mini|Karol Karski (2007) Karol Hubert Karski (* 3. November 1940 in Katowice; † 5. April 2025 in Warschau) war ein polnischer lutherischer Theologe, Aktivist der Ökumene, Theologieprofessor, Prorektor der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau.

Leben Nach dem Abitur in Katowice studierte Karol Karski Theologie an der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau. Während des Studiums lernte er u. a. den Mitstudenten Jeremiasz Anchimiuk kennen, der später Dozent für Neues Testament und danach Erzbischof der polnisch-orthodoxen Kirche in Wrocław wurde. Er interessierte sich nicht nur für andere Konfessionen, sondern auch für andere Religionen. Für die Diplomarbeit unter Leitung von Wiktor Niemczyk wählte er als Thema: „Christliche Elemente im Koran“. Ab 1966 war er als freier Journalist tätig. Danach war er ein Jahr lang Redaktionssekretär der Vierteljahresschrift „Posłannictwo“. Von 1970 bis 1983 war er Mitarbeiter im Polnischen Ökumenischen Rat und Stellvertreter des Leiters für Presse und internationale Studien und Kontakte. In dieser Zeit arbeitete er eng zusammen mit dem Präses des Ökumenischen Rates, dem reformierten Bischof Jan Niewieczerzał. Kurze Zeit nach seinem Dienstbeginn im Ökumenischen Rat wurde der Grundlagenvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen unterschrieben. Bestandteil dieses Vertrages war auch die Erleichterung menschlicher Kontakte. Für die nun wesentlich häufigeren Besuche von Deutschen auch im Ökumenischen Rat war Karol Karski nicht nur wegen seiner guten Deutschkenntnisse ein gefragter Gesprächspartner. Ebenso unterstützte er aktiv die Arbeit der Aktion Sühnezeichen (DDR) in Polen, stellte Kontakte zu evangelischen, orthodoxen und katholischen Gemeinden her. Im Mai 1975 weilte eine Delegation des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR unter Leitung von Bischof Albrecht Schönherr zu einem Besuch in Warschau. Der Polnische Ökumenische Rat machte die Delegation mit dem Projekt des Kinderkrankenhauses „Centrum Zdrowia Dziecka“ bekannt. Nach diesem Besuch rief Albrecht Schönherr zu einer Spendenaktion auf. Diese Spendenaktion übertraf alle in sie gesetzten Erwartungen. Bischof Schönherr sagte damals: „Wie kann man Zorn, Scham, alten Hader und Hass besser verarbeiten, als dass man sie in Hoffnung und Taten der Hoffnung umsetzt?“ Dieser Aufruf zur Versöhnung wurde am 7. Juni 1976 sogar von Radio DDR gesendet. Außerdem gab es regelmäßige Arbeitseinsätze von evangelischen Jugendlichen aus der DDR in Warschau. Ebenso beteiligten sich evangelische Christen aus der „alten“ BRD am Aufbau des Kinderkrankenhauses. Auch diese Kontakte und Aktivitäten begleitete und unterstützte Karol Karski.

Karol Karski nutzte die umfangreiche, auch fremdsprachige Bibliothek des Ökumenischen Rates intensiv für eigene Studien. Parallel zur Arbeit im Polnischen Ökumenischen Rat begann er 1972 ein Aufbaustudium am Ökumenischen Institut Bossey bei Genf. Von Oktober 1972 bis Februar 1973 weilte er in Bossey. Das war Gelegenheit, die Mitarbeiter und die Arbeitsweise des Ökumenischen Rates der Kirchen, unterschiedliche Kirchen und Religionen kennenzulernen und Vorlesungen z. B. beim Bultmann-Schüler Ernst Käsemann zu hören. Von 1977 bis 1983 war er Sekretär der Unterkommission für den Dialog des Polnischen Ökumenischen Rates und der Ökumene-Kommission des polnischen Episkopates.

