Die Dänisch-schwedischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Dänemark und Schweden. Beide Länder interagieren seit ihrer Entstehung im Mittelalter eng miteinander. Zwischen 1397 und 1523 waren Schweden, Dänemark und Norwegen in der Kalmarer Union verbunden, die schließlich nach schwedischen Aufständen zusammenbrach. Danach lieferten sich beide Länder für mehrere Jahrhunderte einen erbitterten Machtkampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum, der zu mehreren dänisch-schwedischen Kriegen zwischen 1521 und 1814 führte. Im 19. Jahrhundert etablierten beide Nationen allerdings freundschaftliche Beziehungen, welche bis heute anhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Grenzkontrollen zwischen beiden Ländern in den 1950er Jahren abgeschafft und seit 2000 besteht die direkte Öresundverbindung. Beide Länder sind u. a. Vollmitglieder des Nordischen Rates, des Arktischen Rates, des Ostseerates, des Europarates, der Europäischen Union, der OECD und der NATO.
Geschichte
Mittelalterliche Verbindungen und Kalmarer Union
mini|Gebiete der Kalmarer Union um ca. 1400 Dänemark und Schweden entstanden als geeinte Königreiche im Rahmen der Christianisierung Skandinaviens im 8. bzw. 10. Jahrhundert und interagierten eng miteinander, sei es durch Handel, dynastische Verbindungen oder militärische Auseinandersetzungen. Ein frühes Beispiel für Konflikte war die Eroberung Gotlands 1361. Der dänische König Waldemar IV. Atterdag landete mit seinen Truppen auf der schwedisch geprägten Insel Gotland und besiegte dort ein Aufgebot gotländischer Bauern. Gotland blieb in der Folge für fast 300 Jahre unter dänischer Herrschaft – ein Ereignis, das die Beziehungen zwischen beiden Reichen auf lange Zeit belasten sollte. Dennoch bestanden im Mittelalter auch Phasen weitgehend friedlichen Nebeneinanders und enge dynastische Verflechtungen, welche bald darauf den Weg für eine Personalunion ebneten.
1397 wurde unter Königin Margarethe I. die Kalmarer Union gegründet, welche die Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden unter einem Monarchen vereinigte. Diese Union entstand auch als Antwort auf den Druck der Hanse und anderer Mächte im Ostseeraum. Zwar dominierte Dänemark aufgrund seiner größeren Ressourcen diese Personalunion zunächst, doch blieben die individuellen Strukturen der Reiche bestehen. Über alle Differenzen hinweg bestanden im Spätmittelalter enge partnerschaftliche Beziehungen, die jedoch im 15. Jahrhundert zunehmend erodierten. In Schweden regte sich Widerstand gegen die dänische Vorherrschaft – schwedische Reichsverweser wie die Sture-Familie führten zeitweise die Regierung und verteidigten die Autonomie Schwedens. Es kam immer wieder zu Unionskriegen: Zwischen 1434 und 1523 gab es mehrere Aufstände und Kriege, in denen schwedische Adelige gegen die dänischen Könige kämpften.
Die Spannungen kulminierten im frühen 16. Jahrhundert. Der dänische König Christian II. versuchte, Schweden gewaltsam zu unterwerfen. Nach der Eroberung Stockholms 1520 lud er die schwedische Aristokratie zu seiner Krönungsfeier ein, brach sein Amnestieversprechen jedoch und ließ in einem Massaker vom November 1520, dem sogenannten Stockholmer Blutbad, etwa 80–90 schwedische Adlige und Würdenträger hinrichten. Dieses Ereignis schockierte die schwedische Gesellschaft und entfachte den Aufstand gegen die dänische Vorherrschaft neu. Der schwedische Reichsrat rief den Adeligen Gustav Wasa zum Anführer des Befreiungskampfes aus. Bereits im Juni 1523 eroberte er Stockholm und wurde als Gustav I. zum König von Schweden gewählt. Damit schied Schweden aus der Kalmarer Union aus. Fortan existierten Schweden und Dänemark wieder als getrennte Königreiche und ihre Beziehungen wandelten sich von einer Union zu einer erbitterten Rivalität um Macht und Territorien im Ostseeraum.
