Oker [] ist ein Ortsteil von Goslar am Harz im Landkreis Goslar in Niedersachsen und 3,5 km östlich vom Kernbereich von Goslar entfernt. Mit 5838 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2020) zählt Oker zu den einwohnerstarken Ortschaften im Goslarer Stadtgebiet und weist einen ausgeprägten kulturellen Eigenständigkeitsgrad auf.
Die nach dem Fluss Oker benannte Ortschaft wurde 1527 als Hüttenort gegründet und war ausschlaggebend zur Verarbeitung der Erze des Rammelsberges. Oker war ein gewichtiges Zentrum der Harzer Hüttentechnik (siehe Bleihütte Oker, Zinkoxydhütte Oker und Zinkhütte Harlingerode) und bis heute durch seine montanindustrielle Vergangenheit stark geprägt.
Geografie mini|Nicht offizielle Unterteilung Okers nach OpenStreetMap (2021) Oker ist inoffiziell unterteilt. Den Kern bilden Oberoker und Unteroker, die durch die Bahnstrecke Vienenburg–Goslar und Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker getrennt sind.Stadt Goslar: Oker. Abgerufen am 28. Juli 2021. Die Okeraue östlich des Sudmerbergs trägt den Namen Steinfeld. Das Wohngebiet Adenberg ist südlich der Harzburger Straße und östlich des Flusses Oker.vgl. Nordharz-Portal: Jahreshauptversammlung Siedlergemeinschaft Oker-Adenberg. 20. März 2020, abgerufen am 28. Juli 2021.
Zur Gemarkung Oker zählt Romkerhalle im Okertal.
Die alte Gemarkung Oker, die früher dem Landkreis Wolfenbüttel zugehörig war, erstreckt sich über eine Fläche von rund 3,1 km².Flächenberechnung nach Inkscape unter Bezug der Gemarkung 6272, Landkreis Goslar: 280.991,44 px² im Verhältnis zu 157271.26 px² = 1.751 km² für Göttingerode. Der Wert ist nicht genau. Hinzu kommen weitere zusammenhängende Gebiete am Sudmerberg und in der Gemarkung Goslar, die eindeutig mit Oker zusammenhängend sind, sodass sich hieraus eine Fläche von ungefähr 4,55 km² ergibt. Geografische Lage Die Ortschaft liegt am Ausgang des Tales der Oker zwischen Hahnen- und Adenberg im Süden, Sudmerberg im Nordwesten und Langenberg/Tönneckenkopf im Osten.
Nachbarorte
Altlasten Die Böden in Oker sind durch die jahrhundertelange Verhüttungsgeschichte und des Hüttenwerks Harz (Bleihütte Oker u. a.) sehr stark mit Blei, Zink, Kupfer und Cadmium (Werte über 10 ppm/kg Oberboden) belastet. Eine vergleichbare Schwermetallbelastung mit ähnlichen Auswirkungen (Gressenicher Krankheit) ist im Raum Stolberg-Eschweiler in Nordrhein-Westfalen zu finden. Hinzu kommt eine außerordentlich starke Belastung des Flusses Oker; nach der nordöstlichen Feldmark wurde in zwei Dissertationen eine Pflanzenkrankheit als Oker- oder Steinfeldkrankheit benannt. Seit 1977 erfolgen daher im Auftrag der Hildesheimer Gewerbeaufsicht Depositionsmessungen im Okeraner Umfeld, die zunächst Staubniederschläge und Blei- und Cadmiumdepositionen umfassen. 2009 wurde das Messrepertoire um Arsen/Nickel und 2011 um Thallium erweitert.Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz: Depositionsmessungen in Oker-Harlingerode. In: Internetseite Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Abgerufen am 26. April 2019.
Geschichte mini|Ansichtskarte aus Oker, ca. 1900
Ortsname Anfangs wurde Oker (beziehungsweise der Ort an der Frau-Marien-Hütte) bis ins 17. Jahrhundert vage als auf der Oker, an der Oker, Düsternvörde oder Düsterfort bezeichnet. Die letzten beiden Namen bezogen sich auf die dichte Bewaldung des Okertals vor dem 16. Jahrhundert und die Überquerung des Flusses Oker über eine Furt und sind als alter Flurname bis ins 20. Jahrhundert bezeugt.
Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts war Oker für rund zwei Jahrhunderte zweigeteilt. Der westliche Teil hieß die einseitige Oker, die eigentliche Oker oder Braunschweig-Oker und befand sich vollständig im Besitz des Herzogtums Braunschweig. Östlich vom Okerufer befand sich Kommunion-Oker, das vom Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover gemeinsam verwaltet wurde.
Erst seit Januar 1875 führt die Ortschaft politisch einheitlich und ohne Zusatz den Namen Oker.
