mini|Claude Monet: Impression, Soleil levant, 1872 (Öl auf Leinwand 48 × 63 cm). Musée Marmottan, Paris

Die acht Pariser Impressionisten-Ausstellungen fanden zwischen 1874 und 1886 unabhängig vom offiziellen Salon de Paris statt. Eine Gemeinschaft französischer Künstlerinnen und Künstler, die neue Wege in der Malerei und Darstellung suchten, organisierte diese Ausstellungen. Sie gelten als zentrale Ereignisse für die Entwicklung des Impressionismus in Frankreich.

Geschichte mini|Marcellin Desboutin (1823–1902): Paul Durand-Ruel. Bibliothèque nationale de France, Paris, Abteilung für Druckgrafik und Fotografie

Im Jahr 1873 gründeten die Maler Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas, Camille Pissarro, Alfred Sisley und Berthe Morisot die Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs, graveurs. Ziel war es, unabhängige Ausstellungen ohne Jury oder Auszeichnungen zu organisieren. Die acht Kunstausstellungen, die zwischen 1874 und 1886 in Paris stattfanden, markieren eine zentrale Phase der künstlerischen Selbstbehauptung außerhalb staatlich kontrollierter Strukturen. Sie wurden von unabhängigen Künstlern organisiert, die sich vom offiziellen Salon de Paris distanzierten, um ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu verkaufen. Es handelte sich aber bei den Teilnehmern der acht Ausstellungen nicht um eine einheitliche, stilistisch homogene Künstlergruppe. Zwar teilten viele von ihnen ähnliche Interessen, wie die Hinwendung zum modernen Leben, die Darstellung von Licht und Atmosphäre oder das Malen im Freien (Pleinairmalerei), doch unterschieden sich ihre künstlerischen Ansätze und Ausdrucksformen deutlich.

Der Begriff „Impressionismus“ wurde erstmals 1874 von dem Kritiker Louis Leroy in einer satirischen Rezension polemisch eingeführt, inspiriert durch Claude Monets Gemälde Impression, soleil levant, später jedoch von Künstlern wie Renoir übernommen. Degas bevorzugte hingegen die Bezeichnung „Indépendants“, andere nannten sich „Intransigeants“. Innerhalb der Bewegung bestanden deutliche Spannungen. Eine Richtung um Gustave Caillebotte strebte eine stilistische Homogenisierung an, während Degas und Pissarro neue Ausdrucksformen und junge Künstler förderten. Letztere Position gewann bei der achten und letzten Ausstellung im Jahr 1886 an Bedeutung. Die acht Pariser Impressionisten-Ausstellungen fanden an verschiedenen Orten in Paris statt:

1874: Erste Impressionisten-Ausstellung, 15. April bis 15. Mai 1874, im Haus des Ateliers des Photografen Nadar am Boulevard des Capucines 35. 165 Werke im Katalog (3 außer Katalog), 30 Künstler, Ausstellungskatalog. 1876: Zweite Impressionisten-Ausstellung, 30. März bis 30. April 1876, Galerie Paul Durand-Ruel, Rue le Peletier 11. 252 Werke im Katalog (4 außer Katalog), 19 Künstler, Ausstellungskatalog. 1877: Dritte Impressionisten-Ausstellung, 4. bis 30. April 1877, Privatwohnung, Rue Le Peletier 6 (gegenüber der Galerie von Durand-Ruel). 241 Werke im Katalog (4 außer Katalog), 18 Künstler, Ausstellungskatalog. 1879: Vierte Impressionisten-Ausstellung, 10. April bis 11. Mai 1879, Avenue de l'Opéra, Ausstellungskatalog. 1880: Fünfte Impressionisten-Ausstellung, 1. bis 30. April 1880, Paris, Rue des Pyramides 10. 232 Werke im Katalog (3 außer Katalog), 19 Künstler, Ausstellungskatalog. 1881: Sechste Impressionisten-Ausstellung, 2. April bis 1. Mai 1881, Boulevard des Capucines 35 (Hinterhaus). 170 Werke im Katalog (6 außer Katalog), 13 Künstler, Ausstellungskatalog. 1882: Siebte Impressionisten-Ausstellung, 1. bis 31. März 1882, Paris, Rue St. Honoré 251 (Salon du Panorama de Reischoffen). 203 Werke im Katalog (8 außer Katalog), 9 Künstler, Ausstellungskatalog. 1886: Achte Impressionisten-Ausstellung, 15. Mai bis 15. Juni 1886, Rue Laffitte 1 / Ecke Boulevard des Italiens. 246 Werke im Katalog (3 außer Katalog), 17 Künstler, Ausstellungskatalog.