Rivalität und Kriege in der Frühen Neuzeit (16.–18. Jahrhundert)
Kaum war Schweden unabhängig, entluden sich die Spannungen im Nordischen Siebenjährigen Krieg (1563–1570). Dänemark unter König Friedrich II. wollte die Union erneut erzwingen, während Schweden unter Erik XIV. bzw. Johan III. seine Unabhängigkeit verteidigte. Dänemark behielt zwar in manchen Schlachten die Oberhand, doch erwies sich das große, dünn besiedelte Schweden als nicht dauerhaft eroberbar. Im Frieden von Stettin 1570 erkannte Dänemark schließlich die schwedische Souveränität an. Schweden seinerseits musste eine hohe Geldsumme an Dänemark zahlen, um die besetzte Festung Älvsborg (Göteborgs Zugang zur Nordsee) zurückzuerhalten. Dass Schweden seine im Baltikum erworbenen Gebiete (insbesondere Estland) behaupten konnte, war ein Zeichen für seinen Aufstieg zur neuen Ostseemacht. In den folgenden Jahrzehnten beruhigte sich der Konflikt kurzfristig, auch weil Schweden in andere Kriege (gegen Russland und Polen-Litauen) verwickelt war. Doch die Rivalität blieb bestehen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts saßen mit Christian IV. in Dänemark und Gustav II. Adolf in Schweden zwei machtbewusste Monarchen auf den Thronen, die den Gegensatz neu entfachten. Christian IV. sah die schwedische Expansion nach Livland mit Sorge, zumal sie Dänemark ökonomisch schadete (etwa durch eine von Schweden verhängte Blockade livländischer Häfen). 1611 nutzte Christian IV. einen Streit um Handelsrouten in der Finnmark und den Anspruch auf Nordnorwegen als Vorwand, um Schweden den Krieg zu erklären. Im Kalmarkrieg (1611–1613), benannt nach der von Dänen eroberten Stadt Kalmar, zeigte sich erneut das Muster früherer Konflikt. Dänemark dominierte zur See, Schweden war zu Lande trotz Niederlagen nicht zu bezwingen. Christian IV. gelang es, die Grenzfestungen Kalmar und Älvsborg einzunehmen, was Schweden im Frieden von Knäred 1613 zu großen Zugeständnissen zwang. Schweden musste auf seine Ansprüche in Nordnorwegen verzichten und der dänischen Krone eine enorme Kontribution von 1 Million Reichstalern zahlen, um Älvsborg zurückzubekommen. Diese Reparationszahlung, der sogenannte Älvsborg-Löse, machte Dänemark kurzfristig reich und stärkte Christians Position so sehr, dass er um 1620 als einer der finanziell potentesten Herrscher Europas galt. Dänemark investierte die Gelder in den Ausbau von Flotte und Festungen sowie in Wirtschaftsprojekte – alles mit dem Ziel, die dänische Seeherrschaft und den Sundzoll zu sichern. Der Sundzoll, der nach 1429 von jedem Schiff erhoben wurde, das die Meerenge Øresund zwischen Dänemark und Schweden passierte, blieb eine wichtige Einnahmequelle und zugleich ein steter Streitpunkt: Er symbolisierte Dänemarks Anspruch, das „Tor zur Ostsee“ zu kontrollieren, sehr zum Ärger Schwedens und von Handelsnationen wie der Niederlande.mini|351x351px|Schwedische Gebietsgewinne im Frieden von Roskilde 1658, mit den Gebieten des Friedens von Brömsebro 1645 und den im Frieden von Kopenhagen 1660 wieder zurückgefallen violetten Gebieten.Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) stieg Schweden endgültig zur Großmacht auf, während Dänemark nach einem erfolglosen Eingreifen (1625–29) zeitweise an Einfluss verlor. Schweden, angeführt von Gustav II. Adolf, errang bedeutende Siege in Mitteleuropa und brachte große Teile der südlichen Ostseeküste unter seine Kontrolle. Diese schwedische Vormachtstellung bedrohte wiederum Dänemark. Nachdem Schweden gegen Kriegsende auch in Norddeutschland präsent war, griff es 1643 Dänemark direkt an. Feldmarschall Lennart Torstenson marschierte mit erfahrenen Truppen ohne Vorwarnung in das dänische Holstein ein. Der Torstenssonkrieg (1643–1645) wurde zu einer heftigen Fehde der Erzfeinde: Christian IV. verteidigte sein Reich zwar verbissen – er selbst verlor im Seekampf bei der Kolberger Heide ein Auge –, doch letztlich unterlag Dänemark der schwedischen Übermacht zu Land und dank der Unterstützung durch die mit Schweden verbündeten Niederländer zur See. In der entscheidenden Seeschlacht im Fehmarnbelt (Oktober 1644) versenkten die Schweden und ihre Verbündeten mehrere dänische Kriegsschiffe; dieser Sieg markierte den Anfang vom Ende der dänischen Großmachtstellung im Ostseeraum. Im Frieden von Brömsebro 1645 diktierte Schweden harte Bedingungen: Dänemark musste die Ostseeinsel Gotland sowie die bisher norwegisch-dänischen Provinzen Jämtland und Härjedalen an Schweden abtreten. Zudem erhielt Schweden für 30 Jahre das dänische Herzogtum Halland als Pfand und wurde von den Sundzöllen befreit.