1978 verteidigte er seine Promotion, die er unter Leitung von Woldemar Gastpary an der Christlichen Theologischen Akademie mit dem Thema „Die Zusammenarbeit der evangelischen und orthodoxen Kirchen in Polen mit dem Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen in den Jahren 1919–1939“ geschrieben hatte. 1983 begründete er und war von 1992 bis 2018 Chefredakteur der Zeitschrift „Studia i Dokumenty Ekumeniczne“ (dt.: „Ökumenische Studien und Dokumente“). Dafür übersetzte er unzählige Texte aus dem Deutschen und aus dem Englischen. Dabei kam ihm zu Gute, dass er die Verhältnisse in beiden „Deutschlands“ gut kannte und zahlreiche, auch private Kontakte dorthin hatte. Er legte Wert darauf, dass im Redaktionskollegium verschiedene Konfessionen vertreten sind. 2019 wurde der Theologe Jerzy Sojka zum Chefredakteur ernannt und Karol Karski wurde Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates dieser Zeitschrift. Eine intensive Zusammenarbeit gab es auch mit der Monatsschrift „Jednota“, die von der evangelisch-reformierten Kirche, zuerst unter Leitung des Bischofs Jan Niewieczerzał und später durch Bogdan Tranda herausgegeben wurde. Karol Karski hatte eine Rubrik „Theologie für Nichttheologen“. Außerdem stellte er z. B. Paul Tilich, Rudolf Bultmann und andere westliche Theologen vor. Karol Karski gründete eine Editionsreihe „Ökumenische Bibliothek“, die mit einer Übersetzung des 1977 erschienenen Buches von Hanfried Krüger „Ökumenischer Katechismus“ begann. 1984 erhielt er einen Lehrauftrag für Ökumene und Protestantische Theologie an der Katholischen Theologischen Akademie in Warschau und war damit der erste Nicht-Katholik, der an dieser katholischen Einrichtung lehren durfte.

Im Jahr 1991 begann er seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau. Aufgrund des damaligen Personalmangels an dieser Hochschule habilitierte er sich 1992 an der Katholischen Universität Lublin auf der Grundlage seines gesamten wissenschaftlichen Werks unter besonderer Berücksichtigung des Buches „Dążenia ekumeniczne we współczesnym świecie“ (dt.: „Ökumenische Bestrebungen in der gegenwärtigen Welt“). Es war die erste Habilitation eines Nichtkatholiken an der Theologischen Fakultät dieser Hochschule.

Durch diese „ökumenische Geste“ der katholischen Lehreinrichtung in Lublin, war es Karol Karski möglich, 1993 eine außerordentliche Professur und die Leitung des Lehrstuhls für Ökumene an der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau zu übernehmen. Die (Wieder-)Einführung des Religionsunterrichtes an den Schulen erforderte die Ausbildung von Katecheten. Insgesamt ca. 1000 Personen absolvierten eine entsprechende Ausbildung an der Christlichen Theologischen Akademie. Hier erwies sich als vorteilhaft, dass Karol Karski auch große organisatorische Fähigkeiten besaß. Von 1996 bis 2002 war er Prorektor dieser Lehreinrichtung. 2002 wurde er vom Präsidenten der Republik Polen, Aleksander Kwaśniewski, zum Professor für Theologie ernannt. In den Jahren 2011–2012 betreute er die Doktoranten der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau.

Karol Karski nahm teil an vielen internationalen ökumenischen Konferenzen, Tagungen und Begegnungen. Über 30 Jahre arbeitete er mit im Evangelischen Arbeitskreis, der später in Ökumenischer Arbeitskreis umbenannt wurde. Ebenso hat er mit dem Konfessionskundlichen Institut in Bensheim zusammengearbeitet. Von 2007 bis 2011 war er Mitglied des Komitees für Theologische Lehre an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Karol Karski war einer der aktivsten Ökumeniker in Polen. Er war Präses des Vorstandes der Ökumenischen Stiftung „Toleranz“. Karol Karski veröffentlichte über 800 wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Artikel, Rezensionen, Lexikoneinträge und Übersetzungen, sowie 5 Bücher. Ins Deutsche übersetzt wurde bisher keine seiner Arbeiten. Darüber hinaus war er Mitautor, Herausgeber oder Übersetzer von mehr als einem Dutzend Büchern. Von 1986 bis 1999 und von 2009 bis 2017 war er Präses der Warschauer Abteilung der Polnischen Evangelischen Gesellschaft.

