Das italienische Heer () umfasst den Großteil der Landstreitkräfte Italiens und bildet mit Marine, Luftwaffe und Carabinieri die italienischen Streitkräfte. Das Heer besteht seit 2005 nur noch aus Berufssoldaten und Freiwilligen. Die Sollstärke liegt bei 93.100 Soldaten.
Organisation Führung Das italienische Heer untersteht dem Generalstab des Heeres (Stato Maggiore Esercito – SME) im Verteidigungsministerium in Rom. Der Heeresgeneralstab legt die konzeptionellen Grundlagen für die Teilstreitkraft im Einklang mit den politischen Vorgaben und der Gesamtplanung des Generalstabs der Streitkräfte (Stato Maggiore Difesa – SMD) fest, welchem man insbesondere für die Einsatzbereitschaft des Heeres verantwortlich ist.
Als ausführende Organe dienen dem Heeresgeneralstab mehrere Heereskommandos, die für die Ausbildung, die Logistik, territoriale Aufgaben und die operativen Kräfte zuständig sind. Die Führung militärischer Einsätze obliegt dem Generalstab der Streitkräfte, beziehungsweise dessen Einsatzführungskommando, soweit sie nicht von der NATO, der EU oder anderen internationalen Stäben übernommen wird.
Gliederung Die derzeitige Gliederung des italienischen Heeres basiert auf zwei einschneidenden Heeresreformen, die 1975 und 1997 durchgeführt wurden. Im Jahr 1975 ersetzte man die traditionellen Regimenter durch 24 gemischte, in Bataillone untergliederte Brigaden. 18 in Norditalien stationierte Brigaden unterstanden drei Korps in Mailand (III.), Bozen (IV.) und Vittorio Veneto (V.), die in einem Krieg gegen die Streitkräfte des Warschauer Pakts vom NATO-Kommando Landsouth in Verona geführt werden sollten. Die übrigen sechs Brigaden unterstanden Territorialkommandos in Mittel- und Süditalien. Das während des Kalten Krieges zum Großteil aus Wehrpflichtigen bestehende, im Nordosten Italiens konzentrierte Heer hatte insgesamt etwa 270.000 Soldaten, 1.500 Kampfpanzer, etwa 4.500 andere gepanzerte Fahrzeuge, über 1.200 Artilleriegeschütze, etwa 350 Hubschrauber und 100 Propellerflugzeuge. 1986 wurde die beim III. und V. Korps verbliebene Divisionsebene abgeschafft. 1991 verringerte man wegen der neuen weltpolitischen Lage die Zahl der Brigaden zunächst auf 19 und löste etliche andere Verbände auf. Die Bataillone nahmen wieder die traditionelle Bezeichnung Regiment an.
Die Gesamtreform der Streitkräfte führte 1997 beim Heer zur Neuordnung des Generalstabs und der höheren Kommandobehörden. Die Territorialkommandos wurden verringert und verloren alle operativen Aufgaben, dafür entstand bei Neapel ein neuer Stab für die Brigaden in Süditalien. Die bisherigen Korpsstäbe erhielten neue Bezeichnungen und teilweise neue Aufgaben. Diese Stäbe und deren verbliebene 13 Kampfbrigaden unterstellte man zusammen mit neuen Unterstützungsverbänden (ehemalige Korpstruppen) dem „Kommando Landstreitkräfte“ in Verona direkt. 2002 wurden in Norditalien zwei weitere Brigaden aufgelöst. Gleichzeitig entstanden für die Planung und Durchführung von Auslandseinsätzen wieder drei Divisionsstäbe.
