mini|Kerzenmeer zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufes vor dem Haupteingang der Schule, 15. Juni 2025.
Der Amoklauf in Graz war ein Amoklauf an einer Schule am 10. Juni 2025 in der steirischen Landeshauptstadt Graz (Österreich). Dabei wurden im Bundesoberstufenrealgymnasium Dreierschützengasse (kurz: BORG Dreierschützengasse) neun Schüler und eine Lehrerin mit legal erworbenen Schusswaffen getötet und weitere elf Menschen verletzt. Der 21-jährige Täter und ehemalige Schüler des BORG hat sich im Anschluss am Tatort erschossen. Als Folge wurde das österreichische Waffenrecht verschärft.
Geographisches mini|Der Bereich vor der Schule sowie die Ecke Dreierschützengasse/Waagner-Biro-Straße entwickelten sich zu einer temporären Gedenkstätte, 15. Juni 2025. Das BORG Dreierschützengasse befindet sich nahe der Helmut-List-Halle im vierten Grazer Stadtbezirk Lend.
Tathergang Am 10. Juni 2025 betrat der Attentäter um 9:43 Uhr das Schulgebäude mit einem Rucksack, in dem sich die Waffen und Munition befanden. Anschließend rüstete er sich in einer Toilette im dritten Stock damit aus, legte einen Waffengurt mit Jagdmesser an und setzte Gehörschutz auf. Zu dieser Zeit befanden sich 350 bis 400 Schülerinnen und Schüler im Gebäude. Um 9:57 Uhr startete er den rund sieben Minuten andauernden Amoklauf. Der mutmaßliche Täter begab sich in das zweite Geschoß und gab dort mit zwei legal besessenen Waffen (einer halbautomatischen Pistole (Glock 19) sowie einer am Schaft abgesägten Mercury-BockflinteAmoklauf in Graz: Landeskriminalamt teilt Details, Pressemitteilung von Michael Lohnegger (Leiter Landeskriminalamt Steiermark) auf youtube.com) Schüsse auf Personen einer fünften Klasse ab. Danach kehrte er ins dritte Geschoß zurück, schoss die Tür eines Klassenzimmers auf und eröffnete wahllos auf die anwesenden Personen das Feuer. Ob der Täter dabei seine Opfer gezielt ausgesucht hat, ist angesichts des aktuellen Ermittlungsstandes spekulativ. Gesichert ist nur, dass er die Lehrerin, die bei der Schießerei getötet wurde, persönlich kannte. Danach ging er wieder in den Toilettenraum zurück, wo er Suizid beging.Update Amoklauf eines ehemaligen Schülers, Der Tagesspiegel vom 11. Juni 2025.
Kurz vor 10:00 Uhr MESZ wurde die Polizei durch Augen- und Ohrenzeugen über eine mögliche Amoklage informiert.
Um 10:06 Uhr traf die erste Polizeistreife (Bezirksstreife der Polizeiinspektion Graz-Eggenberg)Aussage Cobra-Direktor Bernhard Treibenreif in der ZIB2 vom 11. Juni 2025. mit schwerer Schutzausrüstung vor dem Schulgebäude ein, vernahm dort aber keine Schüsse mehr. Eine Minute später folgten Spezialeinheiten von SIG, EGS und Cobra. Zwischen 10:08 und 10:09 Uhr drangen die Einsatzkräfte ins Gebäude ein. Um 10:13 Uhr wurde der Täter im Toilettenraum aufgefunden, kurz darauf fand man weitere Tote und Schwerverletzte, letztere wurden von einem Sanitäter des Einsatzkommandos erstversorgt. Nach einer Sichtung nach möglichen Mittätern wurde um 10:28 Uhr das Gebäude für den Zutritt des Rettungspersonals freigegeben.Amoklauf in Graz: Chronologie des Einsatzes Puls 24 am 12. Juni 2025
Seitens der Polizei erfolgte unter anderem die Evakuierung des Schulgebäudes, welche gegen 11:30 Uhr abgeschlossen war. Schüler und Lehrer wurden in der Helmut-List-Halle versorgt. Gegen Mittag galt die Lage als gesichert.
Opfer Bei der Tat kamen zunächst neun Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren ums Leben, sechs weibliche und drei männliche. Es gab mindestens zwölf Verletzte, wovon drei schwer verletzt waren. Unter den Todesopfern befand sich ein Mädchen, das im Wohnhaus des Täters genau über ihm gewohnt haben soll. Eine der Verletzten, eine Lehrerin der Schule, welche den Täter früher unterrichtet hatte, verstarb am Abend des 10. Juni 2025 im Spital. Dadurch erhöhte sich die Gesamtzahl der Toten (inklusive des Täters) auf elf.