Zwischen 1874 und 1886 nahmen 58 Künstler an den acht Ausstellungen teil. Camille Pissarro war der einzige Künstler, der an allen Ausstellungen beteiligt war. Berthe Morisot und Edgar Degas stellten sieben Mal aus, Claude Monet fünf Mal und Pierre-Auguste Renoir sowie Alfred Sisley vier Mal. Bedeutende Künstler wie Édouard Manet, Vincent van Gogh oder Henri de Toulouse-Lautrec beteiligten sich hingegen nie an diesen Ausstellungen. Mit ausgestellt haben hingegen beispielsweise Georges Seurat, Paul Gauguin und Odilon Redon. Mary Cassatt, eine US-amerikanische Malerin, wurde rasch zu einer aktiven Vertreterin der Bewegung. Einige Teilnehmer wie Armand Guillaumin oder Henri Rouart gerieten später in Vergessenheit, obwohl Rouart auch als wichtiger Förderer auftrat. Trotz der engen Verbindung des Impressionismus mit der Malerei waren bei den Ausstellungen auch andere Medien wie Zeichnungen, Skulpturen, Fächer und Keramiken vertreten, vor allem aber Druckgrafik.

Teilnehmer Anzahl der Werke jedes Künstlers: Gemälde, Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphiken. Die Zählung basiert hier auf den Nummern der jeweiligen Ausstellungskataloge/-listen. In einigen Fällen wurden mehrere Arbeiten auf Papier zusammen in einem großen Rahmen montiert, z. B. Wolkenstudien, Druckzustände etc. Tabelle nach John RewaldJohn Rewald: The history of Impressionism. 4. Überarbeitete Ausgabe, New York 1973. Hans Weevers erwähnt in seiner Tabelle noch drei weitere Künstler, die teilweise hors catalogue (außer Katalog) ausgestellt wurden: Comtesse de Luchaire (ein Pseudonym), Jean-Marius Raffaëlli, Jacques François (Ausstellungen 1876, 1877 und 1886) ist ebenfalls ein Pseudonym für Louise Amour Marie de la Roche de Fontenilles, Marquise de Rambures. 1874187618771879188018811882188618741876187718791880188118821886Astruc14Maureau4Attendu6Meyer6Béliard48Millet, J. B.10Boudin13de Molins4Bracquemond, F.3343Monet1219313235Bracquemond, M.246Morisot919121571314Brandon5Mulot-Durivage2Bureau48de Nittis5Caillebotte86271118Ottin, A.10Cals61110143Ottin, L-A.714Cassatt1216117Piette3112Cézanne317Pissarro, C.512223829283627Colin5Pissarro, L.18Cordey4Raffaelli, J.F.4134Debras4Redon15Degas10242625121215Renoir7192127Desboutin20Robert3Forain26101014Rouart1110523121527Franc-Lamy4Schuffenecker9François82Seurat9Gauguin38101320Signac18Guillaumin31222162621Sisley681727Latouche4Somm3Lebourg3020Tillot81412161118Legros23Vidal91Lepic743Vignon9151518Lépine3Zandomeneghi58512Levert3969Raffaelli, J.M.6Luchaire, Comtesse de1Rambure, Comtesse de1

Rezeption mini|Cham (Amédée de Noé) – Karikatur zur ersten Impressionisten-Ausstellung in Paris: La peinture impressionniste. Une révolution en peinture et qui débute en faisant de la terreur (Die impressionistische Malerei. Eine Revolution in der Malerei, die mit Terror beginnt), 1874

Die zeitgenössische Presse reagierte auf die Ausstellungen überwiegend kritisch bis feindselig. Einige Schriftsteller wie Émile Zola, Joris-Karl Huysmans, Stéphane Mallarmé und Jules Laforgue setzten sich zwar für die Bewegung ein, ihr Einfluss war zu jener Zeit jedoch begrenzt.

Auch nach 1886 arbeiteten die Impressionisten weiter. Monets Serien, wie „Meules“ oder „Cathédrales de Rouen“, entstanden beispielsweise erst in den 1890er Jahren. Der Erfolg stellte sich mit der Jahrhundertwende auch institutionell ein. Der Impressionismus förderte die Entstehung neuer Ausstellungskontexte, zu denen die Société des Artistes Indépendants (1884), die Société Nationale des Beaux-Arts (1890), der Salon des Cent (1894) und der Salon d’Automne (1903) zählen.

