mini|Sitz des Instituts, Hauptgebäude Miséricorde, Universität Freiburg Schweiz Das Mediävistische Institut der Universität Freiburg (Schweiz) koordiniert die wissenschaftliche Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Geschichte und Kultur des Mittelalters und fördert Austausch und Zusammenarbeit unter den an der Erforschung des Mittelalters beteiligten Lehrenden, Studierenden und Graduierten. Es unterhält Beziehungen zu verwandten Institutionen des In- und Auslands. Das Mediävistische Institut umfasst die Bereiche Mittelalterliche Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte, die germanischen und romanischen Sprachen und Literaturen des Mittelalters (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Provenzalisch und Spanisch), Rechtsgeschichte, Klassische Philologie und Glaubens- und Religionswissenschaft. Die Fächer werden teils französisch, teils deutsch, teils zweisprachig angeboten; Sprachen und Literaturen ausschließlich in der Sprache ihres Gegenstands.
Geschichte Am 1. Juni 1965 wurde die Feldpausch-de Boer-Stiftung für das Mediävistische Institut ins Leben gerufen, deren einziges Ziel die Gründung und Förderung des Mediävistischen Instituts an der Universität Freiburg Schweiz als unabhängiges Ausbildungs- und Forschungsinstitut mit von der Fakultät genehmigten Statuten war. Somit wurde es zu einem der ersten Institute für Mittelalterforschung in Europa und zum ersten überhaupt im deutschsprachigen Raum und auch in der Schweiz.S. zu dieser geschichtswissenschaftlichen Bewegung, auf der englischsprachigen Wikipedia, „Medieval Studies“, sowie Laurence K. Shook, „University Centers and Institutes of Medieval Studies: A Contemporary Trend“, The Journal of Higher Education, 38/9 (Dez. 1967), S. 484–492, https://www.jstor.org/stable/1980337?seq=1. Für Europa erwähnt der Autor als früher gegründet nur Spoleto in Italien (1952) und Poitiers in Frankreich (1953). Zeitgleich oder kurz danach gab es dann Löwen in Belgien (1966) und, in England, Reading (1965), Leeds (1967) und York (1968). Gründungszweck war laut Gründungsstatuten, „Studierende, die sich über den normalen akademischen Studiengang hinaus eingehenderen historischen Studien widmen wollen, mit der wissenschaftlichen Arbeit an den Quellen und Denkmälern des Mittelalters im weitesten Umfang vertraut zu machen“.Zitat aus den Gründungsstatuten vom 1. Juni 1965. Darüber hinaus bezweckt es heute allgemein, als zweisprachige interdisziplinäre Einrichtung der Philosophischen Fakultät, „die Lehre und die Forschung auf dem Gebiet der Geschichte und der Kultur des Mittelalters zu fördern und zu koordinieren“, insbesondere auch Forschungsaufgaben, die sich aus der kulturellen, historischen und geographischen Situation der Schweiz und vor allem Freiburgs ergeben. Gründer waren die drei Professoren Heinrich Schmidinger (Geschichte, 1. Direktor), Alfred A. Schmid (Kunstgeschichte) und Pascal Ladner (Historische Hilfswissenschaften). Von Anfang an verfügte das Institut über eine eigene Koordinationsstelle. 1976 hatte Peter Rück diese inne, in den 1980er und frühen 1990er Jahren bekleidete sie Ernst Tremp. Von 1975 bis 1978 war das Institut an der Rue Saint-Michel 14 angesiedelt, danach zog es in den Neubau des Campus Miséricorde um, wo es noch heute seine Räumlichkeiten hat. Seit Beginn besitzt das Institut auch eine eigene Fachbibliothek, die kontinuierlich ausgebaut wurde.