Die Familie einer getöteten 15-jährigen Schülerin wandte sich aktiv an die Öffentlichkeit, damit nicht nur der Name des Täters in Erinnerung bleibt, sondern vor allem die Namen der Menschen, die ihr Leben verloren.
Täter Der 21 Jahre alte Täter war ehemaliger Schüler des BORG und hatte die Schule im Jahr 2022 abgebrochen, nachdem er die 6. Klasse wiederholen musste. Er war in seiner Schule nicht negativ aufgefallen und war nie polizeilich in Erscheinung getreten. Der Sohn einer Österreicherin und eines Armeniers war zuletzt in Kalsdorf bei Graz im Bezirk Graz-Umgebung gemeldet und absolvierte eine berufliche Ausbildung.In der Heimat des Attentäters sucht man nach dem Warum, abgerufen am 12. Juni 2025. Die Eltern lebten bereits seit Jahren getrennt, der Täter wuchs mit seinen älteren Brüdern bei seiner alleinerziehenden Mutter auf.Neue Ermittlungsdetails zu dem Amokläufer Arthur A., Vol.at, am 12. Juni 2025. Er hatte sich intensiv mit Schulmassakern beschäftigt und sie verherrlicht.
Ermittlungen Zur Aufklärung der Tat wurde eine Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamts Steiermark zusammengestellt. Der Leiter des Landeskriminalamts kündigte unzählige Opfer- und Zeugenvernehmungen an, die in den kommenden Wochen und Monaten durchgeführt werden sollen. Alle Anknüpfungspunkte des Täters sollen überprüft, alle Hinweise bearbeitet und Videos gesichtet werden. Außerdem werde überprüft, ob der mutmaßliche Einzeltäter im Vorfeld der Tat durch derzeit Unbekannte unterstützt worden war. Nachdem man die Identität des 21-Jährigen festgestellt hatte, wurde an seiner Wohnadresse eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Die Ermittler fanden dort einen Abschiedsbrief und ein Abschiedsvideo vor, worin er sich bei seiner Familie für die Tat entschuldigte – Anhaltspunkte für ein Motiv fehlen. Laut den ebenfalls dort vorgefundenen handschriftlichen Aufzeichnungen war die Bluttat offensichtlich über einen längeren Zeitraum akribisch geplant und vorbereitet worden, in den Monaten unmittelbar davor intensivierte der Täter seine Vorbereitungen. Ab März 2025 führte er fünf Schießübungen mit einer Leihwaffe bei einem Schützenverein durch. Anfang April 2025 erwarb er die Schrotflinte bei einem Waffenhändler in Graz, Ende Mai 2025 erwarb er die Pistole bei einem anderen Waffenhändler. Mitte Mai 2025 wurde von der zuständigen Behörde eine Waffenbesitzkarte ausgestellt. Das dafür notwendige psychologische Gutachten wurde im März 2025 als positiv beschieden. In der Wohnung des Amokschützen fanden die Ermittler außerdem auch eine Rohrbombe, die zwar über alle technisch notwendigen Komponenten verfügte, jedoch nicht funktionsfähig war, und Pläne für einen Sprengstoffanschlag vor.
Am 12. Mai 2026 teilte die Staatsanwaltschaft Graz mit, dass sie das Ermittlungsverfahren abgeschlossen hat. Der Täter habe die Tat detailliert geplant, das Motiv sei Glorifizierung von Schulattentätern gewesen, und es seien keine Hinweise auf Mitwisser oder Helfer gefunden worden.
Hintergründe Über die möglichen Hintergründe oder Beweggründe dieser Gewalttat lagen vorerst keine gesicherten Erkenntnisse vor. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass der Täter beim psychologischen Test im Rahmen der Stellungsuntersuchung für das Bundesheer durchgefallen war und als nicht wehrdiensttauglich eingestuft worden war. Das Testergebnis wurde aber aus Datenschutzgründen nicht an die Gutachterstelle für die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte weitergegeben.Johannes Weichhart: Warum der Amokschütze beim psychologischen Test des Heeres durchfiel. Kurier vom 12. Juni 2025. Aus den bisherigen Ermittlungen geht weiters hervor, dass der Attentäter die Columbine-Amokläufer verherrlichte.Grazer Amokläufer verherrlichte Columbine-Täter im Netz. auf Puls 24.