Der Trauergottesdienst fand am 14. April 2025 in der Evangelisch-Augsburgischen Trinitatiskirche in Warschau statt. An diesem Gottesdienst nahmen Vertreter verschiedener Konfessionen, sowie mehrere ordinierte Theologinnen teil, was Karol Karski sehr gefreut hätte, da er sich immer für die uneingeschränkte Ordination von Frauen eingesetzt hat. Die Beisetzung fand anschließend auf dem evangelisch-augsburgischen Friedhof in Warschau, Młynarska-Straße 54–58, statt.

Orden und Ehrungen

Karol Karski erhielt viele Auszeichnungen, u. a. den Bruder-Albert-Preis für seine Bemühungen um Ökumene (1990), sowie die Medaille „Ein Herz für Herzen“ für seine ökumenischen Aktivitäten (1989) und die Medaille für „Verdienste um Toleranz“ (2003). Am 21. Dezember 2010 organisierten die Christliche Theologische Akademie in Warschau, die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen und der Polnische Ökumenische Rat im Centrum Luterańskie in Warschau eine Ehrung für Professor Karol Karski anlässlich seines 70. Geburtstages. Bei diesem Anlass wurde dem Jubilar ein ihm gewidmetes Buch überreicht mit dem Titel: „Ekumenizm i ewangelicyzm. Studia ofiarowane Profesorowi Karolowi Karskiemu w 70. urodziny“ (dt.: „Ökumene und evangelisches Christentum. Festschrift für Professor Karol Karski zu seinem 70. Geburtstag“). Die Redakteure dieses Buches sind Marcin Hintz und Tadeusz J. Zieliński. Es erschien 2010 in Warschau und enthält eine Auflistung der Publikationen des Jubilaten und würdigt seine Verdienste als Rezensent und Doktorvater. 2014 überreichte der Senat der Christlichen Theologischen Akademie ihm eine Medaille für seine Verdienste um die Christliche Theologische Akademie. Im Jahr 2023 wurde ihm der Preis des Polnischen Ökumenischen Rates verliehen, der an Personen vergeben wird, die sich in besonderem Maße um die ökumenische Bewegung in Polen und weltweit verdient gemacht haben. Im selben Jahr ehrte ihn die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa mit einer Medaille anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Leuenberger Konkordie.

Privates Karol Karski war verheiratet mit der Ärztin Aldona (* 1951). Das Ehepaar hat einen Sohn Michał (* 1980).

Publikationen (Auswahl)

Teologia protestancka XX wieku, tom 208 serii wydawniczej Omega, Warszawa 1971. (dt. Protestantische Theologie des 20. Jahrhunderts, Band 208 der Omega-Verlagsreihe, Warszawa 1971) Dążenia ekumeniczne we współczesnym świecie, Warszawa 1974 (wyd. 2, Warszawa 1986). (dt.: Ökumenische Bestrebungen in der gegenwärtigen Welt, Warszawa 1974, 2. Auflage Warszawa 1986) Symbolika. Zarys wiedzy o Kościołach i wyznaniach chrześcijańskich, Warszawa 1994, ISBN 83-901296-3-9 (wyd. 2, Warszawa 2003, ISBN 83-917541-0-3). (dt.: Symbolik. Grundwissen über christliche Kirchen und Konfessionen, 2 Auflagen) Protestanci i ekumenizm. Wkład spadkobierców Reformacji w dzieło jedności, Warszawa 2001, ISBN 83-909272-5-X. (dt.: Die Protestanten und die Ökumene. Der Beitrag der Erben der Reformation zur Einheit) Od Edynburga do Porto Alegre. Sto lat dążeń ekumenicznych, Warszawa 2007, ISBN 978-83-60273-04-3. (dt.: Von Edinburgh nach Porto Alegre. Einhundert Jahre ökumenischer Bestrebungen)

Weblinks

Einzelnachweise

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