Adjektiv/Demonym Das Adjektiv und Demonym lautet Okeraner.vgl. Pressemitteilung der Stadt Goslar
„Farbe Ocker“ Die volksetymologisch verbreitete Behauptung, der Name für die Farbe Ocker leitete sich daher ab, dass sie „in den Okerschen Hütten“ gewonnen wurde, ist eine Legende.
Frühgeschichte Der erste Vorläufer von Oker war das im 9. Jahrhundert gegründete Reindertingerode, das später als Sudburg bezeugt ist. Dieses wurde im Gebiet des heutigen Unteroker gegründet und diente zur Absicherung von Goslar in Richtung Osten, wurde jedoch zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert aufgrund verschiedener Fehden zwischen der Reichsstadt Goslar und dem Amt Harzburg von seiner Einwohnerschaft verlassen und fiel wüst.
Unterdessen stieg im 11. Jahrhundert der Holzbedarf des Rammelsberg-Bergwerks so stark an, dass die unmittelbaren Holzvorkommen am Bergwerk nicht mehr ausreichten. Somit musste sich die Erzverhüttung in andere Gebiete verlagern. Das Okertal bot sich durch die Wasserkraft der Oker für die Gebläse und der Wind aus dem Okertal zum Wegwehen des Hüttenrauchs gut an. 1311 wurde erstmals die Galmhütte („de hutte tom Nederen Galm“; Galm = „Klang, Geräusch“ in Beziehung zu gellen) erwähnt, die sich in der heutigen Feldmark von Harlingerode befand; sie wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts aufgegeben. Um die Erze aus dem Rammelsberg zu verarbeiten, siedelten sich ab dem 15. Jahrhundert meist von Goslarer Stadtbürgern betriebene Kleinhütten an. Dies führte zu einem länger bestehenden Streit zwischen dem braunschweig-wolfenbüttelschen Herzog Heinrich dem Jüngeren und der freien Reichsstadt Goslar, in welchem er den Betrieb der Hütten jedoch tolerieren ließ.
16. Jahrhundert mini|Stadtgebiet von Oker im Amtsbezirk Harzburg, Landkreis Wolfenbüttel
Der noch unspezifische Haufen an Ansiedlungen wurde im Jahre 1527 erstmals als Oker erwähnt, und die im Jahre 1952 verfasste Festschrift zur Stadtwerdung setzt diesen Zeitpunkt auch als Gründungsjahr an. Sein Sohn und Nachfolger, Herzog Julius zu Braunschweig-Wolfenbüttel, ließ sämtliche zu seiner Amtszeit in Betrieb befindlichen Hütten in Besitz nehmen und formierte daraus das spätere Oberoker. Die Frau-Marien-Hütte, später als Bleihütte Oker bekannt, entwickelte sich zum Siedlungskern des heutigen Oberokers, während das jüngere Unteroker aus einer Keimzelle am Okerturm stammt.
Durch den Riechenberger Vertrag aus dem Jahr 1552 erkannte die Stadt Goslar die von dem braunschweig-wolfenbüttelschen Herzog Heinrich den Jüngeren beanspruchten Rechte im Gebiet Oker an. In diesem Vertrag wurde auch die Ortsgrenze nach Westen festgelegt, die in ihren Grundzügen über mehr als 400 Jahre bis zum Jahr 1972 Bestand hatte und in der Karte vom Amtsbezirk Harzburg ersichtlich ist.
Von nennenswerter Bedeutung für den Ort war zweifellos die 1580 erfolgte Gründung der großen Herzoglichen Papiermühle zu Oker. Sie hatte nicht nur bestimmte, und zwar relativ große Mengen Schreibpapier für den Bedarf der fürstlichen Kanzleien, Buchhaltereien und Zeughäuser und ebenso an „alle unsere Ambtere, Bergk-Saltz undt Eisenwergke, auch Forstschreibereien …“ zu liefern, sondern auch „so viehle Druckpapier, als wir dessen zu behuff unser Julius-Universität zu Helmstedt …“ nötig haben.Eberhard Tacke: Zur Entstehungs- und Frühgeschichte der Papiermühle Oker. In: Braunschweigische Heimat. 46, Jg. 1960, Heft 2, S. 44–50. Als Herzogliche Mühle genoss sie zahlreiche Privilegien, doch angesichts des Papierbedarfs der Universität war sie überfordert und zählte bald zu zeitweilig drei Papiermühlen, die der Universitätsdruckerei zu Helmstedt verpflichtet waren. Eins dieser Papiergewerke stand in Räbke am Elm. Über Jahrhunderte lieferten sich insbesondere diese beiden bedeutenden Manufakturen bzw. Standorte der Papierindustrie im Herzogtum eine manchmal erbittert geführte Konkurrenz.Joachim Lehrmann: Die Frühgeschichte des Buchhandels und Verlagswesens in der alten Universitätsstadt Helmstedt sowie die Geschichte der einst bedeutenden Papiermühlen zu Räbke am Elm und Salzdahlum. Helmstedter und Räbker Buch- und Papiergeschichte, Lehrte 1994, ISBN 978-3-9803642-0-1. (S. 117, 150, 165 ff., 216, 244, 172, 291 ff., 297, 312).