Laut Medienberichten hinterließ der mutmaßliche Schütze nicht nur eine Abschiedsnachricht auf Papier, sondern auch in digitaler Form, wobei sich auch aus diesen Hinterlassenschaften kein schlüssiges Motiv ableiten ließ.Ö1 Morgenjournal vom 11. Juni 2025 auf oe1.orf.at. Kurz vor der Tat schickte A. seiner Mutter ein Abschiedsvideo auf ihr Smartphone. Diese reagierte sofort, nachdem sie das Video geöffnet hatte, und informierte unmittelbar danach die Polizei, zu diesem Zeitpunkt befand sich ihr Sohn aber bereits im Schulgebäude.
Reaktionen
mini|Christian Stocker, Andreas Babler, Beate Meinl-Reisinger, Christoph Wiederkehr und Gerhard Karner beim Gedenkgottesdienst im Grazer Dom am Abend des 10. Juni 2025 mini|Gedenkveranstaltung am Grazer Hauptplatz (15. Juni 2025)
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verkündete den Beschluss der Bundesregierung, eine dreitägige Staatstrauer zum Gedenken an die Opfer anzuordnen. Die Flaggen an Präsidentschaftskanzlei und Bundeskanzleramt sowie an anderen offiziellen Gebäuden werden auf halbmast gesetzt. Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) sprach in einem Telefonat mit dem ORF von einer „fürchterlichen Tragödie“. Als Konsequenz müsse man zusammenstehen, um die Trauer zu verarbeiten. Zudem verkündete Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ), dass alle Veranstaltungen, die auf die ersten drei Tage nach der Tat fallen, in der Steiermark abgesagt werden.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, drückte Beileidsbekundungen aus und sagte, die Tat in Graz habe sie „ins Mark“ getroffen.Europäische Kommission zutiefst betroffen über Amoklauf in Graz austria.representation.ec.europa.eu. Bekundungen des Beileids kamen auch vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der sich „tief betroffen“ zeigte,Attacke in Grazer Schule – EU-Regierungschefs trauern www.sn.at, 10. Juni 2025 von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni als auch von zahlreichen weiteren Staats- und Regierungschefs.
Im Rahmen der Generalaudienz am 11. Juni 2025 auf dem Petersplatz gedachte Papst Leo XIV. der Opfer des Amoklaufs. In einer Ansprache sicherte er seine Gebete zu und sprach den Angehörigen, Lehrkräften und Mitschülern seine Nähe aus. Nach einer Generalaudienz (mit Univ2026) am 1. April 2026 am Petersplatz empfing Papst Leo die Familie einer 15-jährig Getöteten. Ihre zwei Schwestern (21 und 11) und beide Eltern vertrauten sich persönlich dem Papst an.
Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen gedachte am 11. Juni 2025 bei einer von der Muslimischen Jugend Österreich initiierten Gedenkfeier am Grazer Hauptplatz der Opfer des Amoklaufs. Der Einladung war auch die Grazer Stadtregierung gefolgt.
Am 13. Juni 2025 überbrachte die britische Botschafterin in Österreich, Lindsay Skoll, Bürgermeisterin Elke Kahr die persönlichen Beileidsworte von König Charles III., der Skoll eigens nach Graz entsandt hatte, um seine tiefe Anteilnahme anlässlich der tragischen Ereignisse auszudrücken.
Am 14. Juni 2025 kündigte Bundeskanzler Christian Stocker ein „Bündel“ an Maßnahmen hinsichtlich schulpsychologischer und waffenrechtlicher Konsequenzen an.
Am 15. Juni 2025 fand am Grazer Hauptplatz eine von der Stadt Graz unter dem Titel „Wir stehen zusammen“ ausgerufene Gedenkveranstaltung statt. Dabei kamen Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP), stellvertretend für Bundeskanzler Christian Stocker, Bürgermeisterin Elke Kahr, Schüler- und Elternvertreter sowie Vertreter der Religionsgemeinschaften zu Wort. Auch eine Videobotschaft von Bundespräsident Van der Bellen wurde übertragen. Bereits kurz davor wandte sich der Schulsprecher des BORG Dreierschützengasse in einem Instagram-Video an die Öffentlichkeit, in dem er für mehr Zusammenhalt und Liebe appellierte. Seine emotionalen Worte wurden im Rahmen der Gedenkveranstaltung ebenfalls als Videobotschaft gesendet.