Als Schweden unter König Karl X. Gustav nach dem Westfälischen Frieden noch weiter expandierte (auch Polen und das heutige Baltikum wurden unterworfen), witterte der dänische König Friedrich III. eine Chance zur Revanche und erklärte 1657 Schweden den Krieg. Dieser Schachzug erwies sich als fatal: Karl X. reagierte rasch, fiel mit einem Heer in Jütland ein und vollbrachte im Winter 1658 ein militärisches Meisterstück, indem seine Truppen über die zugefrorenen dänischen Belt-Meeresarme von Jütland bis vor die Tore Kopenhagens marschierten. Dänemark war schutzlos. Friedrich III. sah sich gezwungen, in der Demütigung des Friedens von Roskilde (Februar 1658) ungeheure Gebietsverluste zu akzeptiere. Dänemark musste ganz Schonen (Skåne), Blekinge und Halland – seine drei östlichen Provinzen auf dem skandinavischen Festland – an Schweden abtreten, ferner die Ostseeinsel Bornholm sowie die bisher norwegischen Gebiete Bohuslän (an der Westküste) und Trøndelag. Diese Abtretungen bedeuteten, dass Schweden nun die gesamte Südspitze Skandinaviens kontrollierte, was die strategische Lage in Nordeuropa zugunsten Schwedens revidierte. Schweden hatte damit sein Territorium auf Kosten Dänemarks massiv erweitert und die traditionelle dänische Vormachtstellung im Ostseeraum gebrochen.
Kaum war die Tinte unter dem Vertrag trocken, versuchte Karl X. Gustav noch im Sommer 1658 das restliche Dänemark endgültig zu erobern, indem er Kopenhagen belagerte. Dies löste eine verzweifelte Abwehr Dänemarks unter König Friedrich III. aus. Mit Unterstützung der Niederlande, die ein schwedisches Monopol in der Ostsee verhindern wollten, konnte Kopenhagen erfolgreich verteidigt werden. Der Krieg endete 1660 mit dem Frieden von Kopenhagen, der Schweden zum Rückzug zwang. Zwar blieben die Hauptverluste Dänemarks aus dem Roskilder Frieden bestehen – Skåne und die anderen ostdänischen Provinzen blieben schwedisch –, doch erhielt Dänemark Bornholm und das Trøndelagen-Gebiet in Norwegen zurück, da dort Aufstände gegen die Schweden ausgebrochen waren. Die Grenzen zwischen den beiden Reichen waren damit im Wesentlichen so festgelegt, wie sie noch heute zwischen Dänemark (einschließlich Norwegen bis 1814) und Schweden verlaufen. Für Dänemark blieb der Verlust seiner ehemaligen Kernlande jedoch ein tiefes Trauma. Die ehemals dänische Provinz Schonen (Skåne) wurde von Schweden in den Folgejahren intensiv „schwedifiziert“, doch die Bevölkerung leistete noch geraume Zeit Widerstand gegen die neue Herrschaft. Dänemark seinerseits gab die Hoffnung auf eine Rückgewinnung Schonens nicht sofort auf.