17. Jahrhundert Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Oker nach der Schlacht bei Lutter im Jahr 1626 schwer beschädigt. Der hierdurch beeinträchtige Hüttenbetrieb konnte aber noch während des Krieges in reduzierter Form wieder aufgenommen werden.
In einem Erbvergleich wurde Oker im späten 17. Jahrhundert durch den Fluss Oker politisch zweigeteilt. Der Teil westlich der Oker erhielt den Namen Einseitiges Oker oder Braunschweig-Oker und wurde vollständig vom Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel verwaltet. Der Teil östlich der Oker erhielt den Namen Kommunion-Oker und war politisch fest mit der Verwaltung der Frau-Marien-Hütte verbunden.
18. Jahrhundert Im Jahr 1756 wurde in Kommunion-Oker das Messingwerk gegründet. Das im Rammelsberg geförderte Kupfer wurde zumindest im 19. Jahrhundert hier nicht verwertet, da es unbrauchbar für die Verarbeitung zu Messing war.
Im Jahre 1777 hielt sich Johann Wolfgang von Goethe in Oker auf und residierte im Haus Brunnenstraße 29 im Okertal. Er besuchte bei seinem Aufenthalt unter anderem die Messinghütte.
19. Jahrhundert mini|Schmelzhüttengebäude der Frau-Marien-Saiger-Hütte von 1845 In der Franzosenzeit wurde Braunschweig-Oker ab dem Jahr 1807 unter die Herrschaft eines Maire gestellt und auf den Namen Oker am Harz umfirmiert.
Im Jahre 1819 wurde eine Postexpedition der Braunschweigischen Post eröffnet. Diese wurde mit der Eröffnung des Betriebes der Bahnstrecke zwischen Goslar und Vienenburg am 23. März 1866 nach dem Bahnhof von Oker verlegt.W. Steven: Inhaltsübersicht der postalisch relevanten Braunschweigischen Ciculare, Gesetze und Verordnungen von 1807 bis 1867. Rundbrief Nr. 58, Arbeitsgemeinschaft Braunschweig und Hannover im Briefmarken-Club Hannover, April 2004. Zur Entwicklung des Postwesens siehe auch Postroute Wolfenbüttel-Harzburg.
Mitte des 19. Jahrhunderts wird Oker als „weitläufig gebauter Flecken“ beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war Oker in das von dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig gemeinsam verwaltete Kondominium „Communion-Oker“ und das vollständig dem Herzogtum Braunschweig unterstehende „einseitige Oker“ (Braunschweig-Oker) geteilt. Der Fluss Oker stellte die Grenze dar. Im Jahr 1844 lebten im Einseitigen Oker ungefähr 400 Menschen und in Kommunion-Oker ungefähr 500.
Nach der preußischen Annexion des Königreichs Hannover im Jahr 1866 waren die Länder Preußen und Braunschweig bestrebt, ihre Staatsgrenzen geografisch abzurunden. Am 9. März 1874 wurde in diesem Kontext ein Staatsvertrag zwischen beiden Staaten öffentlich, der die unter anderem die Vereinigung von Braunschweig-Oker mit Kommunion-Oker zum Ziel hatte. Hierin war geregelt, dass das Kondominium mit Preußen (vorher Königreich Hannover) in Kommunion-Oker zugunsten der vollständigen Herrschaft des Herzogtums Braunschweig beendet und Kommunion-Oker unter die Gerichtsbarkeit und Verwaltung von Braunschweig-Oker (Einseitiges Oker) fällt. Im Gegenzug trat Braunschweig die Hoheitsrechte über die Goslarsche Stadtforst an Preußen ab und erhielt dafür Territorialersatz in Höhe von einem Drittel der Fläche der Forst. Die Landesversammlung stimmte dem Staatsvertrag am 12. Juni 1874 zu. Der Vertrag wurde am 2. Januar 1875 wirksam, sodass Oker politisch vereinigt wurde.
20. Jahrhundert mini|Schmelzzyklon der Zinkoxydhütte Oker im Jahr 1989 In den 1920er-Jahren verstärkten sich die Umweltprobleme in Oker durch den Zuzug der Chemischen Fabrik Gebr. Borchers aus der Goslarer Kernstadt im Jahr 1924, in der sie aus Umweltschutzgründen keine Baugenehmigung mehr erhielten. Die Feldgeschworenen der Gemeinde Oker meldeten im Folgejahr Schäden an in Gärten angebauten Lebensmitteln, als deren Ursache die Abgase der neuen Fabrik gesehen wurden.