mini|Kat. Nr. 12: Edgar Degas, La Petite Danseuse de quatorze ans/Grande Danseuse habillée (Kleine vierzehnjährige Tänzerin), entstanden zwischen 1875 und 1880. Die originale Wachsfigur befindet sich in der National Gallery of Art in Washington D. C. – Bei der sechsten Impressionisten-Ausstellung im Frühjahr 1881 präsentierte Edgar Degas diese einzige Skulptur, die er je öffentlich ausstellte. Von den 29 Nachgüssen in Bronze befinden sich einige in internationalen Museen. Die sechste Impressionisten-Ausstellung (von insgesamt acht Ausstellungen) fand vom 2. April bis 1. Mai 1881 in Paris statt. Veranstaltungsort war ein erster Stock (möglicherweise ein Entresol) im Gebäude 35, Boulevard des Capucines, gegenüber dem Jockey-Club. Dies bedeutete eine Rückkehr an den Boulevard, an dem bereits 1874 die erste Ausstellung der Impressionisten organisiert worden war. In der Presse wurden die Räumlichkeiten als dunkel, niedrig und räumlich beengt beschrieben, was die Präsentation der Werke erschwerte. Die Ausstellung umfasste drei Salons. Auffällig war die Außenpräsentation: Trikolore-Flaggen und ein diensthabender Wachmann begleiteten die Veranstaltung. 14 Teilnehmer stellten ca. 187 Werke aus (170 Katalognummern). Jean-François Raffaëlli stellte wieder die meisten Werke aus, ca. 34. Werke von Jean-Baptiste Cals wurden posthum und außerhalb des Katalogs ausgestellt.

Geschichte Im Vorfeld hatte sich die Situation rund um den offiziellen Pariser Salon verändert. So kündigte Jules Ferry, der damalige Minister für Volksbildung und Schöne Künste, im Dezember 1880 an, dass sich der Staat aus der Organisation des Salons zurückziehen werde. Die Verantwortung ging an die Künstler selbst über. So entstand der Salon des artistes français. Die neue Ausrichtung führte zu einer teilweisen Öffnung gegenüber den bisherigen Salon-Kritikern. Manet erhielt für die ausgestellten Porträts „Portrait de M. Pertuiset“ und „Portrait d’Henri Rochefort“ eine Medaille zweiter Klasse. Eugène Boudin, der seit über 20 Jahren regelmäßig am Salon teilnahm, wurde mit einer Medaille dritter Klasse ausgezeichnet.

Mehrere Künstler, darunter Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley und Paul Cézanne, zogen es vor, sich weiterhin am Salon zu beteiligen. Monet reichte allerdings keine Werke ein, da er vom Kunsthändler Paul Durand-Ruel unterstützt wurde. Während Renoirs Werke angenommen wurden, wurden die Werke von Cézanne und Sisley abgelehnt. So wird die sechste Ausstellung hauptsächlich von Edgar Degas und Paul Gauguin organisiert.

Interne Konflikte mini|Kat. Nr. 98: Jean-François Raffaëlli, Marchand d’ails et d’échalottes (Knoblauch- und Schalottenhändler, um 1880, Öl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen, 71,8 × 48,9 cm). Museum of Fine Arts, Boston Anfang 1881 versuchte Gustave Caillebotte, die Organisation der Impressionistengruppe neu zu strukturieren. Das Ziel bestand darin, Edgar Degas und dessen Umfeld auszuschließen, um Monet und Renoir zur Rückkehr in die Ausstellungen zu bewegen. In einem Brief an Camille Pissarro übte Caillebotte starke Kritik an Degas. Pissarro lehnte diese Strategie jedoch ab, da er Degas loyal gegenüberstand und es ablehnte, Künstler nachträglich aus dem Kollektiv auszuschließen. Daraufhin entschied sich Caillebotte, nicht an der sechsten Ausstellung teilzunehmen. Auch Berthe Morisot wurde von Caillebotte kritisiert, da sie angeblich 1880 dem offiziellen Salon den Vorzug gegeben hatte. Tatsächlich hatte sie damals jedoch keine Werke eingereicht, da sie keine neuen Arbeiten vorweisen konnte. Pissarro kritisierte die Haltung von Monet und Renoir, die nach erfolglosen Salon-Beteiligungen zum Kreis zurückkehren wollten, dabei aber Bedingungen stellten. Er sah darin einen opportunistischen Rückgriff auf das unabhängige Ausstellungsformat, ohne die Verantwortung für frühere Abspaltungen zu übernehmen.

