mini|hochkant|Jane Evelyn Atwood (2020) Jane Evelyn Atwood (* 15. Dezember 1947 in New York City, Massachusetts, Vereinigte Staaten) ist eine französisch-amerikanische Fotografin und Fotojournalistin. Sie ist bekannt für ihre Bücher über Pariser Prostituierte in der Rue des Lombards und inhaftierte Frauen.

Leben und Werk Atwood schloss 1970 das Bard College ab. 1971 zog sie nach Paris und arbeitete im Ministerium für Post und Telekommunikation, wo sie Presseberichte verfasste und Englischunterricht gab, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 1975 kaufte sie ihre erste Kamera und erlernte das Fotografieren. In ihrem ersten Dokumentarprojekt fotografierte sie Prostituierte in der Stadt und seitdem konzentrierte sie sich in ihrer Arbeit auf Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben.

Atwood bekam 1980 das erste W. Eugene Smith Stipendium, um ein 1977 begonnenes Projekt über das Leben blinder Kinder fortzusetzen. Sie verfasste 1983 eine Reportage über die Fremdenlegion, wobei sie achtzehn Monate lang Soldaten in Beirut, im Libanon und im Tschad begleitete. Ihre Fotografien wurden in LIFE, Géo, Stern, Paris-Match, dem New York Times Magazine und anderen Zeitschriften veröffentlicht. Ihre erste Retrospektive Documents wurde 1990 im Rahmen des Monats der Fotografie (Le Mois de la Photo) in Paris uraufgeführt.

Atwood gibt ihren Motiven die Gelegenheit, selbst über ihre Lebenswirklichkeiten zu sprechen. Indem sie ihre Bilder mit diesen Geschichten verbindet, erweitert Atwood die Tradition der Dokumentarfotografie, die sich auf Menschen konzentriert, die am Rande der Mainstream-Kultur leben. Sie fotografiert fast immer in Schwarzweiß und nur selten nutzte sie die Farbfotografie für ihre Arbeit wie beispielsweise in einer Serie über Haiti.https://lfi-online.de/de/stories/jane-evelyn-atwood-happy-birthday-jane-evelyn-atwood-14664.html

Sie arbeitet bevorzugt in Langzeitprojekten und engagiert sich für Menschen, die von der Gesellschaft oft ignoriert werden. Sie hat mehr als 15 Bücher publiziert, darunter Rue des Lombards, ihre erste Geschichte über Pariser Prostituierte, Pigalle People, über die Transgender Community des Pariser Rotlichtviertels,Darya über eine ukrainische Altenpflegerin in Italien. Besondere Bedeutung hat ihre in über zehn Jahren erarbeitete Serie Too Much Time', Women in Prison, die bis heute als Referenz für die Haftbedingungen von Frauen gilt. Es folgten zahlreiche Langzeitprojekte, darunter Serien über die Fremdenlegion, AIDS oder Landminenopfer.

Eines ihrer intensivsten Projekte, sowohl zeitlich als auch geografisch ist die Serie über die Bedingungen von inhaftierten Frauen. In zehn Jahren bereiste sie 40 Gefängnisse in neun europäischen Ländern und in den USA. Für diese Serie wurde sie 1997 mit dem Leica Oskar Barnack Award ausgezeichnet. Atwood hat dies zum Thema ihres Dokumentarfilms Too Much Time gemacht, einer Untersuchung über die Erfahrungen von Frauen im Gefängnis. Seit 1980 hat sich die Zahl der Frauen in US-Gefängnissen verzehnfacht. Ähnliche Statistiken gelten für neun weitere Länder weltweit, in denen es Atwood gelang, in das Gefängnissystem einzudringen. Sie fotografierte, interviewte weibliche Gefangene und ihre Wärter und sammelte Zeugenaussagen.https://lfi-online.de/de/stories/jane-evelyn-atwood-happy-birthday-jane-evelyn-atwood-14664.htmlhttps://archive.ph/20150414211056/http://staging.thewildmagazine.com/blog/jane-evelyn-atwood-exhibition-paris/#selection-497.0-511.371

Von 2000 bis 2003 interviewte und fotografierte Atwood Landminenopfer in Kambodscha, Mosambik, Kosovo, Angola und Afghanistan und veröffentlichte 2004 in Zusammenarbeit mit Handicap International das Buch Sentinelles de l'ombre (Éditions du Seuil).

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl) 1980: W.-Eugene-Smith-Preis (erste Verleihung) 1983: FIACRE-Stipendium, Kulturministerium, Frankreich 1984: Kodak-Preis für Fotokritik 1988: FIACRE-Stipendium, Kulturministerium, Frankreich 1990: Grand Prix von Paris, Wettbewerb für Fotojournalismus 1994: Stipendium der Erna und Victor Hasselblad Foundation 1994: Ernst-Haas-Preis 1996: Grand Prix Portfolio SCAM (Roger-Pic-Preis) 1996: Marc-Flament-Preis 1997: Leica Oskar Barnack Award 1998: Alfred-Eisenstaedt-Preis, Columbia University / LIFE Magazine 2000: France Info-Preis für ihr Buch Too Many Punishments: Women in Prison 2003: Stipendium der Erna und Victor Hasselblad Foundation 2005: Charles-Flint-Kellogg-Preis für Kunst und Literatur 1997: Leica Oskar Barnack Award 2018: Le Grand Prix Photo Albert Kahnhttps://lfi-online.de/de/jane-evelyn-atwood-829175.html 2022: Officier de Ordre des Arts et des Lettres

Ausstellungen (Auswahl) 1981: In a Tradition. Centre international de la photographie, New York 1982: Genf, Montpellier 1983–1984: Galeries Fnac, Paris, Nizza, Toulouse, Metz, Colmar 1986: Musée de la Photographie, Charleroi 1986: Verneuil Saints-Pères Galerie, Paris 1992: Musée d'’Orange, Frankreich 1997: Biennale de Turin 1998–2005: Trop de Peines, Femmes en prison, Wanderausstellung 2002: Photoforum Pasquart 2005: Jean-Louis – Vivre et mourir du Sida, Galerie CamàYeux, Marseille 2008: Les Rencontres d’Arles, Frankreich 2011: Photographies 1976–2010, Maison Européenne de la Photographie, Paris 2018: Les Rencontres d’Arles, Frankreich 2019: Histoires de prostitution, Paris 1976–1979, Maison de la photographie Robert-Doisneau à Gentilly 2020: Photographies 1976–2010, La Filature, Mülhausen 2022: Soul, Chanel Nexus Hall, Tokio 2022: Sept histoires (1976–2010), Festival MAP, Château de Laréole

Veröffentlichungen (Auswahl) PIGALLE PEOPLE: 1978–1979. BEC EN AIR, 2018, ISBN 978-2-36744-126-9. Jane Evelyn Atwood: Rue Des Lombards. ED XAVIER BARRAL, 2011, ISBN 978-2915173796. Jane Evelyn Atwood: Photo Poche n°125. ACTES SUD, 2010, ISBN 978-2-7427-8964-1.

Weblinks

persönliche Website Youtube Video: Jane Evelyn Atwood with the Leica M11 (englisch)

Einzelnachweise

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