrieben. In Italien findet sich vielfach die Einschätzung, der Magnum sehe aus „wie ein gigantischer Fiat Uno“.
Das Interieur des Magnum ist hochwertig ausgestattet. Zum Serienumfang gehören mit Leder bezogene und elektrisch verstellbare Sitze, elektrische Fensterheber, eine Klimaanlage und eine Stereoanlage.
Motorisierungen Der Magnum war mit einer Reihe verschiedener Otto- und Dieselmotoren erhältlich. Die Kraftübertragung übernimmt bei den europäischen Versionen ein handgeschaltetes Fünfganggetriebe von ZF; die US-amerikanischen Ausführungen haben Automatikgetriebe.
Auf dem europäischen Markt stand als Basismotorisierung anfänglich ein 2,0 Liter großer Reihenvierzylinder-Ottomotor von Lancia im Programm, der mit einem Roots-Gebläse aufgeladen ist und leistet. Ab 1986 gab es außerdem gegen Aufpreis den Sechszylinder-V-Motor von Alfa Romeo („Busso“) mit 2,5 Liter Hubraum und einer Leistung von . Alternativ war ein von SOFIM gebauter, 2445 cm³ großer Turbodieselmotor aus dem Iveco-Nutzfahrzeugprogramm erhältlich, der leistete.
1987 ersetzte Rayton Fissore zunächst den SOFIM-Motor durch einen moderneren, starken Vierzylinder-Turbodiesel mit Ladeluftkühler von VM, bevor 1989 schließlich ein Sechszylinder-Turbodiesel von BMW aus der Baureihe M21 mit 2443 cm³ Hubraum und einer Leistung von 125 PS verfügbar wurde.
1988 strich Rayton Fissore die italienischen Ottomotoren aus dem Programm. An ihre Stelle trat ein Reihensechszylindermotor von BMW aus der M30-Reihe mit 3430 cm³ Hubraum und einer Leistung von .
Mit der Insolvenz Rayton Fissores 1992 fanden auch die Beziehungen zu BMW ihr Ende. Der neu gegründete Hersteller Fissore Co. griff ab 1993 erneut auf Dieselmotoren von VM zurück, verwendete aber eine andere Ausführung als in der Zeit bis 1988.Eugenio Martignani: Un anno vissuto intensamente per rilanciare la sfidia, Auto & Fouristrada, Heft Januar 1993, S. 36. Der VM-Motor blieb bis zur Jahrtausendwende die einzige in Europa erhältliche Motorisierung des Magnum.
Für den nordamerikanischen Markt wurde der Magnum auf den Betrieb mit großen Achtzylindermotoren umgestellt. Einige dieser Varianten fanden auch europäische Kunden.
Übersicht über die Motorisierungen für den europäischen Markt Bauart Hersteller Bezeichnung Zylinder Hubraum Bohrung × Hub Leistung maximales Drehmoment Zeitraum Dieselmotor SOFIM 8144.21 R4 2445 cm³ 93 × 90 mm 196 Nm 1986–1987 VM HR492HT R4 2393 cm³ 92 × 90 mm 252 Nm 1987–1989 BMW M21D24 R6 2443 cm³ 92 × 90 mm 220 Nm 1989–1992 VM HR425CLI R4 2498 cm³ 92 × 94 mm 258 Nm ab 1993 Ottomotor Fiat/Lancia 828 CB.1A.0 R4 1981 cm³ 84,0 × 90,0 mm 206 Nm 1985–1988 Alfa Romeo Tipo 119 V6 2492 cm³ 88 × 68,3 mm 210 Nm 1986–1988 BMW M30B25 R6 3430 cm³ 92 × 86 mm 305 Nm 1989–1992
Maße und Gewichte Mit einer Länge von 4570 mm und einer Höhe von 1781 mm hat der Magnum nahezu die gleichen Abmessungen wie der britische Range Rover. Das Leergewicht liegt je nach Motorisierung zwischen 2230 und 2380 kg.
Produktionsprozess Die Karosseriebleche des Magnum stellte der Zulieferer Golden Car in Caramagna Piemonte her.
Der Zusammenbau der in Europa verkauften Autos für den europäischen Markt erfolgte bis 1992 bei Rayton Fissore in Cherasco, danach bei Fissore Co. am gleichen Ort. Nachdem Fissore Co. die Magnum-Produktion übernommen hatte, versuchte Giulio Malvino, die Komplettierung des Autos in eine neu errichtete, aber nie in Betrieb genommene Fabrik von Oto Melara in der kalabrischen Gemeinde San Fernandino zu verlagern. Dabei ging es in erster Linie darum, italienische und europäische Strukturfördermittel zu erhalten. Diese Bemühungen ließen sich nicht umsetzen. Die Produktion fand bis zur endgültigen Beteiebseinstellung in Cherasco statt.
Die in die USA exportierten Fahrzeuge wurden nicht bei Rayton Fissore bzw. Fissore Co. komplettiert, sondern zunächst bei Pininfarina und später in einem amerikanischen Montagebetrieb in Michigan.
Produktionsumfang