Teilnehmer mini|Kat. Nr. 90: Camille Pissarro, Boulevard de Rochechouart, 1880. Pastel. Sterling and Francine Clark Art Institute, Williamstown, Massachusetts, USA Liste der Künstler, die an der Ausstellung teilnahmen (die Anzahl der ausgestellten Werke ist in Klammern angegeben):

Mary Cassatt (11) Edgar Degas (8) Jean-Louis Forain (10) Paul Gauguin (10) Armand Guillaumin (16) Berthe Morisot (7) Camille Pissarro (28) Jean-François Raffaëlli (34) Henri Rouart (15) Charles Tillot (10) Victor Vignon (1) Eugène Vincent Vidal (15) Federico Zandomeneghi (5)

Zudem wurde dem im Jahr 1880 verstorbenen Künstler Adolphe-Félix Cals gedacht.

Rezeption mini|Trock – Le Mois comique, par Trock, La Caricature, 23. April 1881: CHEZ UN IMPRESSIONNISTE – Chaud, mes enfants ! Dépêchons !... ou, sans ça, jamais mes Odeurs de Paris ne seront prêtes pour le salon! (BEI EINEM IMPRESSIONISTEN – Schnell, meine Kinder! Beeilt euch! ... sonst werden meine Odeurs de Paris (Gerüche aus Paris) niemals rechtzeitig für die Ausstellung fertig sein!) Die Ausstellung wurde in der Presse als Ausdruck der Schwäche des Impressionistenkreises gewertet. Kritiker wie Albert Silvestre konstatierten, dass der Begriff „Impressionisten“ nur noch von „Arriérés“ (Rückständigen) verwendet werde. Die Gruppe sei auf dreizehn Teilnehmer geschrumpft, und erkennbare stilistische Gemeinsamkeiten seien kaum noch vorhanden. Paul Mantz stellte fest, dass mit Monet, Renoir, Sisley, Cézanne und Caillebotte zentrale Figuren der ersten Stunde fehlten. Andere Kommentatoren interpretierten dies als Beleg für eine allgemeine Auflösungstendenz der Bewegung. Victor Fournel spottete über die Zahl der Teilnehmer und unterstellte, dass viele Künstler die Gruppe verlassen, sobald sie wieder beim Salon angenommen würden.

Die Ausstellung war ein finanzieller Misserfolg, aber eher ein Erfolg bei den Kritikern, auch wenn die Zeitungen sich der Uneinigkeit der impressionistischen Bewegung bewusst zu sein schienen. Die Beiträge von Pissarro, Morisot, Cassatt und Raffaëlli werden gelobt; die Skulptur La Petite Danseuse de quatorze ans von Edgar Degas erregt großes Aufsehen.

Literatur

Ausstellungskataloge

1874: Société Anonyme Des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs, etc. Premiere Exposition 1874 1876: Catalogue de la 2e exposition de peinture 1877: Catalogue de la 3e exposition de peinture 1879: Catalogue de la 4e exposition de peinture 1880: Catalogue de la 5me exposition de peinture 1881: Catalogue de la 6me exposition de peinture 1882: Catalogue de la 7e exposition des artistes indépendants 1886: Catalogue de la 8e exposition de peinture

Deutschsprachige Literatur

Jean Selz: DuMont’s kleines Lexikon des Impressionismus. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0860-4. Sophie Monneret: L’impressionnisme et son époque. Denoël, Paris 1978. John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. DuMont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1166-4. Hans Körner: Edouard Manet, Dandy, Flaneur, Maler. Fink, München 1996, ISBN 3-7705-2931-6. Iris Schaefer, Caroline von Saint-George, Katja Lewerentz: Impressionismus, wie das Licht auf die Leinwand kam. Ausstellungskatalog Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 2008, ISBN 978-88-6130-611-0. Norbert Wolf: Die Kunst des Salons: Malerei im 19. Jahrhundert. Prestel, München 2012, ISBN 978-3-7913-4625-0. Felix Krämer (Hrsg.): Monet und die Geburt des Impressionismus. Ausstellungskatalog Städel Museum, Prestel, München 2015, ISBN 978-3-7913-5414-9.