Internationale Rezeption Der Aufbruch wirkte über Frankreich hinaus. Bereits 1882 fand in Norwegen eine von Künstlern jurierte, unabhängige Herbstausstellung statt. In Dänemark entstanden freie Kunstschulen. In Belgien gründete sich 1883 der Société des Vingt, aus dem 1894 die La Libre Esthétique hervorging. In Schweden wurde 1886 die Föreningen Svenska Konstnärerna gegründet und in Finnland entstanden Künstlervereinigungen, die sich gegen die offizielle Kunstpolitik stellten. Der Protest gegen die akademischen Institutionen führte zur Gründung von Sezessionen in München (1892), Wien (1897) und Berlin (1898). In Russland entstand 1898 das Netzwerk Mir Iskusstwa. Auch in den USA zeigte sich diese Wirkung: Zehn Maler – darunter Julian Alden Weir – verließen 1898 die Society of American Artists und gründeten in bewusster Anlehnung an das französische Modell die Vereinigung Ten American Painters.

Die acht Impressionisten-Ausstellungen zwischen 1874 und 1886 legten den Grundstein für die moderne Kunstvermarktung, neue Ausstellungspolitiken und die internationale Durchsetzung künstlerischer Autonomie. Ihre Auswirkungen reichen bis zu den Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts.

Literatur Ausstellungskataloge 1874: Société Anonyme Des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs, etc. Premiere Exposition 1874 1876: Catalogue de la 2e exposition de peinture 1877: Catalogue de la 3e exposition de peinture 1879: Catalogue de la 4e exposition de peinture 1880: Catalogue de la 5me exposition de peinture 1881: Catalogue de la 6me exposition de peinture 1882: Catalogue de la 7e exposition des artistes indépendants 1886: Catalogue de la 8e exposition de peinture

Deutschsprachige Literatur Jean Selz: DuMont’s kleines Lexikon des Impressionismus. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0860-4. Sophie Monneret: L’impressionnisme et son époque. Denoël, Paris 1978. John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. DuMont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1166-4. Hans Körner: Edouard Manet, Dandy, Flaneur, Maler. Fink, München 1996, ISBN 3-7705-2931-6. Iris Schaefer, Caroline von Saint-George, Katja Lewerentz: Impressionismus, wie das Licht auf die Leinwand kam. Ausstellungskatalog Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 2008, ISBN 978-88-6130-611-0. Norbert Wolf: Die Kunst des Salons: Malerei im 19. Jahrhundert. Prestel, München 2012, ISBN 978-3-7913-4625-0. Felix Krämer (Hrsg.): Monet und die Geburt des Impressionismus. Ausstellungskatalog Städel Museum, Prestel, München 2015, ISBN 978-3-7913-5414-9. Ingo F. Walther: Malerei des Impressionismus. 1860–1920. Taschen Verlag, Köln, 2023.

Französische und englischsprachige Literatur Ruth Berson (Hrsg.): The New Painting: Impressionism 1874–1886. Documentation, 2 Bände. Band 1: Reviews, Band 2: Exhibited works. San Francisco, 1996 (eine umfassende Darstellung des Themas ist hier zu finden). Achille Segard: Mary Cassatt : un peintre des enfants et des mères, 1913 Adolphe Tabarant: Manet et ses œuvres, Paris, 1947 Adolphe Tabarant: Pissarro, Paris, 1924 Ambroise Vollard: Auguste Renoir, Paris, 1920 Ambroise Vollard: Degas, Paris, 1924 Ambroise Vollard: En écoutant Cézanne, Degas, Renoir, Paris, 1938 Ambroise Vollard: Paul Cézanne, Paris, 1914 Ambroise Vollard: Souvenirs d’un marchand de tableaux, Paris, Editions Albin-Michel, 1937 Anne Distel, Anne Dayez, Michel Hoog, Charles S. Moffett: Impressionism, a centenary exhibition. Ausstellungskatalog Metropolitan Museum of Art, New York 1974, ISBN 0-87099-097-7. Antonin Proust: Edouard Manet. Souvenirs, Paris, 1913 Arsène Alexandre: Durand-Ruel. Portrait et histoire d’un marchand, dans Pan, Berlin, novembre 1911 Berhaut Marie: Caillebotte. Sa vie et son œuvre. Catalogue raisonné des peintures et pastels, 1978 Camille Mauclair: L'impressionnisme : son histoire, son esthétique, ses maîtres, Paris, 1904 Camille Mauclair: Trois crises de l'art actuel, Paris, 1906 Carol Armstrong: Manet Manette. Yale University Press, New Haven 2002, ISBN 0-300-09658-5. Caroline Genet-Bondeville – Marianne Delafond: Berthe Morisot ou l’audace raisonnée, Paris, 1997 Claude Monet: Mon histoire, recueillie par Thiébault-Sisson, Paris, 1998 Daniel Halévy: Degas parle..., Paris-Genève, 1960 Daniel Wildenstein: Claude Monet. Biographie et catalogue raisonné, Genève, 1974–1991 Daniel Wildenstein: Monet ou le Triomphe de l’Impressionnisme, Cologne, 2003