mini|hochkant=0.65|Wappen Generalstab
Das italienische Heer hat (Stand: 1. Oktober 2021) folgende Gliederung: Heeresgeneralstab (SME) (Rom) (für Einsatzbereitschaft verantwortlich, Grundsatzangelegenheiten)
25px|Wappen Kommando Landstreitkräfte Kommando Landstreitkräfte (COMFOTER) (Rom) (Planung, Standardisierung, bei Bedarf Einsatzführung) 35px|NATO Rapid Deployable Corps – Italy NATO Rapid Deployable Corps – Italy (NRDC-ITA) (Solbiate Olona, Mailand), 2 Fernmeldebataillone, 1 Unterstützungsbataillon; Großverbände nur für Einsätze zugeteilt 25px Gebirgstruppenkommando (COMALP, Alpini) (Bozen) 25px Gebirgsbrigade „Taurinense“ (Turin) mit Stabs-, 3 Alpini-, 1 Kavallerie-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px Gebirgsbrigade „Julia“ (Udine) mit Stabs-, 3 Alpini-, 1 Kavallerie-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px Gebirgsausbildungszentrum (Aosta) mit Sportfördergruppe in Courmayeur und Ausbildungseinheit in Bruneck 25px|Wappen Heeresfliegerkommando Heeresfliegerkommando (Viterbo) 25px Luftbewegliche Brigade „Friuli“ (Bologna) mit Stabs-, 1 luftbeweglichen Infanteriebataillon, 6 Heeresfliegerregimenter 25px Heeresflieger-Unterstützungsbrigade (Viterbo) mit 3 Unterstützungsregimentern, 1 Unterstützungsbataillon 25px Heeresflieger-Ausbildungszentrum (Viterbo) 25px Multinational Division South (Florenz) mit Unterstützungsbataillon; weitere Verbände nur für Einsätze zugeteilt 25px Divisionsstab „Acqui“ (Capua) mit Unterstützungsbataillon 25px|Wappen der Granatieri di Sardegna Brigade Mechanisierte Brigade „Granatieri di Sardegna“ (Rom) mit Stabsbataillon, 2 Grenadierbataillone, 1 Kavallerieregiment 25px|Wappen der Aosta Brigade Mechanisierte Brigade „Aosta“ (Messina) mit Stabs-, 2 Infanterie-, 1 Bersaglieri-, 1 Kavallerie-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px|Wappen der Pinerolo Brigade Mechanisierte Brigade „Pinerolo“ (Bari) mit Stabs-, 2 Infanterie-, 1 Bersaglieri-, 1 Kavallerie-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px|Wappen der Sassari Brigade Mechanisierte Brigade „Sassari“ (Sassari) mit Stabs-, 2 Infanterie-, 1 Bersaglieri-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px|Wappen der Garibaldi Brigade Bersaglieri Brigade „Garibaldi“ (Caserta) mit Stabs-, 2 Bersaglieri-, 1 Kavallerie-, 1 Panzer-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px|Wappen der Pozzuolo del Friuli Brigade Kavalleriebrigade „Pozzuolo del Friuli“ (Görz) mit Stabs-, 1 Kavallerie-, 1 Lagunari-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px|Wappen der Ariete Brigade 132. Panzerbrigade „Ariete“ (Pordenone) mit Stabs-, 1 Kavallerie-, 2 Panzer-, 1 Bersaglieri-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon 25px|Wappen der Folgore Brigade Fallschirmjägerbrigade „Folgore“ (Livorno) mit Stabs-, 3 Fallschirmjäger-, 1 Kavallerie-, 1 Artillerie-, 1 Pionier-, 1 Logistikbataillon, Luftlandeschule 25px|Wappen Spezialkräftekommando Spezialkräftekommando (Pisa) (siehe unten) 25px|Wappen Unterstützungskommando Landstreitkräfte Kommando Kampfunterstützungskräfte (Verona) 25px|Wappen Artilleriebrigade Artilleriekommando (Bracciano) mit Artillerieschule, 2 Artilleriebataillone, 1 ABC-Abwehr-Bataillon, 1 Aufklärungsbataillon 25px|Wappen Flugabwehrbrigade Flugabwehrkommando (Sabaudia) mit Flugabwehrschule, 3 Flugabwehrbataillone 25px|Wappen Pionierbrigade Pionierkommando (Rom) mit Pionierschule, 4 Bataillone 25px|Wappen Fernmeldekommando Fernmeldekommando (Anzio) mit Fernmeldeschule, 15 kleine Bataillone 25px|Wappen Eloka-Brigade Taktische-Informationen-Brigade (ISR) (Anzio) mit 6 Bataillonen 25px Nationales Territorialkommando (Rom) 25px Territorialkommando Nord (COMTER Nord) in Padua Regionale Territorialkommandos (Trentino-Südtirol, Ligurien, Lombardei, Piemont/Aostatal, Venetien, Friaul-Julisch Venetien, Emilia-Romagna, Toskana) 25px Territorialkommando Süd (COMTER Sud) (Neapel) Regionale Territorialkommandos (Kampanien, Apulien, Basilikata, Kalabrien, Sizilien, Sardinien, Abruzzen/Molise Marken, Umbrien) 25px Infrastrukturkommando (Rom) 25px Logistikkommando (Rom) (Territoriale Logistik und Einsatzlogistik einschließlich Sanitätswesen) 25px Ausbildungskommando (Rom) (Schulen des Heeres, siehe unten) 25px Heeres-Evaluierungs- und Innovationskommando (Civitavecchia) mit 2 taktischen Übungszentren in Monte Romano und Teulada sowie 3 kleineren bei Bruneck, Cesano und Lecce
Die Divisionsstäbe Acqui und Multinational Division South sind für Auslandseinsätze vorgesehen und werden für Übungen und größere Operationen unter NATO-Kommando bereitgehalten. Der 2023 aufgelöste Divisionsstab Tridentina des Gebirgstruppenkommandos COMALP in Bozen hatte nur Reservefunktionen; die Bezeichnung Tridentina führt nunmehr das Führungsunterstützungsbataillon von COMALP.