Seit den 1990er Jahren wuchs das Institut beständig, was die Fächerbeteiligung anbelangt, und verstärkte auch seine Aktivitäten. So wurde die Publikationsreihe „Scrinium Friburgense“ wiederbelebt (s. unten), die sich nach den ersten Publikationen von Disserationsschriften in den frühen 1970er Jahren auf die Herausgabe des „Corpus Inscriptionum Medii Aevi Helvetiae“ beschränkt hatte. Zudem wurde eine neue germanistische Veranstaltungs- und Publikationsreihe begründet (Wolfgang Stammler-Gastprofessur, s. unten). Seit dem Beginn der 2000er Jahre kam ein alle zwei Jahre veranstalteter Graduiertenkurs hinzu, der seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Doktoratsprogramm Mediävistik der CUSOCUSO (Conférence Universitaire de Suisse Occidentale). In der CUSO haben sich die Universitäten der Westschweiz (Freiburg, Genf, Lausanne, Neuenburg) zusammengeschlossen, um gemeinsame Doktoratsprogramme zu unterhalten. organisiert wird. Seit 1997 unterhält das Mediävistische Institut eine Website, und seit 2001 gibt es einen jährlichen Bericht über seine Aktivitäten heraus.Der Jahresbericht ist seit der Ausgabe von 2005 als PDF auf der Website abrufbar: https://www.unifr.ch/mediaevum/de/institut/jahresbericht.html 2003 kam es zu einer Umstrukturierung infolge derer die vorher Lehre und administrative Aufgaben umfassende Koordinationsstelle zu einer eigenständigen Geschäftsführerstelle wurde und eine zusätzliche Sekretariatsstelle geschaffen wurde. Somit verfügt das Institut, im Gegensatz zu den meisten akademischen Instituten, über eine eigene fixe Struktur, welche es ihm erlaubt seine Aufgaben auch über die freiwillige Mitarbeit der Professoren hinaus zu erfüllen.
Mitglieder waren u. a. Ruedi Imbach (Mittelalterliche Philosophie und Ontologie), Peter Kurmann (Mittelalterliche Kunstgeschichte), Eckart Conrad Lutz (Germanistische Mediävistik), Carl Pfaff (Geschichte) oder Jean-Michel Spieser (Frühchristliche und byzantinische Archäologie und Kunst). Heute sind es u. a. Michele Bacci (Mittelalterliche Kunstgeschichte), Paolo Borsa (Italienische Philologie, Direktor), Hugo Oscar Bizzarri (Spanische Philologie), Elisabeth Dutton (Englische Philologie), Cornelia Herberichs (Germanistische Mediävistik), Yves Mausen (Rechtsgeschichte), Olivier Richard (Geschichte des Mittelalters), Karin Schlapbach (Klassische Philologie), Kristell Trego (Philosophie) oder Marion Uhlig (Französische Philologie).Auf der Website des Instituts sind alle Mitglieder auffindbar: https://www.unifr.ch/mediaevum/de/institut/mitglieder/
Forschung
Zentrum für Handschriftenforschung Das „Zentrum für Handschriftenforschung – Universität Freiburg“ wurde 2022 gegründet. Es gehört dem Mediävistischen Institut als Organisationseinheit an und fördert die wissenschaftliche Erschliessung und Aufarbeitung mittelalterlicher, je nach Kontext auch antiker und neuzeitlicher Handschriften. Das Zentrum engagiert sich insbesondere für die Erforschung der Bestände von Schweizer Handschriftensammlungen. Zu den Aktivitäten des Forschungszentrums zählen unter anderem die Organisation von Weiterbildungsangeboten, die Lancierung und Unterstützung von Forschungs- und Ausbildungsprojekten, die Vernetzung der Schweizer Handschriftenforschung im Inland sowie mit ausländischen Institutionen und Projekten. Für diese Zwecke arbeitet es mit diversen Schweizer und ausländischen Handschriftensammlungen zusammen.
Die Plattformen e-codices und Fragmentarium (s. Weblinks unten) sind am Zentrum für Handschriftenforschung angesiedelt. Dieses zeichnet ebenfalls verantwortlich für die Veröffentlichung der digitalen open-access Zeitschrift „Fragmentology“ (s. Weblink unten). Somit ist es weltweit führend auf dem Spezialgebiet der digitalen Fragmentologie.
Publikationen Scrinium Friburgense Das Mediävistische Institut führt eine Publikationsreihe: „Scrinium Friburgense“. Sie wurde 1971 ins Leben gerufen und veröffentlichte als ersten Band die Dissertationsschrift von Walter Lendi zu den Murbacher Annalen mit einer Edition. In diesen Tagen erscheint der 60. Band.Auf der Website des Instituts werden alle Bände aufgeführt: https://www.unifr.ch/mediaevum/de/forschung/publikationen/scrinium-friburgense/ Nachdem die Bücher lange beim Walter de Gruyter Verlag Berlin/München/New York/Boston erschienen, werden sie seit 2017 beim Reichert Verlag Wiesbaden veröffentlicht.