Französische und englischsprachige Literatur

Ruth Berson (Hrsg.): The New Painting: Impressionism 1874–1886. Documentation, 2 Bände. Band 1: Reviews, Band 2: Exhibited works. San Francisco, 1996 (eine umfassende Darstellung des Themas ist hier zu finden). Achille Segard: Mary Cassatt : un peintre des enfants et des mères, 1913 Adolphe Tabarant: Manet et ses œuvres, Paris, 1947 Adolphe Tabarant: Pissarro, Paris, 1924 Ambroise Vollard: Auguste Renoir, Paris, 1920 Ambroise Vollard: Degas, Paris, 1924 Ambroise Vollard: En écoutant Cézanne, Degas, Renoir, Paris, 1938 Ambroise Vollard: Paul Cézanne, Paris, 1914 Ambroise Vollard: Souvenirs d’un marchand de tableaux, Paris, Editions Albin-Michel, 1937 Anne Distel, Anne Dayez, Michel Hoog, Charles S. Moffett: Impressionism, a centenary exhibition. Ausstellungskatalog Metropolitan Museum of Art, New York 1974, ISBN 0-87099-097-7. Antonin Proust: Edouard Manet. Souvenirs, Paris, 1913 Arsène Alexandre: Durand-Ruel. Portrait et histoire d’un marchand, dans Pan, Berlin, novembre 1911 Berhaut Marie: Caillebotte. Sa vie et son œuvre. Catalogue raisonné des peintures et pastels, 1978 Camille Mauclair: L'impressionnisme : son histoire, son esthétique, ses maîtres, Paris, 1904 Camille Mauclair: Trois crises de l'art actuel, Paris, 1906 Carol Armstrong: Manet Manette. Yale University Press, New Haven 2002, ISBN 0-300-09658-5. Caroline Genet-Bondeville – Marianne Delafond: Berthe Morisot ou l’audace raisonnée, Paris, 1997 Claude Monet: Mon histoire, recueillie par Thiébault-Sisson, Paris, 1998 Daniel Halévy: Degas parle..., Paris-Genève, 1960 Daniel Wildenstein: Claude Monet. Biographie et catalogue raisonné, Genève, 1974–1991 Daniel Wildenstein: Monet ou le Triomphe de l’Impressionnisme, Cologne, 2003 Denys Rioult: Les Écrivains devant l’impressionnisme : Armand Silvestre, Philippe Burty, Jules-Antoine Castagnary, Ernest Chesneau, Jules Claretie, Stéphane Mallarmé, Félix Fénéon, Paris, 1995 Diego Martelli: Les impressionnistes et l’art moderne, textes réunis et annotés par Francesca Errico, Paris, 1979 Edgar Allan Poe: Poèmes, traduction de Stéphane Mallarmé, avec portrait et fleuron par Edouard Manet, Paris, 1888 Edmond Bazire: Manet, Illustrations d'après les originaux et gravures de Guérard, Paris, 1884 Edmond Duranty: La nouvelle peinture : à propos du groupe d'artistes qui expose dans les galeries Durand-Ruel, Paris, 1876 Émile Verhaeren: Sensations, Paris, 1928 Émile Zola: Éd. Manet : étude biographique et critique, Paris, 1867 Émile Zola: Exposition des œuvres de Edouard Manet : catalogue, Paris, 1884 Émile Zola: Pour Manet, Paris, 1989 Ernest Hoschedé: Brelan de salons, Paris, 1890 Ernest Hoschedé: Impressions de mon voyage au Salon de 1882, Paris, 1882 Félix Bracquemond: Du dessin et de la couleur, Paris, 1885 Félix Fénéon: Les Impressionnistes en 1886, Paris, 1886 Florence Naugretten – Gérard Gengembre – Yvan Leclerc: Impressionnisme et littérature, Mont-Saint-Aignan, 2012 Francesca Errico (Hrsg.): Diego Martelli, Les impressionnistes et l’art moderne, Paris, 1979 Gary Tinterow, Henry Loyrette: Origins of Impressionism. Abrams, New York 1994, ISBN 0-8109-6485-6. George Moore: Modern Painting, 1893 Georges Rivière: Le Maître Paul Cezanne, Paris, 1923 Georges Rivière: Mr. Degas, bourgeois de Paris, Paris, 1935 Georges Rivière: Renoir et ses amis, Paris, 1921 Georges Serret – Dominique Fabiani: Armand Guillaumin (1841–1927), Catalogue raisonné de l'œuvre peint, Paris, 1971 George T.M. Shackelford – Hayes Paul Tucker – Mary Anne Stevens: Monet au XXe siècle, Yale, 1998 Gerard Gengembre – Yvan Leclerc – Florence Naugretten: Impressionnisme et littérature, Mont-Saint-Aignan, 2012 Godfey Blundel et Maria Blundel: Journal de l’impressionnisme, Genève, 1973 Gustave Cahen: Eugène Boudin, sa vie et son œuvre, Paris, 1900 Gustave Cocquiot: Cubistes, futuristes, passéistes, Paris, 1914 Gustave Geffroy: Claude Monet, sa vie, son temps, son œuvre, Paris, 1923 Gustave Geffroy: Sisley, Paris, 1923 Gustave Gachet: Deux Amis des Impressionnistes, le Dr Gachet et Murer, Paris, 1956 Hélène Adhémar: Chronologie Impressionniste, 1863–1905, Paris, 1981 Hean Leymarie – Michel Mellot: Les Gravures des impressionnistes, Paris, 1971 Isolde Pludermacher: Eugène Boudin. Lettres à Ferdinand Martin (1861–1870), Honfleur, 2011 James McNeill Whistler: Le Ten o’clock, traduction française de Stéphane Mallarmé, Paris, 1888 Jean-Aubry G.: Eugène Boudin d'après des documents inédits, Paris, 1922 Joris-Karl Huysmans: Certains, Paris, 1898