Logistik mini|Luftlandeartillerie mit Thomson-Brandt 120-mm-Mörsern (2016) mini|4. Flugabwehr-Regiment mit SAMP/T (2022)
Grundsätzlich hat jede Kampfbrigade ein Logistikregiment in Bataillonsstärke, im Bereich der Heeresflieger gibt es eine technische und logistische Unterstützungsbrigade. Für alle weiteren logistischen Aufgaben ist das Logistikkommando des Heeres (COMLOG) in Rom zuständig, das sich in einen Bereich territoriale Logistik und in einen Bereich Einsatzlogistik untergliedert. Die territoriale Logistik umfasst Depots, Instandhaltungszentren, Transport- und Unterstützungseinheiten, Erprobungseinrichtungen, Verwaltungsdienststellen und Sanitätseinrichtungen. Das für die Einsatzunterstützung verantwortliche Unterstützungskommando, das etliche Jahre dem Unterstützungskommando Landstreitkräfte in Verona unterstellt war, führt eine Logistikschule, 6 Logistik- und Transportbataillone sowie 4 Sanitätsbataillone.Internetauftritt des Logistikkommandos des Heeres COMLOG (it.)
Territoriale Organisation Die territoriale Organisation untersteht dem Generalstab über die oben genannten drei höheren Kommandobehörden in Bozen, Padua und Neapel, denen auch die operativen Verbände nachgeordnet sind. Darüber hinaus besteht im Bereich von COMFOTER ein Territorialkommando für die Hauptstadt Rom und Teile Mittelitaliens sowie für Sardinien; im Auftrag des Generalstabs übernimmt dieses Kommando landesweit Koordinierungsaufgaben. Die territoriale Organisation ist nach den italienischen Regionen ausgerichtet. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen die Infrastruktur, die Zivil-Militärische Zusammenarbeit sowie die Öffentlichkeitsarbeit, die Nachwuchsgewinnung und die Reservisten. Die Zivil-Militärische-Zusammenarbeit umfasst in Italien neben dem Katastrophenschutz beispielsweise auch den gemeinsamen Streifendienst von Militär und Polizei in Großstädten.
Dem Territorialkommando in Rom untersteht unter anderem das Militärgeographische Institut in Florenz, das regionale Territorialkommando Sardinien in Cagliari, das Militärorchester des Heeres in Rom, das Militärgefängnis in Santa Maria Capua Vetere und verschiedene Verwaltungs- und Unterstützungseinrichtungen in Rom.COMFOTER-Internetauftritt mit nachgeordnetem Territorial (it.)
Spezialkräfte Im 2013 in Pisa aufgestellten und 2020 nach Camp Darby bei Livorno verlegten „Heeresspezialkräftekommando“ (it. Comando delle Forze Speciali dell’Esercito, COMFOSE; force provider) wurden truppendienstlich alle Spezialeinheiten des Heeres zusammengefasst. Davor unterstanden sie der Fallschirmjägerbrigade Folgore, dem Gebirgstruppenkommando oder Unterstützungsverbänden, was die zusammenfassende Bearbeitung von Grundsatzangelegenheiten erschwerte. Die Einsatzführung der Spezialeinheiten aller Teilstreitkräfte obliegt weiterhin dem Spezialkräftekommando der Streitkräfte (COFS) in Rom-Centocelle.
Spezialverbände des Heeres sind: 9. Fallschirmjäger-Sturmregiment Col Moschin in Livorno 185. Fernaufklärungs-Regiment Folgore in Livorno 4. Alpini-Fallschirmjägerregiment in Montorio Veronese, Verona Das 3. Heeresflieger-Regiment Aldebaran in Viterbo ist dem Spezialkräftekommando zugeordnet.
Beim Spezialkräftekommando des Heeres in Camp Darby befindet sich neben dessen Stab eine Unterstützungseinheit für Heeresspezialkräfte, die auch der Einsatzunterstützung des COFS dient, und ein Ausbildungszentrum, das für die Rekrutierung, die Auswahl und den ersten gemeinsamen Abschnitt der Ausbildung aller Soldaten der Heeresspezialverbände zuständig ist.
Truppengattungen Das italienische Heer gliedert sich in nachstehende Truppengattungen („Waffengattungen“) und Dienste (die Leiter der dazugehörigen Truppenschulen sind zugleich Inspekteure ihrer „Waffengattung“ bzw. Untergattung):
Infanterie: Grenadiere (Granatieri di Sardegna) (2 Bataillone) (mechanisierte) „Linieninfanterie“ (6 Bataillone und 1 luftbewegliches Bataillon, daneben Ausbildungsbataillone) (mechanisierte) „Schützen“ (Bersaglieri) (6 Bataillone) Gebirgsjäger (Alpini) (6 Bataillone, 1 Gebirgsfallschirmjägerbataillon, zwei teilaktive Ausbildungsbataillone) Fallschirmjäger (3 Bataillone, 2 Bataillone Spezialkräfte)