Die Reihe stellt ein Forum für interdisziplinäre Forschungen zur Mediävistik dar. Ihr Anspruch ist es, das Verständnis der Literatur, Philosophie, Geschichte und Kunst des Mittelalters durch Forschungsbeiträge zu fördern. Die Reihe steht institutsfremden Manuskripten zu Problemen der Mittelalterforschung, die dem Reihenprofil entsprechen, offen. Neben mediävistischen Qualifikationsschriften und fächerverbindenden und fachspezifischen Monographien aus allen im Institut vertretenen mediävistischen Disziplinen, werden seit 1994 auch die Tagungsakten der in zweijährigem Rhythmus abgehaltenen und interdisziplinär ausgerichteten „Freiburger Colloquien“ in dieser Reihe publiziert. „Scrinium Friburgense“ umfasst Arbeiten, die sich durch Anbindung an bewährte Forschungstraditionen, Pluralität der Methoden, Innovation der Fragestellungen und transdisziplinäres methodisches Vorgehen auszeichnen. Rezensiert wurden die Arbeiten in renommierten Fachzeitschriften wie u. a. in „Le Moyen Âge“ oder „Speculum“ der „Medieval Academy of America“.So z. B. zu Bd. 48 (2020), Figures. Lettres, chiffres, notes et symboles au Moyen Âge, éd. par Marion Uhlig, rezensiert von Vincent Debiais in: Le Moyen Âge. Revue d'histoire et de philologie, CXXVII (2021), S. 707–708; Bd. 52 (2021), La mort du roi: réalité, littérature, représentation. Der Tod des Königs: Realität, Literatur, Repräsentation, éd. par Hugo O. Bizzarri et Martin Rohde, rezensiert von Monja Schünemann in: sehepunkte 22 (2022), Nr. 6 [15.06.2022]; zu Bd. 51 (2021), Ivan Mariano, Négociations et relations interculturelles entre la chrétienté latine et la chrétienté grecque aux conciles de Bâle et de Ferrare-Florence (1431–1439), rezensiert von Tia Kolbaba (Rutgers University) in: Speculum 99/4 (Okt. 2024), S. 1318–1319.
Freiburger Gastprofessur für Germanistische Mediävistik Die Freiburger Gastprofessur für Germanistische Mediävistik an der Universität Freiburg, Schweiz (ehemals Wolfgang Stammler-Gastprofessur), umfasst einen öffentlichen Vortrag und ein Blockseminar zur europäischen Literatur und Kultur des Mittelalters in germanistischer und komparatistischer Perspektive. Die Veranstaltungen fügen sich ein in die Arbeit des Mediävistischen Institutes der Universität Freiburg, das deshalb die öffentlichen Vorträge der Gastprofessoren in dieser Reihe herausgibt. Zuletzt waren Hans-Jochen Schiewer (Freiburg i.Br.), Marina Münkler (Dresden), Bernd Bastert (Bochum), Claudia Lauer (Bonn), Michael Waltenberger (München) und Ricarda Bauschke (Düsseldorf) in dieser Funktion eingeladen.
Forschungsprojekte Das Institut dient als Plattform für die Vernetzung von Forschungsprojekten Freiburger Mediävisten, die einen interdisziplinäreren Ansatz verfolgen. Die Bandbreite dieser Projekte reicht aktuell von kunstgeschichtlichen Projekten zu „Heiligen Netzwerken“ bei denen ein Korpus von 400 heiligen Orten in Palästina untersucht wird über romanistische Forschungen über „Mittelalterliche Metalepsen“ bis hin zu dem Projekt „Women, Martyrdom, and Religious Drama in the Abrahamic Traditions“ (s. Weblink unten), das die dramatischen Traditionen des Judentums, des Christentums und des schiitischen Islams auf vergleichende Weise untersucht. Der Großteil der 2025 laufenden Projekte wird insgesamt für über 8.500.000 CHF vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt.Auf der Website des Instituts lassen sich alle laufenden und bisherigen Projekte einsehen: https://www.unifr.ch/mediaevum/de/forschung/projekte/
Veranstaltungen des Instituts Neben internationalen Tagungen, Gastvorträgen und Blockseminaren, die von Mitgliedern des Instituts veranstaltet werden, organisiert das Mediävistische Institut regelmäßig in zweijährigem Rhythmus das „Freiburger Colloquium“, eine internationale Tagung interdisziplinären Zuschnitts bei der Forschende und Spezialisten sich mit mediävistischen Forschungsthemen aus inter- und transdisziplinärer Perspektive beschäftigen. Die Tagungsakten werden jeweils in der institutseigenen Reihe „Scrinium Friburgense“ publiziert.